mini|Blick von der sogenannten Rampe mini|Plan von Gräberrund A
Gräberrund A, Schachtgräberrund A, Grabzirkel A oder Gräberkreis A () bezeichnen einen königlichen Friedhof aus der Bronzezeit auf der Zitadelle von Mykene. Er folgte im 16. Jahrhundert v. Chr. auf Gräberrund B und wurde schließlich zugunsten der Kuppelgräber, die in der Folge für die Oberschicht die bevorzugte Grabform bildeten, aufgegeben.
Beschreibung Betritt man die Oberstadt von Mykene durch das Löwentor, so liegt zur Rechten in einer Entfernung von etwa 20 m das Gräberrund A. Es handelt sich hierbei um einen doppelten Plattenring mit einem Durchmesser von etwa 28 m mit einem Eingang im Norden. Innerhalb des Gräberrundes fand man sechs Schachtgräber, in denen insgesamt 19 Tote – 9 Männer, 8 Frauen und 2 Kinder – bestattet waren. Da man in den Gräbern besonders reiche Grabbeigaben fand, vermutete man, dass es sich um Gräber der Herrscherfamilie handelt. Die Grabbeigaben sind heute im Archäologischen Nationalmuseum in Athen ausgestellt. Heinrich Schliemann glaubte, in den Gräbern Anzeichen für Feuerbestattung zu erkennen. Heute geht man jedoch davon aus, dass es sich um Körperbestattungen handelt und die aufgefundene Holzkohle von Brandopfern herrührt. Auf den Felsböden der Gräber gab es eine Schicht Kieselsteine, auf denen die Leichen abgelegt wurden, eine zweite Schicht aus Kieselsteinen bedeckte die Toten. Die Kieselsteine dienten vermutlich dazu, in das Grab eingedrungenes Wasser abzuleiten. Die Zählung der Gräber von Schliemann und Panagiotis Stamatakis unterschieden sich. Man folgt heute Stamatakis’ Zählung.
mini|Glänzend bemalte Vase aus Grab I Grab I Über Grab I (bei Schliemann Grab II) standen ursprünglich zwei unskulptierte Grabsteine. Unterhalb des Niveaus des Gräberrundes gab es noch Bruchstücke von zwei weiteren älteren Grabsteinen, die ebenfalls ohne Skulptierung waren. Das fast rechteckige Grab I hat eine Ausdehnung von etwa 5,50 m von Nord nach Süd und 2,80 m von West nach Ost. Es war von oben in den Fels geschlagen und hatte 1,50 m hohe Wände aus unbearbeiteten Feldsteinen, die ohne Mörtel aufeinander gestapelt waren. Auf den Mauern lagen wahrscheinlich Holzbalken und auf diesen Steinplatten, die schließlich mit Lehm bedeckt wurden.
In Grab I waren drei Frauen bestattet. Sie lagen flach auf dem Rücken mit dem Kopf nach Osten und den Füßen nach Westen ausgerichtet. Jede Leiche trug ein goldenes Diadem. Auf den Körpern lagen zweimal fünf und einmal vier Kreuze aus vier Lorbeerblättern aus sehr dünnem Goldblech, die vermutlich auf die Kleidung genäht waren. Weitere Grabbeigaben waren eine Kette aus Glaspaste-Hülsen, dazu Schieber aus Glaspaste und Achat, kleine Messer aus Obsidian, Bruchstücke einer vergoldeten Silbervase, eine Silberschale mit einem Henkel, zwei Bronzemesser und ein bronzenes Gefäß. Neben zwei weiblichen gehörnten Idolen aus Terrakotta, die vermutlich die Göttin Hera darstellen, fanden sich von Hand gefertigte Gefäße, glänzend bemalte und mattbemalte Keramik. Die Fundstücke aus diesem Grab haben die Inventarnummern 184-213. Heinrich Schliemann dokumentierte die Fundumstände in Grab I nur spärlich, so dass die Lage der meisten Objekte nicht nachvollzogen werden kann. Anhand der Ähnlichkeit der Grabbeigaben geht man davon aus, dass die Beisetzung der drei Verstorbenen kurz hintereinander erfolgte.
