mini|Ein Postbote im russischen Zarenreich. mini|Die erste russische Briefmarke (1857). mini|35-Kopeken-Briefmarke „Ein Schwert durchschlägt eine Kette“, 1918 mini|250-Rubel-Briefmarke von 1921, die 1922 mittels Aufdruck auf 7.500 Rubel aufgewertet wurde mini|20-Rubel-Aufdruck auf einer 15-Kopeken-Briefmarke mini|Eine Briefmarke der Sowjetunion aus dem Jahre 1958, auf der ein Postbote aus dem 16. Jahrhundert abgebildet ist. Sie wurde anlässlich des 100. Jahrestags der russischen Briefmarken herausgegeben. mini|Eine Briefmarke der Russischen Föderation von 2008 Dieser Artikel vermittelt einen Überblick über die Briefmarken und die Geschichte des Postwesens im russischen Zarenreich, in der Sowjetunion und in der heutigen Russischen Föderation.

Postgeschichte Die Anfänge In geschichtlichen Aufzeichnungen wird das Bestehen eines Botendienstes im 10. Jahrhundert erwähnt. Die ersten Briefe wurden in Form von Rollen befördert, die mit Wachs oder Blei versiegelt waren. Das älteste bekannte Siegel dieser Art stammt aus dem Jahr 1079 und erwähnt einen Gouverneur Ratibor von Tmutarakan. Das erste erhaltene Briefkuvert wurde 1391 aus Tana (dem heutigen Asow) nach Venedig versandt.

Im 16. Jahrhundert umfasste das Postsystem 1.600 Ortschaften und eine Sendung benötigte drei Tage, um von Moskau nach Nowgorod zu gelangen. Infolge eines Friedensvertrags zwischen Russland und Polen wurde 1634 ein Postweg nach Warschau eingerichtet. Das war der erste geregelte Auslandspostdienst Russlands.

Das russische Zarenreich Mit den Reformen Peters des Großen wurde das Postsystem vereinheitlicht. 1714 wurden die ersten Hauptpostämter in Sankt Petersburg und Moskau eröffnet. Zwischen Moskau und Riga wurde ein „geregelter Postdienst“ eingerichtet. Im Februar 1714 begann die Post zweimal wöchentlich Sendungen zwischen St. Petersburg und Riga zuzustellen; im Juni wurde der Postdienst zwischen St. Petersburg und Moskau aufgenommen. 1716 erfolgte die Gründung des Feldpostamts und 1720 wurde der sogenannte „ordentliche Postdienst“ zur schnellen Beförderung von staatlichen Verordnungen und Schriftstücken ins Leben gerufen. Eine geregelte Zustellung privater Pakete (der sogenannten „schweren Post“) wurde ab 1730 eingerichtet. 1746 wurden zunächst Pakete und privater Schriftverkehr durch einen Kurier zugestellt und ab 1781 konnte auch Geld bis ins Haus gebracht werden. Der erste bekannte russische Poststempel stammt aus dem Juli 1765. Er besteht aus einer einzigen Zeile, die lautet „ST.PETERSBOVRG“ (in lateinischen Buchstaben). Offiziell empfohlen wurde der Einsatz von Poststempeln jedoch erst 1781.

Postkutschen kamen 1820 in Gebrauch. 1833 wurde die Stadtpost St. Petersburg gegründet. Die Stadt wurde in 17 Bezirke mit 42 Poststellen unterteilt, die in Einzelhandelsgeschäften untergebracht waren. 1834 entstanden in den Vororten eigenständige Postämter (insgesamt gab es in St. Petersburg 108 solcher Postämter). Die regelmäßige Auslieferung von Zeitungen und Zeitschriften in Russland wurde in St. Petersburg 1838 organisiert. 1840 wurde am Ufer der Moika die Kutschen- und Wagenstation eröffnet. Leichte Kutschen ohne Verdeck transportierten Post mit Aufschlag, Kutschen stellten die leichte Post zu und die „schwere“ Post wurde mit Wagen ausgefahren. 1848 wurden auf den Straßen grüne Briefkästen aufgestellt und im selben Jahr wurden frankierte Umschläge herausgegeben. In der Nähe der Bahnhöfe gab es seit 1851 orangefarbene Briefkästen für eine Zustellung am gleichen Tag und die ersten Briefmarken erschienen 1857. Ab 1864 übernahm die Städtische Post den Versand von Drucksachen und Katalogen und ab 1866 die Beförderung von Paketen.

