thumb|Horgau von Süden thumb|Kirche St. Maria Magdalena in Horgauergreut Horgau ist eine Gemeinde im schwäbischen Landkreis Augsburg in Bayern.
Geografie Geografische Lage Horgau liegt im Naturpark Augsburg – Westliche Wälder, ca. 17 km westlich von Augsburg. Durch Horgau fließt die Roth, die danach den Rothsee quert und nach Zusmarshausen in die Zusam mündet.
Gemarkungen und Gemeindeteile Die Gemeinde besteht aus 3 Gemarkungen und hat 8 Gemeindeteile: Hauptort, Pfarrdorf und Gemarkung Horgau mit dem Kirchdorf Bieselbach, den Weilern Herpfenried und Schäfstoß und der Einöde Ziegelhauserhof Kirchdorf und Gemarkung Auerbach mit dem Weiler Lindgraben Kirchdorf und Gemarkung Horgauergreut
Geschichte Bis zur Gemeindegründung Im Gemeindebereich wurden ca. 5000 Jahre alte Werkzeuge wie Stichel, Klingen und Pfeilspitzen gefunden, bei weiteren Ausgrabungen fand man ca. 3000 Jahre alte Bronzegegenstände. Aus der Zeit der Kelten sind noch Grabhügel zu finden.
König Otto I. soll in der Nacht vom 9. zum 10. August des Jahres 955 sein letztes Marschlager in der Horgauer Gegend aufgeschlagen haben, bevor er mit seinem Heer zur entscheidenden Schlacht gegen die Ungarn, der berühmten Lechfeldschlacht, nach Augsburg weiter zog. Einige Überlieferungen lassen darauf schließen, dass es seit dem 8. Jahrhundert im Bereich Horgau Siedlungen gibt. Erste urkundliche Erwähnungen von Gütern in Horgau gibt es seit 1126.
Am 26. Februar 1462 zerstörten Augsburger Soldaten die Orte Horgau und Horgauergreut. Der Grund: Horgauergreut gehörte damals dem Augsburger Bürger Hans Nördlinger. Der aber stand auf der Seite des Herzogs Ludwig von Bayern, gegen den die Augsburger gerade zu Felde zogen. So wurden beide Dörfer ein Opfer der kämpferischen Augsburger. Von 1424 bis 1475 erscheint die Augsburger Familie Sighart als Besitzer von Horgau.HAB, S. 488 Seit Ende des 15. Jahrhunderts gehörte Horgau einer Linie des Augsburger Patriziergeschlechts von Rehlingen, die sich danach von Horgau nannte. Laut Burgauer Feuerstattguldenregister besaßen die Rehlinger 1492 in Horgau 49 Feuerstätten.HAB, S. 489 Um 1500 erwarb das Hochstift Augsburg den Nachbarort Horgauergreut.Steichele, S. 69
Im Sommer 1632, während des Dreißigjährigen Krieges, wurde der katholische Pfarrer Martin Maxilla bei einem Überfall von Schweden erschlagen. Traurige Berühmtheit erlangte Horgau durch den 17. Mai 1648. An diesem Tag kam es zuerst in Herpfenried und dann an einer Straße östlich von Horgau zu letzten Rückzugsgefechten des Dreißigjährigen Krieges. General Peter Melander Graf von Holzapfel, der mit den Kaiserlichen Truppen vor den Schweden und Franzosen floh, konnte Zusmarshausen noch in Richtung Augsburg verlassen. In Horgau wurde er gegen 12 Uhr tödlich verwundet. Er wurde nach Augsburg transportiert. 2000 kaiserliche Soldaten fanden den Tod. Im Horgauer Hauptaltarbild ist ein Gemälde mit brennenden Gebäuden aus dieser Zeit zu sehen – wohl als Mahnung zum Frieden. Die Erbentochter des 1692 im Mannesstamm erloschenen Zweiges der Rehlingen von Horgau, heiratete Markus Anton von Rehlingen zu Hainhofen.Steichele, S. 69
Ende des 17., Anfang des 18. Jahrhunderts wurden im Horgauer Gemeindegebiet mehrere Barockkirchen und -kapellen errichtet, welche am 11. Oktober 1735 eingeweiht wurden. In den Jahren 1771/72 herrschte in Horgau eine fürchterliche Seuche, eine Art Lungenpest, die sehr viele Opfer forderte. Nach dem Aussterben der Rehlingen-Hainhofen, fiel Horgau inkl. Hainhofen an die Rehlingen von Kitzighofen. Als reichsritterliche Insassen-Herrschaft der Markgrafschaft Burgau gingen die Hoheitsrechte 1806 an die bayerische Krone über.Steichele, S. 69 Die Gemeinde Horgau entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818.
