Peginterferon β-1a ist der erste PEGylierte Arzneistoff aus der Gruppe der Beta-Interferone. PEGylierung bedeutet eine Bindung des Wirkstoffes mit Polyethylenglycol (PEG), wodurch der Wirkstoff vor diversen Abbauprozessen besser geschützt wird, und dadurch eine längere Wirkzeit ermöglicht wird. PEGyliertes Beta-Interferon braucht daher nur noch alle zwei Wochen subkutan gespritzt zu werden. Der Wirkstoff ist jedoch sofort nach der Applikation verfügbar. Peginterferon β-1a (Handelsname , Hersteller ) wurde im Juli 2014 in Europa und im August 2014 in den USA zur Behandlung der Multiplen Sklerose zugelassen., abgerufen am 1. Mai 2014 von der globalen WebSite., PM von Biogen Idec vom 18. März 2014, abgerufen am 1. Mai 2014., PM von Biogen Idec vom 29. April 2014, abgerufen am 1. Mai 2014., PM von Biogen Idec vom 23. Juli 2014, abgerufen am 24. Juli 2014., PM von Biogen Idec vom 15. August 2014, abgerufen am 18. August 2014.

Interferone

Interferone wurden 1957 primär als zelluläre Abwehrstoffe gegen die Ausbreitung von Virusinfektionen im Gewebe entdeckt. Interferone besitzen die Eigenschaft, über eine unspezifische Stimulation der T-Lymphozyten eine Abwehrreaktion des Körpers gegen manche Virusinfektionen zu verstärken. Heute steht neben den antiviralen Eigenschaften zusätzlich die Anti-Tumor-Wirkung im Vordergrund des therapeutischen Interesses.

Als Medikamente der 1. Wahl zur Basistherapie der schubförmigen Multiplen Sklerose (MS) werden Beta-Interferone eingesetzt.

Vorteile der PEGylierung

Peginterferon α-2b war das erste pegylierte Interferon auf dem Markt und wurde unter dem Produktnamen PegIntron® zugelassen. Zwischenzeitlich gibt es einige verschiedene Peginterferon-α-Varianten und auch einige andere pegylierte Medikamente, z. B. Mircera® (Hersteller ) und Neulasta® (Hersteller ).

Die PEGylierung erhöht die Molekülmasse des Wirkstoffes und kann einige signifikante pharmakologische Vorteile gegenüber dem unmodifizierten Wirkstoff implizieren:

erhöhte Wirkstofflöslichkeit Verlängerung der Zeiträume zwischen der Applizierung des Wirkstoffes ohne Reduzierung der Effizienz und mit meist geringeren toxischen Nebenwirkungen verlängerte Verweilzeit im Körper des Patienten erhöhte Wirkstoffstabilität besseren Schutz gegen den Abbau durch Proteasen

Kommerziell gesehen hat die PEGylierung ebenfalls Vorteile. So können neben der Entwicklung patientenfreundlicherer Darreichungsformen und Dosierungen auch die Patentlaufzeiten älterer Wirkstoffpatente durch neue Patente verlängert werden.

Studien Peginterferon β-1a Im April 2014 wurden auf dem Annual Meeting der American Academy of Neurology die Ergebnisse der so genannten ADVANCE-Studie präsentiert, die die Grundlage zum Zulassungsantrag darstellen. Die zweijährige Phase-III-Studie war eine globale, multizentrische, randomisierte, doppelblinde, Parallelgruppen-, Placebo-kontrollierte Studie, die die Wirksamkeit und Sicherheit von Plegridy® bei 1.516 Patienten mit MS evaluieren sollte. Die Studie untersuchte zwei Dosierungen von Plegridy®: 125 µg subkutan alle zwei Wochen oder alle vier Wochen im Vergleich zu Placebo. Plegridy® – einmal alle zwei Wochen subkutan appliziert – erzielte alle primären und sekundären Endpunkte in Bezug auf eine deutliche Reduzierung der Krankheitsaktivität, einschließlich Rückfälle und Behinderungsprogression und zeigte ein günstiges Sicherheits- und Verträglichkeitsprofil nach einem und zwei Jahren.

Literatur

Weblinks Positive Studienergebnisse aus Phase-III-Studie zu Peginterferon beta-1a bei Multipler Sklerose, journalMED vom 19. Februar 2013, abgerufen am 8. Mai 2014 Peginterferon bei Multipler Sklerose: Laut ADVANCE-Studie so gut wie Interferone, Medscape Deutschland Neurologie vom 19. April 2013, abgerufen am 1. Mai 2014 New Data from Plegridy (pegylated interferon beta-1a) Phase 3 Trial Shows Improved Recovery from Relapses, MultipleSclerosis.net, abgerufen am 12. Mai 2014

Einzelnachweise

Kategorie:Arzneistoff Kategorie:Zytokin