mini|Stolperstein zur Erinnerung an Erwin Panndorf in der Pfarrstraße 4 in Gera

Erwin Panndorf (* 7. Januar 1904 in Gera; † 10. Dezember 1942 im KZ Sachsenhausen) war ein deutsch-sowjetischer Kommunist, Arbeitersportler, Gewerkschafter und antifaschistischer Widerstandskämpfer. In Gera war er aktives Mitglied im KJVD und in der KPD. Als ausgebildeter Schlosser ging er im Jahre 1930 in die Sowjetunion, um dort in verschiedenen Betrieben zu arbeiten. Von 1937 bis 1939 kämpfte er als Interbrigadist im Spanischen Bürgerkrieg. Nach einer militärischen Ausbildung in der Sowjetunion sprang Panndorf am 17. Mai 1942 per Fallschirm über Ostpreußen ab, um als Agent der Sowjetunion und Beauftragter des ZK der KPD den Widerstand gegen den Nationalsozialismus im Deutschen Reich zu unterstützen. Im Juli 1942 wurde er von der Gestapo verhaftet und am 10. Dezember 1942 im KZ Sachsenhausen umgebracht. In der DDR erhielt Panndorf zahlreiche Ehrungen. Bis heute trägt eine Vierfeldersporthalle in Gera den Namen „Panndorfhalle“.

Herkunft, Jugendjahre und Berufstätigkeit mini|Geburtshaus von Erwin Panndorf in der Pfarrstraße 4 in Gera (2014)

Erwin Panndorf wurde am 7. Januar 1904 in Gera als eines von fünf Kindern der Arbeiterfamilie Panndorf geboren. Er wuchs im Arbeitervorort (Gera-)Zwötzen auf. Von 1910 bis 1918 besuchte Panndorf dort die achtstufige Volksschule. Ab 1918 absolvierte er eine Ausbildung als (Maschinen-)Schlosser bei einem mittleren Maschinenbaubetrieb, der Firma Sonntag in Gera. Während der Ausbildungszeit trat er dem Deutschen Metallarbeiter-Verband bei.Bezirksleitung Gera der SED, Abteilung Agitation/Propaganda, Kommission zur Erforschung der Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung: Erwin Panndorf – ein Leben für den Sozialismus. 2., überarbeitete Auflage, Gera 1984, S. 10–12.

Nach dem Abschluss der Lehre im Jahre 1921 war Panndorf in verschiedenen Maschinenbaubetrieben als Schlosser tätig. 1924 begann er die für ihn wichtige Arbeit als Maschinenschlosser in der Firma Rudolf Jahr in Gera. Dort engagierte er sich in der starken Betriebszelle der KPD und kam aufgrund der vielen Exportaufträge der Firma Jahr in die Sowjetunion mit sowjetischen Arbeitern und Kommunisten in Kontakt.Ronald Sassning: Erwin Panndorf (2007), S. 2–3. Infolge der im Herbst 1929 ausbrechenden Weltwirtschaftskrise, die auch in Gera zu vielen Betriebsstilllegungen und Entlassungen führte, wurde Panndorf arbeitslos.Bezirksleitung Gera der SED, Abteilung Agitation/Propaganda, Kommission zur Erforschung der Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung: Erwin Panndorf – ein Leben für den Sozialismus. 2., überarbeitete Auflage, Gera 1984, S. 19 ff.

Kommunistischer Aktivist in Gera Aufgrund des proletarischen Umfelds in Zwötzen spielte für Panndorf die Geraer Arbeiterbewegung früh eine wichtige Rolle. Panndorf war demnach schon früh mit der Geraer Arbeiterbewegung verbunden und von dieser geprägt.Bezirksleitung Gera der SED, Abteilung Agitation/Propaganda, Kommission zur Erforschung der Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung: Erwin Panndorf – ein Leben für den Sozialismus. 2., überarbeitete Auflage, Gera 1984, S. 11. Als politisch aktiver junger Mensch nahm er bereits während des Ersten Weltkrieges an Antikriegsdemonstrationen und den auch in Gera ausbrechenden Lebensmittelunruhen teil.Kommission zur Erforschung der Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung bei der Bezirksleitung Gera der SED und vom Museum für Geschichte Gera (Hrsg.): Gedenk- und Erinnerungsstätten Bezirk Gera. Arbeiterbewegung-Antifaschistischer Widerstandskampf-Aufbau des Sozialismus. Gera 1975, S. 14. Am 15. März 1920 war Panndorf an der Niederschlagung des Kapp-Putsches in Gera beteiligt.Bezirksleitung Gera der SED, Abteilung Agitation/Propaganda, Kommission zur Erforschung der Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung: Erwin Panndorf – ein Leben für den Sozialismus. 2., überarbeitete Auflage, Gera 1984, S. 13.

