mini|Porträt des Hl. Johannes im „Book of Mulling“

Die Bezeichnung keltischer Ritus oder keltische Liturgie () fasst die katholischen Liturgien zusammen, die in Großbritannien, Irland und der Bretagne und teilweise auch im Königreich Galicien und auf der nördlichen Iberischen Halbinsel in Gebrauch waren, wie auch in den Klöstern, die von Iroschottischen Mönchen in Frankreich, Schweiz, Deutschland und Italien im frühen Mittelalter gegründet wurden. Der Begriff bezeichnet keine einheitliche Liturgie, sondern ist ein Sammelbegriff für eine große Vielfalt meist nur fragmentarisch bezeugter Riten. Die Beschäftigung mit außerrömischen Liturgien hat in Großbritannien eine besondere Bedeutung, da sich die hochkirchliche Bewegung der Anglikanischen Kirche immer wieder von Rom abgrenzen muss.

Die britische Kirche mini|links|Cartmel bei Morecambe Bay in Nord-West-England beherbergte früher eine Klostergemeinschaft.

Vor dem 8. Jahrhundert gab es in Westeuropa verschiedene Liturgien. Abweichungen in den Abläufen wurden als unwichtig angesehen, so lange der Primat Roms anerkannt wurde. Im Laufe der Christianisierung und der gleichzeitigen politischen Veränderungen vereinheitlichten sich die Liturgien immer mehr, so dass letztlich nach der Vereinigung des Fränkischen Reiches nur noch der römische Ritus, seine ambrosianische Variante, der romanisierte keltische Ritus und der spanisch-fränkische mozarabische Ritus übrig blieben. Britische Bischöfe nahmen Teil an den Konzilien von Arles und von Rimini 359. Außerdem kann man auf Kontakt mit Frankreich schließen durch Schenkungen an St. Martin bei Withern und in Canterbury, durch die Mission des Victridius von Rouen 396, sowie diejenigen von Germanus von Auxerre und St. Lupus, 429 und St. Severus 447. Diese Gesandtschaften sollten den Pelagianismus zu bekämpfen, dessen die britischen Bischöfe beschuldigt wurden.

Einige Teile Britanniens erhielten ihre liturgische Prägung jedoch von späteren irischen Missionaren. Die Heilige Ia von Cornwall und ihre Gefährten, St. Piran, St. Sennen, St. Petroc sowie andere Heilige, die im 5. und 6. Jh. nach Cornwall kamen, brachten ihre gewohnten Riten mit. Cornwall führte kirchliche Auseinandersetzungen mit Wessex (6./7. Jh.), was im Leofrics Missal erkennbar ist, auch wenn die Einzelheiten nicht bekannt sind.

Wichtige Unterschiede zwischen der britischen Kirche und der römischen Kirche bestanden beim Ostertermin, der Tonsur und der Taufliturgie. Gildas verzeichnet überdies einige Unterschiede bei der Ordination.

Liturgie Das älteste Messformular stammt aus dem 9. Jh.In der Bodleian Library, in Oxford, England (MS. 572) Es ist offensichtlich kornisch, da es die „Ecclesia Lanaledensis“ (wohl St Germans in Cornwall) erwähnt, wobei dies auch der sächsische Name für Aleth war (heute Teil von Saint-Malo). Es ist zu Ehren von St. Germanus verfasst. Stark römisch geprägt, stammt es wahrscheinlich aus der Zeit, in der Cornwall schon unter sächsischem Einfluss stand. Einzigartig ist allerdings sein Vorwort. Darüber hinaus enthält es Glossen in Walisisch oder Kornisch oder Bretonisch.

Anglikaner im 19. JahrhundertVor allem Sir William Palmer in seinem Origines Liturgicae und der Bischof von Chichester in seiner Story of the English Prayerbook vermuteten, dass Irenäus als Schüler von Polykarp den Ephesinischen Ritus in die Provence brachte, von wo er sich durch Gallien und Britannien verbreitete und auch Basis für den Sarum Rite wurde. Die Auffassung, dass der Gallikanische Ritus ephesinischen Ursprung hat, beruhte zunächst auf einer Bemerkung von Colman von Lindisfarne von 664 bei der Synodes von Whitby zum Ursprung des keltischen Osterfestes sowie auf einer Aussage eines irischen Schriftstellers aus dem 8. JahrhundertCott. MS. Nero A. II in the British Museum, wonach die keltische Heilige Liturgie aus Alexandria stamme. Auch Erzbischof NuttallCatechism; S.P.C.K., 1907 bestätigte die Herkunft des Keltischen Ritus aus der Ostkirche. Die Catholic Encyclopedia setzte dagegen, dass der Sarum Rite mehr oder weniger eine Variante des Römischen Ritus sei.„merely a local variety of the Roman, and that the influence of the Gallican Rite upon it is no greater than upon any other Roman variety“. Siehe auch: Ambrosianischer Ritus

