Ein Wohlfahrtsindex ist ein Maß zur Messung der Wohlfahrt einer Gesellschaft. Wohlfahrtsindexe werden dabei als Alternative zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) aufgefasst.

Anders als das BIP berücksichtigt ein Wohlfahrtsindex über die bloße Wertschöpfung hinaus weitere Werte. Dies sind z. B. ökologische Folgen wie der Verbrauch nicht erneuerbarer Ressourcen oder soziale Folgen wie die Verteilung der Einkommen in einer Gesellschaft. Demnach steht hinter einem Wohlfahrtsindex ein Modell mit Annahmen darüber, welche Faktoren in welchem Ausmaß die Wohlfahrt einer Gesellschaft steigern und in welchen Fällen dies nicht der Fall ist. Wohlfahrtsindex: Pro und Contra Wirtschaftsdienst, 93. Jahrgang, 2013, Heft 2, S. 66–67

Ein Wohlfahrtsindex, der zusätzlich zum Bruttonationaleinkommen pro Kopf immerhin Lebenserwartung und Bildung berücksichtigt, aber keine ökologischen oder sonstigen Faktoren, ist der seit 1990 von den Vereinten Nationen ermittelte Index der menschlichen Entwicklung.

Geschichte Die Ersetzung oder Ergänzung des BIP durch einen anderen Index wird seit Mitte des 20. Jahrhunderts diskutiert. So sagte Robert Kennedy 1968:NWI 2.0 – Weiterentwicklung und Aktualisierung des Nationalen Wohlfahrtsindex S. 26 Die Diskussion insbesondere in den USA intensivierte sich in Folge von Ereignissen wie dem Hurrikan Katrina 2005 und der Finanzkrise ab 2007. Berechnungen ergaben, dass der Wirbelsturm gemessen am BIP positive Folgen für die Vereinigten Staaten hatte.

In einigen asiatischen Ländern gibt es schon seit den 1970er Jahren ähnliche Überlegungen, die etwa in das Konzept des Bruttonationalglücks in Bhutan mündeten.NWI 2.0 – Weiterentwicklung und Aktualisierung des Nationalen Wohlfahrtsindex S. 27

Situation in Deutschland In Deutschland wird seit einiger Zeit intensiver ein „Nationaler Wohlfahrtsindex“ (NWI) diskutiert.NWI 2.0 – Weiterentwicklung und Aktualisierung des Nationalen Wohlfahrtsindex S. 43 Umweltbundesamt und Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit hatten 2009 eine Pilotstudie in Auftrag gegeben, in deren Ergebnis die erste Version eines NWI entstand, die seitdem kontinuierlich weiterentwickelt wurde. Der NWI wird vom Institut für Interdisziplinäre Forschung berechnet und umfasste 2022 folgende 21 Einzelkomponenten: Private Konsumausgaben Wert der Hausarbeit Wert der ehrenamtlichen Arbeit Konsumausgaben des Staates Wert des Beitrags der Ökosysteme zum Erhalt biologischer Vielfalt (Merkposten) Wohlfahrtswirkungen der Digitalisierung (Merkposten) Kosten der Ungleichheit Kosten für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte Kosten durch Verkehrsunfälle Kosten durch Kriminalität Kosten durch Alkohol-, Tabak- und Drogenkonsum (Merkposten) Gesellschaftliche Ausgaben zur Abwehr von Umweltschäden Kosten durch Wasserbelastungen Kosten durch Bodenbelastungen (Merkposten) Kosten durch Luftverschmutzung Kosten durch Lärmbelastung (Merkposten) Kosten durch Naturkatastrophen Kosten durch Treibhausgase Kosten der Atomenergienutzung Ersatzkosten durch Verbrauch nicht erneuerbarer Energieträger Kosten durch Verlust landwirtschaftlicher Fläche

Weblinks Umweltbundesamt: Aktualisierung und methodische Überarbeitung des Nationalen Wohlfahrtsindex 2.0 für Deutschland 1991 bis 2012 (2016) Umweltbundesamt: Wohlfahrtsmessung in Deutschland: Ein Vorschlag für einen nationalen Wohlfahrtsindex (2010) NWI 2.0 – Weiterentwicklung und Aktualisierung des Nationalen Wohlfahrtsindex, Forschungszentrum für Umweltpolitik der Freien Universität Berlin und Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft Heidelberg, Januar 2013

Wohlfahrtsindex statt BIP, Süddeutsche, Mai 2011 Wohlfahrtsindex: Pro und Contra Wirtschaftsdienst, 93. Jahrgang, 2013, Heft 2, S. 66–67

Einzelnachweise

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