mini|Lagerfeuer Ein Lagerfeuer ist ein Nutzfeuer, das beim Lagern im Freien angezündet wird. Es dient im Wesentlichen der Beleuchtung, dem Erwärmen des Körpers, dem Trocknen von Kleidung, dem Kochen von Speisen, dem Abkochen von Wasser und dem Vertreiben von Tieren. Vor allem dient es aber dem gemeinschaftsbildenden Zusammensein im Kreis, mit gemeinsamem Lieder singen und Geschichten erzählen.
Die wichtigsten Formen des Lagerfeuers sind das Tipifeuer mit seinen Varianten Survival- und Jägerfeuer als Mehrzweckfeuer, das Stern-, Gruben- und Tunnelgrubenfeuer als Kochfeuer und das Rauchfeuer als Signalfeuer zur Rettung aus Gefahrensituationen. Zu den Festfeuern gehören das Pfahlkegel-, Pagoden- und Stapelfeuer.
Geschichte Feuer wird von Hominiden bereits seit etwa zwei Millionen Jahren genutzt (Chesowanya, Zhoukoudian), formelle Feuerstellen mit Lehm- oder Steineinbauten sind aber erst seit der mittleren Steinzeit nachgewiesen.
Lagerfeuer in Zeltlagern Das Lagerfeuer bildet in Zeltlagern als Quelle für Wärmestrahlung meist den zentralen Treff- und Sammelpunkt. Abends trifft man einander dort zum geselligen Zusammensein. Man sitzt am Boden, auf Holzstämmen oder Sitzen. Üblicherweise baut man zunächst aus Brennholz eine Pyramide oder einen Stapel auf, der lange brennen soll. Diesen entzündet man mit einem kleinen Tipifeuer. Lodert das Feuer ordentlich auf, füttert man es je nach Bedarf mit dem tagsüber gesammelten Brennholz, das in der Nähe bereit liegt. Nach dem Abbrennen schiebt man die übrigbleibenden Stummel so lange zusammen, bis die Glut erloschen ist und nur noch Asche übrig bleibt.
Funktionen des Lagerfeuers Lagerfeuer können verschiedene Funktionen erfüllen. Sie dienen dem Erwärmen des Körpers, dem Trocknen von nasser Kleidung, dem Zubereiten von Speisen, dem Haltbarmachen von Speisen durch Räuchern, dem Abkochen (Sterilisieren) von Trinkwasser, dem Gewinnen von Trinkwasser durch Destillieren, dem Vertreiben von Insekten, dem Abschrecken von wilden Tieren, dem Wärmen beim Schlafen, dem Ersuchen nach Hilfe sowie dem geselligen Beisammensein.
Nach den drei Eigenschaften des Feuers: Hitze, Licht und Rauch lassen sich Lagerfeuer in drei Gruppen unterteilen, nämlich in: Wärmefeuer, Leuchtfeuer und Rauchfeuer. Zu den Wärmefeuern zählen Mehrzweck-, Wärme-, Koch- und Schlaffeuer, zu den Leuchtfeuern Wach- und Festfeuer und zu den Rauchfeuern das Rettungsfeuer.
Mehrzweckfeuer Die meisten Feuer haben mehrere Aufgaben, wie Erwärmung des Körpers, Trocknen von Kleidung, Beleuchtung der Umgebung, Kochen von Speisen, Abkochen (Sterilisieren) von Wasser zur Verwendung als Trinkwasser.
Wärmefeuer Wärmefeuer dienen der Erwärmung des Körpers und dem Trocknen nasser Kleidung.
Kochfeuer mini|Kochfeuer zwischen Wackersteinen Am Kochfeuer werden Speisen gekocht, gebraten oder gegrillt bzw. Wasser abgekocht. Bei den einfachsten Anwendungen wird ein Stück Fleisch auf einem heißen Stein oder an einem Stock gebraten oder ein Topf einfach ins Feuer gestellt. Speisen können auch in Alufolie eingewickelt direkt ins Feuer gelegt werden. Oder sie werden in einen Kräutermantel eingewickelt unter dem Feuer vergraben und gegart. Oft werden Töpfe höhenregulierbar aufgehängt (Stock in zwei Astgabeln, Dreibein mit Kette) oder auf einen Rost gestellt. Im Mittelalter verwendete man dreibeinige Töpfe, sogenannte Grapen, die man wegen ihrer drei Beine direkt ins Feuer stellen konnte.
Sonderformen des Kochfeuers sind Erdofen, Feldofen und Grill.
Schlaffeuer Schlaffeuer dienen dem Warmhalten des Körpers während der Nacht, insbesondere bei Nässe und Kälte.
