mini|Eugen Bracht

Eugen Felix Prosper Bracht (* 3. Juni 1842 in Morges, Kanton Waadt, Schweiz; † 15. November 1921 in Darmstadt) war ein deutscher Landschafts- und Historienmaler sowie Hochschullehrer.

Leben Schule und Start ins Künstlerleben Eugen Bracht wurde 1842 als Sohn des promovierten Juristen und Administrators Prosper Bracht und dessen Ehefrau Rosalie Franziska, geb. Zurstraßen (* 18. November 1819 in Verviers), in Morges am Genfersee geboren. Dorthin war Brachts Vater, ein Verfechter bürgerlicher Freiheiten und des Rheinischen Rechts,Prosper Bracht: Die Ansprüche unserer Zeit an die bürgerliche Gesetzgebung. Schreiner, Düsseldorf 1834 gezogen, nachdem er 1834 im Zusammenhang des gegen ihn gerichteten Vorwurfs der Teilnahme an hochverräterischen Verbindungen aus Preußen geflohen war, in dessen Staatsdienst er bis dahin als Landgerichts-Auskultator beschäftigt gewesen war. Eugen Bracht hatte zwei Schwestern und drei Brüder, darunter Theodor Carl Joseph (* 1843 in Morges; † 1911 in Antwerpen). Sein Onkel war der Kaufmann und Autor Viktor Bracht, der mit dem Mainzer Adelsverein 1845 nach Texas auswanderte.

Mit acht Jahren kam Bracht zusammen mit seiner Familie nach Darmstadt. Dort wurde der Vater Vermögensverwalter und Justitiar von Maximiliane von Oyen, geborene Gräfin von Bertrand zu Perusa-Criechingen (1786–1864), der Erbin der Hofmark Fürstenstein. Zwischen 1850 und 1859 besuchte Bracht die Schmidtsche Privatschule und die Höhere Gewerbe- und Realschule in Darmstadt. Ersten Zeichenunterricht erhielt er bei Franz Backofen. Bald schon wurde er Schüler der Maler Friedrich Frisch, Karl Ludwig Seeger und August Lucas. Bei einem gemeinsam mit Phillip Röth unternommenen Ausflug zum Heidelberger Schloss traf er auf Johann Wilhelm Schirmer. Dieser holte Bracht ab 1859 als Student an die Karlsruher Kunstschule. Die Sommermonate 1860 verbrachte Bracht zusammen mit den Malern Emil Lugo und Hans Thoma im Schwarzwald. Er wurde im Wintersemester 1858/59 Mitglied des Corps Arminia, des späteren Corps Hassia Darmstadt.Corps Hassia Darmstadt. 1840–1955. Mitglieder-Liste der Hassia-Darmstadt. 1955, S. 42/43.

Gefördert und unterstützt durch seine Lehrer, ging Bracht im Herbst 1861 nach Düsseldorf in das Atelier des norwegischen Landschaftsmalers Hans Fredrik Gude. Als freischaffender Künstler wurde er Mitglied des Düsseldorfer Künstlervereins Malkasten., Webseite im Portal malkasten.org, abgerufen am 21. April 2019 Geprägt wurde Bracht in dieser Zeit durch den Landschaftsmaler Oswald Achenbach, damals Tutor Gudes’ an der Kunstakademie Düsseldorf. In Gudes Atelier konnte Bracht zwar selbstständig arbeiten, war aber mit seinen Bildern nie ganz zufrieden. Von der Situation enttäuscht wandte sich Bracht 1864 von der Malerei ab, verließ Düsseldorf und zog ins belgische Verviers, wo er sich zum Wollhändler ausbilden ließ.

1870 machte er sich als Wollhändler mit einem kleinen eigenen Unternehmen in Berlin selbstständig. Der Erfolg war nur von kurzer Dauer, so dass Bracht in Folge der politischen Ereignisse (Deutsch-Französischer Krieg) bald Konkurs anmelden musste. Privat beschäftigte er sich intensiv mit der Fotografie und ur- und frühgeschichtlichen Studien.

Bracht verließ Berlin und kehrte im Frühjahr 1876 zu seinem Lehrer Gude nach Karlsruhe zurück. Hier feierte er mit seinen Dünenbildern erste Erfolge. Mit diesen Bildern thematisierte Bracht hauptsächlich die kargen Landschaften der Ostseeküste und der Lüneburger Heide. Publikum wie offizielle Kunstkritik lobte an diesen Bildern die „stimmungsvolle Einsamkeit“. Eines der ersten Heidebilder erwarb Armgard von Arnim, die Tochter Bettina von Arnims.Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten, 5. 1899, S. 247.

