Die Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen 2019 (englisch: FIFA Women’s World Cup 2019) war die achte Ausspielung des bedeutendsten Turniers für Frauenfußball-Nationalmannschaften und wurde vom 7. Juni bis zum 7. Juli 2019 in Frankreich ausgetragen. Es traten 24 Nationalmannschaften zunächst in der Gruppenphase in sechs Gruppen und danach im K.-o.-System gegeneinander an. Zudem diente die WM als Qualifikationsturnier der europäischen Teilnehmer für die Olympischen Sommerspiele 2020.
Vergabe Am 6. März 2014 eröffnete die FIFA das Bewerbungsverfahren für die Weltmeisterschaft im Jahr 2019. Die an der Ausrichtung des Turniers interessierten Mitgliedsverbände mussten bis zum 15. April 2014 eine Interessenserklärung abgeben und bis zum 31. Oktober 2014 die Bewerbungsunterlagen einreichen. Mit der Vergabe der Weltmeisterschaft 2019 verknüpfte die FIFA auch die U-20-Weltmeisterschaft 2018.
Fünf Verbände hatten sich zunächst um die Ausrichtung des Turniers beworben:
Keines dieser Länder hatte zuvor eine Frauenweltmeisterschaft ausgetragen. Neuseeland war 2008 Gastgeber der U-17-Weltmeisterschaft. Interesse an einer Ausrichtung hatten zuvor auch Schweden und Japan bekundet, jedoch auf eine offizielle Interessenserklärung bei der FIFA verzichtet.
Im Juni 2014 zogen England und Neuseeland ihre Bewerbungen zurück. In England wurden niedrige Erfolgsaussichten als Grund genannt, während Neuseeland aus finanziellen Gründen einen Rückzieher machte. Auch Südafrika zog seine Bewerbung noch vor dem Einreichungstermin für die Unterlagen zurück. Nur Südkorea und der französische Verband FFF haben der FIFA am 30. Oktober 2014 in Zürich ihr offizielles Bewerbungsdossier präsentiert. Der französischen Delegation um Noël Le Graët und Brigitte Henriques gehörten auch offizielle Vertreter der Regierung und aller potentiellen Austragungsorte an.
Bei der Abstimmung am 19. März 2015 setzte sich Frankreich durch. Es ist somit die dritte Weltmeisterschaft auf europäischem Boden. Laut Mitteilung ihres Präsidenten Noël Le Graët kalkuliert die FFF mit einem Gesamtbudget von 35 Mio. Euro.France Football vom 1. April 2015, S. 12.
Spielorte
Der französische Fußballverband FFF benannte in seiner Bewerbung elf vorläufige Spielstätten für das Turnier.„Coupe du Monde 2019 – Les onze villes candidates“ vom 31. Oktober 2014 bei footofeminin.fr (französisch). Zehn dieser Spielstätten waren zum Zeitpunkt der Vergabe bereits fertiggestellt bzw. schon seit Jahren im Betrieb, während der Parc Olympique Lyonnais in Décines-Charpieu bei Lyon erst Anfang 2016 fertiggestellt wurde.
Das Stade de la Mosson in Montpellier war einer der Austragungsorte der Männerweltmeisterschaft 1998. Der Parc Olympique Lyonnais sowie das Stadion Allianz Riviera in Nizza waren Spielorte der Männereuropameisterschaft 2016. Das Stadion in Nizza musste aufgrund des Sponsorennamens 2016 allerdings den Namen Stade de Nice tragen. Auch bei der WM 2019 wurde die Bezeichnung verwendet.
Acht der elf Stadien verfügten über eine Kapazität zwischen 20.000 und 30.000 Zuschauern. Das größte Stadion war der Parc Olympique Lyonnais mit einer Kapazität von 61.556 Zuschauern; das kleinste Stadion hingegen, das Stade Jean-Bouin in der Hauptstadt Paris, bot nur Platz für 20.000 Zuschauer. Alle elf Stadien verfügten über einen Naturrasen als Spielfläche. Mit dieser Entscheidung verhinderte die FFF eine Kontroverse wie bei der Weltmeisterschaft 2015, bei der einige Spielerinnen das Turnier wegen der Kunstrasenspielflächen boykottieren wollten.
Im Juni 2017 entschied der französische Verband in Absprache mit der FIFA, die Stadien in Auxerre und Nancy von der Liste zu streichen; außerdem wurde aus der Hauptstadt nicht das kleinere Stade Jean-Bouin, sondern der Parc des Princes ausgewählt. So fanden in folgenden neun Spielstätten WM-Begegnungen statt:„Die neun Stadien stehen fest“ vom 16. Juni 2017 bei footofeminin.fr (französisch).
