Das Kapuzinerkloster Freiburg im Breisgau war ein Kloster des Kapuzinerordens in der Stadt Freiburg im Breisgau. Die Grundsteinlegung für den ersten Klosterbau in der Lehener Vorstadt erfolgte 1599. Das Kloster wurde 1821 aufgehoben. Der 1680 gegründete zweite Klosterkomplex wurde 1823 für den Bau des Collegium Borromaeum komplett abgerissen.

Geschichte Gründung Der Rat der Stadt Freiburg verwendete sich am 8. Oktober 1591 auf dem Provinzkapitel der Schweizerischen Kapuzinerprovinz in Altdorf für die Errichtung eines Kapuzinerklosters in der Stadt. Die Schweizerische Kapuzinerprovinz entsandte Vertreter nach Freiburg, die den Rahmen des Projektes abstecken sollte. Die Stadt überging jedoch den Senat der Universität, der entgegen seinem verbrieften Mitspracherecht nicht beteiligt wurde. Zugunsten des Klosterbaus intervenierte schließlich der von der Stadt um Hilfe gebetene Bischof von Konstanz, Andreas von Österreich.Vgl. Beda Mayer: Kapuzinerkloster Freiburg. In: Helvetia Franciscana, Band 12, Heft 7, 1976, S. 207.

Der Ordensgeneral P. Hieronymus Gerandoni und die päpstliche Verwaltung stimmten im Mai 1599 der Klostergründung zu.Romuald von Stocckach: Historia provinciae anterioris Austriae fratrum minorum capucinorum. Andreas Stadler, Kempten 1747, S. 105. Die obligate Zustimmung des Landesherrn dürfte zu diesem Zeitpunkt bereits vorgelegen haben. Das Baugelände in der Lehener Vorstadt stifteten im November 1599 der Junker Matthias Streit und seine Gemahlin Apollonia Hauser. Der Weihbischof von Konstanz, Jakob Johann Mirgel (amtierend 1597–1619), legte den Grundstein zum ersten Klosterbau um 1600. Bereits im September 1601 erfolgte die Weihung der Laienkirche durch Jakob Johann Mirgel zu Ehren der Unbefleckten Empfängnis Mariä.Beda Mayer: Kapuzinerkloster Freiburg. In: Helvetia Franciscana, Band 12, Heft 7, 1976, S. 208.

Entwicklung im 17. und 18. Jahrhundert Am 4. Oktober 1612 feierte der in den Kapuzinerorden eingetretene frühere Ensisheimer Gerichtsrat Markus Roy seine erste Heilige Messe. Schon bald nach seiner Gründung wurde das Kloster jedoch in die politischen Konflikte der Zeit hineingezogen: 1632 wurde Freiburg durch die Schweden unter General Gustaf Horn zum ersten Mal besetzt, im Jahr darauf durch den Herzog von Feria zurückerobert und ein weiteres Jahr später von den Schweden unter dem Rheingrafen Otto Ludwig von Salm-Kyrburg-Mörchingen zurückgewonnen. Die Kapuziner wurden im Gegensatz zu den Jesuiten von den Besatzern respektiert und unterstützt und waren daher auch während eines großen Pestausbruchs 1633 als Geistliche tätig. 1644 überstand das Kloster im Gegensatz zu den anderen Klöstern der Vorstadt die durch Oberst Kannoffsky angeordnete Bereinigung des Schussfeldes, wie es auch im Allgemeinen durch die Kriegsereignisse nur wenig beschädigt wurde. Am 16. April 1668 gehörte das Kloster Freiburg zu den 27 Kapuzinerklöstern, die sich auf dem Provinzialkapitel der Schweizer Kapuzinerprovinz in Wyl von dieser Provinz trennten und eine eigene, die Vorderösterreichische Kapuzinerprovinz gründeten.

Im Rahmen des Ausbaus Freiburgs zur französischen Festung durch den Marquis Vauban wurde der Klosterkomplex ab dem 11. Februar 1680 abgerissen, da es sich an einer strategisch bedeutsamen Stelle befand. Die Kapuziner kamen währenddessen im Collegium Sapientiae, einem Studentenwohnheim in der Herrenstraße, unter.

Am 22. Oktober 1680 wurde der Grundstein zum zweiten Klosterbau an der heutigen Schoferstraße 1 durch den Abt von St. Peter, Paulus Pastor, gelegt. Der Bau wurde mit einer persönlichen Zuwendung Ludwigs XIV. in einer Höhe von 2250 Gulden finanziert.Marian (= d. i. Andreas Fidler), Joseph Wendt von Wendtenthal: Geschichte der ganzen österreichischen, weltlichen und klösterlichen Klerisey beyderley Geschlechtes. Erster Theil: Das Nordösterreich. Schmidt, Wien 1780, S. 235 (). Nach etwa zweijähriger Bauzeit konnte das neue Gebäude am 1. Oktober 1682 bezogen werden. Die Laienkirche wurde erst später fertiggestellt und am 12. Mai 1699 durch den Konstanzer Weihbischof Konrad Ferdinand Geist von Wildegg geweiht.Virgilius Greiderer: Chronica ref. provinciae S. Leopoldi Tyrolensis ex opere Germania Franciscana. Reprint 1894, S. 400.

