Die Chronologie der Julikrise 1914 zeigt Entscheidungen, Gespräche und Korrespondenz der Entscheidungsträger und wichtiger Diplomaten während der Julikrise 1914.

mini|hochkant=2|Die offizielle Bündnissituation in der Julikrise mini|Abfahrt Franz Ferdinand von Österreich-Este, Thronfolger von Österreich-Ungarn, und seiner Frau Sophie Chotek von Chotkowa vom Rathaus in Sarajewo, fünf Minuten vor dem Attentat mini|Gavrilo Princip erschießt Erzherzog Franz Ferdinand und dessen Frau

26. Kalenderwoche mini|Feldzeugmeister Oskar Potiorek gilt verantwortlich für die laxen Sicherheitsvorkehrungen in Sarajewo, zudem setzte er sich für die Fortführung des Besuchs nach dem ersten Attentat ein 28. Juni (Sonntag) Attentat von Sarajevo: Ermordung von Franz Ferdinand von Österreich-Este, Thronfolger von Österreich-Ungarn, und seiner Frau Sophie Chotek von Chotkowa. Schreiben des k.u.k. Landeschefs für Bosnien und Herzegowina Oskar Potiorek an Finanzminister Leon Biliński: Geiss: Julikrise und Kriegsausbruch 1914, Band I. 1963, S. 57 (Nr. 1).

27. Kalenderwoche 29. Juni (Montag) Unterredung des k.u.k. Minister des Äußeren Leopold Berchtold und Generalstabschef Franz Conrad (von Hötzendorf): Conrad fordert sofortige Schritte, . Berchtold sah zwar auch den gekommen, will jedoch die Untersuchung abwarten und hält eine diplomatische Vorbereitung für notwendig.Geiss: Julikrise und Kriegsausbruch 1914, Band I. 1963, S. 58 (Nr. 2).

30. Juni (Dienstag) Der deutsche Botschafter in Wien, Heinrich von Tschirschky, berichtet nach Berlin (Eingang dort 2. Juli): Geiss: Julikrise und Kriegsausbruch 1914, Band I. 1963, S. 58 f. (Nr. 3). Das deutsche Auswärtige Amt (Arthur Zimmermann) gibt den britischen und russischen Botschaftern zu verstehen, dass es Komplikationen vermeiden wolle. Die Tat jugendlicher Anarchisten könne nicht dem Staat Serbien zugerechnet werden, allerdings müsse Serbien zur Aufklärung beitragen.Geiss: Julikrise und Kriegsausbruch 1914, Band I. 1963, S. 59 f., 72 f. (Nr. 4, 13).

1. Juli (Mittwoch) mini|Franz Conrad von Hötzendorf plädierte unmittelbar nach dem Attentat für den Krieg Unterredung des k.u.k. Minister des Äußeren Leopold Berchtold und Generalstabschef Conrad: Berchtold teilt Conrad mit, dass Kaiser Franz Joseph I. ebenfalls die Untersuchung abwarten wolle. Die Ministerpräsidenten Karl Stürgkh und István Tisza plädieren für Zurückhaltung, Tisza ist zu diesem Zeitpunkt generell gegen Krieg (und schreibt dies am selben Tag auch an Kaiser Franz Joseph), Stürgkh will die Untersuchung abwarten. Conrad wiederholt, dass der ein Kriegsgrund sei. Er stimmt jedoch Berchtold zu, dass Österreich-Ungarn ohne Rückendeckung Deutschlands die Hände gebunden seien.Geiss: Julikrise und Kriegsausbruch 1914, Band I. 1963, S. 60 (Nr. 5). Unterredung Alexander Hoyos und Victor Naumann: Naumann gibt seiner Überzeugung Ausdruck, dass Deutschland einen Krieg gegen Serbien decken würde.Geiss: Julikrise und Kriegsausbruch 1914, Band I. 1963, S. 60 f. (Nr. 6).

2. Juli (Donnerstag) mini|Der deutsche Botschafter Heinrich von Tschirschky mahnt in Wien zunächst zur Besonnenheit, nach einem von Wilhelm II. ausgehenden Verweis drängt er zum Krieg Schreiben von Franz Joseph I. an Wilhelm II.: Geiss: Julikrise und Kriegsausbruch 1914, Band I. 1963, S. 63 ff. (Nr. 9). Gespräche des deutschen Botschafters Tschirschky mit Kaiser Franz Joseph und Außenminister Berchtold: Tschirschky mahnt in beiden Fällen zur Besonnenheit.Geiss: Julikrise und Kriegsausbruch 1914, Band I. 1963, S. 69 ff., 74 f. (Nr. 11, 14). Das deutsche Auswärtige Amt spricht sich gegen einen österreichisch-serbischen Krieg aus, da sich daraus ein Weltkrieg entwickeln könne. Deutsche Militärkreise sprechen sich dagegen für den allgemeinen Krieg aus, da die militärische Situation derzeit noch vergleichsweise günstig sei und sich in Zukunft zum Schlechteren entwickele (siehe Kriegsrat vom 8. Dezember 1912).Geiss: Julikrise und Kriegsausbruch 1914, Band I. 1963, S. 71 f. (Nr. 12).

