mini|Wappen der Ritter von Lösnich als Ahnenprobe auf der Grabplatte des Ritters Cuno VI. von Pyrmont 1447 mini|Grabstein der Lisa von Pyrmont (von Lösnich), verstorben um 1399, und von Heinrich Beyer von Boppard aus dem ehemaligen Kloster Marienberg in Boppard mini|Das Hoheitsgebiet der Herrschaft Lösnich 1675 rechts der MoselStadtarchiv Trier, Archiv der Reichsgrafen von Kesselstatt, DK 5196, S. 282. mini|Das Hoheitsgebiet der Herrschaft Lösnich 1675 links der MoselStadtarchiv Trier, Archiv der Reichsgrafen von Kesselstatt, DK 5196, S. 280. mini|Die 1652 gebranntschatzte Burg 1689Stadtarchiv Trier, Archiv der Reichsgrafen von Kesselstatt, DK 5196, S. 299. mini|Blick nach Lösnich von der linken Moselseite mini|Wappen des Hochmeisters des Deutschen Ordens von 1638 am Portal der heutigen Friedhofskapelle und ehemaligen Pfarrkirche
Die Herrschaft Lösnich mit dem Dorf Lösnich an der Mosel, gelegen im Landkreis Bernkastel-Wittlich, war eine ehemals reichsunmittelbare Herrschaft.
Das Dorf war mit seiner Burg Stammsitz der Ritter von Lösnich und seit Mitte des 14. Jahrhunderts ein kurkölnisches LehenStadtarchiv Trier, DK 2826, Abschrift aus dem kurkölnischen Mannbuch zur Belehnung des Ritters Heinrich Beyer von Boppard 1368. in direkter Nachbarschaft der Grafschaft Sponheim, dem „Cröver Reich“ und dem kurkölnischen Amt Zeltingen und Rachtig.
Ab 1673 findet in Berichten über die Lösnicher Burg und Herrschaft Erwähnung, dass auch das unter kurtrierischem Schirm stehende Dorf Bausendorf zur Herrschaft Lösnich gehörte.Stadtarchiv Trier, DK 2826, Bericht über die Beschaffenheit der Immediate im Römischen Reich gelegenen Burg und Herrschaft Loesenich So findet sich im Gemeindewappen von Bausendorf auch das Wappen der Ritter von Lösnich, der Lösnicher „Frauenarm“ auf rotem Feld. Weitere lehensrührige Besitzungen mit entsprechenden Einkünften hatte die Herrschaft in Erden, Rachtig, Kinheim, Neuerburg, Bengel, Remich bei Trier, Kommen, Immerath, Steineberg, Strotzbüsch und Rhens.Stadtarchiv Trier, DK 2826, Bericht von 1674.
Das Leben der Bewohner von Lösnich war bis zum Einzug der französischen Truppen in die Rheinlande im Jahre 1794 geprägt durch das sogenannte Feudalsystem.
Lehnsbrief Die Rechtsbeziehung zwischen Lehnsherr und Lehnsmann wurde im Lehnsbrief beschrieben und geregelt. Ob die Lösnicher Ritter schon selbst mit Burg und Herrschaft in einem Lehnsverhältnis mit Kurtrier oder Kurköln gestanden haben, kann nicht mit Gewissheit gesagt werden. In einem Statusbericht von 1690 über die Herrschaft heißt es jedoch: „Das alte ritterliche Geschlecht von Lösnich hat von dem löblichen Ertzstift Cöln das Haus Lösnich sambt einigen appertinentia zu Lehn erhoben und getragen bis auf den letzten dieses Stammes mit Namen Conrad, welcher nach dem iahr 1367 ohne männlichen leibs Erben Todts verblichen, …“Stadtarchiv Trier, Archiv der Reichsgrafen von Kesselstatt, DK 2826, Bericht vom 22. Oktober 1690. Das erste schriftliche Zeugnis eines Lehnsbriefes liegt vor von Heinrich Beyer von Boppard aus dem Jahre 1368.Stadtarchiv Trier, Archiv der Reichsgrafen von Kesselstatt, DK2826, Bericht von 1690. Als zweiter Ehemann von Lisa von Lösnich, der letzten des Lösnicher Geschlechts, trat er mit ihr in das Erbe der Herrschaft Lösnich ein.
Kurkölnischer Lehnsbrief von 1509 Ein Ausschnitt aus der Abschrift eines Lehnsbriefs des Kölner Erzbischofs Philipp II. von Daun aus dem Jahre 1509 im Lagerbuch der Reichsgrafen von Kesselstatt gibt einen Einblick in den Inhalt des Lösnicher Lehnsbriefes.Stadtarchiv Trier, Archiv der Reichsgrafen von Kesselstatt, DK 5196, Lagerbuch Band III, S. 174. Inhalt und Struktur des Briefes blieben über die Jahrhunderte hinweg relativ unverändert. Lehnsmann der Burg Lösnich war 1509 Conrad Beyer von Boppard, ein Urururenkel von Lisa von Lösnich.
