mini|Hallenser Senioren-Convent (1884) Der Hallenser Senioren-Convent ist der Senioren-Convent der Corps an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Mit seiner über 200-jährigen Geschichte gehört er zu den ältesten studentischen Institutionen.
Geschichte Die alten Landsmannschaften Nach der Gründung der Friedrichs-Universität Halle im Jahr 1694 sind auch alte Landsmannschaften schon bald nachweisbar. Von deren Existenz zeugt ein königliches Hof-Reskript vom 22. November 1717, das die Behörden veranlasste, Landsmannschaften zu unterdrücken.W. Fabricius: Die deutschen Corps. S. 79–80. In der Folge etablierten sich die von anderen Universitätsstädten bekannten Orden, doch auch Landsmannschaften tauchten immer wieder auf, standen jedoch meist mit einem der Orden in näherer Verbindung. Bei der Huldigung des Ministers Eberhard von der Recke am 21. Oktober 1786 sind Schlesier, Magdeburger, Westfalen, Märker, Ostfriesen, Preußen, Halberstädter und Pommeraner nachgewiesen, die auch schon bestimmte Farben an ihren Uniformen und Hüten trugen.F. W. König: Aus zwei Jahrhunderten. S. 1.
Die Hallenser Kränzchen 1789–1813 Abgrenzung zu den Orden und erstes Verbot Mit der Stiftung des westfälischen Kränzchens 1789 änderte sich die Stellung der Kränzchen zu den Orden und sie begannen sich deutlich von letzteren abzugrenzen. Dem Beispiel der Westfalen folgten 1791 die Schlesier, Pommern und Märker und 1792 die Magdeburger, die nun offen ordensfeindlich auftraten und ihren Mitgliedern die Mitgliedschaft in einem Orden untersagten.W. Fabricius: Studentenorden. S. 25. Die ersten Jahre sind oft davon geprägt, dass Ordensmitglieder versuchten die Kränzchen zu unterwandern und zu sprengen, was ihnen nur teilweise gelang. Im Jahr 1795 stiftete sich außerdem noch ein halberstädtisches Kränzchen. Da auch die Behörden versuchten, die Orden zu unterdrücken, duldeten sie die Kränzchen zunächst, da sie ihnen dabei behilflich waren. Dies ging so weit, dass Professoren öffentliche Kommerse der Kränzchen besuchtenW. Fabricius: Die deutschen Corps. S. 183–184. und Vertreter der Marchia 1794 sogar nach Berlin reisten, um mit dem Kultusminister über das bevorstehende Universitätsjubiläum zu beraten. Nachdem die Orden weitestgehend zurückgedrängt waren, begannen die Behörden auch die Kränzchen zu verfolgen und es erging am 8. März 1796 ein erstes Verbot, weshalb sich alle Kränzchen am 31. März 1796 auflösten. Die meisten rekonstituierten aber schon wenige Monate später.F. W. König: Aus zwei Jahrhunderten. S. 128–129.
Kartellpunkte der Kränzchen um 1800 Ein historisch wertvolles Dokument ist uns mit den leider undatierten Kartellpunkten der Hallenser Kränzchen überliefert. Da Südpreußen, das erst 1793 aus Teilen Großpolens gebildet worden war als Rekrutierungsgebiet der Schlesier genannt wird und sowohl die Kränzchen der Magdeburger und Halberstädter noch erwähnt werden, legte Friedrich Wilhelm König den Entstehungszeitraum auf 1793–1802 fest.F. W. König: Aus zwei Jahrhunderten. S. 131. Anhand der Erwähnung der Halberstädter, die erst 1795 gestiftet wurden, hätte er den Zeitraum schon weiter eingrenzen können. Dies tat nach ihm Wilhelm Fabricius, der aufgrund der Annahme, die Magdeburger hätten erst 1799 angefangen, Sachsen in ihre Reihen aufzunehmen, den Zeitraum auf 1799–1801 einengte.W. Fabricius: Die deutschen Corps. S. 182. Da die Aufnahme von Sachsen bei den Magdeburger aber nachweislich schon mindestens seit Februar 1796 erfolgte, verwarf Erich Bauer diese Einschätzung und vermutete, das in Stammbucheinträgen zu findende Datum vom 12. Mai 1799 sei das Entstehungsdatum der Kartellpunkte.E. Bauer: Aus der Vorgeschichte der Saxonia zu Halle (1802–1896), in: Einst und Jetzt, Band 10 (1965), S. 172. Allerdings kann auch diese Datierung nicht korrekt sein, da ihm entgangen ist, dass das märkische Kränzchen erst Anfang September 1799 rekonstituiert wurde und daher im Mai 1799 wohl kaum Erwähnung in den Kartellpunkten gefunden hätte. Da andererseits die Halberstädter und Westfalen erwähnt sind, und letztere noch vor Stiftung der Halberstädter (21. Mai 1795) im März 1795 suspendiert hatten, kommt nur ein Zeitraum für die Entstehung der Kartellpunkte in Betracht. Sie müssen zwischen der Rekonstitution der Märker am 5. September 1799 und dem am 3. November 1801 veröffentlichten Aufruf zur Selbstanzeige der Kränzchen entstanden sein. Eine genauere Datierung muss weiteren Erkenntnissen vorbehalten bleiben. In den Kartellpunkten sicherten sich die Kränzchen gegenseitige Unterstützung zu und teilten die Kantone unter sich auf. Damit wurde jedem Kränzchen ein bestimmtes Gebiet zugeordnet aus dem es Nachwuchs rekrutieren konnte, wobei der Geburtsort maßgeblich war. Außerdem enthalten die Kartellpunkte Bestimmungen über die Beilegung von Streitigkeiten und die Ausführung von Partien und Duellen.
