Die Pflanzengattung der Wachsblumen (Cerinthe) gehört zur Familie der Raublatt- oder Borretschgewächse (Boraginaceae). Die etwa zehn Arten sind vor allem im Mittelmeerraum und Mitteleuropa verbreitet. Sorten weniger Arten werden als Zierpflanzen verwendet.
Beschreibung mini|links|Illustration der Kleinen Wachsblume (Cerinthe minor) aus Sturm mini|links|Illustration der Kahlen Wachsblume (Cerinthe glabra) aus Sturm mini|Klausenfrucht der Kleinen Wachsblume (Cerinthe minor subsp. minor) Erscheinungsbild und Blätter Cerinthe-Arten wachsen als einjährige bis ausdauernde krautige Pflanzen. Die vegetativen Pflanzenteile sind, anders als für die Familie typisch, kahl bis fast kahl. Die wechselständig an den Stängeln angeordneten Laubblätter sind einfach und ganzrandig; oft sind sie blaugrün, bei manchen Arten mit weißen Warzen; bei einigen Arten sind sie pfeilförmig stängelumfassend.
Blütenstände und Blüten In endständigen, zymösen, oft verzweigten Blütenständen stehen mehrere Blüten zusammen. Es sind Tragblätter vorhanden. Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf freien oder bis zur Hälfte ihrer Länge verwachsenen Kelchblätter sind ungleich und auf unterschiedlichen Höhen inseriert. Die fünf Kronblätter sind auf mindestens der Hälfte ihrer Länge zu einer zylindrischen Kronröhre verwachsen. Die fünf Kronlappen sind je nach Art aufrecht bis zurückgekrümmt. Die Kronblätter sind gelb und meist, besonders an ihrer Basis, purpurfarben bis rot getönt; es gibt purpurfarbene Sorten. Auf den Kronblättern sind keine Schuppen vorhanden (Unterscheidung zu nahe verwandten Gattungen). Die fünf Staubblätter überragen die Blütenkrone nicht. Die Staubfäden sind auf der halben Höhe der Kronblätter inseriert. Die zwei Fruchtblätter besitzen jeweils nur zwei Samenanlagen. Der Griffel überragt meist die Blütenkrone und endet in einer kopfigen oder ausgerandeten Narbe.
Früchte Anders als bei der Familie typisch mit vier Teilfrüchten, zerfällt die Spaltfrucht bei dieser Gattung nur in zwei Teilfrüchte, die jeweils aus zwei verwachsenen, einsamigen Nüsschen bestehen. Die zwei verwachsenen Nüsschen sind im Umriss eiförmig, dunkel-braun bis schwarz, glatt, kurz geschnäbelt und an ihrer Basis flach.
Chromosomensätze Je nach Sektion ist die Chromosomengrundzahl x = 8 oder 9. Bei allen Arten liegt Diploidie vor, also je nach Sektion eine Chromosomenzahl von 2n = 16 oder 2n = 18.
Systematik und Verbreitung mini|Cerinthe gymnandra mini|Cerinthe palaestina
Die Gattung Cerinthe wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, Seite 137 aufgestellt. Als Lectotypusart wurde 1929 Cerinthe major durch Albert Spear Hitchcock in Nomenclature: Proposals by British Botanists. London, S. 128 festgelegt.
Die Gattung Cerinthe gehört zur Tribus Lithospermeae in der Unterfamilie Boraginoideae innerhalb der Familie Boraginaceae. Die Gattung Cerinthe wird in zwei Sektionen gegliedert: Cerinthe sect. Cerinthe und Cerinthe sect. Ceranthe.
Das Verbreitungsgebiet der sechs bis zehn Arten erstreckt sich von Mittel-, Süd- und Osteuropa bis nach Nordafrika und Westasien. In Deutschland sind nur die Kleine Wachsblume und die Alpen-Wachsblume heimisch.