Unter anderem heißt es hier:
Weitere Belehnungen bis 1794 Bereits 1495 belehnte Hermann, Erzbischof von Köln, Conrad Beyer von Boppard. 1590 folgte als kurkölnischer Lehnsmann Georg Beyer von Boppard. 1650 belehnte Ferdinand von Bayern, Erzbischof von Köln, den Grafen Franz Ernst von Chrichingen, 1652 erfolgte die Erneuerung der Belehnung an Graf Franz Ernst von Chrichingen durch Maximilian Heinrich von Bayern, Erzbischof von Köln.Landeshauptarchiv Koblenz, Bestand 52, 12 Nr. 2
Im Jahre 1674 belehnte Maximilian Heinrich von Bayern, Erzbischof zu Köln, Wolf Heinrich von Metternich mit der Herrschaft Lösnich. Die Belehnungsformel ist in der mitgeteilten Beschreibung der Lehnsgüter identisch mit der von 1509.Stadtarchiv Trier, Archiv der Reichsgrafen von Kesselstatt, DK2826, Bericht von 1690. Kurfürst Clemens von Köln belehnte Melchior von Kesselstatt mit der üblichen Belehnungsformel am 30. Juli 1730.Landeshauptarchiv Koblenz, Bestand 54, 13, K184
Am 26. Juni 1762 belehnte der Kölner Erzbischof Maximilian Friedrich von Königsegg-Rothenfels Hugo Casimir von Kesselstatt.Landeshauptarchiv Koblenz, Bestand 54, 13, K184 Die Franzosen beendeten 1794 mit der Besetzung der linksrheinischen Gebiete das Lehnswesen in dieser Region.
Ritter und Feudalherren mini|Das quartierte Wappen der Beyer von Boppard und Ritter von Lösnich Seit dem 13. Jahrhundert ist das Geschlecht der Ritter von Lösnich urkundlich bezeugt und Nutznießer der Herrschaft. Dazugehörige Güter waren auch lehnsrührig vom Erzstift Trier, der Grafschaft Sponheim, der Grafschaft Veldenz, der Herrschaft Neumagen und der Grafschaft Wied. Neben anderen im Moselraum beheimateten Rittergeschlechtern treten die Lösnicher ab 1226 immer wieder als eigene Urkundenaussteller und Mitsiegler auf.MUKB, Beyer-Eltester, Band III, S. 241, Nr. 300 Das Siegel zeigt einen Frauenarm mit Hängeärmel, der einen Fingerring hält. Auf dem Wappenschild sind einzelne Kreuze eingestreut.
Nach dem Aussterben der Lösnicher Ritterschaft wechselt die Herrschaft im Laufe der Jahrhunderte mehrmals ihren Besitzer durch natürliche Erbfolge, Heirat und Verkauf. Als Nutznießer der Herrschaft treten an einzelnen Geschlechtern auf: Ritter von Lösnich (13.–14. Jahrhundert) Ritter von Pyrmont (14. Jahrhundert) Ritter Beyer von Boppard (14.–16. Jahrhundert) Freiherren von Chrichingen (16.–17. Jahrhundert) Freiherren von Metternich (17. Jahrhundert) Grafen von Kesselstatt (17.–19. Jahrhundert) Nach dem Aussterben der männlichen Linie des Geschlechts der Ritter von Lösnich ging 1368 die Herrschaft an die Beyer von Boppard und Ritter von Pyrmont. Lisa von Lösnich, Tochter des Conrad von Lösnich, heiratete 1330 in erster Ehe Cuno von PyrmontLandeshauptarchiv Koblenz, Abt. 41, Nr. 3, Pyrmont und nach 1351 in zweiter Ehe Heinrich Beyer von Boppard.Möller Stammtafeln, Stammbaum der Beyer von Boppard, S. 50. Infolge der Eheschließung von Anna Beyer von Boppard mit Christoph von Chrichingen gelangte die Herrschaft bei Teilung der Beyerschen Güter um die Wende des 16. Jahrhunderts an das Haus Chrichingen.Christian Stramberg: Das Moseltal zwischen Zell und Koblenz. S. 199. Im Jahre 1673 folgte schließlich der Verkauf der Herrschaft für 15.763 Reichstaler an den Freiherrn Wolf Heinrich von Metternich.Stadtarchiv Trier, DK5196, S. 191, vgl. Landeshauptarchiv Koblenz, Abt. 52,12 Nr. 10, Kaufbrief der Herrschaft Lösnich vom 1. August 1673. Dieser ließ 1683/84 das bis dahin als herrschaftliches Kelterhaus dienende Gebäude auf dem Burggelände zu einem stattlichen Wohnhaus umbauen.Stadtarchiv Trier, DK5196, S. 242 ff.