Im Jahre 1920 trat Panndorf dem Kommunistischen Jugendverband (KJD, ab 1925 umbenannt in KJVD) und der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) bei. Der Jugendverband wurde für ihn Anfang der 1920er Jahre zu seinem politischen Hauptbetätigungsfeld. Er engagierte sich in der verbandsinternen Bildungsarbeit, der politischen Agitation auf dem Land, der Betreuung von Arbeiterkindergruppen (im Rahmen der „Reichsarbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde“) und in der Wander- und Sportbewegung. Außerdem war er beteiligt an der Mitgliederwerbung und an spektakulären Aktionen des Jugendverbands.Ronald Sassning: Erwin Panndorf (2007), S. 3. Zu nennen sind etwa die Vorbereitungsmaßnahmen anlässlich des alljährlichen 1. Mai. So hissten Panndorf und seine Genossen im April 1924 rote Fahnen an 20 Meter hohen elektrischen Hochspannungsmasten in unmittelbarer Nähe zum Polizeirevier und in der Nacht vor dem 1. Mai 1924 übermalte eine Gruppe des KJD unter seiner Führung das Kaiser-Wilhelm-Reiterdenkmal in Gera mit rotem Lack, was einen Protest gegen Militarismus und die staatliche Obrigkeit darstellen sollte.Goldhammer, Hans / Scheffel, Rudi: Im Kampf sind wir erstarkt … Geschichte der Kommunistischen Partei Deutschlands in Gera. Abriß 1923 bis 1933. Bd. 2. Gera 1980, S. 17. Diese Aktionen wurden laut Zeitzeugenberichten über Thüringen hinaus bekannt.Bock, Herbert: Aus gemeinsamen Erleben. In: Bezirksleitung Gera der SED, Abteilung Agitation/Propaganda, Kommission zur Erforschung der Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung: Erwin Panndorf – ein Leben für den Sozialismus. 2., überarbeitete Auflage, Gera 1984, S. 72.

Im September 1922 begab er sich auf Wanderschaft nach Süddeutschland, um mit anderen Arbeiterjugendgruppen in Verbindung zu treten. In München war er als Laienspieler Teil einer Agitationsgruppe, welche die Parteiarbeit der KPD unterstützte. Mehrere Auftritte der Gruppe wurden von der Polizei verboten. Ende des Jahres 1922 kehrte Panndorf nach Gera zurück und nahm die politische Arbeit dort wieder auf. Er nahm aktiv am Generalstreik zum Sturz der Cuno-Regierung teil und mobilisierte dazu Lehrlinge der Fortbildungsschule in Gera.Scheffel, Rudi: Erwin Panndorf – ein hervorragender Kommunist und Internationalist. In: Bezirksleitung Gera der SED, Abteilung Agitation/Propaganda, Kommission zur Erforschung der Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung: Erwin Panndorf – ein Leben für den Sozialismus. 2., überarbeitete Auflage, Gera 1984, S. 74–75. Nach dem Verbot der KPD und aller ihrer angeschlossenen Organisationen am 23. November 1923 setzte die KJD-Ortsgruppe in Zwötzen unter Leitung von Panndorf ihre Arbeit illegal, bis zur Wiederaufhebung des Verbots am 1. März 1924, fort.Bezirksleitung Gera der SED, Abteilung Agitation/Propaganda, Kommission zur Erforschung der Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung: Erwin Panndorf – ein Leben für den Sozialismus. 2., überarbeitete Auflage, Gera 1984, S. 14–15.

Im Jahre 1924 trat Panndorf in den Roten Jungsturm und später dem Roten Frontkämpferbundes (RFB) ein. Als deren Mitglied übernahm er den Schutz von kommunistischen Veranstaltungen und er beteiligte sich an Demonstrationen des RFB.Bezirksleitung Gera der SED, Abteilung Agitation/Propaganda, Kommission zur Erforschung der Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung: Erwin Panndorf – ein Leben für den Sozialismus. 2., überarbeitete Auflage, Gera 1984, S. 18–19. Daneben wurde Panndorf Mitte der 1920er Jahre aktiv in der Arbeitersport- und Wanderbewegung. Als Arbeitersportler, der in der Leichtathletik, im Handball und im Turnen seine Schwerpunkte hatte, ging er 1926 als Fahnenträger bei dem Sportfest des Arbeiter-Turn- und Sportbundes (ATSB), in den er 1928 eintrat, in Elsterberg voran.

