Lauf Junge lauf ist eine deutsch-polnisch-französische Koproduktion des Regisseurs und Produzenten Pepe Danquart aus dem Jahr 2013.Badische Zeitung: Danquarts neues Filmprojekt an der PH: Eine schwierige Geburt, Freiburg, Frank Zimmermann, 5. Mai 2012 Die Literaturverfilmung basiert auf dem Roman Lauf, Junge, lauf von Uri Orlev aus dem Jahr 2000, der wahre Begebenheiten aus dem Leben von Yoram Fridman (1934–2017Er verstarb in Rischon LeZion.) erzählt. Das Drehbuch wurde von Heinrich Hadding und Pepe Danquart geschrieben. Die Erstaufführung des Filmdramas erfolgte am 5. November 2013 beim Filmfestival Cottbus.
Handlung Der knapp neun Jahre alte Srulik ist das jüngste von fünf Kindern eines polnischen Bäckers aus Błonie. Seine jüdische Familie wird während des Zweiten Weltkrieges in dem etwa 25 Kilometer östlich liegenden Warschauer Ghetto interniert. Ihm gelingt im Sommer 1942 mit dem Beginn der Massendeportationen die Flucht aus dem Ghetto, indem er sich auf dem Pferdegespann eines polnischen Bauern versteckt, der Abfälle aus dem Ghetto abtransportiert.
Srulik flüchtet in die Wälder der Puszcza Kampinoska vor den Toren Warschaus. Fortan ist er ohne seine beiden Brüder, seine beiden Schwestern und seine Eltern auf sich allein gestellt. Er lebt von dem, was er in den Wäldern sammeln und fangen oder von den umliegenden Feldern und Bauernhöfen stehlen kann. Es gelingt ihm, sich einer Gruppe von Kindern anzuschließen, die sich ebenfalls in den Wäldern verstecken, in die sich die deutschen Soldaten aus Angst vor polnischen Partisanen nur selten vorwagen. Als die Kinder jedoch auf deutsche Soldaten treffen, verliert Srulik den Anschluss an die Gruppe.
Eine Rückblende ganz am Ende des Films zeigt die prägende Szene, als Srulik eines Tages auf der Flucht vor Gestapo und SD unter einer Brücke Schutz sucht. Dort trifft er auf seinen Vater, der ebenfalls vor den deutschen Verfolgern auf der Flucht ist. Von seinem Vater, der den Ernst der Situation erfasst und Angst um das Leben seines Sohnes hat, erhält Srulik eine eindringliche Aufforderung. Er beschwört seinen Sohn, dass dieser den Krieg überleben müsse. Dafür müsse er seine Herkunft leugnen, seinen Namen ablegen und seinen Glauben verheimlichen. Er solle alles daran setzen, um zu überleben, aber tief im Inneren niemals vergessen, dass er Jude sei. Als Srulik bestätigt, alles verstanden zu haben, was sein Vater von ihm verlange, und vorschlägt, sich ab sofort Jurek Staniak zu nennen, fordert der Vater ihn auf, Zuflucht in den Wäldern zu suchen, indem er laufen solle, ohne stehen zu bleiben oder sich umzudrehen. Als Srulik losrennt, verlässt auch sein Vater das Versteck unter der Brücke, um in die entgegengesetzte Richtung auf das freie Feld hinaus zu flüchten und die Aufmerksamkeit der deutschen Soldaten auf sich zu lenken. Die Soldaten eröffnen das Feuer auf Sruliks Vater, der tödlich getroffen auf dem Acker zu Boden geht, während Srulik auf der anderen Seite der Brücke unentdeckt die schützenden Wälder erreicht.