Grab II Oberhalb Grab II (bei Schliemann Grab V) auf dem Niveau des Gräberrundes A stand ein mit Schlangenlinien verzierter und ein unverzierter Grabstein. Etwa 3 m tiefer fand Schliemann zwei weitere unverzierte Grabsteine. Das Grab war 3,05 m lang, 2,15 m breit und 0,60 m tief in den Fels gegraben. An den vier Seiten standen Schiefer-Platten an die Wände gelehnt. Im Grab war nur ein Mann mit dem Kopf nach Osten beigesetzt. Er trug ein goldenes Diadem auf dem Kopf, zur Rechten lagen eine Lanzenspitze, zwei Bronzeschwerter und zwei Bronzemesser und zur Linken ein goldener einhenkeliger Becher.
mini|Goldobjekte aus Grab III Grab III Auf diesem Grab (bei Schliemann Grab III) standen innerhalb des Plattenrings zwei Grabsteine ohne Abbildung. 0,60 m unter diesem Niveau lagen zwei und nochmals 0,90 m tiefer noch drei weitere Grabsteine. Das Grab misst von Nord nach Süd 3,70 m und von Westen nach Osten 2,70 m. Das Grab war von oben in den weichen Fels eingetieft und die Mauern aus Schiefer und Lehm gebaut. Von den Deckbalken fand Schliemann vier Endverkleidungen aus Kupfer. Nördlich von Grab III gab es zwei einfache, ältere Gräber.
In Grab III fand Schliemann die Überreste von drei Leichnamen, die er anhand der kleinen Knochen und Zähnen und dem Schmuck als Frauen identifizierte. Sie waren mit dem Kopf nach Osten flach auf den Boden gelegt. Eine Frau erreichte vermutlich ein sehr hohes Alter, da ihre Zähne stark abgenutzt waren. Die Anwesenheit von goldenen Verkleidungsblechen für Kinderleichen deutet darauf hin, dass auch zwei Kinder in Grab III beigesetzt waren. Die Verschiedenheit der Funde deutet auf einen größeren Zeitraum zwischen der ersten und letzten Beisetzung hin. Die Grabbeigaben waren sehr wertvoll. So fand man Halsketten aus Karneol, Amethyst und Bernstein, Fayence-Gefäße, drei Siegelsteine und eine Vielzahl an goldenen Gegenständen. Darunter befanden sich drei Diademe, ein Becher, eine Dose, drei Vasen, zwei Balkenwaagen und 701 goldene Blätter in Repoussé-Arbeit.
mini|Silbernes Rhyton in Form eines Stierkopfes aus Grab IV
Grab IV Grab IV (bei Schliemann Grab IV) ist mit 6,55 m auf 4,10 m das größte Grab im Gräberrund A und hatte die reichsten Grabbeigaben. Über diesem standen innerhalb des Gräberrundes keine Grabstelen, man glaubt jedoch, dass die meisten Bruchstücke von Grabsteinen mit Verzierung, wie zum Beispiel die rekonstruierte Grabstele Heurtley III, ursprünglich zu diesem Grab gehörten. Etwa 4 m tiefer fand Schliemann einen Altar, zwei undekorierte Stelen und eine Säule. Der Altar war oval mit einem Durchmesser von etwa 2 m von Nord nach Süd und 1,60 m von West nach Ost. Er war etwa 1,20 m hoch, war aus kyklopischem Mauerwerk errichtet und hatte eine einem Brunnen ähnelnde runde Öffnung in der Mitte. Man vermutet, dass er der Totenverehrung diente, indem man Trankopfer in die Öffnung goss. Das Grab war von oben in den Fels gehauen und rings herum war eine Mauer aus Schiefer errichtet.
In dem Grab waren 5 Menschen beigesetzt. Drei der Toten, ein Mann und zwei Frauen, waren mit dem Kopf nach Osten im Grab beigesetzt. Zwei Männer lagen – wohl aus Platzgründen – im nördlichen Teil des Grabes mit dem Kopf nach Norden. Die Körper der Männer waren mit Goldmasken und Brustplatten bedeckt. Weitere bedeutende Funde waren der sogenannte Nestorbecher, ein silbernes Rhyton in Form eines Stierkopfes mit goldenen Hörnern, ein goldenes Rhyton in Form eines Löwenkopfes und zwei goldene Siegelringe. Ein Siegelring zeigt zwei Männer auf einem Streitwagen bei der Jagd auf einen Hirsch, auf dem anderen ist eine Kampfszene abgebildet. Weitere Beigaben waren 20 Bronzeschwerter, mehrere bronzene Speerspitzen, goldene Gefäße und Becher, heilige Knoten aus Fayence, ein Rhyton in Form eines Hirsches aus einer Legierung von Silber und Blei und ein Gefäß aus Marmor. Auch bei Grab IV geht man davon aus, dass die Beisetzungen über einen längeren Zeitraum erfolgten.
