mini|Besetzung eines Gebäudes ukrainischer Sicherheitskräfte in Luhansk Die völkerrechtlich nicht anerkannte Volksrepublik Lugansk, auch Lugansker Volksrepublik (, ; Abkürzung ЛНР, LNR), wurde im April 2014 zu Beginn des Russisch-Ukrainischen Krieges mit russischer Unterstützung auf einem Teilgebiet der Oblast Luhansk der Ukraine ausgerufen. Sie stellte mit der Volksrepublik Donezk ein De-facto-Protektorat Russlands dar und wurde nach einem international nicht anerkannten Scheinreferendum im September 2022 mit der Ratifikation eines Beitrittsvertrags durch den russischen Föderationsrat im Oktober 2022 von der Russischen Föderation völkerrechtswidrig annektiert.
Geschichte Gründung 2014 mini|Proklamation der Volksrepublik Lugansk nach dem rechtswidrigen Referendum in der Ostukraine durch Waleri Bolotow am 12. Mai 2014 mini|Ein bewaffneter Separatist der Volksrepublik Lugansk im Juni 2014 Die Volksrepublik Lugansk wurde am 27. April 2014 zu Beginn des Russisch-Ukrainischen Krieges von einer Gruppe von einigen hundert Separatisten auf dem Gebiet der Oblast Luhansk ausgerufen. Der Vorsitzende des vereinigten Stabes des Südostens der Ukraine erklärte, dass während der Versammlung zum Beschluss der Sezession nur ein kleiner Teil der Anwesenden für die Ausrufung der Republik gestimmt hatte.Kleiner Teil für Ausrufung der Republik gemäß lenta.ru, Übersetzung Kaliningrad-domizil. Bewaffnete hielten danach zahlreiche Gebäude in der Oblast Luhansk besetzt.
Am 11. Mai 2014 fand in Teilen des Gebietes eine Volksbefragung über eine „staatliche Unabhängigkeit“ statt, in der sich nach Angaben der „Wahlkommission“ bei 81 % Wahlbeteiligung eine Mehrheit von 96 % für die Unabhängigkeit von der Ukraine ausgesprochen habe.www.zeit.de Auf Basis dieser keinen demokratischen Grundsätzen genügenden Befragung erklärten die Separatisten die Volksrepublik Lugansk am 12. Mai 2014 für „unabhängig“.
Die ukrainische Übergangsregierung, die Europäische Union und die USA bezeichneten das Referendum als „illegal“. Am 18. Juni 2014 erkannte das selbst nur von wenigen Staaten anerkannte De-facto-Regime Südossetien (völkerrechtlich ein Teil Georgiens) die staatliche Unabhängigkeit der Volksrepublik Lugansk offiziell an. Am 25. Juli 2014 wurde die Volksrepublik Lugansk wegen des rechtswidrigen Referendums, des Verstoßes gegen das ukrainische Verfassungsrecht und damit gegen das Völkerrecht und der weiteren Untergrabung der territorialen Unversehrtheit, Souveränität und Unabhängigkeit der Ukraine auf die Sanktionsliste der Europäischen Union gesetzt.. In: Amtsblatt der Europäischen Union.
2014 Vertreter der Volksrepubliken Lugansk und Donezk bildeten am 24. Mai 2014 in Donezk eine Union beider Republiken zu Neurussland und unterzeichneten auf einem Kongress in Donezk ein entsprechendes Dokument.Korrespondent.net: Донецкая и Луганская народные республики объединились в Новороссию (russisch). Dieses Projekt wurde allerdings im Mai 2015 für beendet erklärt.
Am 28. Juli 2014 meldete das UNHCHR den totalen Zusammenbruch von Recht und Ordnung, von einer Terror-Herrschaft der bewaffneten Gruppen über die Bevölkerung der Ostukraine mit Freiheitsberaubungen, Entführungen, Folterungen und Exekutionen.Erklärung des UNHCHR am 28. Juli 2014: A total breakdown of law and order and a reign of fear and terror have been inflicted by armed groups on the population of eastern Ukraine. The report documents how these armed groups continue to abduct, detain, torture and execute people kept as hostages in order to intimidate and “to exercise their power over the population in raw and brutal ways.” (englisch) Im November-Bericht wurden weitere Massenexekutionen, Zwangsarbeit, sexuelle Gewalt sowie das Verbot der ukrainischen Sprache in den Schulen erwähnt. Die Volksrepublik, vertreten durch Igor Plotnizki, nahm an den Verhandlungen der OSZE-Kontaktgruppe teil. Am 5. September 2014 wurde in Minsk ein Waffenstillstand mit der Ukraine verkündet, der bestenfalls sporadisch eingehalten wurde. Reuters, 20. November 2014 (englisch).