1706 und 1710 fanden bauliche Erweiterungen des Klosterkomplexes statt. Die Kriege des 18. Jahrhunderts beschädigten das Gelände nicht. Bei der Beschießung Freiburgs am 9. Oktober 1744 durchschlug eine Haubitzenkugel das Dach der Kirche, zertrümmerte den Weihwasserstein und beschädigte das Gitter und den Tabernakel des Altars, ohne dass jedoch Personen zu Schaden kamen. Die Patres sahen in dem Ereignis einen Beweis für die Kraft ihres Marienbildes.Heinrich Schreiber: Geschichte der Stadt und Universität Freiburg im Breisgau. Bd. 5, Wangler, Freiburg 1857, S. 298.

Auflösung Am 24. März 1781 ordnete Wien die Abtrennung der nichtvorderösterreichischen Klöster der Kapuzinerprovinz Vorderösterreich an, die daraufhin vom letzten Definitor der alten Kapuzinerprovinz, R.P. Reinhard von Waldshut, vollzogen wurde. Das Kapuzinerkloster Freiburg kam im Zuge dieser Umstrukturierung zur neugeschaffenen Kapuzinerprovinz Schwaben. Doch bereits in diesem Jahrzehnt begann die Zurückdrängung der Ordensgemeinschaften im Zuge der Säkularisierungspolitik Josephs II. (Josephinismus), in deren Zuge zahlreiche Klöster aufgehoben wurden. Bereits am 8. Juni 1781 untersagte ein Hofdekret die Aufnahme neuer Novizen. 1784 ließ die Freiburger Regierung verlautbaren, zur Seelsorge seien die Kapuziner „entbehrlich“.Hermann Franz: Studien zur kirchlichen Reform Josephs II. Herder, Freiburg 1908, S. 169. 1785 schließlich ordnete Joseph II. die Aufhebung des Freiburger Kapuzinerklosters an, was jedoch herausgezögert und damit vorerst nicht umgesetzt wurde. Dennoch wuchsen die staatlichen Einschränkungen: Am 1. Februar 1788 wurde das Almosensammeln, der Amulett- und der Kräuterbüschelverkauf untersagt. Die Patres wurden durch den Religionsfonds alimentiert und damit zu Staatsbeamten. 1801 wurde das Verbot der Novizenaufnahme aufgehoben, kurz darauf jedoch wieder erlassen.

Im Jahr 1805 wurde das Kloster von der Regierung des kurzlebigen Herzogtums Modena-Breisgau auf den Aussterbeetat gesetzt und damit seine Auflösung befohlen. Auch das Großherzogtum Baden, an das Freiburg 1806 überging, hielt diese Anweisung aufrecht. 1817 erfolgte schließlich die erste Aufforderung der großherzoglich badischen Regierung an die Brüder, in das Kloster nach Staufen umzusiedeln. Dies wurde aber erst 1821 durchgesetzt, als die drei Pater und die Kapuzinerbrüder tatsächlich in das Ordenshospiz nach Staufen zogen. Das Kloster wurde aufgehoben und, nach der vorübergehenden Einquartierung der Franziskaner bis zum 15. September 1822, abgerissen.Petra Rhode, in: Heiko Haumann, Hans Schadeck (Hrsg.): Geschichte der Stadt Freiburg. Theiss Verlag, Stuttgart 2001, Bd. 2, S. 442. Im August 1822 wurde das Inventar des Klosters öffentlich versteigert.

Aufgaben und Tätigkeiten des Klosters Die Ordenspriester der Kapuziner halfen zeitweilig innerhalb des Dekanats aus. 1613 übernahmen die Kapuziner von den Franziskanern die Aufsicht über die Freiburger Klarissen. Ab 1670 kam nach der Abschaffung des Pfarrzwanges die Abnahme der Beichte hinzu. In der Folge berichteten die vorderösterreichischen Kapuzinerklöster über jährlich bis zu 800 000 abgenommene Beichten.Peter Blickle: Das Alte Europa. Vom Hochmittelalter bis zur Moderne. C. H. Beck, München 2008, S. 116. Die seelsorgerische Betreuung der Kranken und Sterbenden war nach dem Usus der Zeit fast ausschließlich den Kapuzinern anvertraut. Kapuziner nahmen sich in Gefängnissen in besonderer Weise Inhaftierter und Verurteilter an und begleiteten die zum Tode Verurteilten auf ihrem letzten Gang.Beda Mayer: Helvetia Franciscana, Band 12, Heft 6, 1977, S. 149. Ein weiterer Schwerpunkt lag in der Mission, die sich bis in die reformierte Markgrafschaft Baden erstreckte.

