mini|hochkant|Carl Peter von Le Fort.
Carl Peter Johann Reichsfreiherr von Le Fort, auch Carl Johann Peter von Le Fort, Johann Carl Peter von Le Fort, Peter von Le FortSelbstbenutzte Namensform in Stammbüchern der Studentenzeit. (* 24. Mai 1794 in BerlinDie Angabe des Geburtsortes folgt der Beurkundung seines Todes im Kirchenbuch Lärz. Andere Quellen nennen mitunter Möllenhagen als seinen Geburtsort, was aber durch seine Biographie als eher unwahrscheinlich erscheint. Das angegebene Geburtsdatum (24. Mai 1794) folgt seiner Grabsteininschrift in Boek. Genealogische Literatur nennt häufiger abweichend 1796 als sein Geburtsjahr. Auch der kirchenamtliche Sterbeeintrag zu seinem Tod gibt 1862 sein Alter mit 66 Jahren, 1 Monat an, was auf seine Geburt im Mai 1796 hindeutet. Ein Kirchenbuchnachweis seiner Geburt/Taufe wurde bisher nicht bekannt.; † 22. Juni 1862 in Boek)Lebensdaten: Familiengrabstätte in Boek. Der Sterbeort folgt der Landesbibliographie MV. war ein deutscher Gutsherr und Landrat von Mecklenburg-Schwerin. Er stand zeitweise in französischen Diensten und war Besitzer der Güter Gottin und Tellow bei Teterow sowie Wendhof und Poppentin bei Göhren-Lebbin.Stephan Baron Le Fort: Typoskript. Boek, den 26. Juli 1934. Historische Bedeutung gewann er als Klosterhauptmann im Landeskloster Dobbertin.
Herkunft
Carl Peter von Le Fort war der ältere Sohn des mecklenburgischen Gutsbesitzers Ludwig (August) Reichsfreiherr von Le Fort (1760–1831) und dessen Ehefrau Marie, geb. Splitgerber († 1811).
Leben Le Fort studierte ab 1811 an der Georg-August-Universität Göttingen. 1811 wurde er Mitglied des Mecklenburger-Corps Vandalia Göttingen.Kösener Korps-Listen von 1798 bis 1910, Hrsg. Karl Rügemer, Verlag der Academischen Monatshefte, Druck und Verlagsanstalt Carl Gerber GmbH München, Starnberg 1910, 87/71.Hans Peter Hümmer, Michaela Neubert: Spurensuche zur Jenaer und Göttinger Vandalia im Stammbuch (1812–1816) Adolph Goetze aus Neustrelitz. In: Einst und Jetzt, Bd. 60 (2015), S. 67 ff. (S. 87) Nach dem Studium ging er zunächst nach London und Amsterdam und wurde Handelsherr. In London machte er die Bekanntschaft mit dem erfolgreichen Rostocker Kaufmann und Kapitän Caspar Christoph Michael Brinckman. Dessen Sohn John Brinckman war als plattdeutscher Dichter und Lehrer von 1844 bis 1846 beim Klosterhauptmann Le Fort als Hauslehrer in Dobbertin tätig.Brautbriefe Brinckmans 1842–1845, Museum Güstrow, RA 51, Brief 60, Dobbertin 5. November 1844. In Amsterdam lernte Le Fort seine spätere Frau Henriette (Marie) Splitgerber, die Tochter des Gutsbesitzers David Splitgerber aus Bronstee bei Harlem und der Johanna Gisberta, geborene Harderwyk, kennen. Die Heirat am 31. Mai 1836 erfolgte in Amsterdam zunächst bürgerlich durch den Schöppen Deutz, danach religiös in der wallonischen Kirche zu Amsterdam vom Prediger Mournier. Im Sommer 1836 übernahm Le Fort das kleine väterliche Gut in Wendhof.Horst Alsleben: Verdienstvolle Persönlichkeiten des Klosteramts. 2012 S. 50–51.J. H. Becker: Doberan im Sommer 1837. Verlag Hinstorff, Parchim, Ludwigslust 1837. S. VOO. Ab 1842 erwarb er vom Vize-Landmarschall Adolph (Friedrich Karl) von Oertzen (1797–1867) als Liquidator des Nachlasses von dessen Schwiegervater Carl von Pentz (1776–1827) noch das Gut mit der Patronatskirche in Boek am südöstlichen Ufer der Müritz und erhielt es vom Großherzog Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin zum Lehen.LHAS 2.21-2 Lehnkammer. Lehnakten II. Nr. 51.
Klosterhauptmann in Dobbertin mini|hochkant|Klosterhauptmannshaus in Dobbertin (2011).
