Tuschino (, , ) ist der gemeinsame Name dreier ursprünglich eigenständiger Ortschaften in der russischen Oblast Kaliningrad. Tuschino gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Neman im Rajon Neman.

Besiedelt ist fast nur noch das ehemalige Lobellen. Im ehemaligen Nettschunen/Dammfelde sind kaum noch Häuser vorhanden. Die Ortsstelle Dirwonuppen/Ackerbach ist verlassen.

Geographische Lage Tuschino liegt an der Regionalstraße 27A-025 (ex R508) zwölf Kilometer südöstlich der Rajonstadt Neman (Ragnit). Ein Bahnanschluss besteht nicht.

Geschichte Nettschunen (Dammfelde)

Nettschunen, zunächst mit Neszunen bezeichnet, war im 18. Jahrhundert ein königliches Bauerndorf.Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, Volständige Topographie vom Litthauischen Cammer-Departement, S. 104. 1874 wurde die Landgemeinde Nettschunen dem neu gebildeten Amtsbezirk Titschken im Kreis Ragnit zugeordnet.Rolf Jehke, Amtsbezirk Titschken/Tischken 1930 gelangte die Gemeinde in den Amtsbezirk Raudszen.Rolf Jehke, Amtsbezirk Raudszen/Raudschen/Rautengrund 1938 wurde Nettschunen in Dammfelde umbenannt.

In Folge des Zweiten Weltkriegs kam der Ort mit dem nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1867Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preussischen Staates und ihre Bevölkerung nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871, Berlin 1874 354 1871 338 1885Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, I. Provinz Ostpreußen, Berlin 1888 304 1905Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, Heft 1, Provinz Ostpreußen, Berlin 1907 250 1910 212 1933Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich, Teil I: Altreich und Land Österreich. Herausgegeben vom Statistischen Reichsamt, Vierte Auflage, 1939 262 1939 249

Lobellen / Russino Lobellen war spätestens seit dem 18. Jahrhundert ein Vorwerk des Remonteamts Neuhof-Ragnit,Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, Volständige Topographie vom Litthauischen Cammer-Departement, S. 88. zu dem auch eine Wassermühle und eine Schäferei gehörten. Seit etwa 1880 bildete Lobellen einen eigenständigen Gutsbezirk, der zum Amtsbezirk Raudszen gehörte. Dazu gehörten auch die beiden an der Memel gelegenen Vorwerke Bambe und NemonjeAuch mit Nemondje bezeichnet, ab 1938 Monje (, nicht mehr vorhanden, die Ortsstelle befindet sich heute im Rajon Krasnosnamensk), die auf den dortigen Wiesen Heu für die Pferdezucht produzierten. Ab 1922 wurde der Gutsbezirk von der Ostpreußischen Landgesellschaft aufgesiedelt und 1924 in eine Landgemeinde umgewandelt. Siedler waren vor allem Arbeiter des Gutes und der Schäferei. Es entstanden 24 Hofstellen.

Der Ort wurde im Jahr 1945 in Folge des Zweiten Weltkrieges der Sowjetunion zugeordnet. Im Jahr 1950 erhielt Lobellen den russischen Namen Russino und wurde dem Dorfsowjet Bolschesselski im Rajon Sowetsk zugeordnet.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 5 июля 1950 г., №745/3, «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung 745/3 des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte des Gebiets Kaliningrad" vom 5. Juli 1950)

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Bemerkungen 1871 132 Als Teil des Remontedepots Neuhof-Ragnit 1885 164 Davon in den Vorwerken Bambe 17 und Nemonje 8 1905 174 Davon in den Vorwerken Bambe 20 und Nemonje 8 1910 163 1933 189 1939 194

Dirwonuppen (Ackerbach) / Kostromskoje

Dirwonuppen, das auch mit Schudicken bezeichnet wurde, war wie Nettschunen im 18. Jahrhundert ein königliches Bauerndorf,Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, Volständige Topographie vom Litthauischen Cammer-Departement, S. 29. das vier große Wirtschaften umfasste. Seit 1874 gehörte die Landgemeinde Dirwonuppen zum Amtsbezirk Titschken. 1938 wurde Dirwonuppen in Ackerbach umbenannt.

Der Ort kam 1945 zur Sowjetunion. Im Jahr 1950 erhielt er den russischen Namen Kostromskoje und wurde dem Dorfsowjet Bolschesselski im Rajon Sowetsk zugeordnet.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1867 105 1871 103 1885 77 1905 95 1910 104 1933 88 1939 90

Tuschino Im Jahr 1947 erhielt Nettschunen resp. Dammfelde die russische Bezeichnung Tuschino und wurde gleichzeitig in den Dorfsowjet Bolschesselski selski Sowet im Rajon Sowetsk eingeordnet.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 ноября 1947 г. «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte des Gebiets Kaliningrad" vom 17. November 1947) Vor 1975 wurden die beiden Orte Kostromskoje (s. o.) und Russino (s. o.) an Tuschino angeschlossen.Gemäß der Административно-территориальное деление Калининградской области 1975 (Die administrativ-territoriale Einteilung der Oblast Kaliningrad 1975, herausgegeben vom Sowjet der Oblast Kaliningrad) auf http://www.soldat.ru/ (rar-Datei). Von 2008 bis 2016 gehörte Tuschino zur städtischen Gemeinde Nemanskoje gorodskoje posselenije und seither zum Stadtkreis Neman.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1984Sowjetische Topographische Karte 100k--n34-045 ~ 120 2002Allrussische Volkszählung von 2002 82 2010Allrussische Volkszählung von 2010 82

Kirche Wie in fast allen nordostpreußischen Städten und Dörfern war die Bevölkerung vor 1945 auch in Nettschunen (Dammfelde), Lobellen und Dirwonuppen (Ackerbach) fast ausnahmslos evangelischer Konfession. Hatten die Orte noch bis 1897 zur Kirche in Ragnit gehört, so waren sie dann in das neu gegründete Kirchspiel der Kirche Groß Lenkeningken (von 1938 bis 1946 hieß der Ort: Großlenkenau, heute russisch: Lesnoje) eingepfarrt. Sie war Teil der Diözese Ragnit im Kirchenkreis Tilsit-Ragnit innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Heute liegt Tuschino im weitflächigen Einzugsbereich der neu entstandenen evangelisch-lutherischen Gemeinde in Sabrodino (Lesgewangminnen, 1938 bis 1946 Lesgewangen), die zur Propstei Kaliningrad (Königsberg) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland gehört.

Schule In Nettschunen/Dammfelde gab es zunächst eine einklassige, dann eine zweiklassige Schule, die auch für die Orte Lobellen, Dirwonuppen/Ackerbach und Jucknaten/Fuchshöhe zuständig war.

Literatur Ernst Hofer: Am Memelstrom und Ostfluß. Düsseldorf 1967 (Darin Dammfelde (Nettschunen) einschl. Ackerbach und Fuchshöhe, S. 25–28, Lobellen, S. 43–45).

Weblinks Tuschino bei bankgorodov.ru Tuschino bei prussia39.ru (Kreis Ragnit) bei GenWiki Lobellen bei GenWiki bei GenWiki D. Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Dammfelde D. Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Lobellen D. Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Ackerbach

Einzelnachweise

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