Verbot, Duell bei Reideburg und Auflösung der Universität mini|Silhouette des Sachsen Kahmann, der am Duell bei Reideburg beteiligt war Zum Jahrhundertwechsel veranstalteten die Kränzchen am 31. Dezember 1800 einen Fackelzug durch die Stadt. In Halle verkehrten sie um diese Zeit hauptsächlich in der Egge, dem Lokal des Gärtners Krause vor dem Steinthor und dem Barthschen Weinberg. Partien fanden im Gasthaus des Zacharias Schmidt in Reideburg, auf der Dölauer Heide, im Wald bei Liebenau und in Böllberg statt.F. W. König: Aus zwei Jahrhunderten. S. 138. Einige Monate später, am 3. November 1801, wurde ein Publikandum veröffentlicht, in dem die Kränzchen aufgefordert wurden sich beim Senat selbst anzuzeigen. Gleichzeitig wurde ihnen darin Straffreiheit bei gleichzeitiger Selbstauflösung in Aussicht gestellt. Alle bestehenden Kränzchen – Westfalen, Halberstädter, Magdeburger, Schlesier, Märker und Pommern – kamen dem Aufruf nach und meldeten die Anzahl ihrer Mitglieder. Daraufhin erging am 26. Januar 1802 ein offizielles Verbot der Kränzchen.F. W. König: Aus zwei Jahrhunderten. S. 139. Sie blieben allerdings nicht lange suspendiert, sondern haben praktisch einfach fortbestanden, so dass das neuerliche Verbot genauso wirkungslos blieb wie schon frühere Versuche die Kränzchen zu unterdrücken. In der Folgezeit vereinigten sich die Magdeburger und Halberstädter, die schon früher zusammenhingen und zahlenmäßig am schwächsten waren, am 21. Juni 1802 zur Saxonia.E. Biesalski: „Fide, sed cui vide“. S. 176. Dass das Verbot von den Studenten nicht beachtet wurde, blieb auch den Behörden nicht lange verborgen, nachdem das Fortbestehen der Kränzchen nach dem Duell bei Reideburg offenkundig wurde. Im Jahr 1801 waren einige Hallenser Studenten zu Gast in Leipzig gewesen, wo sie von Leipziger Studenten in ihrer Unterkunft bedrängt und beschimpft wurden. Daraufhin verhängte die Hallenser Studentenschaft über die Leipziger den Verschiss. Im Jahr 1803 kam es zu Verhandlungen zwischen den beiden Studentenschaften und man einige sich darauf, die Sache mit sechs Partien am 13. März 1803 bei Reideburg zu bereinigen. Als erstes fochten der Pommer Gibson und der Sachse Kahmann, die ihren Leipziger Gegenpaukanten jeweils verwundeten. Als drittes trat der Märker Oppen an, der aufgrund eines Schmisses im Gesicht abgeführt werden musste. mini|Westfälische, sächsische und schlesische Burschentracht in Halle um 1805In der vierten Partie wurde der Westfale Wiedenhoff von seinem Gegenpaukanten derart schwer verwundet, dass er kurz darauf seinen Verletzungen erlag.W. Fabricius: Die deutschen Corps. S. 225–226. Nun wurde mit aller Härte gegen die Kränzchen vorgegangen und die an den Partien Beteiligten wurden jeweils zu zehn Jahren Festungshaft verurteilt, von denen ihnen später sieben erlassen wurden.W. Bruchmüller: Ein Propatriaskandal. S. 329. In der Folge des Duells lösten sich die Kränzchen wohl offiziell auf, bestanden aber wie schon zuvor im Geheimen weiter. Schon am 10. September 1803 unterzeichneten sie einen neuen Comment.E. Biesalski: „Fide, sed cui vide“ S. 179. In der folgenden Zeit wird es etwas ruhiger um die Kränzchen, da auch die Universitätsbehörden akzeptiert hatten, dass sie nicht völlig auszurotten waren. Die Tagebücher Eichendorffs und seine Beschreibungen des Burschenlebens und der Burschentracht in Halle sind für diese Zeit eine wichtige Quelle.E. Bauer: Joseph v. Eichendorff als Student in Halle und Heidelberg. In: Einst und Jetzt, Band 6 (1961), S. 5–23. Am 17. Oktober 1806 wurde Halle von den Franzosen erobert und Napoleon ließ die Universität schon zwei Tage später aufheben. Somit kam auch das korporative Leben in Halle zum Erliegen.
