Die Kaiserliche Orthodoxe Palästina-Gesellschaft, historisch auf Deutsch auch Kaiserlich-rechtgläubige Palästina-Gesellschaft, () (IPPO) ist eine 1882 gegründete russisch-orthodoxe, staatlich unterstützteRechnungshof-Chef neuer Vorsitzender der Kaiserlichen Orthodoxen Palästina-Gesellschaft, Meldung von RIA Novosti vom 14. Juni 2007, abgerufen am 6. Mai 2014 Vereinigung zur Unterstützung russisch-orthodoxer Pilger und russischer Interessen im Heiligen Land. mini|Logo der IPPO in Jerusalem

Geschichte mini|Die Mission in Jerusalem um 1900 Die Kaiserliche Orthodoxe Palästina-Gesellschaft wurde 1882 auf Anregung von Wassili Nikolajewitsch Chitrowo durch einen Ukas von Zar Alexander III. gegründet, nachdem im Jahr zuvor seine Brüder Sergei und Pawel eine Pilgerreise ins Heilige Land unternommen hatten. Seit 1889 trägt sie ihren heutigen Namen. Der Begriff Palästina bezieht sich dabei auf die damals unter türkischer Herrschaft stehende Region Palästina. Erster Präsident war Großfürst Sergej; nach seiner Ermordung 1905 folgte ihm seine Witwe Elisabeth.

Die Gesellschaft verstand sich als kirchennaher, aber unabhängiger Verein von Laien zur Unterstützung der seit 1858 tätigen Russischen Geistlichen Mission in Jerusalem. Als die ursprünglichen Aufgaben der Gesellschaft wurden festgelegt:Nach Astafieva (Lit.), S. 179 die Verbreitung der Kenntnisse über die Heiligen Stätten in Russland; die Unterstützung der orthodoxen Pilger im Heiligen Land; die Gründung von Schulen, Spitälern und Wohnstätten für die Pilger sowie die materielle Unterstützung der lokalen Bevölkerung, der Kirchen, Klöster und des Klerus. mini|Der Russenbau auf einer Jerusalem-Karte von Conrad Schick 1894 In den folgenden Jahren erwarb sie umfangreiche Ländereien im Heiligen Land und baute und unterhielt in Jerusalem das Russische Quartier (Russian Compound bzw. Migrasch ha-russim, historischer deutscher Name: Russenbau) rund um die 1863 fertiggestellte Dreifaltigkeitskathedrale mit Pilgerquartieren getrennt für Männer und Frauen, dem Russischen Hospital, dem Hauptquartier der Gesellschaft und dem Russischen Konsulat.

mini|hochkant=0.5|links|Abzeichen der IPPO (vor 1918)

Die Gesellschaft gliederte sich in drei Abteilungen: eine für wissenschaftliche Arbeiten und Veröffentlichungen, eine zur Unterstützung der Pilger sowie eine dritte für die Erhaltung und den Schutz der Orthodoxie unter der Lokalbevölkerung in Palästina und Syrien.Astafieva (Lit.), S. 180 Der Erste Weltkrieg unterbrach die Arbeit im Heiligen Land. Nach der Oktoberrevolution änderte die Sowjet-Regierung den Namen der Gesellschaft in Russische Palästina-Gesellschaft und nahm ihr jeden religiösen Aspekt. Sie wurde als rein akademische Institution verstanden und der Russischen Akademie der Wissenschaften zugeordnet. Von Anfang der 1930er Jahre bis 1951 trat die Gesellschaft nicht mehr in Erscheinung. Ihr Wiederaufleben im Januar 1951 wurde als opportun für die Immobilienansprüche gegenüber Israel gesehen. Ab 1954 konnte ihre Zeitschrift Palestinsky Sbornik wieder erscheinen, und die russische Orientalistin Nina Wiktorowna Pigulewskaja (1894–1970) wurde zur führenden wissenschaftlichen Gestalt der Gesellschaft.

Über den Grundbesitz im Heiligen Land kam es zu langwierigen juristischen Auseinandersetzungen mit der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland, die die Rechtsnachfolge der Kaiserlichen Gesellschaft beanspruchte und dazu ein Palästina-Komitee einrichtete.Siehe dazu Seide (Lit), S. 83 und 162 Zur Zeit der Gründung des Staates Israel wurde der Wert des russischen Kirchenbesitzes allein in Israel in den Grenzen von 1948 auf 100 Millionen US$ geschätzt.Seide (Lit.), S. 83