Als Mitglied des Mecklenburgischen Landtags wurde Le Fort am 2. Dezember 1835 in Sternberg in das wichtige Amt des Dobbertiner Klosterhauptmanns gewählt.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 371a Einführung der Klostervorsteher 1691–1921. Die schriftliche Bestätigung durch den Großherzog Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin erfolgte am 5. Dezember 1835. Der bisherige Klosterhauptmann Victor (Wilhelm August Friedrich Eugen) von Oertzen auf Leppin war am 12. August 1835 im Alter von 40 Jahren in Dobbertin verstorben.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 8 Sterbefälle. Nach Erhalt der Bestallungsurkunde zog Le Fort mit seiner Frau einen Monat nach der Hochzeit mit einer feierlichen Einführung am 24. Juni 1836 in das Amtshaus im Kloster Dobbertin ein. Zu dieser Zeit waren im Klosteramt als Provisoren der Landrat Hans Dietrich Wilhelm von Blücher auf Sukow und Major Heinrich Franz von Barner auf Klein Görnow tätig. Nach dem Protokoll des Amtsactuars Ludwig Lierow vom 24. Juni 1836 fand die Vorstellung des Klosterhauptmanns Carl Peter Baron von Le Fort, Erbherr auf Wendhof, vor dem Konvent mit der Frau Domina als Vorsteherin im Chorsaal statt. Durch Krankheit der Domina Elisabeth Friedrike von Rohr nahm die Unterpriorin Christina Louise Elisabeth von Blücher die Vorstellung aller 32 Konventualinnen vor. Die Vorstellung des Klosterhauptmanns vor den klösterlichen Beamten und deren Vereidigung, darunter auch die Dorfschulzen, Pastoren, Förster und Landreiter als Klosterpolizist, erfolgten danach in der Gerichtsstube.
Die Amt des Klosterhauptmanns wurden so gesehen: Die ganze Sorge der Verwaltung ruht auf den Schultern des Klosterhauptmanns, der, mit seiner Familie am selben Ort wohnend, der Anwalt der Klosterdamen ist. An ihn richten sie jede Bitte um bauliche Veränderungen oder was es sonst sein mag, und die Familie des Klosterhauptmanns bildet, wenn dieselbe ihre Stellung richtig auffaßt, den Mittelpunkt des klösterlichen Lebens. Gern wählt der Landtag daher den Klosterhauptmann aus älteren Familien des Landes, damit er seinen alten Damen die rechte Pietät entgegenbringt, und von vorgerückten Jahren, damit seine Frau nicht mehr durch kleine Kinder gebunden, sondern frei ist, sich dem Verkehr mit den Damen liebenswürdig zu widmen.Wolf Karge: Le Fort und Boek. 2014 (Manuskript unveröffentlicht) Carl Peter von Le Fort kam weder aus einer der ältesten Familien des Landes, noch hatte er mit gerade erst 40 Jahren das vorgerückte Alter.
Doch Le Fort leistete als Kaufmann eine hervorragende Arbeit in der Verwaltung des Klosteramtes, so dass er auf den Landtagen dreimal auf sechs Jahre bis 1854 zum Klosterhauptmann gewählt wurde.Horst Alsleben: Verdienstvolle Persönlichkeiten des Klosteramts. 2012 S. 50–51. Gleich nach seinem Amtsantritt kam es im Kloster zu einer regen Bautätigkeit. Die Doppelturmanlage der Klosterkirche wurde 1837 vollendet. Danach besorgte er Geld für den äußeren Kirchenumbau. Le Fort führte auch die Baukonferenzen mit seinen beiden Provisoren von Blücher auf Sukow und nun Johann Jakob von Leers auf Schönfeld, dem Küchenmeister Christoph Friedrich Behrens, dem Amtsaktuar Ludwig Lierow sowie dem jungen Schweriner Hofbaumeister Georg Adolph Demmler, der die Entwürfe lieferteUlrich Hermanns: Der neugotische Umbau der Klosterkirche. 2012 S. 131–133., und dem für die restauratorische Betreuung zuständigen Denkmalpfleger, dem Geheimen Archivrat Georg Christian Friedrich Lisch aus Schwerin, bis zu seiner Vollendung 1851 durch.LHAS 10.09.L/06 Personalnachlass Lisch, Friedrich (1801–1883) Nr. 193 Restaurierung der Kirche in Dobbertin. Das neue Küchenmeisterhaus wurde 1845 fertiggestellt. Die im Klosterdorf eingerichtete Kleinkinderschule, der Dorfkindergarten, wurde 1846 vergrößert und von den Klosterdamen betreut. In den größeren Klosterdörfern wurde nach 1846 mit der Erneuerung der Schulhäuser begonnen und 1853 ließ Le Fort in Dobbertin noch eine Bildungsanstalt zur Ausbildung junger klostereigener Landschullehrer einrichten.Horst Alsleben: Das Jungfrauenkloster als evangelisches Damenstift – Ein Klosteramt in Mecklenburg-Schwerin. In: Kloster Dobbertin. Geschichte – Bauen – Leben. in: Beiträge zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern; Band 2, Red. Sabine Bock, Selbstverlag Landesamt für Kultur und Denkmalpflege, Schwerin 2012, S. 50–51. ISBN 978-3-935770-35-4. Klosterprediger Christian Heinrich Mahn und der erste Lehrer Ahrend leiteten die Anstalt, der Küchenmeister Behrend lehrte den Junglehrern das Orgelspiel auf der eigens durch den Orgelbauer Ernst Sauer dafür gebauten kleinen Schul-Orgel.Horst Alsleben: Kloster war Bildungsort für Landschullehrer. SVZ, Lübz 20. Oktober 2005.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 1302 Hauptregister des Klosters Amts Dobbertin 1866.
