Die Menschheitsgeschichte umfasst die Geschichte der Menschheit von der Steinzeit bis in die Gegenwart. Mehr als 90 Prozent davon liegen im Zeitraum vom ersten Steingerät bis zum Ende des Altpaläolithikums.Parzinger, 2. Auflage. 2015, S. 38. Auch wenn das schriftlose Zeiten waren, verfügten selbst weit zurückreichende prähistorische Kulturen über Kommunikation mit Hilfe von Zeichen, Symbolen und Bildern, die von den damals Lebenden verstanden wurden. „Wir sind es, die die Geschichten, die sie erzählen, nicht mehr verstehen und das Wissen, das sie bewahrt und transportiert haben, nicht mehr entschlüsseln können.“ (Ebenda, S. 11) Die Entwicklung menschlicher Gesellschaftsformen hat sich nicht einheitlich vollzogen, sondern in vielfältigen zeitlichen, räumlichen und kulturspezifischen Abstufungen.Mit dem Versuch, so Parzinger in seinem Werk Die Kinder des Prometheus. Eine Geschichte der Menschheit vor der Erfindung der Schrift, alle Teile dieser einen Welt zu berücksichtigen und daraus „ein schlüssiges Gesamtbild des – nach Jahrtausenden gezählt – größten Teils der Menschheitsgeschichte zu formen, ist die Weltgeschichte nun auch in der Vorzeit angekommen.“ (Parzinger, 2. Auflage. 2015, S. 13) Dies erschwert eine allgemeingültige Periodisierung der Menschheitsgeschichte.

Als für die Menschheitsgeschichte insgesamt wegweisende Stationen hervorzuheben sind die fortgeschrittene Beherrschung des Feuers, der zunehmende Übergang vom Jagen und Sammeln zur Sesshaftigkeit mit Ausbildung städtischer Zentren und Hochkulturen, die neuzeitlichen Entdeckungen und Umwälzungen vor allem in Verbindung mit der industriellen Revolution und dem Kolonialismus sowie die Erfahrung der Weltkriege und die beschleunigte Globalisierung im Gegenwartshorizont.

Die multipolare und vielfältig vernetzte heutige Welt – in die der Begriff Weltgesellschaft Einzug gehalten hat – begünstigt eine Abkehr von herkömmlichen Darstellungsweisen der Menschheitsgeschichte aus eurozentrischer Perspektive. Eine erdgeschichtliche Dimension wird der jüngsten Menschheitsgeschichte unter dem Begriff Anthropozän zuerkannt.

Menschwerdung mit Werkzeugen

mini|hochkant|Steinwerkzeug (Geröllgerät) vom Oldowan-Typ

Am Ende eines über ca. 15 Millionen Jahre sich erstreckenden Entwicklungsprozesses der Hominiden entstand vor etwa zwei Millionen Jahren in Ostafrika der als Urmensch anzusehende Homo habilis / Homo rudolfensis und in der Folge der als Erster nach Art des anatomisch modernen Menschen laufende Homo erectus, der auch bereits auf Java nachgewiesen wurde.Demandt 2007, S. 19.

Tatsächlich lebten noch vor rund 100.000 Jahren gleichzeitig mehrere Menschenarten auf der Erde.Harari: Eine kurze Geschichte der Menschheit. 28. Auflage. 2015, S. 16. Harari verweist erklärend auf die Parallelexistenz vieler Arten auch bei Füchsen, Bären oder Schweinen und führt aus: „Noch vor hunderttausend Jahren gab es mindestens sechs verschiedene Menschenarten. Diese Vielfalt ist viel weniger erstaunlich als die Tatsache, dass wir heute allein sind.“ (Ebenda) Zerschlagene Knochen diverser Großtierarten in Ostafrika und entsprechend bearbeitete Steine verweisen auf die Epoche der Altsteinzeit. Auch Tiere nutzen zwar vorgefundene Gegenstände als Werkzeuge, um bestimmte Ziele zu erreichen. Im Unterschied zu ihnen aber zeigten sich Frühmenschen in der Lage, Form und Eigenschaften ihrer Werkzeuge zu verändern, um sie noch effektiver einsetzen zu können. „Neue Steinbearbeitungstechniken führten zu schärferen Kanten, und der Einsatz von immer höherwertigeren, flexibel nutzbaren Rohmaterialien wie Knochen, Horn und Holz zu verbesserten Werkzeugen mit größerem Wirkungsspektrum.“Parzinger, 2. Auflage. 2015, S. 698. „Mit solchen Geröllgeräten traten Hominiden vor mehr als 2,7 Millionen Jahren erstmals als denkende Wesen in Erscheinung.“ (Ebenda) Überwiegende Lebensgrundlage waren jedoch Früchte, Wurzeln und Kleingetier. Die Besetzung von Höhlen als Wohnstätten und ihre Verteidigung gegen wilde Tiere fallen mit der Spätphase des Homo erectus zusammen.Geiss 2006, S. 34.