Um im strengen Winter 1942/43 nicht zu erfrieren, beschließt Srulik bei einem Bauernhaus anzuklopfen und um Hilfe zu bitten. Vor der Tür bricht er zusammen. Von der alleinstehenden polnischen Bäuerin Magda Janczyk, deren Mann und Söhne sich den Partisanen angeschlossen haben, wird Srulik aufgenommen und gesund gepflegt. Als er nach mehreren Tagen fiebriger Träume erwacht, fragt sie ihn, wie er heiße. Srulik, der als Vornamen die Koseform des Namens Israel trägt, gibt sich als Jurek Staniak aus, da er Angst hat, als Jude erkannt und erneut ins Ghetto gebracht zu werden. Magda Janczyk durchschaut ihn, schließt ihn jedoch in ihr Herz und hilft ihm daher, eine neue Identität glaubhaft einzustudieren: Er sei ein katholischer Waisenjunge, der seine Eltern in den Wirren des Krieges verloren habe. Dazu bringt sie ihm christliche Gebete bei und schenkt ihm eine Kette mit einem Kreuz als Anhänger sowie einen Rosenkranz. Magda Janczyk drängt Srulik, sich nicht am Fenster und außerhalb des Hauses zu zeigen. An einem Wintermorgen entdeckt sie Fußspuren rund um ihr Haus und vermutet, dass Srulik entdeckt worden sei. Sie stattet ihn mit warmer Kleidung aus und schickt ihn mit der Aufforderung weg, bei anderen Bauern um Arbeit für eine Mahlzeit zu bitten und weiterzuziehen.
Srulik befolgt ihre Ratschläge und trifft auf eine hilfsbereite Bauernfamilie, die riskiert, ihm Arbeit und Unterkunft zu gewähren. Mit den anderen Jungen des Hofes verlebt er eine ruhige Zeit: Er wird in die Hoffamilie integriert und macht sich mit vielen Arbeiten nützlich. Eines Tages wird von einem Jungen sein beschnittener Penis wahrgenommen. Um nicht denunziert und an die Deutschen ausgeliefert zu werden, zieht er mit einem Hund, den er in seiner Zeit auf dem Hof gesund gepflegt hat, wieder in die Wälder. Von Partisanen wird der Hund erschossen, für Srulik ist das ein schmerzlicher Verlust.
Auf seiner weiteren Flucht trifft er auf polnische Bauern, die vorgeben, ihm helfen zu wollen. Sie liefern ihn jedoch in einem SD-Stützpunkt ab, um die auf flüchtige Juden ausgesetzte Belohnung zu erhalten. Ein SS-Sturmbannführer ist von dem Verhalten der Bauern angewidert, sperrt den Jungen aber trotzdem ein. Am nächsten Tag wird Srulik dem Kommandanten des SD-Postens vorführt. Dieser vermutet in dem Kind einen Juden. Srulik behauptet aber, dass er seine Vorhaut nicht infolge einer religiös motivierten Beschneidung verloren habe, sondern aufgrund einer Entzündung und der danach notwendigen Operation. Der SD-Mann durchschaut die Lüge, ist jedoch beeindruckt von der Geistesgegenwart, mit der der Junge um sein Leben feilscht. Trotzdem beschließt der Kommandant, ihn zu töten. Bevor es dazu kommt, gelingt Srulik die Flucht zurück in die Wälder. Dort hält er sich, wie er es von seinem Vater gelernt hat, im Wasser auf, um die Hunde abzuschütteln, mit denen sich die SD-Angehörigen an seine Fersen geheftet haben. Schließlich geben die Verfolger die Suche nach dem Jungen auf.
Auf seiner Suche nach Arbeit und Unterkunft trifft Srulik auf einem Gehöft abermals auf den Kommandanten des SD-Postens. Der SS-Obersturmbannführer ist der neue Geliebte der Gutsbesitzerin, Frau Herman. Der SD-Mann, der zuvor noch den Tod des Jungen wollte, schenkt ihm nun, aus einer Laune heraus, das Leben: Er verschweigt, dass Srulik Jude ist, und behauptet geheimnisvoll, dass der Junge eigentlich ihm gehöre. Er würde aber auf seine Ansprüche verzichten und schenke Srulik nun seiner Geliebten.
Auf Hermans Gehöft gerät Srulik während der Getreideernte mit seinem rechten Arm in eine Dreschmaschine, die ihm die Hand zerquetscht. Er wird ins Krankenhaus gebracht und für die Operation vorbereitet. Doch als der Chirurg sieht, dass Srulik beschnitten ist, verweigert er dem Juden die Operation. Stattdessen wird Srulik in einem Bett auf dem Flur des Hospitals liegengelassen. Als der Chefarzt am folgenden Tag den Jungen sieht, ist er erschüttert und nimmt den Eingriff selber vor. Zu diesem Zeitpunkt ist es ihm jedoch nicht mehr möglich, die Hand des Jungen zu retten. Vielmehr muss ihm nun der rechte Arm in Höhe des Ellenbogens amputiert werden.