Der Kapuzinerorden erwarb sich große Verdienste bei der Versorgung der Pestkranken in den Epidemien des 16. und frühen 17. Jahrhunderts. Krankenseelsorge und Krankenpflege gingen ineinander über. Das Kloster engagierte sich besonders in den Pestausbrüchen in den Jahren 1633 bis 1634. Bei der seelsorgerischen Betreuung und Pflege der Erkrankten verstarben im Oktober und November 1633 mehrere Brüder.Beda Mayer: Kapuzinerkloster Freiburg. In: Helvetia Franciscana, Band 12, Heft 7, 1976, S. 208 f.

Zur Volkstümlichkeit der Kapuziner trug der – 1789 untersagte – Verkauf von diversen Klosterarbeiten wie Skapulieren und Kreuzen, geweihten Kräuterbüscheln, Benediktionen und Geisterbannungen bei.Franz Sebastian Ammann: Die Teufelsbeschwörungen, Geisterbannereien, Weihungen und Zaubereien der Kapuziner. Aus dem lateinischen Benedictionale gezogen und übersetzt. C. A. Jenni, Bern 1841 (Online). Die Kapuziner verstanden sich als professionelle Exorzisten, auch wenn man darüber anders denken und spotten kann.Benda Mayer: Helvetia Franciscana, Band 12, Heft 6, 1977, S. 149. Einer Volkssage zufolge erstiegen die Kapuziner im Alleingang den Feldberg, um dort in der Einöde die in einer Büchse gebannten bösen Geister auszusetzen.Heinrich Schreiber: Geschichte der Stadt und Universität Freiburg im Breisgau. Bde. 3–4, Wangler, Freiburg 1857, S. 349.

Verwaltungstechnisch hatte das Kapuzinerkloster Freiburg die Stellung als eine der drei Kustodien innerhalb der Vorderösterreichischen Kapuzinerprovinz inne. Zur Freiburger Kustodie gehörten die Klöster von Freiburg, Neustadt, Laufenburg, Waldshut, Rheinfelden, Staufen, Breisach, Baden-Baden, Oberkirch, Offenburg, Haslach und Mahlberg, sowie die Residenz in Oppenau.

Ausstattung des Klosters Altäre und Tafelbilder Das Hauptaltarblatt stellte dem Patrozinium folgend die Unbefleckte Empfängnis Mariä dar. Vor 1743 versah Johann Christian Wentzinger die Seitenaltäre der Laienkirche mit Putten. Die vermutlich ebenfalls von Wentzinger weiter ausgestatteten Seitaltäre kamen über die Versteigerung des Klosterinventars im August 1822 in die Pfarrkirche nach Ebringen. Leider sind die von Wentzinger gefertigten Statuen der Nischen nicht erhalten.Ingeborg Krummer-Schroth: Johann Christian Wentzinger. Bildhauer, Maler, Architekt, 1710–1797. Schillinger, 1987, S. 12.

Nach Heinrich Schreiber malte Joseph Markus Herrmann (1732–1811) mehrere Passionsbilder für das Refektorium.Heinrich Schreiber: Geschichte der Stadt und Universität Freiburg im Breisgau. Bd. 5, Wangler, Freiburg 1857, S. 366.

Bibliothek mini|links|Johann Nikolaus Weislinger: Antireformatorische Illustration aus Friss Vogel oder stirb, 1726 Die Ordensregel sah die Einrichtung einer Bibliothek vor: „Da es immer Absicht unseres Vaters [Franziskus] war, dass die Brüder die für sie notwendigen Bücher in Gemeinschaft hätten und nicht privat, um die Armut besser zu beobachten und jegliche Anhänglichkeit an die Bücher und jede Liebhaberei vom Herzen fernzuhalten, wird verordnet, dass es in jedem Konvent einen kleinen Raum gebe, in dem die Heilige Schrift sowie die Werke einiger heiliger Lehrer aufbewahrt werden“.zitiert nach Vortrag von Leonhard Lehmann zur Eröffnung der Wanderausstellung „Frömmigkeit & Wissen“ aus Anlass des Gedenkjahres der Säkularisation der Kapuziner 1803 am 12. Juni 2003 in der Universitäts- und Landesbibliothek Münster (PDF). Dem bis zu 10 Jahre dauernden Studium der Kleriker sowie der Vorbereitung der Predigten verdanken die zum Teil durch Schenkungen erweiterten Kapuzinerbibliotheken ihre Entstehung. In den Bibliothekskatalogen der Provinz finden sich gut bestückte Abteilungen mit antireformatorischen Streitschriften im Stil Weislingers oder mit den Werken Abrahams a Sancta Claras.