Die Gebäude in Jerusalem wurden durch die britische Mandatsmacht genutzt, unter anderem für das Mandatsgericht und ein Gefängnis. Nach der Staatsgründung und der Anerkennung Israels durch die Sowjetunion übertrug der Staat Israel das Nutzungsrecht der auf seinem Staatsgebiet liegenden Immobilien der Gesellschaft an das Moskauer Patriarchat, registrierte sie aber nicht neu als sowjetisches Eigentum, sondern setzte gegen den Protest der Sowjetunion einen Treuhänder ein.Documents on Israeli-Soviet Relations, 1941-1953. (Cummings Center series 13) London/Portland: Frank Cass 2000, ISBN 978-0-7146-4843-9 , S. 853 Am 26. Januar 1964 erwarb Israel zum Preis von 4,5 Millionen US$, von denen 3 Millionen durch die Lieferung von Orangen in die Sowjetunion bezahlt wurden, das Eigentum an 90 Prozent der Gebäude des Russian Compound von der sowjetischen Regierung. Der Orange deal war nicht unumstritten, weil der Komplex nicht eigentlich sowjetisches Eigentum war; die Eigentumsverhältnisse wurden daher in den öffentlichen Verlautbarungen verschleiert. Die Befürworter des Geschäftes argumentierten, dass durch die Eingliederung der Gesellschaft in die Akademie der Grundbesitz sowjetisches Staatseigentum geworden war.Siehe dazu Uri Bialer: Cross on the Star of David: The Christian World in Israel’s Foreign Policy, 1948-1967. Indiana University Press, 2005, ISBN 978-0-253-11148-7, S. 162f.; siehe auch A different sort of orthodoxy, Bericht der Jerusalem Post vom 4. Februar 2010, abgerufen am 6. Mai 2014 Der Komplex des Sergej-Hofs, der immer noch als Privateigentum des Großfürsten eingetragen war, blieb davon ausgenommen.

Jordanien hingegen erkannte die Eigentumsansprüche der Auslandskirche an, woraufhin die bis 1968 auf dem Staatsgebiet Jordaniens liegenden Immobilien wie die Maria-Magdalena-Kirche (Jerusalem) mit dem Grab der Großfürstin und Märtyrerin Elisabeth von der Auslandskirche verwaltet wurden. Im Westjordanland kam es in Hebron 1997 zu einer gewaltsamen Vertreibung von Geistlichen und Nonnen der Auslandskirche durch das Moskauer Patriarchat mit Hilfe der palästinensischen Behörden.

1992 wurden in der Russischen Föderation der historische Name und die Eigenständigkeit der Gesellschaft wiederhergestellt. 2007, im Jahr der Aussöhnung zwischen der Auslandskirche und dem Moskauer Patriarchat, kam es zu einer wegweisenden Übereinkunft mit dem Palästina-Werk der Auslandskirche, das durch Erzbischof Mark vertreten wurde.Archbishop Mark visits the Museum of the Imperial Orthodox Palestine Society, Meldung vom 4. Februar 2014, abgerufen am 6. Mai 2014 Infolgedessen konnte nach langen Verhandlungen der Sergej-Hof im Jerusalemer Russischen Viertel, der zuvor vom israelischen Landwirtschaftsministerium genutzt worden war, der Gesellschaft im Oktober 2008 rückübertragen werden. 2012 forderte die russische Regierung erfolgreich den Auszug der israelischen Naturschutzorganisation SPNI aus dem Gebäudekomplex.Moscow to evict SPNI from ‘Sergei’s Courtyard’ , Bericht der Jerusalem Post vom 28. Juni 2012, abgerufen am 6. Mai 2014

mini|Kulturzentrum Bethlehem (2012) In den Palästinensischen Autonomiegebieten erhielt die Gesellschaft 2008 Immobilien in Jericho zurück, darunter das Gelände um einen Maulbeer-Feigenbaum, der als derjenige verehrt wird, auf den der kleinwüchsige Zöllner Zachäus kletterte, um Jesus bei dessen Besuch Jerichos besser sehen zu können . Hier entstand, finanziert von der russischen Regierung, das Russische Museum, das im Januar 2011 vom damaligen russischen Präsidenten Dmitri Anatoljewitsch Medwedew zusammen mit Mahmud Abbas eingeweiht wurde.

Bei einem Besuch von Wladimir Wladimirowitsch Putin in den Palästinensischen Autonomiegebieten im Juni 2012 wurde ein Abkommen über den Rechtsstatus und die Tätigkeit des russischen Museums- und Parkkomplexes in Jericho unterzeichnet.Russland und Palästina unterzeichnen Abkommen über Rechtsstatus von Museumskomplex in Jericho, Meldung von RIA Novosti vom 26. Juni 2012, abgerufen am 6. Mai 2014 Gleichzeitig eröffnete Putin in Bethlehem ein Russisches Wissenschafts- und Kulturzentrum, das auf Anregung der Gesellschaft auf ihr ebenfalls 2008 zurückübertragenem Land errichtet wurde., Meldung der Voice of Russia vom 2. Juni 2012, abgerufen am 6. Mai 2014