Oelze’scher Skandal 1810 Nach der Wiedereröffnung der Universität Ostern 1808 sind bald Saxonia und Guestphalia durch einen Briefwechsel mit Studenten der Universität Helmstedt wieder nachweisbar. Dort hatten sich zwei gleichnamige Kränzchen gebildet, die sich nach kurzer Zeit aufgrund des behördlichen Drucks wieder auflösen mussten. Deshalb schimpften die Hallenser diese in einem Brief „elende Wichte“, woraufhin ihnen die Helmstedter „dumme Jungen“ erwiderten. Beide Parteien steckten sich daraufhin gegenseitig in Verruf. Als die Universität Helmstedt Ostern 1810 aufgelöst wurde, kamen zahlreiche Studenten von dort nach Halle, um ihr Studium fortzusetzen. Darunter war auch der Student Oelze, der zuvor Angehöriger der sächsischen Landsmannschaft in Helmstedt gewesen war und als solcher noch im Verruf steckte. Nachdem er von Guestphalia und Saxonia aufgefordert wurde, sich ehrlich zu pauken, ging er zunächst mit dem Westfalensenior los, erhielt aber schon im ersten Gang Prügel. Er bot Satisfaktion an, die die Gegenseite jedoch verweigerte. Als er die Partie 14 Tage später fortsetzen sollte, weigerte er sich und wurde daraufhin mit allen, die mit ihm verkehrten, in Verschiss gesteckt.W. Fabricius: Die deutschen Corps. S. 227. Da einige Studenten zu Oelze hielten und sich nicht der Gerichtsbarkeit der Kränzchen unterwarfen, kam es in der Folgezeit immer wieder zu öffentlichen Schlägereien zwischen den beiden Gruppen. Schließlich machte Oelze am 18. Juli 1810 Anzeige von den Vorfällen und es kam zu Untersuchungen gegen die Kränzchen, in deren Folge Saxonia kurzzeitig suspendieren musste, aber schon ab dem 28. August 1810 wieder in Erscheinung trat. Aus der Gruppe nichtkorporierter Studenten um Oelze bildete sich bald eine Verbindung mit dem Namen „Res Publica“ und den Farben schwarz-rot-gold. Sie wurde von der Partei um die Kränzchen „Sulphuria“ oder „Schwefelbande“ genannt. Im Gegenzug versahen diese die Kränzianer mit dem Begriff „Pechhengste“.F. W. König: Aus zwei Jahrhunderten. S. 152. Durch den Weggang zahlreicher ehemaliger Helmstedter Studenten, schwand die Zahl der Schwefelbande und nach einigen heftigen Duellen und Prügeleien zwischen den beiden Gruppen wurde Frieden geschlossen und die „Res Publica“ löste sich auf. Aus ihren Resten rekonstituierten sich Marchia und Pomerania, außerdem stiftete sich eine Borussia. In Halle bestanden also fortan fünf Kränzchen.F. W. König: Aus zwei Jahrhunderten. S. 153.
Auflösung der Universität 1813 und Stiftung der Teutonia Ostern 1813 wurde die Universität abermals aufgehoben, wofür diesmal die Befreiungskriege der Grund waren. Die Angehörigen der Marchia und vier Pommern hatten sich bereits am 13. Februar 1813 auf den Weg nach Breslau gemacht, um sich dem Lützower Freikorps anzuschließen. Sie waren schon frühzeitig in Kontakt zu Friedrich Ludwig Jahn geraten, der zuvor drei Berliner Studenten nach Halle geschickt hatte, um die Stimmung für ein nach seinen Plänen zu errichtendes Freikorps zu ergründen. Das studentische Leben kam abermals völlig zum Erliegen und so suspendierten nach Marchia auch die übrigen vier Kränzchen. mini|Tasse mit Bundeszeichen der Teutonia von 1814