Grenoble Le Havre Lyon Montpellier Stade des AlpesKapazität: 20.068 Stade OcéaneKapazität: 25.198 Parc Olympique LyonnaisKapazität: 61.556 Stade de la MossonKapazität: 32.932 150x150px 150px 150x150px 150px Nizza Paris Reims Rennes Valenciennes Stade de NiceKapazität: 35.624 Parc des PrincesKapazität: 44.283 Stade Auguste-DelauneKapazität: 21.684 Roazhon ParkKapazität: 29.778 Stade du HainautKapazität: 24.926 150px 150x150px 150px 150x150px 150px
Nach dem endgültigen Plan des Organisationskomitees sollte die Elf der Gastgeberinnen, als Kopf der Vorrundengruppe A gesetzt werden und am 7. Juni 2019 das Eröffnungsspiel im Pariser Prinzenpark bestreiten. Die nächsten beiden Spiele der Französinnen wurden in Nizza und Rennes ausgetragen. Die Gruppenspielphase lief demnach bis zum 20. Juni, die Achtelfinalpartien vom 22. bis 25. und die Viertelfinals vom 27. bis 29. Juni. Als Austragungsort der beiden Halbfinalbegegnungen (2. und 3. Juli) sowie des Endspiels (7. Juli) wurde Lyon ausgewählt; das Spiel um Platz drei fand in Nizza statt.nach dem „offiziellen Turnierkalender“ vom 10. Februar 2018 bei footofeminin.fr (französisch).
Qualifikation
Teilnehmer 9 aus Europa (Gastgeber) * 3 aus Südamerika * 3 aus Nord-, Mittelamerika und Karibik (Titelverteidiger)* 3 aus Afrika* 5 aus Asien 1 aus Ozeanien *Jeweils erstmalige Teilnahme
Modus Fair-Play-Wertung (FP): −1 Punkt + = −3 Punkte −4 Punkte + −5 Punkte je Spielerin und Spiel nur einer der Abzüge Das Team mit weniger Abzügen wird besser bewertet
Jede Mannschaft spielte in der Vorrunde je einmal gegen jede andere Mannschaft der gleichen Gruppe. Ein Sieg wurde mit drei Punkten, ein Unentschieden mit einem Punkt bewertet. Die Gruppenersten, -zweiten und die vier besten Gruppendritten erreichten das Achtelfinale, während die anderen Gruppendritten und -vierten ausschieden. Wären zwei oder mehrere Mannschaften punktgleich gewesen, hätten folgende Kriterien entschieden:FIFA.com: Reglement FIFA Frauen-Weltmeisterschaft ™ (PDF) Artikel 13 bessere Tordifferenz; höhere Anzahl erzielter Tore; höhere Punktzahl aus den Spielen der punkt- und torgleichen Mannschaften untereinander; bessere Tordifferenz aus diesen Spielen; höhere Anzahl erzielter Tore aus diesen Spielen; Fair-Play-Wertung; Losentscheid. Die vier besten Gruppendritten werden wie folgt ermittelt: höhere Punktzahl aus den Gruppenspielen; bessere Tordifferenz; höhere Anzahl erzielter Tore; Fair-Play-Wertung; Losentscheid.
Regeländerungen Beim Turnier galten die zum 1. Juni 2019 vom IFAB vorgenommenen Regeländerungen:IFAB: Summary of main Law changes 2019/20Die Regeln galten noch nicht im Finale der UEFA Nations League, da der Gesamtwettbewerb vor dem 1. Juni 2019 begann. Spielerinnen des angreifenden Teams müssten beim Freistoß bei einer aus mindestens drei Spielerinnen bestehenden Mauer des verteidigenden Teams mindestens einen Meter Abstand halten. Eine Gelbe Karte wegen Trikotausziehen beim Torjubel blieb auch dann erhalten, wenn das Tor z. B. durch Videobeweis aberkannt wurde. Bei einem Abstoß musste der Ball den Strafraum nicht mehr verlassen, um gespielt werden zu können. Die Regeln zum Handspiel wurden präzisiert: Ein durch eine Berührung der Hand oder des Armes erzieltes Tor war ungültig, auch wenn die Berührung unabsichtlich erfolgte oder die Spielerin einer Mitspielerin durch die Ballkontrolle oder -besitz die Möglichkeit zum Torschuss verschaffte. Ein Handspiel liegt vor, wenn durch den Arm oder die Hand die Körperfläche vergrößert wurde oder der Arm bzw. die Hand sich oberhalb der Schulter befand, auch wenn dies unabsichtlich erfolgte. Kein Handspiel lag vor, wenn die Spielerin den Körper beim Fallen mit der Hand oder dem Arm schützen wollten, es sei denn, er vergrößert dadurch die Körperfläche unnatürlich. Kein Handspiel lag bei einem absichtlichen Rückspiel zur Torhüterin vor, wenn diese versuchte, den Ball ohne Benutzung der Hände weiter zu spielen, dies aber misslang und sie dann den Ball berührte. Das