mini|Grab im Kloster Arnsburg Ernstotto Graf zu Solms-Laubach (* 8. November 1890 in Straßburg; † 2. September 1977 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Kunsthistoriker.

Familie Ernstotto zu Solms-Laubach entstammte dem Adelsgeschlecht der Grafen von Solms-Laubach. Er war der Sohn des Ernst Graf zu Solms-Laubach (1837–1908), Kreisdirektor des Kreises Straßburg sowie Domherr zu Naumburg, und der Auguste Gräfin Schimmelmann (1847–1921), Tochter der Adelhaide Freiin von Lützerode und des Lehnsgrafen Ernst von Schimmelmann. Ernestotto war ein Enkel des Otto II. Graf zu Solms-Laubach (1799–1872).

1935 heiratete er Margot Bertram, das Ehepaar hatte drei Töchter und einen Sohn.

Leben Er begann zunächst 1912 ein Medizinstudium, nach der Teilnahme am Ersten Weltkrieg studierte er jedoch ab 1919 in Marburg, München und Berlin Kunstgeschichte. Er wurde 1925 bei Richard Hamann in Marburg promoviert. Im gleichen Jahr wurde er Volontär am Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt, 1929 Assistent und Kustos an der Städtischen Skulpturensammlung Liebieghaus. Hier war er u. a. für den Erwerb des spätgotischen Kopfes der Bärbel von Ottenheim verantwortlich. Am 5. November 1937 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 5.393.731).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/41830309Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 576. Im Juni 1938 wurde er Direktor des Historischen Museums in Frankfurt. Im August wurde er ferner zum Stadtkonservator von Frankfurt ernannt und war für die örtliche Denkmalpflege zuständig.

1940 wurde er zur Wehrmacht eingezogen, bis 1944 als Kunstschutzoffizier im Osten eingesetzt und wirkte hier zeitweise für die Militärverwaltung Osten als Referent für den militärischen Kunstschutz. In seiner Eigenschaft als Beutegut- und Sammeloffizier war er dem Chef der Heeresmuseen Hermann Lorey unterstellt und gemeinsam mit Georg Poensgen im Oktober 1941 am Abbau und Abtransport des Bernsteinzimmers beteiligt.; Vermutlich im April 1944 wurde er zur Dienststelle Chef der Heeresmuseen versetzt. Im Juni 1945 wurde er auf Anordnung der amerikanischen Militärregierung als Museumsdirektor in Frankfurt entlassen. Im Juni 1949 wurde er jedoch wieder Direktor des Museums für Kunsthandwerk in Frankfurt und blieb dies bis zu seiner Pensionierung 1956. Er konnte das Museum, dessen Gebäude im Krieg zerstört worden war, im Westflügel des Städels wiedereinrichten. Im Ruhestand baute er das Museum im Schloss Laubach auf. Begraben wurde er in Kloster Arnsburg.

Veröffentlichungen (Auswahl) Die Wormser Bauschule in Hessen und ihre Grundlagen in Deutschland und Oberitalien. Dissertation Marburg 1925.Ungedruckt, Auszug in Jahrbuch der philosophischen Fakultät Marburg 1925. I. Bärbel von Ottenheim (= Jahresgabe des Wissenschaftlichen Instituts der Elsass-Lothringer im Reich an der Universität Frankfurt 1936). Diesterweg, Frankfurt am Main 1936. Aus dem Schloss der Grafen zu Solms-Laubach. Solms-Laubachsche Bücherstube, Laubach Heft 1: Bildnisse des 16. Jahrhunderts im Schloss zu Laubach. 1955 Heft 2: Geschichte der Glashütten des Laubacher Waldes 1956 Heft 3: Solmser Medaillen des 16. Jahrhunderts. 1956 Heft 4: Clemens Beutler, ein Laubacher Maler um 1600. 1956 Heft 5: Porzellanfiguren im Schloss zu Laubach. 1957 Heft 6. Die Laubacher Bibliothek 1957 Heft 7: Johann Valentin und Johann Heinrich Tischbein in Laubach 1958 Heft 8: Anton Wilhelm Tischbein 1958 Die schönsten Jagdbilder aus europäischen Sammlungen. Keyser, München 1961. Die schönsten Reiterbilder aus europäischen Sammlungen. Keyser, Heidelberg/München 1962.

Literatur Wolfgang Klötzer (Hrsg.): Frankfurter Biographie. Personengeschichtliches Lexikon. 2. Band. M–Z (= Veröffentlichungen der Frankfurter Historischen Kommission Band 19, 2). Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-7829-0459-1. Christoph Franke, Moritz Graf Strachwitz, Klaus Freiherr von Andrian-Werburg, Walter von Hueck: Genealogisches Handbuch der Fürstlichen Häuser 1997, Band XV, Band 114 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1997, S. 453 f. ISBN 3-7980-0814-0. Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 576. Eindeutig bis zweifelhaft. Skulpturen und ihre Geschichten erworben 1933–1945. Liebieghaus Skulpturensammlung, Frankfurt am Main 2017, S. 14. ISBN 978-3-943215-09-0.

Einzelnachweise

Ernstotto Kategorie:Kunsthistoriker Kategorie:Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Liebieghaus Skulpturensammlung Kategorie:Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Historischen Museums Frankfurt Kategorie:Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Museum Angewandte Kunst Frankfurt am Main Kategorie:SA-Mitglied Kategorie:NSDAP-Mitglied Ernstotto Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1890 Kategorie:Gestorben 1977 Kategorie:Mann