Ein Verdienst Le Forts war 1838 auch die Übergabe der Originalurkunden des Klosters Dobbertin an den Geheimen Archivrat Lisch in Schwerin zur Veröffentlichung in den Mecklenburgischen Urkundenbüchern und deren sichere Aufbewahrung im Landeshauptarchiv Schwerin.LHAS 10.09-L/6 Personennachlass Lisch, Friedrich. Nr. 640 Veröffentlichung von Urkunden aus dem Kloster Dobbertin und deren sichere Aufbewahrung im Landeshauptarchiv Schwerin. Aktiv arbeitete Le Fort auch im Verein für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde.Franz Schildt: Matrikel des Vereins für mecklenburgische Geschichte und Alterthumskunde 1835 bis 1885. Hrsg. Verein für Me(c)klenburgische Geschichte und Altert(h)umskunde, (1885) Band 50. Matrikel/Mitgliederliste. Stand 12. März 1885.
Durch den Ludwigsluster Schlossgärtner Carl Schweer ließ Le Fort ab 1841 auf dem Großen Werder den Klosterpark mit Pavillon und Rasentennisplatz bis zur Klostermühle anlegen. Dazu ließ Le Fort durch den Kammeringenieur und Landvermesser des Klosteramtes, Heinrich Christoph Stüdemann aus Ruest, noch 1841 einen colorierten Plan von dem Kloster Dobbertin mit Umgebungen mit Der kleine Werder und Der große Werder anfertigen.Matthias Proske: Rahmenplan für die Klosteranlage Dobbertin. In: Kloster Dobbertin, Geschichte – Bauen – Leben. Red. Sabine Bock, Selbstverlag Landesamt für Kultur und Denkmalpflege, Schwerin 2012, S. 370, 371, 376. ISBN 978-3-935770-35-4.
Während der Revolution von 1848 wurde im Mai 1848 in Schwerin ein außerordentlicher Landtag abgehalten, an dem auch Le Fort teilnahm. Die Verhandlungen zu einer neuen Landesverfassung dauerten drei Wochen. Die Veränderungen wurden schon 1850 rückgängig gemacht. Als am 13. August 1853 der Großherzog Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin vom Kloster Malchow zu Besuch ins Kloster Dobbertin kam, war Le fort mit seiner Familie einfach nach Holland abgereist. Die Führung des Großherzogs durch das Kloster erfolgte durch die 74-jährige Frau Domina Hedwig von Quitzow.LHAS 5.11-2 Landtagsprotokolle, Sternberg 16. November 1853.
Alle vier Kinder der Eheleute Carl Peter von Le Fort und Henriette (Marie), geborene Splitgerber sind in Dobbertin geboren und wurden in der Klosterkirche getauft. Nach der Geburt des ersten Sohnes David (Ludwig Johann Peter Heinrich) am 25. Februar 1838 waren zur Taufe durch den Klosterpastor Christian Heinrich Mahn auch die Schwiegereltern David und Johanna Splitgerber aus Amsterdam angereist. Als Taufpaten waren der Klosterprovisor Hans Dietrich von Blücher und der Kammerherr August Peter David von Le Fort auf Poppentin anwesend.Kirchenbuch Dobbertin 1805–1905: Geborene und Getaufte in der Gemeinde Februar 1838. Am 22. März 1840 wurde Ludwig (Friedrich Peter) geboren. Zu seiner Taufe am 9. Mai 1840 war als Pate nur noch David Splitgerber aus Amsterdam anwesend, weiter Elisabeth Charlotte von Storch auf Diestelow, eine geborene Gräfin von Bassewitz. Beide blieben wie ihre am 12. Mai 1843 geborene Schwester Aletta (Wynanda Emma Pauline) unverheiratet. Der dritte am 9. Oktober 1841 geborene Sohn Franz (Jacob Heinrich Carl Peter) heiratete am 1. Mai 1872 Henrietta von Kardorf, blieb ohne Nachkommen und verstarb am 31. Dezember 1896 als Major und Kammerherr des Schweriner Großherzogs in Ludwigslust.Stephan Baron Le Fort: Typoskript. Boek, den 26. Juli 1934.LHAS 2.26-2 Hofmarschallamt. Nr. 3459.Rufnamenformen nach: Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser 1899. Jg. 49, Justus Perthes, Gotha 1898, S. 547–548. (Digitalisat)