mini|hochkant|Gemeindegebiet von Niedernberg mini|280px|Niedernberg auf der Pfinzingkarte von 1562

Niedernberg ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Miltenberg in Bayern. Sie liegt am linken Ufer des Mains im bayerischen Teil des Rhein-Main-Gebiets, etwa sieben Kilometer südlich von Aschaffenburg und grenzt an die Orte Großwallstadt, Sulzbach am Main, Mömlingen, Großostheim und Stockstadt am Main. Auf dem Gebiet von Niedernberg befand sich in römischer Zeit ein Kastell am Mainlimes, dessen Reste zum UNESCO-Welterbe zählen. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort im Jahr 1095. Über Jahrhunderte war Niedernberg landwirtschaftlich geprägt, bevor es durch seine Lage am Main und die Nähe zu Ballungsräumen auch wirtschaftlich wuchs.

Geologie Das Gemeindegebiet gehört sowohl zur Kernlandschaft der Untermainebene als auch zur steil abfallenden Gebirgsrandzone des Odenwaldes. Daher weist das Gemarkungsgebiet große Höhenunterschiede auf. Dem entspricht der Bodenaufbau, welcher in der ganzen ebenen Fläche überwiegend aus Sanden und lehmigen Schichten aufgebaut ist. Im Westen finden sich auch Lehmauflagen, welche aber kurz darauf schon in Buntsandstein übergehen.

Insbesondere ab Mitte des 20. Jahrhunderts wurde ein großflächiger Kiesabbau betrieben.

Physische Geographie Topographie Niedernberg, als die nördlichste Gemeinde des Landkreises Miltenberg, liegt am linken Mainufer 10 km südlich von Aschaffenburg. Die Gemeindegemarkung ist überwiegend eben, ausgenommen der Niedernberger Wald, in dem sich ganz im Südwesten in der topographisch höchste Punkt der Gemeinde befindet. Ihr niedrigster Punkt liegt auf dem Main unterhalb der Staustufe Obernau bei .

Das nördliche und westliche Gemeindegebiet liegt großenteils im Wasserschutzgebiet um das Aschaffenburger Wasserwerk. Ein kleiner Teil liegt als ehemaliger Ländeplatz der Niedernberger Fähre auf dem rechten Mainufer gegenüber dem Ortskern. Damit wird das Niedernberger Gemeindegebiet an seinem Rand vom Main durchflossen. Etwa die Hälfte des Gemeindegebietes liegt westlich der Bundesstraße 469.

Klima Mit einer Jahresmitteltemperatur von über 9 Celsius gehört Niedernberg zu einer der wärmsten Gegenden Deutschlands. Begünstigt wird dies durch die schützenden bewaldeten Gebirgszüge des Spessarts und des Odenwalds.

Niedernberg wird seit jeher besonders auch von winterlichen Hochwassern betroffen, bei denen die tieferliegenden Anwesen am Main in Mitleidenschaft gezogen werden. Da am ehemals unregulierten und nicht ausgebauten Main bei Winterhochwasser Treibeis und Eisgang sehr gefährlich werden konnten, wurde 1559 am Südostende der Ortsbefestigung ein Eisbrecher erbaut, um größere Eisschollen zu zerteilen. Das abgerundete Bauwerk, dem vermutlich flussaufwärts ein hölzerner Eisbock vorgelagert war, soll aber nicht die erhoffte Wirkung gezeigt haben.

Ein verheerendes Hochwasser erreichte das Dorf während der Schneeschmelze im Februar 1784, als das Wasser über 4 Schuh hoch in der Kirche stand. Die Wassermassen rissen Schiffe, Hütten und Ställe zum Teil mitsamt angebundenen Tieren fort (vgl. Hochwasser 1784).

Humangeographie Historische Region Mit den Stadtteilen Leider und Nilkheim der Stadt Aschaffenburg, dem Stadtteil Dorndiel der Stadt Groß-Umstadt, der Stadt Obernburg und den Gemeinden Großwallstadt und Mömlingen, den Gemeindeteilen Radheim und Mosbach der Gemeinde Schaafheim, dem Markt Großostheim und dem Markt Stockstadt bildet die Gemeinde Niedernberg die historische Region Bachgau.

Nachbargemeinden

Gemeindegliederung mini|Der im Jahre 2006 restaurierte „Turm am Main“ Außer dem Pfarrdorf Niedernberg gibt es keine weiteren Gemeindeteile.

Es gibt auf dem Gemeindegebiet nur die Gemarkung Niedernberg. Sie hat eine Fläche von 15,588 km² und ist in 5552 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 2807,59 m² haben.

Dorfanlage Im Ortskern stehen viele alte, zum Teil restaurierte Fachwerkhäuser, die katholische Kirche St. Cyriakus, das Rathaus, eine Bank, die Hauptschule und der Kindergarten St. Cyriakus. Die Ortsbefestigung aus dem 15. Jahrhundert wurde im Jahr 2004 saniert.