Auslandserfahrungen 1880/1881 unternahm Bracht mit Carl Cowen Schirm und dem „Reisefanatiker und Orientmaler“ Adolf von Meckel eine längere Studienreise durch Syrien, Palästina und Ägypten.Klaus Homann: Maler sehen die Lüneburger Heide. Albert-König-Museum, Unterlüß 2008, S. 27. Zurück in Berlin, verarbeitete Bracht die Eindrücke in einem Werkzyklus mit Sujets des Orients. Anders als die bisherige Malerei des Orientalismus versachlichte er die Darstellung und verzichtete auf kitschige Klischees. Die beiden bekanntesten Werke Die Abenddämmerung am Toten Meer und Der Sinai wurden je von der Nationalgalerie und dem Kaiser angekauft, das Publikum war begeistert von der Wirkung des Lichts und den Reiseeindrücken aus fremden Welten. Bracht selbst betrachtete sein Werk kritisch und suchte insgeheim nach neuen Ausdrucksformen. Er strebte nach Paris zu ziehen und hatte seine Frau dorthin geschickt, damit diese eine Wohnung sucht. Über einen Malerkollegen, der im selben Hotel wohnte, erfuhr Anton von Werner von den Umzugsplänen und versuchte den Umzug des talentierten Nachwuchsmalers zu verhindern, indem er ihm eine Stelle an der Akademie in Berlin anbot.

An der Preußischen Akademie der Künste in Berlin mini|Eugen Bracht in seinem Atelier, 1901; Foto von Hermann Boll mini|hochkant|Bracht, 1917; Foto von Nicola Perscheid

1882 nahm Bracht den Ruf als Dozent für Landschaftsmalerei an der Akademischen Hochschule für bildende Künste an und zwei Jahre später avancierte er dort zum „ordentlichen Professor“. Im selben Jahr wurde er Mitglied der Königlichen Akademie der Künste.Eugen Bracht. In: Mitgliederverzeichnis der Akademie der Künste. Abgerufen am 12. Oktober 2025 Eines seiner wichtigsten Werke in diesen Jahren war 1883 das Panoramabild Schlacht bei Sedan, das er zusammen mit Anton von Werner ausführte. Zu den Besuchern gehörten u. a. Kaiser Wilhelm I. und Generalfeldmarschall von Moltke. Das Panorama wurde auch von einer US-amerikanischen Investorengruppe besucht, die ihn mit dem Panorama Schlacht bei Chattanooga beauftragten. Kaiser Wilhelm I. erwarb das Werk Gestade der Vergessenheit und der russische Zar das Bild Märkischer Birkenwald. Gemeinsam mit dem gleichaltrigen Kollegen Philipp Röth und dessen Schwiegervater Paul Weber unternahm Bracht Malreisen in den Semesterferien. Bracht bezog im Haus Kurfürstendamm 114 eine 12-Zimmer-Wohnung.

Für das Reichstagsgebäude entwarf er das Wandgemälde Kap Arkona.Kap Arkona

Eine private Leidenschaft von Bracht war die Paläontologie, die er mit Malreisen verband. 1883 grub er die Höhle Buchenloch bei Gerolstein in der Eifel aus. Eugen Bracht wurde noch im Gründungsjahr 1912 Mitglied der Paläontologischen Gesellschaft.Paläontologische Zeitschrift, 1. Jahrgang 1914, Heft 1 (März 1914). Seine Sammlung an mesolithischen und neolithischen Werkzeugen stiftete er 1913 der Universität Greifswald.Greifswalder Geologische Sammlungen, Vertebraten-Sammlung (Wirbeltiere). Abgerufen am 10. September 2021.

In der Berliner Kunstszene entstand eine immer größer werdende Kluft zwischen traditionsgewandten akademischen Malern und fortschrittlichen Kräften. Bracht pflegte den Umgang mit den Traditionalisten, hatte sich künstlerisch jedoch längst der moderneren Malerei zugewandt, seinem Schüler Max Uth empfahl er, sich an der Gründung der Berliner Secession zu beteiligen. 1892 kam es zum endgültigen Bruch mit den Traditionalisten. Als Brachts Vorgesetzter und Freund Anton von Werner 1892 eine Edvard-Munch-Ausstellung vorzeitig schließen ließ, gehörte Bracht zu jenen 70 Künstlern, die dagegen protestierten. In Anbetracht, dass Brachts Klasse die bestbesuchte war und seine Studenten Preise auf Kunstausstellungen erzielten, blieb dessen Haltung beruflich vorerst folgenlos. Bei der Neubesetzung der Leitung der Kunstakademie 1901 überging man Bracht, der zuvor als Anwärter gehandelt wurde. Kaiser Wilhelm II. hatte sich über den impressionistischen Weg von Bracht aufgeregt und rühmte sich, „noch anständige Bilder“ von ihm zu besitzen.Manfred Großkinsky: Eugen Bracht. (Ausstellungskatalog, Mathildenhöhe Darmstadt) Darmstadt 1992, S. 48. Um ihn zur Rückkehr zum alten Stil zu bekehren, beauftragte er ihn, das Historiengemälde Der Einzug Friedrichs von Hohenzollern in die Mark Brandenburg zu malen, was Bracht ablehnte. In letzter Konsequenz verließ er 1901 Berlin, um eine Stelle in Dresden anzutreten. Bracht galt jedoch weiterhin als Vertreter der Berliner Avantgarde, seine Werke waren auch Bestandteil der progressiven „Berliner Künstler-Silhouetten“ von 1902.