Am 2. November 2014 fanden, entgegen den Bestrebungen der OSZE-Kontaktgruppe, Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt. Die OSZE schloss eine Beobachtung der Wahl aus, da sie klar gegen den Friedensplan von Minsk verstoße, und nannte den Vorgang in der Folge konsequent „sogenannte Wahlen“. Diese Meinung teilte der damalige UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon, dessen Ansprache und Erklärungen das Wort „Wahlen“ ebenso konsequent in (bei der Rede durch Gestik dargestellte) Anführungszeichen stellten.OSZE warnt vor Durchführung geplanter Wahlen in Ostukraine, Aargauer Zeitung, 1. November 2014. Igor Plotnizki wurde als neuer und alter Premier der Volksrepublik Lugansk ernannt.Ostukraine: Ein Wahlergebnis wie im Realsozialismus, SPON vom 3. November 2014, abgerufen am 3. November 2014.
Die EU und die USA nannten die Wahlen illegal und illegitim und erkennen ebenso wie die Ukraine das Ergebnis nicht an.. Reuters, 2. November 2014, abgerufen am 2. November 2014 (englisch).Thomas Grove, Richard Balmforth: . Reuters, 3. November 2014, abgerufen am 3. November 2014 (englisch). Auch Russland erkannte die Wahl nicht an, sondern respektiert sie lediglich.; auf tvi.ua, 7. November 2014, abgerufen am 7. November 2014. Das ukrainische Datum des 7. Dezember für die Kommunalwahlen war Mitte September bekannt gegeben worden: Der Friedensplan hatte Kommunalwahlen nach ukrainischem Recht vorgesehen, keine Wahl eines „Präsidenten“.Separatisten-Wahlen haben keine Legitimität, Website der FDP portal liberal, 31. Oktober 2014.Donezk und Luhansk: Ostukrainische Rebellen rufen eigene Wahlen aus, Spiegel, 23. September 2014.Man muss die Hitzköpfe immer wieder einsammeln, Tages-Anzeiger, 4. Dezember 2014. Die von den Separatisten abgehaltenen „sogenannten Wahlen vom 2. November waren ein klarer Verstoss gegen die für Wahlen besonders vereinbarten Bestimmungen der Minsker Abkommen.“
2017 Der frühere Kommandeur der „Landwehr“ Igor Girkin, der unter dem Pseudonym „Strelkow“ auftritt, bestätigte, dass nicht eine Landwehr aus Bürgern der Region, sondern die „reguläre Armee“ Russlands dort kämpfe.Früherer Separatist kritisiert prorussische Kräfte. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. März 2017, S. 5. Im November 2017 berichtete die NZZ über einen Putsch in der Lugansker „Volksrepublik“, der von Bewaffneten der „Volksrepublik Donezk“ unterstützt worden sein soll.Ukrainischer Separatistenführer flüchtet nach Russland. In: NZZ.ch, 23. November 2017, abgerufen am 3. Dezember 2017. Im Zusammenhang mit diesem Putsch soll eine Vereinigung der beiden Separatistengebiete erneut Thema von Spekulationen gewesen sein.Das Gespenst von «Neurussland». NZZ, 3. Dezember 2017, abgerufen am 3. Dezember 2017. Dabei wurde Leonid Passetschnik im November 2017 zum Nachfolger von Premier Igor Plotnizki ernannt.
2018 Eine weitere international und von der OSZE verurteilte „Wahlfarce“ (NZZ) fand im November 2018 statt, zu welcher jedoch der russische Vertreter bei den Minsk-Verhandlungen sagte, es seien laut Minsk-Abkommen „nur Kommunalwahlen“ verboten; darum handle es sich bei der Bestimmung eines Anführers ja nicht. Seiner Meinung nach gelte dies selbst nicht bei einer „Parlamentswahl“. Passetschnik, der schon 2017 Plotnizki abgelöst hatte, gewann die „Wahl“ mit 61 Prozent, während andere Kandidaten an der Teilnahme gehindert worden waren und bei der Wahl des „Obersten Sowjet“, des „Parlaments“, nur zwei ausgesuchte Parteien teilnehmen durften.Russland festigt seine Kontrolle über den Donbass. NZZ, 13. November 2018, S. 3, Titel der Printausgabe.
2022 Am 15. Februar 2022 richtete die russische Duma einen Appell an den Präsidenten, die „Volksrepublik“ anzuerkennen. Der EU-Außenbeauftragte verurteilte den Schritt und wies auf die Verpflichtungen des Minsker Abkommens hin.Borrell, on behalf of EU, condemns State Duma’s appeal to Putin to recognize so-called ‘LPR/DPR’. Interfax, 16. Februar 2022.