Im nördlichen Neubaugebiet befinden sich der neue Friedhof, der Bauhof und die Kläranlage, im Gebiet Tafel das Gewerbegebiet Tafel, das Neubaugebiet Tafeläcker mit vier Bauabschnitten, der Wasserturm, die Grundschule, der zweite Kindergarten „Sonnenschein“, ein Seniorenstift und das Vereinshaus des Niedernberger Musikcorps („Musicum“).

Das Seengebiet erstreckt sich südlich der nach dem ehemaligen Bürgermeister benannten Mehrzweckhalle (Hans-Herrmann-Halle). Dort befinden sich das Seehotel, der 2005 eröffnete Badestrand HonischBeach und ein Baugebiet für Ferienwohnungen. Das Gebiet enthält drei Seen, den Silbersee, den ehemaligen Surfsee und den Anglersee.

Ortsname Etymologie Der ursprüngliche Name Niedernburg setzt sich zusammen aus den althochdeutschen Wörtern nidere, im Sinne von niedrig oder weiter unten gelegen, und burc für einen befestigten Ort. Als Erklärung ergibt sich daraus weiter talabwärts (als Obernburg) gelegener, befestigter Ort.

Frühere Schreibweisen Frühere Schreibweisen des Ortes aus verschiedenen historischen Karten und Urkunden: 1095 Niderenburc 1151 Niderenburk 1230 Niderenburg 1290 Nyderenberg 1304 Nydermburg 1334 Nyederenberg 1367 Niedernberg 1403 Nedernburg 1510 Niddernberg 1532 Nydernberg 1609 Niedernberg

Ortsnecknamen Weit bekannt ist der Ortsneckname „Honisch“ für Niedernberg. Dieser geht nicht, wie vielfach vermutet, auf das ähnlich klingende Nahrungsmittel zurück, sondern kommt von der früheren Aussprache des Hilfsverbs „haben“. Allein dieses Wort unterscheidet sich im Dialekt der umliegenden Gemeinden stark (Niedernberg: hohn, Großwallstadt: hewwe, Großostheim: haoun).

Frühere Generationen sagten in Niedernberg anstelle von „habe ich“ dementsprechend „hohn isch“, weshalb von Nachbargemeinden der Spottname „Honisch“ angedichtet wurde. Im Laufe der Jahre ist diese Bezeichnung zu einem „Markennamen“ insbesondere während der Faschingszeit geworden.

Eben jene „fünfte Jahreszeit“ nimmt von jeher in Niedernberg einen hohen Stellenwert ein. Die Gemeinde gilt am Untermain als „närrische Hochburg“ und die Höhepunkte der „Honischer Fasenacht“ wie die beiden Prunksitzungen, das „Prinzenpaarwecken“ am Rosenmontag und der „Schlofozuchball“ ziehen auch Menschen aus entfernteren Gebieten an.

Der zweite Spottname „Niedernberger Blechkatzen“ soll auf die Mäuseplage von 1822 zurückgehen. In jenem Jahr wurden zwar zahllose Mäuse allein schon mit herkömmlichen Fallen gefangen und getötet, die Niedernberger wollten aber mit der damals neu aufgekommenen Begasung von Mäuselöchern der Plage noch effektiver Herr werden. Zu diesem Zweck beauftragte der damalige Ortsvorsteher den Schlossermeister Leonhard Zang, sich einen der modernen Begasungapparate zu besorgen und nach dessen Muster für die Gemeinde ebenfalls ein solches Mäuseausmerzgerät zusammenzulöten. Das Gerät blieb zwar von zweifelhafter Wirksamkeit, aber sein Scherzname, „Blechern Katz“, war vorzüglich geeignet, die Niedernberger zu necken und zu ärgern.Werner Trost: Stampes, Worzelköpp und Staffelbrunzer. Lkr. Miltenberg 2003.