Wachfeuer Wachfeuer sind kleine Feuer zum Warmhalten und Beleuchten der Umgebung.
Festfeuer Festfeuer sind große Lagerfeuer zum Feiern. Zu den Festfeuern im deutschsprachigen Bereich gehören Fasnachtsfeuer, Walpurgisfeuer (30. April in der Walpurgisnacht), Osterfeuer (in der Osternacht), Johannisfeuer (24. Juni zur Sommersonnenwende), Höhenfeuer (1. August zum Schweizer Nationalfeiertag) und Martinsfeuer (11. November im Anschluss an den Sankt-Martins-Umzug) und das Julfeuer (21. oder 22. Dezember zur Wintersonnenwende).
Signalfeuer Signalfeuer dienen der Übermittlung von Signalen. Tagsüber verwendet man Rauchsignale, nachts das helle Leuchten des Feuers. Rauchsignale erzeugt man, indem man nasses Laub auf das Feuer legt. Wird das Feuer nun zusätzlich in Intervallen mit einer Plane abgedeckt, können einfache Signale übermittelt werden. Siehe Lärmfeuer.
Bauformen des Lagerfeuers Wärmefeuer Tipifeuer
Das Tipi- oder Pyramidenfeuer besteht aus einem Kern aus Zunder und leicht entflammbarem Material, um das trockene dünne Zweige und Äste zeltförmig, wie die Zeltstangen eines Tipis (daher der Name) aufgestellt sind. Die tipiförmige Bauweise erleichtert das Entfachen des Feuers, da der Sauerstoff gut durch die Spalten zu Zunder und Flammstoff gelangt. Ein Tipifeuer ist schalenförmig aufgebaut. Leicht entflammbare Brennstoffe (Flammstoffe) wie Papier, Karton und Stroh in der Mitte, mäßig entflammbare Brennstoffe wie trockene Zweige und dünne Äste außen herum. Lodert das Feuer richtig auf, kann man auch schwer entflammbare Brennstoffe wie dicke oder nasse Äste und Scheite auflegen. Auf einer Seite lässt man eine kleine Öffnung zum Anzünden frei.
Tipifeuer auf Plattform (Survivalfeuer)
Voraussetzung für ein Tipifeuer ist ein trockener Boden, da das Feuer anfangs direkt auf dem Boden liegt. Um dies zu vermeiden, baut man zunächst eine Plattform aus einer Schicht dicht nebeneinander liegender gerader Äste. Dadurch schafft man eine Isolationsschicht, die das anfängliche Feuer vor der Feuchtigkeit und Kälte des Bodens schützt. Bei starkem Frost oder Schnee sollte die Plattform zur besseren Isolation aus mehreren kreuzweise übereinander gestapelten Schichten bestehen.
Das Tipifeuer auf Plattform dient oft zum Anzünden anderer Lagerfeuerarten.
Tipifeuer mit Windbrecher (Jägerfeuer) Das Tipifeuer mit Windbrecher besteht aus einem Tipifeuer, um das zwei dicke Äste/Scheite so gelegt werden, dass sie ein spitzes V ergeben. Die Spitze des V zeigt nach Möglichkeit in die entgegengesetzte Windrichtung, so dass der Wind von den dicken Ästen/Scheiten abgelenkt wird. Auf die Ecke, dort wo die beiden Äste/Scheite aufeinandertreffen, kann ein Topf zum Kochen gesetzt werden.
Kochfeuer
Ebenerdige Kochfeuer
Sternfeuer
Das Sternfeuer besteht aus mehreren flach gelegten Scheiten, die einander alle an einem Ende sternförmig in einem zentralen Punkt treffen. Dieser Punkt ist der Brennpunkt des Feuers. Ist ein kleines Tipifeuer im Brennpunkt entzündet, kann man einen Topf direkt auf die Enden der Scheite stellen. Sind die Enden eines Scheits niedergebrannt, schiebt man den Rest des Scheits ein Stück vor in die Mitte des Feuers. Auf diese Weise kann man die Kochtemperatur und -dauer sehr gut steuern. Das Sternfeuer ist sparsam im Holzverbrauch und eignet sich auch als Wachfeuer.
Tipifeuer mit Nebenglut Beim Tipifeuer mit Nebenglut wird zunächst ein großes Tipifeuer angezündet. Hat sich dann nach einer Weile ausreichend Glut angesammelt, schiebt man diese auf einen Haufen neben die Feuerstelle. Auf diese Weise kann man im Glutbett des Feuers kochen, ohne dass einem die lodernden Flammen das Essen verbrennen. Wegen der schlüssellochartigen Form von runder Feuerstelle und rechteckig zusammengeschobener Glutstelle wird diese Art des Kochfeuers auch Schlüssellochfeuer (eng. keyhole fire) genannt.