Landschaftsmaler in Dresden mini|Bracht in seiner zweigeschossigen Dresdner Mietwohnung, 1904 In Dresden übernahm Bracht 1901/1902 die Leitung des Meisterateliers für Landschaftsmalerei an der Dresdner Kunstakademie. Zu seinen Meisterschülern gehörten u. a. Paul Mishel, Hans Hartig, Willy ter Hell, Franz Korwan und Artur Henne. Bracht trug den Titel eines Geheimen Hofrats.Adreßbuch für Dresden und seine Vororte. 1910, Teil 1, S. 85:„Bracht, F. Prosp. Ldw. Eugen, Geh. Hofrat, Landschaftsmaler, Prof. a. d. Kgl. Akademie d. bildenden Künste (A.K.2.), (G.Hess.P.1.), (Pr.R.A.4.), (Pr.Kr.2), Franklinstr. 11. II., Tel. 6043, Atel. Brühlscher Garten 2b.“ (Online SLUB)

Fern von dem Kunstbetrieb in Berlin konnte Bracht experimenteller arbeiten. Von Dresden aus erkundete er auch die sächsische Landschaft und besuchte frühere Ziele, wie Sylt oder die Eifel. Brachts Erfolg blieb ungebrochen, er wurde jährlich eingeladen, die großen Kunstausstellungen im In- und Ausland mit Werken zu beschicken. Bracht gehörte auch zur bevorzugten Auswahl zeitgenössischer Künstler, die das „Komité zur Beschaffung und Bewertung von Stollwerckbildern“ dem Kölner Schokoladeproduzent Ludwig Stollwerck zur Beauftragung für Entwürfe vorschlug.Detlef Lorenz: Reklamekunst um 1900. Künstlerlexikon für Sammelbilder. Reimer-Verlag, 2000.

Im Laufe des Jahres 1919 zog er sich vom Lehrbetrieb zurück und ging in den Ruhestand, den er in seiner Wahl-Heimatstadt Darmstadt verbrachte, wo familiäre Kontakte bestanden.

Umzug nach Darmstadt mini|Die „Villa in Rosen“ auf der Mathildenhöhe in Darmstadt, Brachts letzter Wohnsitz ab 1919 Bracht pflegte stets soziale und familiäre Kontakte nach Darmstadt, so war er beispielsweise in der Jury der Künstlerkolonie engagiert. Die Stadt hatte für ihn 1912 neben Dresden eine umfangreiche Jubiläumsausstellung organisiert. Der Maler Hans Christiansen verkaufte sein Haus auf der Mathildenhöhe an einen Fabrikanten. Bracht trat mit diesem in Kontakt und kaufte es ihm ab, nach umfangreichen Umbaumaßnahmen bezog er es 1919 als Atelier und Wohnhaus. Bracht starb am 15. November 1921 im Alter von 79 Jahren und wurde in Darmstadt bestattet. Das Grabmal von Eugen Bracht befindet sich auf dem Waldfriedhof Darmstadt (Grabstelle: L 3b 3). Eine für 1922 angesetzte Ausstellung wurde zur Gedächtnis-Ausstellung umbenannt, es wurden auch Werke aus dem Nachlass veräußert.

Familie Eugen Bracht war verheiratet mit Maria Deurer, Tochter des Hofkünstlers Ludwig Deurer. Sie war es, die ihn zuerst motivierte, sich wieder der Malerei zuzuwenden. Nachdem Bracht durch den Tod seiner Frau verwitwet war, heiratete er am 9. Juni 1895 „Toni“ Becker, die Tochter des Darmstädter Ministers Ernst Becker und Jugendfreundin der Prinzessin Alix von Hessen-Darmstadt. Ein Jahr später kam der gemeinsame Sohn Alexander Bracht auf die Welt (der 1916 an der Westfront fiel), es folgte 1898 Waldemar Bracht (der 1942 im Zweiten Weltkrieg fiel) und 1911 Gerda Becker (geborene Bracht), welche bis 1981 lebte. Der Neffe Victor Theodore Bracht (1883–1962) war als Unternehmer in Antwerpen tätig, wo er das Unternehmen Bracht & Co. leitete.

Werk mini|Sieben Steinhäuser, 1875 mini|links|Heidelandschaft (Neu Zittau bei Berlin), 1884 mini|Rast in der Syrischen Wüste, 1883 mini|links|Das Gestade der Vergessenheit von 1889 ist eines der bekanntesten Werke des Symbolismus.