Liste der Stolpersteine in Aschaffenburg, mit denen der Künstler Gunter Demnig an das Schicksal der Menschen erinnert, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.www.aschaffenburg-stolpersteine.de Die Tabelle ist teilweise sortierbar; die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach dem Familiennamen.
Bild Name Standort Verlegedatum Leben 100px Roßmarkt 10 Glicka Baitel geb. Fried (Fuld) (* 10. August 1869 in Łódź, Russisches Kaiserreich (Polen); † 5. November 1942 Theresienstadt), wohnhaft in Aschaffenburg seit Oktober 1915.Stadtarchiv Aschaffenburg (SSAA-SBZ) Karteikarten der jüdischen Gemeinde Ihr Ehemann Selig Baitel, Mustermacher (* 8. März 1851 in Błędów, Russ. Kaiserr.; † 3. November 1933 in Aschaffenburg, beerdigt im jüdischen Teil des Altstadtfriedhofs Aschaffenburg). Kinder: Zelly Baitel (* 27. Dezember 1897 in Łódź), verh. Moschele Laib Blum in Ludwigshafen am Rhein, Bronja Baitel (* 12. Oktober 1899 in Łódź † im Osten) verh. Simon Ehrlich, Uhrmacher, Aschaffenburg, Benjamin Baitel (* 8. Februar 1902 in Łódź, † 27. Juli 1921 in Aschaffenburg). Sie betrieb einen Weiß- und Manufakturwarenhandel, Roßmarkt 10 (abgemeldet 30. Dezember 1938). Festnahme am 28. Oktober 1938 und Transport an die polnische Grenze, zurücktransportiert.Stadtarchiv Aschaffenburg (SSAA-MK) Einwohner-Meldekarte der Stadt Aschaffenburg Deportiert am 10. September 1942 von Würzburg nach Theresienstadt.Deportationsliste Nürnberg-Würzburg-Theresienstadt 10. September 1942. Sie starb im KZ Theresienstadt (Ghetto)."Holocaust.cz" Opferdatenbank – Ghetto Theresienstadt (Todesfallanzeige)Bundesarchiv-Gedenkbuch 100px Riesengasse 4 Regine Bamberger, geborene Schlachter (* 30. Mai 1880 in Braunsbach), Tochter des Viehhändlers, Lazarus Schlachter (1847–1928) und der Hermine geb. Schulmann (1845–1929),Artikel in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 19. Dezember 1929: „Braunsbach in Württemberg, 25. November 1929“Grabstätte im jüdischen Friedhof in Braunsbach heiratete in Braunsbach den Viehhändler Jakob Bamberger (* September 1877 in Holzheim Kreis Gießen; † 18. Mai 1933 in Gambach (Münzenberg)). Ihr Sohn Manfred (* 9. Mai 1909 in Gambach) emigrierte 1940 in die USA. Die Witwe zog am 14. August 1939 nach Aschaffenburg Sandgasse 53. Von ihrem letzten Wohnsitz, Platanenallee 5, wurde sie am 23. April 1942 über Würzburg nach Kraśniczyn deportiertDeportationsliste Nürnberg-Würzburg-Krasniczyn 25. April 1942 und ermordet. 100px 100px Fabrikstraße 4 Berta Baumann Tochter des Leopold Löwenthal und der Jette Löwenthal, geb. Gernsheimer (* 5.12.1894 in Hösbach) war seit 1924 mit Benno Baumann (* 18. Februar 1899 in Mittelsinn) Sohn des Jakob Baumann (1873–1943) und der Amalie geb. Levi (1874–1940) verheiratet, der am 19. Februar 1940 in die USA emigrierte. Berta Baumann wurde mit ihren minderjährigen Kindern Werner (* 1926 in Nürnberg) und Inge (* 1930 in Aschaffenburg) am 23. April 1942 über Würzburg nach Kraśniczyn deportiert und im Osten ermordet. 100px Fabrikstraße 4 Inge Baumann (* 25. September 1930 in Aschaffenburg) wurde mit ihrer Mutter Berta Baumann geb. Löwenthal und ihrem Bruder Werner (* 1926 in Nürnberg) am 23. April 1942 über Würzburg nach Kraśniczyn deportiert und im Osten ermordet. 100px Badergasse 9 Jakob Baumann (* 25. Januar 1873 in Adelsberg; † 3. Juni 1943 in Theresienstadt), Sohn der Jette Baumann (1849–1930), heiratete am 10. Oktober 1898 in Mittelsinn Amalie Levi (* 24. September 1874 in Mittelsinn; † 22. November 1940 in Aschaffenburg), Tochter des Viehhändlers Josef Levi (1849–1931) und Regine geb. Nußbaum (1846–1900). Sie hatten vier Kinder, Benno (* 18. Februar 1899 in Mittelsinn) verh. mit Berta Löwenthal, Rosa (* 10. April 1902 in Mittelsinn) verheiratete Frank in New York, Rosa (* 10. November 1907 in Mittelsinn) verheiratet mit Julius Löwenthal, Metzger und Ludwig, (* 29. November 1918 in Mittelsinn), Kellner in New York. Jakob Baumann zog am 12. November 1938 zusammen mit seiner Gattin Amalie in die Aschaffenburger Badergasse 9. Amalie Baumann starb am 22. November 1940 und wurde im jüdischen Teil des Aschaffenburger Altstadtfriedhofs beigesetzt. Jakob Baumann wurde am 10. September 1942 von Würzburg ins KZ Theresienstadt deportiert und starb dort. 100px Fabrikstraße 4 Werner Baumann (* 9. Oktober 1926 in Nürnberg) wurde mit seiner Mutter Berta Baumann geb. Löwenthal und seiner Schwester Inge (* 1930 in Aschaffenburg) am 23. April 1942 über Würzburg nach Kraśniczyn deportiert und im Osten ermordet. 