Kochfeuer mit Garsteinen
Steingrubenfeuer (Imu)
Beim Steingrubenfeuer wird eine große flache Grube ausgehoben, in der ein großes Tipifeuer entzündet wird. Brennt dieses ordentlich, gibt man zahlreiche Wacker (faustgroße Steine) in die Grube, damit diese erwärmt werden. Sind die Wacker heiß, befördert man sie mit Hilfe von Stangen aus der Grube und schiebt sie zu einem Haufen zusammen. Auf diesen Haufen heißer Steine legt man dann seine in Bananenblätter oder Alufolie eingewickelten Speisen und deckt den gesamten Haufen zunächst mit Laub und anschließend mit Erde ab. Dadurch erhält man einen Ofen, in dem die Speisen garen. Sind diese gar, gräbt man sie aus dem Erd- und Blätterhaufen aus. Da diese Kochmethode von den Polynesiern stammt, nennt man das große Grubenfeuer auch Polynesisches Feuer. Das Großgrubenfeuer wird polynesisch Imu oder Umu genannt, das darin gegarte Gericht, meist ein ganzes Schwein, Kālua.
Steinhaufenfeuer (Huatia)
Beim Steinhaufenfeuer wird unter einem Haufen aus Wackern (faustgroßen Steinen), die eine Art Ofen bilden, ein großes Feuer entzündet, das die Wackersteine erwärmt. Anschließend trägt man den Haufen teilweise ab und brät Fleisch auf den heißen Steinen an. Danach platziert man auf die Steine Blätter, legt das angebratene Fleisch und das übrige Gemüse etc. darauf und bedeckt alles zunächst mit Blättern und dann mit Erde. Die Garzeit beträgt rund 1½ Stunden. Das Steinhaufenfeuer stammt aus Peru und wird in Quechua Watia (sp. Huatia) genannt, das darin gegarte Gericht Pachamanca.
Untererdige Kochfeuer
Grubenfeuer (Soldatenfeuer) Das Grubenfeuer ist ein unterirdisches Lagerfeuer. Dazu wird mit einem Klappspaten, der Hand oder einem Grabstock (ein zum Graben benutzter Stock, der die Hände schont) eine Grube gegraben, in der man auf einer Plattform ein Tipifeuer anzündet. Der Nachteil des Grubenfeuers ist die mangelnde Sauerstoffzufuhr, da die Flammen des Feuers den Sauerstoff in der Grube schnell aufbrauchen und aufgrund der aus der Grube aufsteigenden Warmluft nur wenig Sauerstoff in die Grube nachströmen kann. Daher brennt es in tiefen, engen Gruben nur mäßig oder gar nicht.
Grubenfeuer und Tunnelgrubenfeuer werden häufig vom Militär verwendet, da durch die Grube der offene Feuerschein verdeckt ist.
Tunnelgrubenfeuer (Dakotafeuer)
Der Nachteil der schlechten Luftzufuhr beim Grubenfeuer lässt sich umgehen, indem man eine zweite Grube direkt neben der ersten gräbt und beide Gruben mit einem Tunnel verbindet. Die erste Grube dient als Feuerstelle. Die zweite Grube dient einzig und allein der Frischluftzufuhr. Da diese Art des Feuers von den Dakotaindianern aus der nordamerikanischen Prärie stammt, nennt man das Tunnelgrubenfeuer auch Dakotafeuer.
Übererdige Kochfeuer
Knüppelbündelfeuer (Stockfackla) Beim Knüppelbündelfeuer wird zunächst eine größere Anzahl gleich langer Holzknüppel/Äste gesammelt und an einem Ende mit flexiblen Weidenästen, Fichtenwurzeln oder Schnüren zusammengeschnürt. Dieses Ende wird auf den Boden gestellt. Am oberen Ende werden kleine Äste als Keile zwischen die Knüppel geschoben, so dass die Knüppel nicht aneinanderliegen, sondern durch Luftspalte getrennt sind. Die Spalten zwischen den Knüppeln dienen der Sauerstoffzufuhr. Das obere Ende des Knüppelbündels wird angezündet. Auf dieses kann dann ein Kochtopf gestellt werden. Das Knüppelbündelfeuer ist ein Kochfeuer für nasse und morastige Böden oder kniehohen Schnee. Das Knüppelbündelfeuer ist unter dem Namen Schwedische Stockfackel (swe. Svensk Stockfackla, eng. swedish stick torch), Schwedenfackel oder Schwedenfeuer bekannt.
Spaltblockfeuer (Blockfackla)