Folgenreiche Feuerbeherrschung Dass der Homo erectus bereits das Feuer beherrschte, gilt als gesichert, da die Feuernutzung in einer südafrikanischen Höhle in Schichten des Acheuléen bereits vor 1,7 Millionen Jahren nachgewiesen ist. Mit der Beherrschung des Feuers konnte Fleisch durch das Räuchern haltbarer gemacht werden. Die Nahrungszubereitung und -verwertung wurde durch Kochen und Braten erweitert bzw. differenziert; auch waren Fleisch und gesammelte Pflanzen nach dem Braten und Kochen für den menschlichen Organismus besser verdaulich. Zudem bot das Feuer Schutz vor Insektenschwärmen und ließ sich bei Treibjagden nützlich verwenden.Parzinger, 2. Auflage. 2015, S. 31 f. und S. 699.

Durch die Hitze wurden Bakterien und Parasiten abgetötet; Früchte, Nüsse, Insekten und Aas wurden durch die Feuereinwirkung leichter kau- und verdaubar. Die Bandbreite genießbarer Nahrungsmittel wuchs an. Im Vergleich etwa zu Menschenaffen ließ sich für so zubereitetes Essen bei der Nahrungsaufnahme Zeit sparen und mit kleineren Zähnen und kürzeren Därmen auskommen. „Da lange Därme genauso große Energiefresser sind wie große Gehirne, ist es kaum möglich, beide gleichzeitig zu unterhalten. Weil das Kochen jedoch eine Verkürzung des Verdauungstrakts und damit Energieeinsparungen ermöglichte, bereitete es ganz nebenbei den gewaltigen Gehirnen des Neandertalers und des Homo sapiens den Boden.“Harari: Eine kurze Geschichte der Menschheit. 28. Auflage. 2015, S. 22 f.

Die Jagd als Entwicklungstreiber Der archaische Homo sapiens dürfte also seine Überlebenschancen durch eine fortgeschrittene Kontrolle über das Feuer beträchtlich verbessert und die eigene Ausbreitung in kältere Klimazonen ermöglicht haben.„Jedenfalls geht die Forschung davon aus, dass die Okkupation der nordalpinen Gebiete Mitteleuropas durch den Homo heidelbergensis nur möglich war, weil er mit dem Feuer umzugehen verstand.“ (Parzinger, 2. Auflage. 2015, S. 32.) Zu den Anfängen einer nachhaltigen Weiterentwicklung menschlicher Kultur und gesellschaftlicher Strukturen kam es durch eine immer weiter fortschreitende Spezialisierung der Jagd. Die Treibjagd setzt eine komplexe Kooperation und sprachliche Koordination zwischen Treibern und Jägern voraus, in die auch der Hund zum Aufspüren der Beute einbezogen wurde. Die Anfänge seiner Domestikation liegen über 30.000 Jahre zurück.Nikolai D. Ovodov u. a.: A 33,000-Year-Old Incipient Dog from the Altai Mountains of Siberia: Evidence of the Earliest Domestication Disrupted by the Last Glacial Maximum. In: PLoS ONE 6(7), 2011 doi:10.1371/journal.pone.0022821. Als wohl älteste Maschine der Menschheit wurde die Speerschleuder entwickelt, die Nachbauten zufolge Abwurfgeschwindigkeiten des Speers von über 100 km/h ermöglichte und entsprechende Durchschlagskraft entfaltete.Parzinger, 2. Auflage. 2015, S. 71.

Das Zerteilen und Haltbarmachen der Beute, das Errichten von Hütten und das Wachen über das Feuer dürften zu ersten Schritten in eine arbeitsteilige Gesellschaft und zu komplexeren Formen kooperativer Arbeit geführt haben, zu einer neuen Qualität sozialer Beziehungen.Parzinger, 2. Auflage. 2015, S. 36 f. Mit der am Kopf durchlochten Nähnadel aus Knochen ließen sich Kleidung und Tierfelle als Wärmeschutz für die Behausungen besser vernähen und abdichten.Parzinger, 2. Auflage. 2015, S. 69, 71 und 107. Annähernd gleichzeitig entstanden frühe Formen von Malerei, plastischer Kunst und Musik, letztere zunächst mit einfachen Flöten aus Röhrenknochen verbunden.Parzinger, 2. Auflage. 2015, S. 703.

