mini|hochkant=1.6|Geräms vor dem linken Erdgeschoss-Bogen des spätbarocken Goethe-Hauses in Frankfurt bevor es 1754–55 umgebaut wurde (Rekonstruktionszeichnung von Ernst Metz)
Ein Geräms ist ein Gitterwerk aus Holz oder Eisen. Im historischen Bauwesen ist ein Geräms ein mehr oder weniger großer Kasten oder Käfig, der vergitterte Öffnungen aufweist und verschiedenen Funktionen diente.
Begriffsherkunft Geräms ist ein Kollektivum zu mittelhochdeutsch ram und meint „Stütze, Gestell, Webrahmen“, neuhochdeutsch „Rahmen“.geräms In: Deutsches Wörterbuch. (1891/1897), abgerufen am 14. Januar 2024. Verwendete weitere historische Begriffe waren u. a.: Gräms, Krems, Krembs, Gerembst, Gerems, Gerämst (oberdeutsch), Grähmster (siegerländisch), Gerâmte (ostfriesisch).
Goethes Geräms in Frankfurt In Frankfurt am Main waren bis Mitte des 18. Jahrhunderts vergitterte, käfigartiger Vorbauten vor der Haustür gebräuchlich. Aus ihnen konnten die Bewohner des Hauses fast ungesehen an der vorbeigehenden Öffentlichkeit teilhaben.
Das historisch-literarisch bekannteste Geräms ist von Goethes Geburts- und Jugendhaus (Großer Hirschgraben) im 18. Jahrhundert überliefert, das er später mehrfach beschrieb:
Geräms als Vergitterung in Kirchenbauten In Kirchengebäuden wurde alle Arten von Gittern als „Geräms“ bezeichnet, so etwa die Gittertür eines Sakramentshäuschens, eine Chorschranke, ein Treppengeländer, das Sichtschutzgitter von Priechen, Patronatslogen und Betstühlen, Gitter an einem Orgelprospekt, die Vergitterung einer Grabmals-Einfriedung und andere Gegenstände mehr.geremz, im Frühneuhochdeutschen Wörterbuch (fwb-online.de), abgerufen am 14. Januar 2024. Bekannt sind vor allen Sichtschutz-Vergitterungen von Nonnenemporen und Frauenemporen.
1653 wurde im Magdeburger Dom ein „Gerembs“ beschrieben, das eine wertvolle Reliquie zugleich schützte und zur Schau stellte: „Bey einem Pfeiler an der rechten Seiten der Kirchen / sey ein höltzern Gerembs / darinn gezeiget werde die Laiter / darauff der Haane gesessen / der in der Passion gekräet“.
Siehe auch
Mechiza
Literatur Wolfgang Kemp: Ästhetikkolumne – Public Writing. In: Merkur. Heft 1, Januar 2014, S. 40.
Weblinks Wortherkunft und Begriffe geräms In: Deutsches Wörterbuch. (dwds.de, 1891/1897) geremz In: Frühneuhochdeutsches Wörterbuch. (fwb-online.de)
Goethes Geräms Jutta Assel, Georg Jäger: Goethes Geburtshaus in Frankfurt a.M. auf alten Postkarten (2010), auf goethezeitportal.de (Mit Abbildung eines Hausmodells vom Zustand vor 1755)
Einzelnachweise
Kategorie:Bauteil (Bauwesen)