20. Jahrhundert 1862 bis 1929 gehörte Horgau zum Bezirksamt Zusmarshausen und ab 1929 zum Bezirksamt Augsburg, das ab 1939 als Landkreis Augsburg bezeichnet wurde. Seit 5. Dezember 1903 bestand in Horgau eine Zwischenstation der Bahnstrecke Augsburg–Welden, die bis 1986 im Personen- und Güterverkehr betrieben wurde. Heute befindet sich ein Radweg auf der Bahntrasse.
Wie in vielen Dörfern im Bereich um Augsburg befand sich auch in Horgau gegen Ende des 2. Weltkriegs eine Außenstelle des Konzentrationslagers Dachau, in der Häftlinge für die Reichsbahn und die Messerschmittwerke arbeiteten.
Eingemeindungen Die Gemeinde Horgau wurde am 1. Januar 1971 um Horgauergreut und am 1. Juli 1972 um Auerbach erweitert. Am 1. Mai 1978 wurde sie im Zuge der Gebietsreform aufgelöst und nach Zusmarshausen eingemeindet. Nach jahrelangem Widerstand der Bevölkerung wurde Horgau durch das Urteil des Bayerischen Verfassungsgerichtshofes am 27. Oktober 1983 wieder eine selbständige Gemeinde. Der neu gewählte Gemeinderat nahm am 1. Mai 1984 seine Arbeit auf.
Einwohner- und Gemeindeentwicklung Stand jeweils nach Volkszählungsergebnis vom
1. Dezember 1875 Gemeinde gesamt Gemeindeteil Einwohner Wohngebäude Fläche (ha) Horgau --- 582 121 --- --- Horgau 407 --- --- --- Bieselbach 94 --- --- --- Herpfenried 50 --- --- --- Schäfstoß 31 --- --- Auerbach --- 262 53 --- --- Auerbach 242 --- --- --- Lindgraben 20 --- --- Horgauergreuth --- 320 67 --- Summe --- 1164 241 ---
1. Dezember 1900 Gemeinde gesamt Gemeindeteil Einwohner Wohngebäude Fläche (ha) Horgau --- 540 117 1043,94 --- Horgau 380 86 --- --- Bieselbach 90 21 --- --- Herpfenried 43 7 --- --- Schäfstoß 27 3 --- Auerbach --- 271 50 451,88 --- Auerbach 253 48 --- --- Lindgraben 18 2 --- Horgauergreuth --- 293 63 373,77 Summe --- 1104 230 1869,59
25. Juni 1925 Gemeinde gesamt Gemeindeteil Einwohner Wohngebäude Fläche (ha) Horgau --- 579 118 1044,11 --- Horgau 410 88 --- --- Bieselbach 121 21 --- --- Herpfenried 26 6 --- --- Schäfstoß 22 3 --- Auerbach --- 259 47 451,88 --- Auerbach 243 45 --- --- Lindgraben 16 2 --- Horgauergreuth --- 325 65 373,60 Summe --- 1163 230 1869,59
13. September 1950 Gemeinde gesamt Gemeindeteil Einwohner Wohngebäude Fläche (ha) Horgau --- 805 127 1044,12 --- Horgau 613 99 --- --- Bieselbach 123 18 --- --- Herpfenried 33 7 --- --- Schäfstoß 36 3 --- Auerbach --- 382 59 451,89 --- Auerbach 352 55 --- --- Lindgraben 30 4 --- Horgauergreuth --- 513 75 373,58 Summe --- 1700 261 1869,59
6. Juni 1961 Gemeinde gesamt Gemeindeteil Einwohner Wohngebäude Fläche (ha) Horgau --- 717 140 1044,30 --- Horgau 552 111 --- --- Bieselbach 112 19 --- --- Herpfenried 35 7 --- --- Schäfstoß 18 3 --- Auerbach --- 306 63 450,12 --- Auerbach 286 59 --- --- Lindgraben 20 4 --- Horgauergreuth --- 460 96 364,49 Summe --- 1483 299 1858,91
27. Mai 1970 (Gebietsstand bereits inklusive der am 1. Januar 1971 und 1. Juli 1972 erfolgten Eingemeindungen) Gemeinde gesamt Gemeindeteil Einwohner Horgau --- 1591 --- Horgau 597 --- Bieselbach 110 --- Herpfenried 21 --- Schäfstoß 9 --- Ziegelhauserhof 5 --- Auerbach 306 --- Lindgraben 18 --- Horgauergreuth 525
Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 2034 auf 2834 um 800 Einwohner bzw. um 39,3 %.
Politik Gemeinderat Sitzverteilung im 14-köpfigen Gemeinderat (Stand Kommunalwahlen in Bayern 2026):Ergebnisse der Gemeinderatswahl in Horgau 2026, abgerufen am 31. Mai 2026. Bürgerverein Rothtal CSU Freie Wähler Die Grünen Bündnis Umwelt SPD 4 Sitze 4 Sitze 2 Sitze 2 Sitze 1 Sitz 1 Sitz
Bürgermeister Seit 1. Mai 2026 ist Matthias Mahler hauptamtlicher Erster Bürgermeister von Horgau; dieser wurde in der Stichwahl am 22. März 2026 mit 50,5 % der Stimmen gewählt. Vorgänger war Thomas Hafner.Neuer Bürgermeister in Horgau: Matthias Mahler wird der neue Chef im Rathaus, abgerufen am 31. Mai 2026.