2020 sollte die Kaiserliche Orthodoxe Palästina-Gesellschaft den Alexanderhof in Jerusalem übernehmen.Till Magnus Steiner: Russland neben der Grabeskirche, Meldung der Tagespost vom 8. Februar 2020, abgerufen am 3. Juni 2021. Die Übertragung des lange umstrittenen Grundbesitzes wurde im März 2022 vom Jerusalemer Distriktgericht wieder aufgehoben.Amid Ukraine invasion, Jerusalem court nixes transfer of Old City property to Russi, Times of Israel vom 3. März 2022, abgerufen am 10. März 2022

Aufgaben Laut Statut zählen zu den Aufgaben der Gesellschaft die Durchführung orthodoxer Wallfahrten ins Heilige Land, die wissenschaftliche Palästinakunde und die humanitäre Zusammenarbeit mit den Völkern der Länder der biblischen Region. Eine wichtige Finanzierungsquelle der Palästina-Gesellschaft sind immer Spenden der Gläubigen gewesen. Aber die wichtigsten Projekte wurden auch vom Staat finanziert.Rechnungshof-Chef neuer Vorsitzender der Kaiserlichen Orthodoxen Palästina-Gesellschaft, Meldung von RIA Novosti vom 14. Juni 2007, abgerufen am 6. Mai 2014

In der Tradition des Stiftungsziels der Erhaltung und den Schutz der Orthodoxie unter der Lokalbevölkerung in Palästina und Syrien stützt die Gesellschaft das Regime von Baschar al-Assad in Syrien.Chef russischer Palästina-Gesellschaft übermittelt Assad mündliche Botschaft Putins, Meldung von RIA Novosti vom 2. April 2014, abgerufen am 6. Mai 2014; Imperial Orthodox Palestine Society Chairman: Syria is fighting international terrorism, Meldung vom 7. April 2014, abgerufen am 6. Mai 2014

Die Gesellschaft ist zu einem wichtigen Werkzeug russischer Soft Power und Angelpunkt der Aktivitäten des Kremls“the centerpiece of the Kremlin’s activity”, Russia uses church, far right for foothold in Lebanon, Deutsche-Welle-Beitrag vom 20. Mai 2018, abgerufen am 11. März 2022 im Nahen Osten geworden.Anna L. Borshchevskaya: Russia’s Soft Power Projection in the Middle East. In: Military Review November-Dezember 2021

2019 etablierte die Gesellschaft einen Ableger („mission“) in Großbritannien, die Imperial Orthodox Palestine Society, UK.Website, seit 2019 registered charity 1183788. Dies wurde als Versuch angesehen, Einfluss auf das britische Establishment zu gewinnen.Putin’s spies woo British Establishment through Imperial Orthodox Palestine Society, The Times vom 3. März 2019, abgerufen am 11. März 2022 Im November 2023 wurde dieser Ableger wieder aufgelöst; die vorhandenen Mittel erhielt die Grand Duchess Elizabeth Society.Eintrag im Register of charities, abgerufen am 30. Mai 2025

Personen Gegenwärtiger Vorsitzender der Gesellschaft ist seit 2007 Sergei Wadimowitsch Stepaschin. Sein Stellvertreter ist Juri Alexejewitsch Gratschow. Von 2000 bis 2003 war der Diplomat Alexei Fjodorowitsch Tschistjakow Präsident der Gesellschaft.

Gemäß dem Statut der Palästina-Gesellschaft leitet der Patriarch von Moskau und ganz Russland, gegenwärtig Kyrill I., das Komitee für Ehrenmitglieder der Gesellschaft. Dem Komitee gehören namhafte Staatsmänner und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens an. Unter den Ehrenmitgliedern der Gesellschaft sind der russische Außenminister Sergei Wiktorowitsch Lawrow und der frühere Moskauer Bürgermeister Juri Michailowitsch Luschkow.

Konkurrenzgesellschaften Es gibt eine gleichnamige Orthodoxe Palästina-Gesellschaft, die der Bischofssynode der Auslandskirche unterstehtStatement from the Chancery of the ROCOR Synod of Bishops on Recent Events at St. Alexander Church in Jerusalem, vom 27. Januar 2021, abgerufen am 11. März 2022 und in Israel registriert ist.the only legally registered Orthodox Palestine Society in Israel (#513965889) Diese Gesellschaft hat einen Zweig in den USA, die Orthodox Palestine Society / USA. Ihr langjähriger Präsident war Teymuraz Bagration, ein Sohn von Tatjana Konstantinowna Romanowa.Prince Teymuraz Bagration, 79; Headed Relief Efforts for Refugees, New York Times vom 20. April 1992