Ein Brief von Papst Zacharias an Bonifatius (1. Mai 748,Haddan and Stubbs, III, 51) berichtet, dass eine Englische Synode jede Taufe verboten habe, die nicht im Namen der Dreieinigkeit vollzogen würde. Henry Spelman und Wilkins vermuteten diese Synode 603 in London, während Giovanni Domenico Mansi sie in das erste Jahr von Theodor von Tarsus 668 verlegt. Im „Poenitentiale Theodori“ (Lib. II, cap. iii, 13) wurde die Möglichkeit angesprochen, dass Priester, wahrscheinlich vornehmlich keltische Priester, ungültig getauft seien. In Kapitel ix wurde daraufhin die „reordination“ derer angeordnet, die durch schottische und britische Bischöfe konsekriert worden seien, und, die „nicht katholisch in ihren Osterfeiern und in ihrer Tonsur sind“. Darüber hinaus sollten ihre Kirchen mit Weihwasser besprengt werden. Offenbar ähnelte der Brauch der Taufe dem spanischen mit einer einzigen Untertauchung. Diese Form wurde von Rom für die spanische Kirche erlaubt.

Ostern Iren und Briten hielten am alten Jahreszyklus von 84 Jahren statt 19 Jahren fest und zählten die dritte Woche des österlichen Mondzyklus vom 14. bis zum 20. statt vom 15. zum 21. Tag. Bis 457, als der 532-Jahres-Zyklus des Victorius von Aquitanien in Rom eingeführt wurde, stimmte Britannien mit Rom überein und unterschied sich damit von Alexandria. Dies änderte sich 525, als Rom den 19-Jahre-Zyklus von Dionysius Exiguus übernahm und sich damit den Ostkirchen anpasste.

Auf der Synode von Whitby könnte Colman die Auseinandersetzung der Quartodezimaner vor Augen gehabt haben, als er behauptete, das gälische Ostern habe seinen Ursprung in Ephesus. St. Wilfrid gab zurück, dass nach der Quartodecimischen Regel Ostern an irgendeinem Tag der Woche gehalten werden müsse, während die Kelten es nur am Sonntag feierten. Auch St. Aldhelm scheint in seinem Brief an König Gerontius von Dumnonia die Christen Cornwalls des Quartodecimanismus zu bezichtigen.

Der Dissens bei der Osterfrage wurde schließlich an verschiedenen Orten zu verschiedenen Zeiten beigelegt: In Süd-Irland 626–628; in Nord-Irland 692; in Northumbria (bekehrt durch keltische Mission), 664; East Devon, Somerset, die Kelten unter Wessex, 705; die Picten, 710; Iona, 716–718; Strathclyde, 721; North Wales, 768; South Wales, 777; Cornwall blieb am längsten bei seiner Praxis, möglicherweise sogar bis zur Zeit des Bischofs Aedwulf von Crediton (909).A.W. Haddan and W. Stubbs (ed.), Councils and Ecclesiastical Documents Relating to Great Britain and Ireland, 3 vols (Oxford, 1869–1878), I, 112-3

Der Gälische Ritus Es gab in Irland schon vor St. Patrick Christen, aber es gibt keine Kenntnisse darüber, wie diese ihren Gottesdienst feierten, und ihre Existenz wird von Tirechan Catalogus Sanctorum Hiberniae aus dem 7. Jahrhundert verschwiegen. Dieser „Katalog“ ordnet die Heiligen Irlands in drei Linien und deckt 225 Jahre seit der Ankunft des heiligen Patrick ab. Er beschreibt die Entwicklung des Christentums seit der Herrschaft von Laoghaire MacNeil 440 bis zur Herrschaft von Blathmac und Diarmait, den Söhnen von Aodh Slane 665. Jede Linie, so wird angegeben, bestand über die Regierungszeit von 4 Königen. Symmetrie wird dadurch geschaffen, dass etwa 6 dazwischenliegende Regierungszeiten ausgelassen werden, aber die Eckdaten sind eindeutig und das Werk überliefert Gebräuche des Gottesdienstes, zu Ostern und Fragen zur Tonsur.