3. Juli (Freitag) Laut General Georg von Waldersee plädiere der Große Generalstab in Berlin für den allgemeinen Krieg.Geiss: Julikrise und Kriegsausbruch 1914. Band 1, 1963, S. 75 (Nr. 15).

4. Juli (Samstag) mini|hochkant|Wilhelm II.: Mit den Serben muss aufgeräumt werden und zwar bald. mini|Alexander Graf von Hoyos führte in Berlin die nach ihm benannte Mission Hoyos durch Unterstaatssekretär des Äußeren Arthur Zimmermann mahnt Ladislaus von Szögyény-Marich (österreichisch-ungarischer Botschafter in Berlin) zur Vorsicht, man solle keine demütigenden Forderungen an Serbien stellen.Geiss: Julikrise und Kriegsausbruch 1914, Band I. 1963, S. 77 (Nr. 17). Wilhelm II. gibt Tschirschkys Bericht vom 30. Juni (siehe dort) an den Reichskanzler und das Auswärtige Amt zurück. Zum Referat von Tschirschky, demgemäß in Wien der Wunsch geäußert werde, vermerkte der Kaiser: . Zur Darstellung von Tschirschky, dass er in Wien vor übereilten Schritten warne, vermerkte Wilhelm II.: – Das kaiserliche Votum gibt den Ausschlag zugunsten der militärischen und gegen die politische Führung, Tschirschky erhält einen Verweis, das Auswärtige Amt wechselt umgehend die Position.Geiss: Julikrise und Kriegsausbruch 1914, Band I. 1963, S. 58 f., 125, (Nr. 3, 46). Ein Vertrauensmann der Deutschen Botschaft und Korrespondent der Frankfurter Zeitung spricht im k.u.k. vor und erklärt, dass Tschirschky nunmehr ein möglichst baldiges Losschlagen gegen Serbien nachdrücklich empfehle (im Gegensatz zu seiner Position noch wenige Tage zuvor).Geiss: Julikrise und Kriegsausbruch 1914, Band I. 1963, S. 77 f. (Nr. 19). Der französische Staatspräsident Raymond Poincaré mahnt den k.u.k. Botschafter Miklós Szécsen (k.u.k. Botschafter in Paris) zur Zurückhaltung.Geiss: Julikrise und Kriegsausbruch 1914, Band I. 1963, S. 77 (Nr. 18). Der k.u.k. Legationsrat Alexander Hoyos wird nach Berlin entsandt (Mission Hoyos).Geiss: Julikrise und Kriegsausbruch 1914, Band I. 1963, S. 56.

5. Juli (Sonntag) mini|Ladislaus von Szögyény-Marich, k.u.k Botschafter in Berlin K.u.k. Botschafter Ladislaus von Szögyény-Marich übergibt Wilhelm II. vor einem gemeinsamen Déjeuner (hier: kleines Mittagessen) die von Alexander Hoyos am Morgen mitgebrachte Denkschrift der k.u.k. Regierung und Franz Josephs Handschreiben vom 2. Juli. Letzteres fasst auch die Gedankengänge der Denkschrift kurz zusammen (siehe oben). Wilhelm liest beide Schriftstücke in Anwesenheit von Szögyény, reagiert zunächst zurückhaltend und führt mögliche ernste europäische Konsequenzen an, die man bedenken müsse. Nach dem Déjeuner (etwa 13 Uhr) ermächtigt Wilhelm II. jedoch Szögyény, er könne Franz Joseph melden, dass er auch im Falle europäischer Verwicklungen auf rechnen könne. Er, Wilhelm II., müsse jedoch noch (verfassungsrechtlich korrekt) die Meinung des Reichskanzlers hören, aber zweifele nicht an dessen Zustimmung. Eine Aktion gegen Serbien müsse jedoch schnell erfolgen. Szögyény setzt um 19:35 Uhr ein entsprechendes Telegramm nach Wien ab, das bei der k.u.k Regierung um 22 Uhr eingeht.Geiss: Julikrise und Kriegsausbruch 1914, Band I. 1963, S. 83 f. (Nr. 21). Audienz von Generalstabschef Franz Conrad (von Hötzendorf) bei Franz Joseph, der Conrads Meinung zustimmt: Falls Deutschland Rückendeckung gegen Russland gibt, .Geiss: Julikrise und Kriegsausbruch 1914, Band I. 1963, S. 83 (Nr. 20). mini|Erich von Falkenhayn: Das Heer ist uneingeschränkt für alle Fälle bereit 17 Uhr: Wilhelm II. beordert Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg, Kriegsminister Erich von Falkenhayn, Generaladjutant Hans von Plessen, Chef des Militärkabinetts Moriz von Lyncker und Unterstaatssekretär Arthur Zimmermann ins Neue Palais, trägt ihnen die vom k.u.k. Botschafter Szögyény überbrachten Schreiben vor und befragt Falkenhayn, sei. Falkenhayn bejaht dies ohne Einschränkung. Die Militärs plädieren für ein möglichst schnelles Vorgehen gegen Serbien. Die Frage Falkenhayns, ob Vorbereitungen zu treffen seien, verneint Wilhelm II. Ähnlich verläuft ein gesondertes Gespräch mit Marineoffizier Hans Zenker.Geiss: Julikrise und Kriegsausbruch 1914, Band I. 1963, S. 86 ff. (Nr. 23, 24). 18 Uhr: gesonderte Unterredung Wilhelm II. mit Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg und Arthur Zimmermann. Der Kaiser erklärt nach den Aufzeichnungen Bethmann Hollwegs: Der Reichskanzler stimmt ohne Abstriche zu und billigt damit die kaiserlichen Zusagen an Szögyény.Geiss: Julikrise und Kriegsausbruch 1914, Band I. 1963, S. 85 (Nr. 22).