Es gibt sechs bis zehn Cerinthe-Arten: Kahle Wachsblume oder Alpen-Wachsblume (Cerinthe glabra ): Es gibt zwei Unterarten: Cerinthe glabra subsp. glabra (Syn.: Cerinthe alpina , Cerinthe pyrenaica ): Sie ist in Zentral- und Osteuropa weitverbreitet bis zum asiatischen Teil der Türkei und Georgien. Cerinthe glabra subsp. smithiae : Sie kommt nur in Kroatien vor. Cerinthe gymnandra : Es gibt zwei Unterarten: Cerinthe gymnandra subsp. gymnandra: Sie ist im westlichen Mittelmeerraum verbreitet. Cerinthe gymnandra subsp. oranensis (Syn.: Cerinthe oranensis ): Sie kommt in Nordafrika in Marokko, Algerien, Tunesien und Libyen vor. Große Wachsblume (Cerinthe major , Syn.: Cerinthe aspera , Cerinthe major subsp. purpurascens , Cerinthe major var. purpurascens ): Sie ist im Mittelmeerraum und in Westasien sowie auf der Krim weitverbreitet. Kleine Wachsblume (Cerinthe minor , Syn.: Cerinthe indigotisans , Cerinthe longiflora ): Es gibt drei Unterarten: Cerinthe minor subsp. minor: Sie ist von Zentral- und Osteuropa bis Vorderasien weitverbreitet. Cerinthe minor subsp. auriculata (Syn.: Cerinthe auriculata , Cerinthe maculata ): Sie gedeiht in den Alpen, im Appennin, auf Sizilien und auf der Balkanhalbinsel und in Westasien. Cerinthe minor subsp. cleiostoma (Syn.: Cerinthe cleiostoma , Cerinthe lamprocarpa , Cerinthe tristis ): Sie kommt in Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro und in Griechenland vor. Cerinthe palaestina : Sie kommt in Syrien, im Libanon und in Israel vor. Violette Wachsblume (Cerinthe retorta ): Sie kommt in Kroatien, Albanien, Nordmazedonien, Griechenland, Kreta, auf Inseln in der Ägäis und in der Türkei vor. Cerinthe tenuiflora : Sie ist ein Endemit von Korsika.
mini|Die Sorte Cerinthe major ‘Purpurascens’
Nutzung Sorten weniger Arten werden als Zierpflanzen in Parks und Gärten der gemäßigten Gebiete verwendet. Beispiele sind Kahle Wachsblume (Cerinthe glabra) und Große Wachsblume (Cerinthe major); von letzterer gibt es beispielsweise die Sorte ‘Purpurascens’. Cerinthe-Arten gelten als Bienenweide.
Quellen Literatur Radovan Domac: Cerinthe. In: Federico Selvi, Lorenzo Cecchi, Andrea Coppi: Phylogeny, karyotype evolution and taxonomy of Cerinthe L. (Boraginaceae). In: Taxon, Volume 58, Issue 4, 2009, S. 1307–1325.
Einzelnachweise Radovan Domac: Cerinthe. In: B. Valdés, E. von Raab-Straube, 2011+: Boraginaceae. Datenblatt Cerinthe In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Linné 1753 eingescannt bei biodiversitylibrary.org. Federico Selvi, Lorenzo Cecchi, Andrea Coppi: Phylogeny, karyotype evolution and taxonomy of Cerinthe L. (Boraginaceae). In: Taxon, Volume 58, Issue 4, 2009, S. 1307–1325.
Peter Schönfelder, Ingrid Schönfelder: Die neue Kosmos-Mittelmeerflora. Franckh-Kosmos-Verlag Stuttgart 2008. ISBN 978-3-440-10742-3. S. 138.
Weblinks
Thomas Meyer, Michael Hassler: Datenblatt mit Fotos bei Mittelmeer- und Alpenflora.
Kategorie:Raublattgewächse