Als Folgen ergaben sich eine zunehmende Vorherrschaft des Menschen über die übrige Fauna und eine entsprechende Zunahme der menschlichen Population. Dass kältere Klimazonen erschließbar wurden, begünstigte die Ausbreitung des Menschen von Afrika bis in alle Erdteile.Spier 2005, S. 67 u. 69 f. Der Ausbreitungsprozess auf alle Kontinente ging mit einem Massenaussterben zahlreicher Tierarten einher. Von insgesamt 200 Säugetierarten mit über 50 Kilogramm Gewicht war zu Beginn der landwirtschaftlichen Revolution in der Jungsteinzeit nur noch etwa die Hälfte übrig.Harari, Eine kurze Geschichte der Menschheit. 28. Auflage. 2015, S. 96.

Sesshaftigkeit und „neolithische Revolution“ mini|Fruchtbarer Halbmond um 7500 v. Chr. Die letzte Eiszeit war überall auf der Erde mit außerordentlich tiefgreifenden Änderungen der Lebensbedingungen verbunden, die schwierige Anpassungsleistungen erforderten. Zum Ende der Eiszeit bewirkte der dramatische Anstieg des Meeresspiegels – in der Ostsee um 25 Meter – unter anderem einen neuen Küstenverlauf zwischen Südostasien und Australien. In Mitteleuropa bestimmten zunehmend Birken-, Kiefern- und Mischwälder das Landschaftsbild. So konzentrierte sich die nacheiszeitliche Besiedlung hier mit spezialisierten Jäger-, Fischer- und Sammlergemeinschaften des Mesolithikums an Flüssen, Seen und Meeresküsten.Parzinger, 2. Auflage. 2015, S. 704 f.

Anfänge ortsgebundener Landwirtschaft Im östlichen Mittelmeerraum führte das milde Klima des Alleröd-Interstadials (ca. 12. bis 11. vorchristliches Jahrtausend) vorübergehend zu einer großen Artenvielfalt und -dichte, die es den Menschen ermöglichte, ihre Schweifgebiete deutlich zu reduzieren und länger an einem Ort zu wohnen. Vor allem das ganzjährig vorhandene Nahrungsangebot an Gazellen und den Wildformen von Weizen und Gerste ermöglichte bereits eine weitgehende Sesshaftigkeit vor der Erfindung des systematischen Pflanzenanbaus. Spätestens um 11.000 v. Chr. erkannten die Menschen der Levante den Vorteil schnell wachsender Wildgetreide, um saisonale Engpässe durch die Übernutzung der Nahrungsressourcen im Umkreis der Siedlungen zu kompensieren. Dennoch blieben die Menschen in erster Linie Jäger und Sammler, da der Pflanzenbau mehr Zeit und Arbeitsaufwand erforderte. Die sesshaftere Lebensweise führte allerdings zu einem verstärkten Kulturwandel, der sich etwa in deutlich größeren Besitztümern, veränderten Sozialstrukturen und Wertvorstellungen zeigte. Als der drastische Kälteeinbruch der jüngeren Dryaszeit um die Mitte des 11. Jahrtausends zu einer rapiden Verringerung der Nahrungsressourcen führte, waren die Menschen nicht mehr bereit oder in der Lage, ihre Sesshaftigkeit aufzugeben und zum Wildbeutertum zurückzukehren. Sie waren nunmehr gezwungen, die häufigen saisonalen Nahrungsengpässe durch die Intensivierung der produzierenden Wirtschaftsweise zu überbrücken.Parzinger, 2. Auflage. 2015, S. 113–119.Marion Benz: Die Neolithisierung im Vorderen Orient. Ex oriente, Zweite, kaum veränderte Auflage, Berlin 2008. ISBN 3-9804241-6-2. PDF-Version, S. 7, 16, 19–20, 73, 90–21. Von diesem Zeitpunkt an waren organisierte Landwirtschaft und die Anlage ortsfester Siedlungen und Dörfer nicht mehr voneinander zu trennen.Parzinger, 2. Auflage. 2015, S. 705.

Durch Kultivierung veränderte Nutzpflanzen sind ab 9500 v. Chr. nachgewiesen. Dies gilt als frühester Beginn der Jungsteinzeit. Im Zuge der Klimaveränderungen wurden sicherlich auch die Vorteile der Haltung und Zähmung verschiedener Wildtiere erkannt, sodass es um 8500 bis 8000 v. Chr. schließlich ebenfalls im fruchtbaren Halbmond zur Domestizierung von Schafen, Ziegen und Rindern kam. Die Nutztierhaltung war ursprünglich eine reine Fernweidewirtschaft, aus denen die hirtennomadischen Kulturen hervorgingen.