Die erste Linie fällt in die Zeit von St. Patrick, von der Herrschaft Laoghaires an bis zu derjenigen von Túathal Máelgarb (~ 440–544). Alle 350 dieser Linie waren Bischöfe, Kirchengründer, Römer, Gallier, Briten und Schotten. Sie hatten ein Haupt, Christus, einen Führer, Patrick, eine Messe und eine Tonsur von Ohr zu Ohr. Ostern feierten sie eine Nacht nach dem Frühlings-Äquinoktium („quarta decima luna post aequinoctium vernale“).

Die zweite Linie bestand aus wenigen Bischöfen und vielen Priestern, insgesamt 300. Sie dauerte von der Regierung von Tuathal bis zu derjenigen von Áed mac Ainmuirech (~ 544–99). Sie hatten ein Haupt, feierten unterschiedliche Messen und folgten verschiedenen Regeln („diversas regulas“). Sie feierten Ostern am 14. des Monats nach dem Äquinoktium und ihre Tonsur ging von Ohr zu Ohr. Sie erhielten eine einheitliche Messe von den Britanniern David von Wales, Gilla (Gildas), und Docus (Cadoc). Das Life of Gildas erzählt, wie König Ainmuire mac Sétnai Gildas rufen ließ, um die kirchliche Ordnung in seinem Reich wiederherzustellen, wo der katholische Glaube verloren gegangen war.

Die dritte Linie waren Priester und wenige Bischöfe, hundert an der Zahl, die in der Wildnis und asketisch lebten („qui in locis desertis habitabant et oleribus et aqua et eleemosynis vivebant, propria devitabant“). Sie folgten verschiedenen Messen und Regeln, hatten unterschiedliche Tonsuren („alii enim habebant coronam, alii caesariem“) und feierten Ostern zu unterschiedlichen Zeiten, manche am 14., manche am 16. des Monats, wohl mit eigenbrötlerischen Ideen („cum duris intentionibus“). Diese Zeit dauerte von der Regierungszeit von Áed Sláine bis zu derjenigen seiner zwei Söhne Diarmait und Blathmac (~ 599–665).

Die „unam celebrationem“ der ersten Linie und die „diversas regulas“ der zweiten und dritten Linie beziehen sich möglicherweise beide auf das Hochamt. Anscheinend feierte die erste Linie die Messe nach einer Form, die Patrick eingeführt hatte. Er war ein Schüler von Germanus von Auxerre und Honoratus von Lérins. Dementsprechend war es wahrscheinlich eine Messe nach gallikanischer Art. Der Tractat Cott. MS. Nero A. II aus dem 8. Jahrhundert schreibt, dass Germanus den „Cursus Scottorum“ an Patrick vermittelte. Daher ist es verständlich, dass die Britische Messe, die von David, Gildas, und Cadoc eingeführt wurde, sich davon unterschied. Die zweite und dritte Linie benutzten teilweise die Messform von Patrick und teilweise die Messform britischen Ursprungs; in der dritten Linie wurden zusätzlich römische Messformen verwendet.

Die Ausführungen des „Catalogus“ scheinen anzudeuten, dass die erste und zweite Linie Quartodecimanen gewesen sind. Jedoch ist dies sehr unwahrscheinlich, da sonst die dritte Linie teilweise zu den Sextodecimanen gehören müsste. Demnach kann dies nur bedeuten, was auch aus anderen Quellen bekannt ist: der vierzehnte Tag des Monats war der frühest mögliche Ostertermin. Die Doppeldeutigkeit der Aufzeichnungen führte auch Colman und Aldhelm in die Irre. Die erste und zweite Missionslinie hielt sich an die keltische Tonsur, während die römische (runde) Tonsur während der dritten Missionslinie teilweise in Gebrauch kam.

Nach dieser Zeit gibt es einen dunklen Zeitabschnitt, in dem das römische Osterdatum sich überall durchsetzte, das in Südirland zwischen 626 und 28 Akzeptanz erlangte. Möglicherweise kam auch eine Messform in Gebrauch, die – wie die Fragmente von Karlsruhe und Piacenza, sowie die Missale von Stowe und Bobbio – den römischen Kanon mit einigen nicht-römischen Details benutzte. Es dauerte bis ins 12. Jahrhundert, bis der gesonderte Irische Ritus verboten wurde, der laut Gilbert (1106–1139) beinahe überall in Irland in Gebrauch war. Malachy, Bischof von Armagh (1134–1148), begann den Kampf gegen diesen Ritus und auf der Synode von Cashel 1172 wurde letztendlich ein römischer Ritus festgelegt, „juxta quod Anglicana observat Ecclesia“ (damit England der Kirche gehorcht).

Schottische Quellen