Rjadino (, , ) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad. Er gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Neman im Rajon Neman.

Geographische Lage Rjadino liegt zehn Kilometer östlich der Rajonstadt Neman (Ragnit) an einer Nebenstraße, die von Gorino (Ober Eißeln) an der Regionalstraße 27A-025 (ex R508) über Bolschoje Selo (Unter Eißeln) nach hier führt. Der südöstliche Teil der Ortschaft (ehemals: Raudszen/Rautengrund) liegt an der Scheschupe (dt. Scheschuppe/Ostfluss, litauisch: Šešupė), der nordwestliche Teil (ehemals: Bambe/Heidenanger) liegt an der Memel (russisch: Neman). Eine Bahnanbindung gibt es nicht.

Geschichte Raudszen (Rautengrund) Raudszen war im 18. Jahrhundert ein königliches Bauerndorf.Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, Volständige Topographie vom Litthauischen Cammer-Departement, S. 129. Es bestand aus verstreuten größeren und kleineren Höfen beiderseits der Szeszuppe.D. Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Rautengrund Der Ort gehörte zu den ältesten und größten Dörfern im Kirchspiel Groß Lenkeningken (heute russisch: Lesnoje). Wann die ersten Bewohner hier sesshaft wurden, ist nicht belegt, doch ist das wohl schon vor der Ordenszeit gewesen. Im Jahre 1874 wurde die Landgemeinde Raudszen Sitz und namensgebend für einen Amtsbezirk im Kreis Ragnit.Rolf Jehke, Amtsbezirk Raudszen/Raudschen/Rautengrund Im Jahr 1928 wurden die beiden Gutsbezirke Aszolienen (s. u.) und Lenken (heute russisch Lagernoje) in die Landgemeinde Raudszen eingegliedert. 1929 wurde auch die Försterei Dachsberg angeschlossen (, nicht mehr vorhanden). 1936 wurde die Schreibweise des Ortes in Raudschen geändert und 1938 folgte die Umbenennung in Rautengrund. In Folge des Zweiten Weltkriegs kam der Ort 1945 mit dem nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Bemerkungen 1867Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preussischen Staates und ihre Bevölkerung nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871, Berlin 1874 535 1871 523 1885Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, I. Provinz Ostpreußen, Berlin 1888 553 1905Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, Heft 1, Provinz Ostpreußen, Berlin 1907 472 1910 445 1933Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich, Teil I: Altreich und Land Österreich. Herausgegeben vom Statistischen Reichsamt, Vierte Auflage, 1939 484 Einschließlich Aszolienen, Dachsberg und Lenken 1939 515 Einschließlich Aschelingen (Aszolienen), Dachsberg und Lenken

Amtsbezirk Raudszen/Rautengrund (1874–1945) Zwischen 1874 und 1945 bestand der Amtsbezirk Raudszen (ab 1936 „Amtsbezirk Raudschen“, ab 1939 „Amtsbezirk Rautengrund“) im Kreis Ragnit (ab 1922 Kreis Tilsit-Ragnit) mit folgenden Landgemeinden (LG) und Gutsbezirken (GB):

Name Änderungsnamevon 1938 Russischer Namenach 1945 Bemerkungen Aszolienen (GB) Aschelingen 1928 nach Raudszen eingemeindet Bambe (LG) Heidenanger (Ostpr.) Lugowoje Groß Lenkeningken (LG) Großlenkenau Lesnoje Lenken (GB) Lagernoje 1928 nach Raudszen eingemeindet Lobellen (GB) Russino Seit etwa 1880. Vorher war Lobellen ein Vorwerk vom Remontedepot Neuhof-Ragnit. Seit 1924 Landgemeinde. Raudszen,1936–1938: Raudschen (LG) Rautengrund Rjadino Reisterbruch (LG) Sosnowka ab 1909: Giewerlauken (LG) Hirschflur Nikolskoje 1909 aus dem Amtsbezirk Galbrasten umgegliedert ab 1909: Juckstein (LG) Kraineje 1909 aus dem Amtsbezirk Juckstein umgegliedert ab 1930: Nettschunen (LG) Dammfelde (Ostpr.) Tuschino 1930 aus dem Amtsbezirk Titschken umgegliedert

Bemerkenswertes In Rautengrund wurde das Pferd Julmond, einer der wichtigsten Trakehnerhengste gezüchtet. Es kam aus dem Stall des Bauern Mickoleit.

Aszolienen (Aschelingen)

Aszolienen war im 18. Jahrhundert ein adeliges Vorwerk,Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, Volständige Topographie vom Litthauischen Cammer-Departement, S. 5. das um 1860 zum Gut Lenken (heute russisch: Lagernoje) gehörte.Preußisches Urmesstischblatt Nr. 88 (1861) 1874 wurde Aszolienen als eigenständiger Gutsbezirk in den neu gebildeten Amtsbezirk Raudszen im Kreis Ragnit eingegliedert. 1928 wurde der Gutsbezirk Aszolienen in die Landgemeinde Raudszen eingegliedert. Dort erfolgte 1938 die Umbenennung des Ortes in Aschelingen.