Die Ritter Beyer von Boppard
Nachdem Lisa von Pyrmont (Lösnich) 1399 verstorben war, folgte ihr in der Herrschaft Lösnich Conrad Beyer von Boppard, ihr Sohn aus zweiter Ehe mit Heinrich Beyer von Boppard. Durch die Ehe Conrads mit Maria von Parroye wurde selbiger veranlasst, seinen Wohnsitz nach Lothringen zu verlegen.Chr. v. Stramberg, Das Moseltal zwische Zell und Konz, gedr. 1837, S. 197. Das pyrmontische Drittel der Herrschaft Lösnich, das Cuno von Pyrmont 1409 an seinen Onkel Conrad Beyer veräußert hatte,Pohlmann Karl, Lehnsurkunden der Grafen von Veldenz, S. 263, Nr. 610 befand sich 1476 im Besitz der Junker von Strasbach.Stadtarchiv Trier, Archiv der Reichsgrafen von Kesselstatt, DK2826. In der Folgezeit traten verschiedene Junkergeschlechter als Grundherren auf. Dazu zählten die Schaflützel von Kerpen, die Roben von Seinzfeld und die Kolben von Wasenach und später auch die von Lyser, die Raab von Pünderich, um nur einige zu nennen. Dieses als Junkerteil bezeichnete Drittel der Herrschaft Lösnich, das keine Anteile und Rechte an der Burg selbst hatte, wurde 1615/16 von Kurfürst Lotharius von Metternich für seinen Vetter Christoph von Chrichingen erworben.Stadtarchiv Trier, Archiv der Reichsgrafen von Kesselstatt DK 2826, Bericht v. 1673, Abs. 15 Christoph hatte durch seine Ehe mit Anna Beyer von Boppard, der Schwester des Georg Beyer von Boppard, die Herrschaft Lösnich um die Wende des 16. Jahrhunderts ansichgebracht.
Nach dem Tod Conrads Beyer von Boppard im Jahre 1421 fiel das Erbe an seinen Sohn Heinrich VIII Beyer von Boppard, Herr zu Castel-Brehain, Unterlandvogt im Elsaß und Rat Herzog Karls von Lothringen. Heinrichs Bruder Dietrich Beyer von Boppard, Herr zu Castel und Mengers, empfing am 14. Dezember 1448 von Abt Wynand der Reichsabtei Echternach Lehnsgüter, Zehnte und andere Güter in der Herrschaft Lösnich zu einem wahren Mannlehen.Wampach IX, Alt. Lux. Terr., S. 302, Nr. 875.
Die Beyer von Boppard wohnten wohl nicht selbst auf der herrschaftlichen Burg in Lösnich. Sie installierten zur Wahrnehmung ihrer Rechte einen sogenannten Burggrafen vor Ort. Im März 1457 wird der Burggraf namens Colin von Mernick im Zusammenhang eines Vergleichs zwischen Abt Wynand von Echternach und Claisz Ruck von Rachtig genannt.Wampach IX, Alt. Lux. Terr., S. 348, Nr. 916 Unter den Sühneleuten des Gillis von Herrendelle in einer Sühneangelegenheit desselben wegen des in Rachtig gelegenen Echternacher Klosterhofs, ebenfalls mit Abt Wynand von Echternach am 9. Juni des Jahres 1475 tritt er ein weiteres Mal auf.Wampach IX, Alt. Lux. Terr., S. 918. Ein anderer Burggraf namens Wilhelm Pfaffenbruch bewohnte die Burg Anfang des 16. Jahrhunderts. 1536 klagte derselbe am kurtrierischen Hofgericht gegen Klaus und Hans Gelenvon Föhren wegen eines Kaufs von Gütern zu Föhren von einem Vetter der Beklagten.LHA Koblenz, Abt. 56, Nr. 1709; LHA 2035. Dieselben verkauften 1445 der Liebfrauenkirche zu Trier für 1000 Goldgulden unter anderem auch ihre Güter zu Lösnich.Stadtarchiv Trier, Archiv der Reichgrafen von Kesselstatt, DK5196, S. 193, s. a. LHA Kobl., Abt. 206 IV, 31
Aus Heinrichs Ehe mit Agnes von Ochsenstein gingen drei Söhne hervor, Rudolf, Heinrich X. und Johann Beyer von Boppard. Johann Beyer siegelte den Kaufvertrag mit dem Beyerschen Wappen, das quartiert ist mit dem Wappen von Lösnich. 1483 wurden Rudolf Beyer und sein Neffe Johann, ein Sohn Heinrichs X., als Lehnsmänner der Herrschaft Lösnich genannt.Stadtarchiv Trier, Archiv der Reichgrafen von Kesselstadt, DK5196, S. 193, s. a. LHA Kobl., Abt. 206 IV, 31
Johann Beyer von Boppard, Herr zu Castel und de la Tour, bekundete am 3. September 1489 den Erhalt aller Lehen vom Kloster Echternach, welche die Herrschaft Lösnich von der Abtei Echternach schon vor Zeiten zu Lehen getragen habe.Wampach IX, Alt. Lux. Terr., S. 505, Nr. 1036.