Clear bezeichnet eine Stufe im Dianetik-Konzept von Scientology.Janet Reiman: Inside Scientology – The Story of America’s most Secretive Religion. Hougthon Mifflin Harcourt, Boston-New York, 2011, S. 22–30.Russel Miller: Bare-Face Messiah – The True Story of L. Ron Hubbard. Silvertail Books, London, 2014, Kapitel 9Gerald Willms: Scientology: Kulturbeobachtungen jenseits der Devianz. transcript, Bielefeld 2005, S. 27. Deren Gründer L. Ron Hubbard postulierte einen mittels „dianetischer Therapie“Linus Hauser: Scientology – Geburt eines Imperiums. Ferdinand Schöningh, Paderborn-München-Wien-Zürch, S. 52. zu erreichenden Zustand einer Person als sogenannter „Clear“, deren Verstand dann als „gereinigt“ zu betrachten und als „gesund“ einzustufen sei.Hugh Urban: The Church of Scientology – A History of a New Religion. Princeton University Press, Princeton, New Jersey, 2011, S. 42–48.Erich Fromm: For Seekers of Prefabricated Happiness. In: New York Herald Tribune Book Review, 3. September 1950. Das wissenschaftlich nicht anerkannte Konzept und seine Praxis stehen in Kritik.
Annahmen, Konzept
Das Konzept wie auch das hierfür praktizierte Verfahren gehen auf das Buch Dianetik – der Leitfaden für den Verstand (im engl. Original: Dianetics: The Modern Science of Mental Health) von Hubbard zurück, das dieser 1950 verfasste.Lawrence Wright: Im Gefängnis des Glaubens. DVA, München, 2013, S. 101–104. Die Stufe Clear referiert mit der von ihm postulierten Zweiteilung des Verstandes, nach der dieser aus einem sogenannten analytischen (Analytical Mind) und einem reaktiven Teil (Reactive Mind) bestehen soll.Hugh Urban: The Church of Scientology – A History of a New Religion. Princeton University Press, Princeton, New Jersey, 2011, S. 46. Im analytischen Teil wäre demnach alles Rationelle und Logische; Hubbard beschrieb diesen als „fehlerfreien Computer“. Als reaktiven Verstand bezeichnete er etwas, dessen Inhalt aus einer Vielzahl von Erinnerungsspuren bestehe, die Momente des Schmerzes, der Bewusstlosigkeit und des Verlustes beinhalteten. Diese bezeichneter er als Engramme und fasste sie als „Fehlfunktionen“ auf.
Der Zustand Clear sei, so Hubbard, in dem Moment gegeben, wo keine Engramme mehr lokalisierbar seien. Den erreichten Zustand Clear beschrieb Hubbard als einen, in dem die jeweilige Person die Welt und sich selbst auf völlig neue Art und Weise sehen würde.Hugh Urban: The Church of Scientology – A History of a New Religion. Princeton University Press, Princeton, New Jersey, 2011, S. 47. Neben einem gestiegenen IQ würde sie über eine optimale Gesundheit und entsprechendes Wohlbefinden verfügen.
Verfahren
Die sogenannten Engramme sollen mit dem kostenpflichtig angebotenen Dianetik-Auditing nach und nach beseitigt werden, so der Zustand Clear erreicht werden. Das Auditing selbst besteht aus einem Frage- und Antwortablauf, bei dem die fragende Person die zu befragende Person in eine Rêverie versetze. Während der Fragesteller als Auditor bezeichnet wird, heißt der Befragte Pre-Clear (PC). Anfangs wurden beim Auditing keine Hilfsmittel eingesetzt, ab 1952 kam ein sogenanntes „Psycho-Galvanometer“ zum Einsatz, das den Hautwiderstand anzeigte und ähnlich der frühen Form eines Lügendetektors funktionierte.Hugh Urban: The Church of Scientology – A History of a New Religion. Princeton University Press, Princeton, New Jersey, 2011, S. 49. Heute kommt das sogenannte E-Meter zur Anwendung.Secrets of Scientology: The E-Meter, abgerufen am 15. Mai 2015.
L. Ron Hubbard, der selbst ausgebildeter Hypnotiseur war,Russel Miller: Bare-Faced Messiah – The True Story of L. Ron Hubbard. Silvertail Books, London, 2014. beschrieb das Dianetik-Verfahren wie folgt:
Misslungene Verifizierung Am 10. August 1950 präsentierte Hubbard die Teilnehmerin Sonia Bianca als den ersten „Clear“ im Shrine Auditorium in Los Angeles.Lawrence Wright: Im Gefängnis des Glaubens. DVA, München, 2013, S. 113.Russel Miller: Bare-Faced Messiah – The True Story of L. Ron Hubbard. Silvertail Books, London, 2014, Kapitel 10 Diese konnte im Verlauf der Veranstaltung jedoch keinen Beleg für die von Hubbard angekündigten Merkmale vorweisen bzw. belegen.
1969 stellte Hubbard den südafrikanischen Medizinstudenten John McMaster als ersten „tatsächlichen“ Clear vor.Russel Miller: Bare-Faced Messiah – The True Story of L. Ron Hubbard. Silvertail Books, London, 2014, Kapitel 15 Dieser wandte sich im November des gleichen Jahres von der „Scientology-Kirche“ ab.Jon Atack: A Piece of Blue Sky – Hubbard, Dianetics and Scientology. Trentvalley Ltd, UK, 2013, S. 158.
Kritik Abgesehen davon, dass die Methode an sich umstritten ist, haben sich auch prominente Kritiker wie Paulette Cooper zu den damit verbundenen Kosten geäußert. Für ihr Buch (The Scandal of Scientology) wurde sie direkt von Scientologen angegriffen (siehe hierzu: Operation Freakout). Einzelne Kurse werden Neumitgliedern der Sekte in der Regel sehr günstig angeboten, steigen aber kontinuierlich und erreichen schnell vierstellige Dollarbeträge. Zahnlungsunfähige Mitglieder werden nicht nur beleidigt und bedroht – es ist auch nicht unüblich, dass Mitarbeiter von Scientology versuchen, Familienangehörige dazu zu bringen, für zahlungsunfähige Kursteilnehmer einzuspringen.Paulette Cooper: The Scandal of Scientology. Chapter 19. The High Cost of Scientology. Carnegie Mellon University, abgerufen am 1. Mai 2026.
Während zunächst der Clear-Status angestrebt wird, wird Anhängern von Scientology danach nahegelegt, weitere Kurse zu besuchen, um den Status „Operating Thetan“ zu erreichen, was mit weiteren Kosten verbunden ist.
Einzelnachweise
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