100px Pfaffengasse 9 Paul Boschmann (* 4. Juni 1885 in Elberfeld; † 24. Dezember 1940 in Berlin) Sohn des Werkführers Peter Boschmann und der Magdalena geb. Dohmen in Elberfeld. Der Redakteur promovierte zum Doktor der Philosophie und heiratete am 16. September 1916 in Neuss Elisabeth Pfeill (* 27. Juli 1891 in Neuss), Tochter des Besitzers Kurt Pfeill und der Hubertina geb. Rost in Neuss. Das Paar hatte vier Kinder. Am 15. November 1929 zog Dr. Paul Boschmann von Duisburg nach Aschaffenburg, um die Stelle des Chefredakteurs beim Beobachter am Main anzutreten. Seine Familie kam am 1. Februar 1930 nach.Einwohnermeldekarte Stadt Aschaffenburg Dr. Paul Boschmann Die Notverordnung über die Beschränkung des Versammlungs- und Presserechts kommentierte er in einem Leitartikel am 4. März 1933 „Auch ein Todtentanz“ in dem er Bezug nahm auf den gleichnamigen Holzschnitt des Malers Alfred Rethel (1816–1859) für eine mutige Charakterisierung der neuen Zeit: »...als ob’s ein neuer Heiland wär«.Beobachter am Main – Aschaffenburger Anzeiger, Samstag, 4. März 1933 64. Jahrgang Nr. 53 Dies brachte ihm ein sofortiges Berufsverbot und die Entlassung ein. Im Oktober 1933 verließ die Familie Aschaffenburg und zog nach Limburg an der Lahn, später nach Berlin, er fand aber keine sichere Anstellung mehr. Dr. Paul Boschmann war den Schikanen des Nazi-Regimes ausgesetzt und wurde mit Hausdurchsuchungen, Strafanzeigen und Arresten gequält; er starb am 24. Dezember 1940. Seine klare Haltung gegen die Nationalsozialisten hat er nie aufgegeben.Würdigung Stadträtin Rosi Ruf bei der Stolpersteinverlegung am 30. Mai 2015 100px 100px Goldbacherstraße 3 Christina Dina-Lina Bronne (* 19. Februar 1870 in Eichloch Kreis Oppenheim), Tochter des Handelsmanns Abraham Bronne und der Josefine geb. Mohr, kam am 27. Juli 1915 aus Calcar Kreis Cleve in die Goldbacherstraße 3 in Aschaffenburg. Sie wurde am 9. September 1942 über Würzburg in das Ghetto Theresienstadt verbracht und am 29. September 1942 in das Vernichtungslager Treblinka deportiert und dort ermordet. 100px Roßmarkt 29 Emma Cohn (* 10. September 1867 in Höchst im Odenwald) geb. Krämer, Tochter des Mehlhändlers Lösermann Krämer (1830–1910) und der Karoline Eschelsbacher (1842–1904), heiratete am 5. Juli 1900 in AschaffenburgStandesamt Aschaffenburg Nr. 63 vom 5. Juli 1900 den Kaufmann Alfred (Abraham Heynemann Cohn; * 3. Juli 1869 in Halberstadt; † 8. Mai 1901 in Tangermünde), Sohn des Hirsch Heynemann Cohn und der Fanny geb. Ney. Die beiden hatten eine Tochter Elfriede (* 18. Mai 1901 in Aschaffenburg). Emma betrieb 1927 bis 1931 eine Strumpfstrickerei und einen Wollwarenhandel im elterlichen Anwesen Roßmarkt 29; das Geschäft gab sie 1931 auf. Sie wurde am 9. September 1942 über Würzburg in das Ghetto Theresienstadt und am 29. September 1942 in das Vernichtungslager Treblinka deportiert und dort ermordet. Die Tochter Elfriede wurde bereits am 23. April 1942 über Würzburg nach Kraśniczyn deportiert und im Osten ermordet.
Die Geschwister Emma, Regine (* 6. Oktober 1872 in Höchst), Sofie (* 26. Februar 1876 in Höchst) und Flora (* 4. Juni 1878 in Höchst) kamen mit ihren Eltern dem Handelsmann und Bäckermeister Lösermann (Elieser) Krämer (* 22. August 1830 in Höchst; † 29. Oktober 1910 in Aschaffenburg) und der Karoline (Gittel) Eschelbacher (15. August 1842 in Hardheim; † 10. Januar 1904 in Aschaffenburg), am 25. September 1882 nach Aschaffenburg,Aufenthaltsanzeigen SBZ I,200 dort erwarb der Vater 1885 ein Haus im Roßmarkt 29. Von hier wurden Flora Krämer und ihre Nichte Elfriede Cohn am 23. April 1942 über Würzburg nach Kraśniczyn deportiert und im Osten ermordet.