Ob der Ort nach 1945 noch wiederbesiedelt wurde, ist unbekannt. Die verlassene Ortsstelle befindet sich heute im Rajon Krasnosnamensk.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1867 57 1871 58 1885 61 1905 29 1910 41 1925Zeitschrift des Preussischen Statistischen Landesamts, Band 67, 1927 36

Bambe (Heidenanger) / Lugowoje

Das idyllisch am Bambe-Teich, einem toten Arm der Memel gelegene Bambe bestand im 18. Jahrhundert nur aus einem Anwesen, wo man sich mit der Produktion von Heu für die Pferdezucht beschäftigte.Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, Volständige Topographie vom Litthauischen Cammer-Departement, S. 9. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entstand dort ein Vorwerk, das zunächst zum Gut Lenken gehörte. Daneben gab es eine Forstkolonie, die 1874 in eine Landgemeinde umgewandelt wurde, welche dem neu gebildeten Amtsbezirk Raudszen zugeordnet wurde. Das Vorwerk Bambe gehörte nun zum Remontedepot Neuhof-Ragnit und seit etwa 1880 zum Gutsbezirk Lobellen. Bambe war Schulort, zunächst mit einer einklassigen, seit etwa 1900 mit einer zweiklassigen Volksschule, die für 60 Kinder ausgelegt war und auch für Reisterbruch und (teilweise ?) Raudszen zuständig war. 1938 wurde der Ort in Heidenanger (Ostpr.) umbenannt.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges kam der Ort mit dem nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion. Er wurde im Jahr 1950 in Lugowoje umbenannt und dem Dorfsowjet Bolschesselski im Rajon Sowetsk zugeordnet.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 5 июля 1950 г., №745/3, «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Erlass 745/3 des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte der Oblast Kaliningrad" vom 5. Juli 1950) Am nun osero Jasykowoje genannten Teich wurde ein Ferienlager für Kinder eingerichtet.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Bemerkungen 1867 182 1871 193 Auf dem Vorwerk zusätzlich 24 1885 187 Auf dem Vorwerk zusätzlich 17 1905 176 Auf dem Vorwerk zusätzlich 20 1910 148 1933 195 1939 178

Rjadino Im Jahr 1947 wurde Raudszen (Rautengrund) in Rjadino umbenannt und gleichzeitig dem Dorfsowjet Bolschesselski selski Sowet im Rajon Sowetsk zugeordnet.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 ноября 1947 г. «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte des Gebiets Kaliningrad" vom 17. November 1947) Vor 1975 wurde der Ort Lugowoje (s. o.) an Rjadino angeschlossen.Административно-территориальное деление Калининградской области 1975 (Die administrativ-territoriale Einteilung der Oblast Kaliningrad 1975, herausgegeben vom Sowjet der Oblast Kaliningrad) Von 2008 bis 2016 gehörte Rjadino zur städtischen Gemeinde Nemanskoje selskoje posselenije und seither zum Stadtkreis Neman.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1984Sowjetische Topographische Karte 100k--n34-033 ~ 40 2002Allrussische Volkszählung von 2002 36 2010Allrussische Volkszählung von 2010 14

Kirche Sowohl die Bevölkerung von Raudszen/Raudschen resp. Rautengrund als auch von Bambe resp. Heidenanger war vor 1945 fast ausnahmslos evangelischer Konfession. Beide Dörfer waren bis 1897 in die Kirche in Ragnit eingepfarrt, danach in das neu gegründete Kirchspiel Groß Lenkeningken (der Ort hieß von 1938 bis 1946: Großlenkenau, heute russisch: Lesnoje). Beide waren Teil der Diözese Ragnit im Kirchenkreis Tilsit-Ragnit innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Heute liegt Rjadino im weitflächigen Einzugsbereich der neu entstandenen evangelisch-lutherischen Gemeinde in Sabrodino (Lesgewangminnen, 1938 bis 1946 Lesgewangen) innerhalb der Propstei Kaliningrad (Königsberg) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

Literatur Ernst Hofer: Am Memelstrom und Ostfluß, Düsseldorf 1967 (Darin Heidenanger (Bambe), S. 31–35, Rautengrund (Raudszen) einschl. Lenken, S. 61–63).

Weblinks Rjadino bei bankgorodov.ru Rjadino bei prussia39.ru Raudzsen/Rautengrund bei GenWiki Bambe/Heidenanger bei GenWiki Rjadino - Bambe/Heidenanger bei ostpreussen.net Aszolienen bei wiki.genealogy.net

Einzelnachweise

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