Als Srulik nach der Operation erwacht, ist er entsetzt und sein Lebenswille scheint verschwunden zu sein. Die nächste Zeit wird zur Herausforderung für die Nonnen, die ihn pflegen. Erst die Besuche der Gutsherrin können ihn ein wenig aufheitern. Als deren Geliebter versetzt wird und nicht mehr für Sruliks Sicherheit garantieren kann, verhilft sie ihm zur Flucht.
In seiner Not wendet er sich erneut an Magda Janczyk. Sie gewährt ihm Einlass in ihr Haus, muss ihn allerdings verstecken, als ein SD-Trupp unter Führung eines SS-Obersturmführers und eines SS-Sturmscharführers ihr Haus durchsucht. Nachdem sie Srulik nicht finden, setzen die SD-Leute Magdas Haus sowie das übrige Dorf in Brand. Srulik überlebt versteckt unter dem Bretterboden des Kellers. Magda befreit ihn aus den Trümmern ihres Hauses und gibt ihm den Rat, sich fortan in östlicher Richtung zu bewegen, in der Hoffnung, dass er so die heranrückende russische Armee erreicht.
Wie zuvor sucht er nach Arbeit für Mahlzeiten und Übernachtungsmöglichkeiten, muss aber feststellen, dass er wegen des fehlenden Arms schlechte Chancen hat, als Arbeitskraft angenommen zu werden. Stattdessen setzt er auf die Hilfsbereitschaft der gläubigen Landbevölkerung und schmückt seine erlebte Geschichte immer weiter aus, um Nahrungsmittel zu erhalten.
Nach fast drei Jahren auf der Flucht erreicht er den Hof der Familie Kowalski. Der Schmied gibt ihm Arbeit und schmiedet ihm Werkzeuge, mit deren Hilfe er seine Arbeiten auch einarmig verrichten kann. Er zeigt ihm nicht nur, dass Srulik auch ohne zweiten Arm vollwertige Arbeit leisten kann, sondern gibt dem inzwischen Zwölfjährigen ein neues Zuhause, indem er ihn in seine Familie aufnimmt. Endlich kommt Srulik nach der langen Flucht zu Ruhe und er kann nach der ihm geraubten Kindheit zusammen mit der Tochter des Schmieds wieder Kind sein.
Nach dem Ende des Krieges wird der Hof der Kowalskis von Mosche, einem Vertreter eines jüdischen Kinderheims, aufgesucht, der im Land verstreute jüdische Waisenkinder sucht. Diese sollen zunächst in ein Warschauer Waisenhaus gebracht werden, um später nach Israel umzusiedeln. Srulik ist inzwischen gänzlich in seiner neuen Identität als katholischer Jurek Staniak aufgegangen. Entsprechend sieht er in Mosche einen Eindringling, der ihn aus seiner neuen Familie und aus seiner zweiten Heimat zu reißen versucht. Srulik wird für Mosche erst in dem Moment zugänglich, als dieser mit ihm in jiddischer Sprache zu reden beginnt. Daraufhin wird Srulik bewusst, dass er seinem Vater versprochen hat, niemals zu vergessen, dass er Jude sei.
Schließlich willigt Srulik ein, sich von Mosche in ein neues Leben begleiten zu lassen, in dem er seine lebensrettende Identität des Jurek Staniak ablegen und wieder Srulik sein kann.
In einem biographischen Nachwort wird gezeigt, wie Srulik nach dem Waisenhaus in Łódź die Oberschule und schließlich die Universität absolviert, um 1962 nach Israel zu gehen, wo er seine Schwester Faiga wiedertrifft und eine Familie gründet.
Hintergrund Vorproduktion Bereits 1990 wurde Fridman von Abgesandten des Yad Vashem mit der Bitte aufgesucht, seine Lebensgeschichte für die Nachwelt zu dokumentieren.Bayern 2: , Clemens Verenkotte, 17. April 2014 Wie viele Überlebenden des Holocaust sprach auch Fridman ungern über die eigenen Erlebnisse der Kriegszeiten. Erst Fridmans Frau Sonja konnte ihren Mann davon überzeugen, seine Lebensgeschichte zu erzählen und sie damit den nachfolgenden Generationen zugänglich zu machen.
Das Drehbuch von Pepe Danquart und Heinrich Hadding adaptiert den Roman Lauf, Junge, lauf von Uri Orlev, der sich an den wahren Begebenheiten aus dem Leben von Yoram Fridman orientiert.