Ganzsachen erschienen erstmals 1845. Gegen ein Entgelt von 5 Kopeken konnten in St. Petersburg und Moskau frankierte Briefkuverts für die Ortspost erworben werden. Das Konzept funktionierte gut und wurde am 1. Dezember 1848 in ganz Russland übernommen.

In örtlichen Postsystemen wurden als Semstwo-Briefmarken bezeichnete Postwertzeichen genutzt, die nach den 1864 durch Zar Alexander II. ins Leben gerufenen Kommunalverwaltungen benannt waren.

Die Russische Post zählt zu den Gründungsmitgliedern des seit 1874 bestehenden Weltpostvereins. 1902 wurde das Postwesen dem Innenministerium und 1917 unter der Übergangsregierung dem Post- und Telegrafenministerium unterstellt.

Sowjetunion mini|220px|Postamt in Woronesch Während des Zweiten Weltkriegs war der Postdienst dem Volkskommissariat für Kommunikation zugeordnet. Jeden Monat wurden unter äußerst schwierigen und häufig sehr gefährlichen Bedingungen bis zu 70 Millionen Pakete aus dem Hinterland an die sowjetische Front befördert.

In der Nachkriegszeit erlebte die Post zahlreiche quantitative und qualitative Veränderungen. 1946 wurde das sowjetische Volkskommissariat für Kommunikation in das Kommunikationsministerium der UdSSR überführt. 1950 war das im Krieg zerstörte Postwesen wieder aufgebaut und funktionierte auf Vorkriegsniveau.

In den Folgejahren wurde das Filialnetz stark ausgebaut, insbesondere in den ländlichen Gebieten. In den meisten Filialen waren Post-, Telegrafen- und Fernsprechdienstleistungen vereint. Diese Kommunikationsdienste waren in der Regel im selben Gebäude untergebracht und unterstanden der gleichen Verwaltung. Es wurde ein umfangreiches Briefkastennetz aufgebaut. Briefkästen wurden nicht nur in den Städten, sondern auch auf dem Land, an Bahnhöfen, Bahnanschlussstellen sowie an Autobahnabzweigungen aufgestellt.

Eine weitere Entwicklung im Postwesen war die Mechanisierung und Automatisierung der Postbearbeitung, durch die sich die Organisation von Transport und Zustellung verbesserte.

Die Russische Föderation 1993 wurde die Russische Post dem Kommunikationsministerium unterstellt. 1995 wurde die Post in den Föderalen Dienst des Postdienstes der Russischen Föderation umgegliedert und 1996 wurde sie der Postabteilung des Kommunikationsministeriums der Russischen Föderation zugeordnet. Die russischen Postfilialen waren in ihrer Geschäftstätigkeit und wirtschaftlich betrachtet unabhängig, sind jedoch einem starken Wettbewerb seitens anderer Telekommunikationsunternehmen, ihrer früheren Partner, ausgesetzt. Trotz Aufspaltung der Dienste blieb so das ganz spezielle, in der Vergangenheit aufgebaute Postnetz erhalten, das nahezu alle Ortschaften des Landes umfasst.

Angesichts der wichtigen Rolle, den die Post im Laufe der Geschichte bei der staatlichen Entwicklung spielte, führte der russische Präsident Boris Jelzin 1994 den „Tag der Russischen Post“ ein. Dieser Ehrentag für alle Postangestellten wird jedes Jahr am 2. Juli gefeiert. 1997 wurden im Rahmen einer weiteren Verordnung des Präsidenten durch die Hinzufügung des Emblems und der Flagge die heraldischen Traditionen der Russischen Post wiederhergestellt.

Aufgabe des Monopols 1996 beschloss das Kommunikationsministerium, erstmals das staatliche Postmonopol für einige Postdienstleistungen aufzugeben. Dies führte zur Gründung gewerblicher Postunternehmen in Russland.

Die russische Post hat Ende 2015 einen neuen digitalen Abonnementdienst vorgestellt. Die Russische Post fungierte als Abonnementagentur für die direkte Zusammenarbeit mit Verlagen.

Briefmarken Das Konzept der Briefmarke hatte die Welt bereits im Sturm erobert, als sich die russischen Behörden im September 1856 entschlossen, dem Beispiel der anderen Länder zu folgen.