Am 21. Februar 2022 verkündete Wladimir Putin die Anerkennung der Volksrepublik Lugansk und der Volksrepublik Donezk als eigenständige Staaten und ordnete eine Entsendung von Truppen in die von Separatisten kontrollierten Gebiete an. Außerdem machte er deutlich, dass er für das Minsker Abkommen keine Zukunft sehe. Drei Tage später begann er den russischen Überfall auf die Ukraine. Am 3. Juli 2022 eroberten dabei russische Truppen die Stadt Lyssytschansk, die letzte größere Bastion der Ukraine im Gebiet Luhansk. Die Einnahme der Stadt wurde von Militärstrategen als eine „Zäsur“ bezeichnet. Russland habe sein erstes Kriegsziel erreicht.Militärstratege: Eroberung Lyssytschansk „Zäsur“ im Krieg. Russlands Kosmonauten Denis Matwejew, Sergej Korsakow und Oleg Artemjew gratulierten und feierten auf der Internationalen Raumstation mit der Flagge von Luhansk.Russische ISS-Crew feiert Eroberung Luhansks. www.zdf.de.
Am 13. Juli erkannte Nordkorea die zwei Separatistenregionen Lugansk und Donezk als unabhängig an, im Rahmen dessen kam es zum Bruch der diplomatischen Beziehungen mit Kiew. Am 30. September 2022 verkündete der russische Präsident Wladimir Putin nach einem am 27. September 2022 beendeten Scheinreferendum die Annexion der Volksrepublik Lugansk in unklaren Grenzen.„Welt wird nie mehr sein wie zuvor“: Putin verkündet Annexion ukrainischer Gebiete. kurier.at, 30. September 2022. Diese „versuchte illegale“ Annexion wurde von 143 Staaten der Weltgemeinschaft so benannt und verurteilt.Nur 4 Länder stellen sich in grosser UNO-Abstimmung hinter Russland, Berner Zeitung, 13. Oktober 2022
Wirtschaft Einzel- und Großhandel sind infolge der Kampfhandlungen zusammengebrochen. Das Gebiet ist vom internationalen Zahlungsverkehr ausgeschlossen. Die zurückgebliebene Bevölkerung – nach Schätzungen westlicher Institutionen rund die Hälfte der Vorkriegszeit – ist auf Selbstversorgung angewiesen. Seit Anfang 2016 überweist die Regierung Russlands, neben jenen von der ukrainischen Verwaltung bis 2022 ausgezahlten, eigene Renten in das Gebiet Lugansk, die allerdings unter dem Vorkriegsniveau liegen. In den Krankenhäusern fehlten Basismedikamente, darunter Insulin und Psychopharmaka.Konrad Schuller: Im Schattenreich der Hybridkrieger. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. Juni 2016, S. 3.
Unter dem Dach der in Minsk vereinbarten Trilateralen Kontaktgruppe versuchen das Energieministerium in Kiew und die Führung der nicht anerkannten Volksrepublik, den Export von Kohle aus den Lugansker Bergwerken für die ukrainische Industrie zu regeln. Der Oligarch Rinat Achmetow, der sich nach Kiew zurückgezogen hat, zahlte nach Informationen westlicher Experten noch 2016 bis zu 35.000 Bergarbeitern in den Gebieten Lugansk und Donezk das Gehalt und ist an dem Exportgeschäft beteiligt. Allerdings ist die Produktion weit unter das Vorkriegsniveau zurückgefallen, viele Bergwerke sind überflutet und vermint.Cathrin Kahlweit: Schwarze Seiten der Kohle. In: Süddeutsche Zeitung, 20. Juli 2016, S. 7.
Laut Igor Girkin, einem früheren Kommandeur russischer Militärverbände im Donbass, hat der Kreml Fachkräfte aus dem Donbass nach Russland bringen lassen und somit der Wirtschaft der Region erheblich geschadet. Das Donbass werde „einfach nur ausgeraubt“.Christian Neef: Notstandsgebiete. In: Der Spiegel. 10. November 2018, S. 90. Die Lokomotivfabrik Luhansk wurde 2015 geplündert und stellt anstatt mit Tausenden mit einem kleinen Bruchteil der Beschäftigten Haushaltswaren her nebst einigen Reparaturaufträgen.Als die Evakuierung angekündigt wird, beginnt die Panik, Nowaja gaseta, 21. Februar 2022 (russisch).
Verkehr Nach 2014 wurde zunächst eine eigene Eisenbahnverwaltung der „Volksrepublik Lugansk“ eingerichtet, die im Mai 2019 mit der der „Volksrepublik Donezk“ zur Schelesnyje Dorogi Donbassa – Eisenbahnen des Donbass – (ZDD) fusionierte.jh/ineu/scram: Folgen des Ukrainekriegs für die Eisenbahn. In: Eisenbahn-Revue International 2/2003, S. 82f. (83).
Akzeptanz von LNR-Pässen