Wappen
Gemeindepartnerschaften Im Jahre 1990 wurde eine Partnerschaft mit der Gemeinde Bundenthal eingegangen. Beide Gemeinden hatten durch die Gebietsreform des jeweiligen Landes ähnliches erlebt. Während des Kampfes um die Wiedererlangung der Selbständigkeit der Gemeinden entstanden viele Kontakte zwischen Bürgern und Vereinen. Im Neubaugebiet „Nördlich der Bahnhofstraße“ trägt eine der beiden Straßen die Bezeichnung „Bundenthaler Weg“.
Bau- und Bodendenkmäler
mini|Pfarrkirche St. Martin; rechts das Rathaus im ehemaligen Pfarrhaus Katholische Pfarrkirche St. Martin: Der Chor stammt aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts. Der Turm wurde um 1620, das Langhaus um 1675/80 erbaut. Es wurde 1715/20 verlängert. Eine Bronzefigur der Mutter Gottes wurde um 1850 hergestellt. Bieselbacher Altar: Er ist in der im Ortsteil Bieselbach ca. 1747 erbauten Franz-Xaver-Kapelle untergebracht. Der Altar wurde im Jahr 1510 vom Ulmer Bildhauer Daniel Mauch geschnitzt. Er zeigt auf dem mittleren Bild die Heilige Sippe, also Maria, die heilige Anna, St. Josef und im Hintergrund die drei Gatten der heiligen Anna, nämlich Joachim, Kleophas und Salomas. In der Predella ist die Figur von Davids Vater Jesse 1756 zum heiligen Franz Xaver umgearbeitet worden. Daraus wird geschlossen, dass dieser Altar um diese Zeit aus der Rehlinger Schlosskapelle in Horgau nach Bieselbach kam. Hallstattzeitliches Grabhügelfeld: Im Horgauer Becken gibt es mehrere Gruppen von Grabhügeln (über 70 Bestattungshügel). Es handelt sich dabei um Friedhöfe (Nekropolen) aus der Hallstattzeit (750–450 v. Chr.). Die Hügelgräber sind stille Zeugen eines sehr alten Brauches. Die Toten wurden mit den Grabbeigaben in hölzernen Grabkammern beigesetzt, die man mit Erde überdeckte, bis ein Hügel entstand. Im schützenden Wald beim Horgauer Bahnhof sind die Grabhügel gut erhalten.
Wirtschaft und Infrastruktur Öffentliche Einrichtungen Horgau verfügt seit Januar 2009 über eine ehrenamtlich organisierte Bücherei in kommunaler Trägerschaft. Diese organisiert auch andere kulturelle Veranstaltungen Bücherei Horgau.
Bildung Es besteht eine teilweise zweizügige Grundschule, ein Kindergarten mit Krippe sowie eine Mittagsbetreuung. Die Grundschule ist eine Partnerschule der Lechwerke AG. Die Volkshochschule Augsburger Land e. V. bietet Kurse zur Erwachsenenbildung an vhs Horgau. Musikalische Bildungsangebote organisiert die Sing- und Musikschule Zusmarshausen-Horgau Sing- und Musikschule Zusmarshausen-Horgau.
Verkehr Horgau liegt an der Staatsstraße 2510 (ehemals Bundesstraße 10) und in der Nähe der Bundesautobahn 8 zwischen den Anschlussstellen Zusmarshausen und Adelsried.
Der Bahnhof Horgau lag an der heute stillgelegten Bahnstrecke Neusäß–Welden und diente u. a. als Anschluss für das KZ-Außenlager Horgau.
Literatur Anton Hildensperger u. a.: Horgau, Auerbach, Bahnhof, Bieselbach, Herpfenried, Lindgraben, Schäfstoß wie es früher war. Horgau 1998. Hans G. Siegel: Horgau – treu zur Heimat. Sechs Jahre Bürgerprotest gegen Reformfehler. Dokumentation über den Widerstand gegen die Auflösung der Gemeinde Horgau, Bürgerverein Rothtal 1984. Joachim Jahn: Die Freiherren von Rehlingen - Horgau In: Augsburg Land (= Historischer Atlas von Bayern. Teil Schwaben: Reihe 1, Heft 11). Hrsg. Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1984, S. 488–491.
Weblinks
Gemeinde Horgau (PDF; 1,2 MB)
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Augsburg Kategorie:Gemeindeauflösung 1978 Kategorie:Gemeindegründung 1983 Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)