Geschichte Die ältesten Funde, die auf menschliches Leben in Niedernberger Gemarkung hindeuten, stammen aus der Jungsteinzeit. Einschneidende Änderungen in der Landschaft gingen mit der Römerherrschaft um die Zeitenwende einher. Im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung reichte das römische Imperium bis an den Main. Zur Sicherung ihrer Reichsgrenze legten römische Truppen an strategisch wichtigen Stellen Kastelle an. mini|Markierung des nördlichen Seitentors des römischen Kastells im heutigen Straßenpflaster Der Ursprung Niedernbergs geht auf eine solche römische Kastellanlage zurück, erbaut zwischen 83 und 150 n. Chr. am sogenannten „nassen Limes“, der die Ostgrenze des Reiches darstellte (siehe Kastell Niedernberg). Das 144 × 135 Meter große Kastell war nach Osten, zum Main hin, ausgerichtet. Obwohl es überbaut wurde, geht der Grundriss des heutigen Ortskerns noch immer auf das Straßensystem des Kastells zurück, Hauptstraße und Kirchgasse decken sich mit den damaligen Lagerstraßen. Niedernberg war Standort der etwa 500 Mann starken Kohorte Cohors I Ligurum et Hispanorum, die in Norditalien und Spanien rekrutiert worden war. mini|links|Römische Brunnenmaske (Nachbildung) Interessante Funde wie der Marcellusstein oder ein 1963 entdecktes Gräberfeld geben Aufschluss über das Leben der in Niedernberg stationierten Römer. 1964 wurde bei Bauarbeiten in der Hauptstraße eine bronzene Brunnenmaske gefunden, die das einzige entdeckte Original nördlich der Alpen ist. Die Maske befindet sich im Stiftsmuseum der Stadt Aschaffenburg und gehört bei römischen Ausstellungen oft als Leihgabe zu den Exponaten.

Die erste urkundliche Erwähnung Niedernbergs wird auf das Jahr 1095 datiert. Damals vermachte „Diemar von Niderenburc“ dem Kloster Lorsch an der Bergstraße für den Unterhalt seines Tochterklosters Steinbach im Odenwald eine halbe Hube Land von seinem Besitz Pfungstadt.

Schon 1340 wurde die Niedernberger Kapelle, aus der nach allgemeiner Kenntnis die heutige Pfarrkirche St. Cyriakus hervorging, mit kleinen Vermächtnissen bedacht. Sowohl der Turm als auch der „Alte Chor“ von 1461 sind erhalten. Umfassende Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen wurden unter Pfarrer Seubert in den Jahren 1897 und 1931 durchgeführt. An der Südseite des Kirchturms wurde um 1822 die Grabplatte des Landschöffen Michael Groß eingelassen, welcher der Sage nach durch seinen Mut Niedernberg vor der Zerstörung durch die Schweden im Dreißigjährigen Krieg rettete.Alexander Schöppner: Bayrische Sagen. Weltbild Augsburg, 1995. mini|„Cent Bachgaw“, Stich von Nicolaus Person aus dem Jahr 1695 mini|Ehemalige Richtstätte Nordwestlich des heutigen Dorfbereiches, am sogenannten Tannenwäldchen, befand sich bis Ende des 18. Jahrhunderts die Richtstätte der Cent Bachgau, zu der Niedernberg gehörte. Das Centgericht selbst tagte in Großostheim, von wo aus die Delinquenten ihren letzten Gang über den Galgenweg zum Richtplatz antraten.

Bis ins 19. Jahrhundert war Niedernberg von einer wehrhaften Dorfmauer umgeben, die entlang der Turmgasse und der Hintermauer in Teilbereichen erhalten ist. Sie konnte die Einwohner jedoch nicht vor den durchziehenden Truppen schützen. Während des Dreißigjährigen Krieges verminderte sich die Bevölkerungszahl auf beinahe ein Zehntel ihres vorherigen Bestandes.

Viele Bürger verließen im 19. Jahrhundert aufgrund von Wohnraumbeschränkung, Missernten und sozialen Notlagen ihre Heimat und wanderten in die USA aus. Erst als sich Ende des Jahrhunderts in Aschaffenburg und Umgebung die industrielle Fertigung von Herren-Oberbekleidung etablierte, kam ein gewisser Wohlstand auf. Um für Notsituationen gewappnet zu sein, wurde zusätzlich an der Landwirtschaft festgehalten. Dies hatte bis in die 1970er Jahre Bestand.

Zum Ende des Alten Reiches gehörte Niedernberg zur Stadt- und Amtsvogtei Obernburg und Großostheim im Vizedomamt Aschaffenburg des Kurfürstentums Mainz. 1803 wurde das Kurfürstentum säkularisiert und Niedernberg kam mit dem Vizedomamt Aschaffenburg zum neugebildeten Fürstentum Aschaffenburg, das 1810 in das kurzlebige Großherzogtum Frankfurt überging. Im Großherzogtum Frankfurt gehörte Niedernberg als Mairie zur Distriktsmairie Obernburg des Departements Aschaffenburg und hatte 1812 bei 129 Feuerstellen 680 Einwohner. Johann Jünemann war der Maire und Joseph Bauer der Pfarrer. Der Schullehrer hieß Alois Rocher und der Landzöller Paul Aulbach.

Infolge der Verträge von Paris fiel Niedernberg 1814 an das Königreich Bayern und gehörte ab 1. Oktober 1814 zum Landgericht Obernburg.

Als politische Gemeinde entstand Niedernberg im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern mit dem Gemeindeedikt von 1818.