Panndorf widmete sich im Laufe der Zeit auch zunehmend der Parteiarbeit. Er trat vermehrt als Referent auf Versammlungen der KPD und des KJVD in ganz Thüringen auf.Bezirksleitung Gera der SED, Abteilung Agitation/Propaganda, Kommission zur Erforschung der Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung: Erwin Panndorf – ein Leben für den Sozialismus. 2., überarbeitete Auflage, Gera 1984, S. 19–20. Außerdem nahm er regelmäßig an Reichsjugendtreffen des KJVD teil, so 1927 in Hamburg und 1930 in Leipzig. In Gera wurde er außerdem Mitglied des Erwerbslosenrates.Gerd Kaiser: „Auf Leben und Tod“. Stille Helden im antifaschistischen Widerstand 1923 bis 1945. Berlin 2007, S. 320. Panndorf verfügte Ende der 1920er Jahre über umfangreiche politische Erfahrungen und er war in der Geraer Arbeiterbewegung recht bekannt.Bezirksleitung Gera der SED, Abteilung Agitation/Propaganda, Kommission zur Erforschung der Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung: Erwin Panndorf – ein Leben für den Sozialismus. 2., überarbeitete Auflage, Gera 1984, S. 20.

Als Spezialist in der Sowjetunion Der weitere Lebensweg des seit Anfang 1930 arbeitslos gewordenen Panndorf änderte sich entscheidend in der ersten Hälfte des Jahres 1930. Ausschlaggebend dafür waren seine persönlichen Kontakte zu sowjetischen Arbeitern und die damalige Entwicklung in der Sowjetunion, die im Rahmen des 1. Fünfjahresplans seit 1929 einen enormen Industrialisierungsschub anstrebte. Qualifizierte Spezialisten wie Panndorf wurden beim Aufbau der neu zu errichtenden 1.500 Großbetriebe in der Sowjetunion gebraucht.Ronald Sassning: Erwin Panndorf (2007), S. 4. Die KPD rief dazu auf, Facharbeiter, Ingenieure und Techniker in die Sowjetunion zu delegieren.Bezirksleitung Gera der SED, Abteilung Agitation/Propaganda, Kommission zur Erforschung der Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung: Erwin Panndorf – ein Leben für den Sozialismus. 2., überarbeitete Auflage, Gera 1984, S. 10.

Nach Gesprächen mit einem sowjetischen Abnahmeingenieur in Gera und dank der Vermittlung der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin erhielt Panndorf einen zweijährigen Arbeitsvertrag als Schlosser bei der Zweiten Staatlichen Uhrenfabrik in Moskau. Zusammen mit 40 anderen deutschen Spezialisten nahm er als Mechaniker und Brigadier die Arbeit im August 1930 auf.Ronald Sassning: Erwin Panndorf (2007), S. 4–5. Ein Werbefoto in der weltweit verbreiteten Arbeiter-Illustrierten-Zeitung zeigte ihn und Walter Vosseler, einen deutschen Genossen und Arbeitskollegen von Panndorf in Moskau, beim Arbeiten an einer Drehbank.Ronald Sassning: Erwin Panndorf (2007), S. 5. Laut Vossler fand Panndorf schnell Kontakt zu den sowjetischen Arbeitern im Betrieb und wurde aufgrund seines fachlichen Wissens und seiner gesellschaftlichen Aktivitäten sehr geschätzt. Dies führte dazu, dass er im Januar 1931 von den Arbeitern des Betriebes zum Deputierten in den Sowjet des Moskauer Stadtbezirkes Krasnaja Presnja, in welchem der Betrieb lag, gewählt wurde.Walter Vosseler: Mit Erwin Panndorf in der Sowjetunion'. In: Bezirksleitung Gera der SED, Abteilung Agitation/Propaganda, Kommission zur Erforschung der Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung: Erwin Panndorf – ein Leben für den Sozialismus. 2., überarbeitete Auflage, Gera 1984, S. 75–76.