Grab V Grab V (bei Schliemann Grab I) war das erste Grab, das Schliemann entdeckte. Aufgrund von starken Regenfällen lief das Grab mit Wasser voll und er war gezwungen, an einer anderen Stelle weiter zu graben. Erst zum Schluss deckte er das Grab komplett auf. Über dem Grab standen drei Grabstelen mit Darstellung einer Streitwagen-Szene. Die bekannteste Stele wird unter der Inventarnummer NAMA 1428 geführt. Die Grabkammer ist von oben im Norden und Südosten 5 m tief in den Fels gehauen. Da der Fels nach Westen abfällt, ist das Grab westlich nur 3,30 m in den Fels getrieben. Das Grab hat eine Länge von 6,45 m und eine obere Breite von 3,25 m und erweitert sich auf 3,45 m bis zum Felsboden. An allen vier Seiten waren die unteren Wände 0,90 m hoch und 0,60 m dick aus kyklopischem Mauerwerk errichtet. Darauf ruhte eine etwa 2 m hohe Mauer aus Schiefer. Die nordwestlich Ecke des Grabes stößt an die innere Stützmauer des Plattenringes.
In Grab V waren drei Männer mit dem Kopf nach Osten beigesetzt. Der mittlere Leichnam war bereits zur mykenischen Zeit ausgeraubt worden. Die prachtvollsten Beigaben scheinen entfernt worden zu sein. In der Erde darüber fand man goldene Knöpfe, die die Räuber zurückgelassen hatten, außerdem fand man mykenische Scherben, die beim Aufgraben oder danach in die Grube gefallen waren. Die beiden Toten, die nördlich und südlich begraben waren, trugen goldene Masken und Brustplatten – die Maske des südlichen wurde von Schliemann Goldmaske des Agamemnon getauft. Da alle drei Toten mit über 1,65 m recht groß waren, lagen sie mit dem Kopf gegen die östliche Mauer gelehnt, während das Kinn auf die Brust gedrückt war. Der nördliche Leichnam, der noch sehr gut erhalten war, wurde auf etwa 35 Jahre geschätzt. Schliemann glaubte, dass er möglicherweise mumifiziert war.
An Grabbeigaben fanden sich links und rechts der Toten zahlreiche Bronzemesser, Schwerter und Werkzeuge. Drei Bronzemesser waren mit Gold und Silber eingelegt. Man fand mehrere goldene Becher und Gefäße und zu ihren Füßen Kupfergefäße. Bemerkenswert ist eine sechseckige Holzdose. Es sind sechs Goldbleche erhalten, die an der Dose befestigt waren. Zwei sind mit Spiralmuster verziert, zwei weitere zeigen die Jagd eines Löwen auf eine Antilope und auf den letzten zwei ist die Jagd eines Löwen auf einen Hirsch dargestellt.
Grab VI Grab VI wurde bei Nachgrabungen von Stamatakis entdeckt. Über dem Grab stand eine unverzierte Grabstele. Mit 3,15 m Länge und einer Breite von 1,85 m war es das kleinste Grab. Es befand sich im nordwestlichen Teil des Gräberrundes und lag teilweise unterhalb des Plattenringes. Zunächst wurde ein Mann in dem Grab beigesetzt. Später, als der Körper zerfallen war, wurden die Knochen zur Seite geschoben und ein weiterer Mann mit dem Kopf nach Osten beigesetzt. Die Knochen dieser beiden Toten sind im besten Erhaltungszustand innerhalb von Gräberrund A. Auf beiden Seiten der Toten lagen Bronzewaffen und Werkzeuge. Am Kopfende fand man einen Goldbecher und zu den Füßen Tongefäße. Die Tongefäße mit matter und glänzender Bemalung ähneln denen aus Grab I. Man geht deshalb davon aus, dass diese Gräber zur gleichen Zeit angelegt wurden.
Weitere Gräber Schliemann fand östlich von Grab III ein kleines mittelhelladisches Grab, das er jedoch nicht näher beschrieb. Stamatakis entdeckte vier weitere mittelhelladische Gräber im östlichen Teil des Gräberrundes A. Auch er dokumentierte den Fundumstand nicht, da sie nur einfache Grabbeigaben enthielten. Die gefundene Keramik wird in die späte mittelhelladische Zeit (MH III) datiert.
Der Plattenring