Team, welches die Seitenwahl gewann, durfte wählen, ob es entweder den ersten Anstoß ausführen möchte oder auf welcher Seite es das Spiel begann. Bei einem Strafstoß musste die Torhüterin mit mindestens einem Bein auf der Torlinie stehen. Bei einem Verstoß dagegen wurde der Strafstoß wiederholt und die Torhüterin erhielt eine Gelbe Karte. Letztes wurde nach Kritiken von der IFAB am 21. Juni dahingehend modifiziert, dass die Torhüterinnen in Elfmeterschießen dafür keine Gelbe Karte erhielten.reuters.com: „Goalkeepers at World Cup to avoid bookings for stepping off line in shootouts: IFAB“ Bei einem Strafstoß durfte eine verletzte Spielerin, die den Strafstoß ausführte, vorher auf dem Feld kurz behandelt werden. Bei einer Auswechslung musste eine Spielerin das Feld auf dem kürzestmöglichen Weg verlassen. Mannschaftsoffizielle konnten bei einem Regelverstoß eine gelbe oder rote Karte erhalten. Sollte die Person, die den Verstoß begangen hatte, nicht eindeutig identifizierbar werden, erhielt der Cheftrainer die Karte, wenn er sich in der technischen Zone befand. Bei einem Schiedsrichterball erhielt im Strafraum die Torhüterin und außerhalb eine Spielerin der Mannschaft, die ihn zuletzt berührte, den Ball, wo er zuletzt berührt wurde. In allen Fällen mussten die anderen Spielerinnen mindestens vier Meter Abstand halten. Berührte der Ball die Schiedsrichterin oder einen anderen Spieloffiziellen und geht dadurch ins Tor, wechselte der Ballbesitz oder wird ein vielversprechender Angriff gestartet, gab es Schiedsrichterball. Womit die alte Regel, dass der Schiedsrichter Luft ist, aufgehoben wurde.
Dass diese Regeln erstmals bei diesem Turnier und nicht bei teilweise parallel laufenden Wettbewerben der Männer angewandt wurden und die Frauen somit als „Versuchskaninchen“ (engl. Guinea pigs) dienten, wurde teilweise mit dem Vorwurf des „Sexismus“ kritisiert.telegraph.co: Fifa accused of sexism and causing referee chaos with VAR use in Women's World Cup
Auslosung Die Auslosung der Endrundengruppen erfolgte am 8. Dezember 2018 in Paris. Dazu wurden die 24 teilnehmenden Mannschaften anhand der einen Tag zuvor veröffentlichten FIFA-Weltrangliste auf vier Lostöpfe à sechs Teams verteilt. Jeder der sechs Gruppen wurde je ein Teilnehmer aus jedem dieser Töpfe zugelost, wobei Mannschaften aus demselben Kontinentalverband in dieser ersten Runde nicht aufeinandertreffen durften – mit Ausnahme des europäischen Verbandes, der neun Teilnehmer stellte, weshalb es drei Gruppen mit zwei und drei weitere Gruppen mit einem Team aus Europa gab.„Modalitäten der WM-Auslosung“ vom 2. Oktober 2018 bei fff.fr
Topf 1: Frankreich (Gruppe A), USA, Deutschland, England, Kanada, Australien
Topf 2: Niederlande, Japan, Schweden, Brasilien, Spanien, Norwegen
Topf 3: Südkorea, China, Italien, Neuseeland, Schottland, Thailand
Topf 4: Argentinien, Chile, Nigeria, Kamerun, Südafrika, Jamaika
Die Auslosung ergab folgende Gruppen:
Gruppe A Gruppe B Gruppe C Gruppe D Gruppe E Gruppe F (4) (2) (6) (3) (5) (1) (14) (16) (15) (20) (46) (34) (12) (13) (10) (37) (19) (39) (38) (49) (53) (7) (8) (9) Anmerkung: In Klammern Position in der FIFA-Weltrangliste vor der WM.
Vorrunde Der Zeitplan wurde von der FIFA am 8. Februar 2018 veröffentlicht.
Gruppe A
Gruppe B
Gruppe C
Gruppe D
Gruppe E
Gruppe F
Rangliste der Gruppendritten Für die Rangfolge der Gruppendritten galten folgende Kriterien: Anzahl Punkte aus allen Gruppenspielen Tordifferenz aus allen Gruppenspielen Anzahl der in allen Gruppenspielen erzielten Tore geringere Anzahl an Fair-Play-Punkten (FP) Losentscheid
!! !! !! !! FP || 7 || 0 || 0 || 7 || 5 || 0 || 0 || 5 || 6 || 0 || 0 || 6 || 5 || 1 || 0 || 8 || 5 || 0 || 0 || 5 || 3 || 0 || 0 || 3
Einordnung der qualifizierten Gruppendritten in das Achtelfinale Die Zuordnung der für das Achtelfinale qualifizierten Gruppendritten zu den vier vorher festgelegten Achtelfinalspielen mit Gruppendritten hing davon ab, aus welchen Gruppen sich die Dritten qualifizierten.