28. Kalenderwoche 6. Juli (Montag) mini|Arthur Zimmermann, Unterstaatssekretär des Äußeren und aufgrund Jagows Abwesenheit de facto deutscher Außenminister in der ersten Phase der Julikrise 15 Uhr: Gespräch Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg und Unterstaatssekretär Arthur Zimmermann mit k.u.k. Botschafter Ladislaus von Szögyény-Marich und k.u.k. Legationsrat Alexander Hoyos: Der Reichskanzler trägt unter anderem vor, dass Österreich-Ungarn alleine entscheiden müsse, was in Bezug auf Serbien zu geschehen habe. Hierbei könne Österreich-Ungarn, wie auch immer seine Entscheidung ausfalle, . Szögyény gibt in Berlin um 17:10 Uhr ein Telegramm mit dem entsprechenden Bericht auf, das in Wien um 20 Uhr eingeht.Geiss: Julikrise und Kriegsausbruch 1914, Band I. 1963, S. 93, 95, 98 (Nr. 27, 31, 34). Der deutsche Botschafter in London, Karl Max von Lichnowsky, deutet gegenüber dem britischen Außenminister Edward Grey an, dass Österreich gegen Serbien militärisch vorgehen könnte.Geiss: Julikrise und Kriegsausbruch 1914, Band I. 1963, S. 100 f.,102 ff. (Nr. 36, 38).

7. Juli (Dienstag) mini|hochkant|Leopold Graf Berchtold forderte im Ministerrat für gemeinsame Angelegenheiten vom 7. Juli 1914, Serbien durch eine Kraftäußerung für immer unschädlich zu machen Sitzung des Gemeinsamen Ministerrates in Wien, Teilnehmer: k.u.k. gemeinsamer Minister des Äußeren Leopold Berchtold, österreichischer k.k. Ministerpräsident Karl Stürgkh, ungarischer Ministerpräsident István Tisza, k.u.k Finanzminister Leon Biliński, k.u.k. Kriegsminister Alexander von Krobatin, k.u.k. Generalstabschef Franz Conrad (von Hötzendorf), k.u.k. Konteradmiral Karl Kailer von Kaltenfels, k.u.k. Legationsrat Alexander Hoyos: Berchtold stellt die Frage in den Raum, , verweist auf die und auf die deutsche Empfehlung, möglichst schnell zu handeln. Lediglich der ungarische Ministerpräsident Tisza wendet sich gegen den sofortigen Krieg: man müsse Serbien zunächst eine diplomatische Niederlage bereiten. Alle anderen Teilnehmer sind der Ansicht, . Für die eigene militärische Mobilisierung werden 16 Tage veranschlagt. Berchtold fasst das Ergebnis der Sitzung zusammen, dass man sich trotz der abweichenden Meinung von Tisza nähergekommen sei, da auch die Vorschläge von Tisza Geiss: Julikrise und Kriegsausbruch 1914, Band I. 1963, S. 104 ff., (Nr. 39, 40, 41).

8. Juli (Mittwoch) mini|Ministerpräsident Tisza: Angriff auf Serbien würde nach jeder menschlichen Voraussicht eine Intervention Russlands und somit einen Weltkrieg heraufbeschwören Wien: der deutsche Botschafter Tschirschky teilt dem k.u.k. Außenminister Berchtold mit mit, dass man in Berlin einem Telegramm Wilhelm II. zufolge . Berchtold leitet dies weiter an den ungarischen Ministerpräsident Tisza. Berchtold äußert gegenüber Tschirschky, falls Kaiser Franz Joseph der Meinung Tiszas zuneige, würde er dem Kaiser empfehlen, .Geiss: Julikrise und Kriegsausbruch 1914, Band I. 1963, S. 132 f. (Nr. 52). Der ungarische Ministerpräsident Tisza schreibt an Franz Joseph und warnt vor den Folgen eines Krieges: . Tisza empfiehlt eine Dann hätte Österreich-Ungarn die , da es sich Geiss: Julikrise und Kriegsausbruch 1914, Band I. 1963, S. 128 ff. (Nr. 51). Der deutsche Botschafter in Wien, Tschirschky, informiert Reichskanzler Bethmann Hollweg und Staatssekretär Jagow über die Ergebnisse des k.u.k. Ministerrats und die Vorbehalte Tiszas.Geiss: Julikrise und Kriegsausbruch 1914, Band I. 1963, S. 131 f. (Nr. 52).