Die erste russische Briefmarke 1851 wurde der für die Postbeförderung zuständige Alexej Prochorowitsch Tscharukowski ins Ausland entsandt, um mehr über die dortigen Erfahrungen mit dem Einsatz von Briefmarken zu erfahren. Er besuchte England, Frankreich, Belgien, die Niederlande, Italien, Österreich, die Schweiz und Deutschland, sammelte zahlreiche Informationen und kehrte 1852 nach Russland zurück. Neuerungen im Postwesen wurden jedoch durch den Krimkrieg verhindert. Erst 1855 schlug Tscharukowski dem Generaldirektor des Postamts, W. F. Adlerberg, ein Projekt mit konkreten Maßnahmen zur Einführung aufklebbarer Briefmarken in Russland vor. Laut Tscharukowskis Plan sollten die russischen Briefmarken eine runde Form aufweisen, das Staatswappen zeigen, in verschiedenen Farben gedruckt werden und von einer Zähnung umrandet sein. Darüber hinaus mussten die verwendeten Papiersorten Schutz vor Fälschungen bieten. Das Projekt wurde am 12. November 1856 genehmigt.

Unterdessen wurden am 30. Juli 1856 unter Aufsicht von J. Reichel, des Leiters der für den Druck staatlicher Wertpapiere verantwortlichen Abteilung, erste Muster für zwei Briefmarkensorten angefertigt: eine mit dem russischen Staatswappen und eine mit Merkurkopf. Diese Marken hatten eine runde Form. Tscharukowski war der Ansicht, dass rechteckige Marken, die nicht ordentlich auf das Briefkuvert geklebt werden, durch den Briefkasten oder andere Briefe beschädigt werden und sich ablösen können. Das wiederum könnte zur Rücksendung der Briefe an den Absender führen und die Zeitungen könnten darüber berichten. Jede Sorte sollte in vier Farben gedruckt werden: in Grün, Blau, Schwarz und Karmin. Diese Briefmarken wurden jedoch nicht genehmigt.

Der erfahrene EZGB-Graveur F. M. Kepler erstellte die Zeichnungen für die erste rechteckige russische Briefmarke und reichte diese am 21. Oktober 1856 ein. Bei seinen Entwürfen ließ Kepler sich von dem Material inspirieren, das Tscharukowski aus dem Ausland mitgebracht hatte. Darunter waren Originalentwürfe und Briefmarken verschiedener Länder. Kepler verwendete ein Muster des Prager Unternehmens Gottlieb Haase Söhne als Vorbild für die Gestaltung der russischen Briefmarken und schlug vor, ihnen eine rechteckige Form zu geben, wie die österreichischen Briefmarken sie hatten.

Herstellung Am 20. Oktober 1857 genehmigte Zar Alexander II den Druck drei zweifarbiger Muster als 10-, 20- und 30-Kopeken-Briefmarken. Am 9. November „ordnete der Zar an, diese stattdessen als Freimarken zu bezeichnen“. Im November wurde mit der Herstellung der Briefmarken zu 10 Kopeken begonnen. Die erste Briefmarke ließ Russland auf ein festes, weißes Büttenpapier mit einem Wasserzeichen in Form einer 15-mm großen Ziffer „1“ drucken. Da die in der Österreichischen Staatsdruckerei bestellte Zähnungsmaschine erst am 19. November und in defektem Zustand eintraf, wurde beschlossen, diese Druckauflage der 10-Kopeken-Marken ungezähnt aus der Postabteilung in die Provinzgebiete zu senden.

Die Briefmarken wurden mithilfe von zwei Druckmaschinen angefertigt. Auf der einen Maschine, die aus Berlin stammte, wurde unter starkem Druck das blaue Oval mit dem geprägten Emblem der Post und mit der zweiten das umrahmende braune Muster aufgebracht.

Die erste russische Briefmarke wurde am 10. Dezember 1857 herausgegeben und in einem Rundschreiben der Postabteilung „Über die Inumlaufbringung von Briefmarken für den allgemeinen Gebrauch“ wie folgt vorgestellt: „Ab dem 1. Januar des nächsten Jahres 1858 sind gewöhnliche Privatbriefe an alle Orte innerhalb des Reiches, des Königreichs Polen und des Großherzogtums Finnland, die in gewöhnlichen Umschlägen oder ohne Umschlag, mit der Anschrift auf dem Brief selbst, zur Post gebracht werden, ausschließlich mit einer dem Gewicht des Briefes angemessenen Briefmarke zu versenden.“ Die ersten Briefmarken gingen am 10. Dezember 1857 in den Verkauf, aber offiziell begannen die Menschen in Russland ab dem 1. Januar 1858 (im Kaukasus, Transkaukasien und Sibirien ab dem 1. März 1858) das Porto für die Inlandskorrespondenz in Form von Briefmarken zu bezahlen. Ab diesem Zeitpunkt waren ausnahmslos alle Privatbriefe mit Briefmarken frankiert, die mit einem Kreuz entwertet wurden.