Max Beloff, Baron Beloff (* 2. Juli 1913 in London; † 22. März 1999 in London) war ein britischer Historiker und konservativer Peer. Von 1974 bis 1979 war er Direktor des University College of Buckingham, der heutigen University of Buckingham.Nevil Johnson: Obituary of Lord Beloff, The Independent, 26. März 1999 (online).David Walker, Unrelenting Foe of Academic Marxism, The Times, 8. November 1988.
Frühes Leben Max Beloff wurde am 2. Juli 1913 im Londoner Ortsteil Islington geboren und war das älteste Kind einer jüdischen Familie, die 1903 von Russland nach England übersiedelt war.The Times, 24. März 1999, S. 23. Er war das älteste von fünf Kindern des Kaufmanns Simon Beloff und dessen Gattin Marie. Seine Geschwister waren der (Para-)Psychologe John Beloff, die Journalistin Nora Beloff, die Politikerin Renee Soskin sowie die Biochemikerin Anne Beloff-Chain. Der junge Max Beloff besuchte die St Paul’s School und studierte dann neuere Geschichte am Corpus Christi College (Oxford), wo er mit ausgezeichnetem Erfolg graduierte. 1973 wurde Beloff zum Mitglied (Fellow) der British Academy gewählt.
Politische Ansichten In seinem 1992 erschienenen autobiographischen Werk An Historian in the Twentieth Century erörtert Beloff seine politische Reise. Er war zunächst in der Schule konservativ geprägt gewesen, hatte sich dann während seiner Universitätsausbildung vom Sozialismus angezogen gefühlt und wandelte sich schließlich nach dem Zweiten Weltkrieg zum Liberalen. In den Diskussionen über die Bildungsstandards in den 1960er Jahren stellte er fest, dass die Labour-Regierung gegenüber seiner Idee einer nicht staatlich finanzierten Universität ablehnend eingestellt war und die liberale Partei zusehends nach links rückte. Deshalb tendierte er nach seiner Pensionierung 1979 zum Beitritt zur Conservative Party.
Beloff, der aus seiner 1938 geschlossenen Ehe mit Helen Dobrin zwei Söhne hatte und seit 1981 Life Peer war, sprach im House of Lords häufig über Schul- und Verfassungsmaterien und setzte jenseits seiner parlamentarischen Auftritte auch seine literarischen Aktivitäten fort. Als strikter Euroskeptiker behauptete er, dass die britische Geschichte unvereinbar mit Großbritanniens Mitgliedschaft in der Europäischen Union sei, was ihn zur Abfassung des 1996 publizierten Werks European Union: A Dialogue of the Deaf veranlasste.
Gegen Ende seines Lebens trat Beloff auch als überzeugter Gegner des im Rahmen von New Labours Verfassungsreformen beschlossenen House of Lords Act hervor, der die direkte Erblichkeit vieler Sitze im House of Lords abschaffte. In vielen Parlamentsreden verteidigte Beloff das Erbprinzip, starb aber vor der Verabschiedung des Gesetzes. Zum letzten Mal sprach er am 22. März 1999 im House of Lords und starb noch am gleichen Tag im Alter von 85 Jahren.
Laufbahn Nachwuchsforschungsstipendiat des Corpus Christi College, 1937 Assistenzprofessor für Geschichte an der Manchester University, 1939–46 Dienst im Weltkrieg: Royal Corps of Signals, 1940–41 Nuffield Reader in der Vergleichsstudie der Institutionen, Oxford University, 1946–56
1954 hielt Beloff die diesjährigen Albert Shaw Lectures on Diplomatic History an der Johns Hopkins University; diese Vorlesungen wurden später als Foreign Policy and the Democratic Process herausgegeben.
Fellow des Nuffield College, Oxford, 1947–57 Gladstone-Professor für Regierungs- und Verwaltungslehre an der Oxford University, 1957–74, dann Professor emeritus Fellow des All Souls College, Oxford, 1957–74, Emeritus Fellow, 1980–99 Direktor des University College of Buckingham, 1974–79 Außerplanmäßiger Fellow des St Antony’s College, Oxford, 1975–84 Honorarprofessor an der St Andrews University, 1993–98
Beloff wurde Präsident der Universität Haifa, 1980 zum Ritter geschlagen und 1981 zum Life Peer mit dem Titel Baron Beloff, of Wolvercote in the county of Oxfordshire ernannt. Nach seinem Tod gründete die Universität Buckingham im Januar 2005 das Max Beloff Centre for the Study of Liberty.
Werke Public order and popular disturbances 1660–1714, 1938 The Foreign Policy of Soviet Russia 1929–41, 2 Bde., 1947/1949 Thomas Jefferson and American Democracy, 1948 Soviet Policy in the Far East, 1944–51, 1953 The Age of Absolutism, 1660–1815, 1954 Foreign Policy and the Democratic Press, 1955 Europe and the Europeans, 1957 The Great Powers, 1959 New Dimensions in Foreign Policy, 1961 The United States and the Unity of Europe, 1963 The Balance of Power, 1968 Imperial Sunset-Volume 1: Britain’s Liberal Empire 1897–1921, 1969 The American Federal Government, 1969 The Future of British Foreign Policy, 1969 The Intellectual in Politics, 1970 The Tide of Collectivism - Can it be Turned?, 1978 The State and its servants, 1979 The Government of the United Kingdom (mit Gillian Peele), 1980 Wars and Welfare: Britain, 1941–1945, 1984 Imperial Sunset-Volume 2: Dream of Commonwealth 1921–42, 1989 An Historian in the Twentieth Century, 1992 Britain and European Union: Dialogue of the Deaf, 1996
Zu den von Beloff herausgegebenen Werken gehören: History: Mankind and his story, 1948 The Federalist, 1948 The Debate on the American Revolution, 1761–1783, 1949 Europe and the Europeans: an International Discussion, 1957 On the track of tyranny: essays presented by the Wiener Library to Leonard G. Montefiore, 1960 American Political Institutions in the 1970s (mit Vivian Vale), 1975 Beyond the Soviet Union: the fragmentation of power, 1997
Literatur Hutchinson's Encyclopaedia of Britain Who was Who The Times, 24. März 1999, S. 23 D. Cameron-Watt: Max Beloff. In: Oxford Dictionary of National Biography, 2004 B. Crick: Loose and loud cannon. In: The Guardian, 25. März 1999 N. Johnson: Obituary: Max Beloff. In: The Independent, 26. März 1999 N. Johnson: Max Beloff, 1913–1999. In: Proceedings of the British Academy: Bd. 120 (2003), S. 21–40
Anmerkungen
Kategorie:Life Peer Kategorie:Mitglied des House of Lords Kategorie:Historiker Kategorie:Mitglied der British Academy Kategorie:Engländer Kategorie:Geboren 1913 Kategorie:Gestorben 1999 Kategorie:Mann