Der Hafen Durban (englisch Port of Durban) liegt an der südafrikanischen Küste von KwaZulu-Natal am Indischen Ozean und ist der führende Frachthafen Südafrikas sowie der größte Containerhafen Afrikas. ehemals auf www.worldshipping.org (englisch). Er befindet sich auf dem Gebiet der Metropolgemeinde eThekwini unweit des Stadtzentrums von Durban.
Betreiber und Verwalter des Seehafens ist die staatliche Transnet National Ports Authority. Kleinere Teilbereiche werden von privaten Unternehmen eigenständig genutzt.
Lage Der Hafen wuchs zusammen mit der ihn umgebenden Besiedlung und späteren Stadt. Das heutige Zentrum Durban Central grenzt unmittelbar an den nördlichen Teil des Naturhafens an. Die Bucht, in der sich das Hafenbecken befindet, wird durch die Ästuare der kleinen Flussläufe Umbilo und Mhlatuzana gebildet. An deren Südseite liegt die bewaldete Halbinsel Bluff, die den Hafen schützt.Trevor Jones: Ports of South Africa: Durban and Richards Bay. In: Africa Insight, Pretoria, Vol. 20 (1990), Nr. 4, S. 263–270. . auf www.sabinet.co.za (englisch).
Zum Schutz der Hafeneinfahrt wurden im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts auf beiden Seiten der Hafenzufahrt Wellenbrecher errichtet, die parallel zueinander verlaufen. Sie wurden 2008 durch umfangreiche Ausbaumaßnahmen erneuert und verstärkt.Facts About Durban: DHEW – Afrisam press release and pictures – October 2008. auf www.fad.co.za (englisch).
Ursprünglich war die Bucht an ihren Rändern mit Mangroven bewachsen und wies viele Untiefen auf. Vor dem modernen Ausbau, etwa um 1900, kämpften die Reeder und Hafennutzer mit diesen natürlichen Erschwernissen. Besonders bei der Einfahrt in die Lagune behinderten die durch Sandanspülungen entstandenen Untiefen den Schiffsverkehr erheblich.
Geschichte Vor 1900 mini|Ansicht der Bucht von D’Urban um 1850 (nach einer Vorlage von H. W. Piers)Die früheste Erwähnung eines möglichen Landungsplatzes in der Nähe der heutigen Stadt Durban ist durch Vasco da Gama überliefert, der 1497 in der Nähe der Bucht vor Anker ging, als er auf der Suche nach Indien war. Im späten 17. Jahrhundert lebten an dieser Stelle zeitweilig gestrandete Seefahrer und Kolonisten. Ab 1721 unterhielten die Niederländer an der Bucht einen befestigten Handelsstützpunkt, den sie nach kurzer Zeit wieder aufgaben.
Im Jahre 1824 gründeten Briten an der Bucht von Natal eine feste Siedlung mit dem Namen Port of Natal.South African History Online: Port Natal is renamed Durban in honour of Sir Benjamin D’Urban, governor of the Cape Colony from 1834-37. auf www.sahistory.org.za (englisch). Am 23. Juni 1835 wurde die Siedlung zu Ehren von Benjamin D’Urban, der 1834 bis 1837 Gouverneur der Kapkolonie war, in D’Urban umbenannt. Das Amt eines Hafenmeisters ist seit 1840 besetzt.Port of Durban (Transnet National Ports Authority). First harbour master. auf www.ports.co.za (englisch). Abbildungen aus dem 19. Jahrhundert zeigen eine Landungsbrücke auf der Seeseite der Landzunge The Point. mini|Plan des Hafens von D’Urban in der Bay of Natal von 1860
Eine zielgerichtete Entwicklung des heutigen Hafengebietes begann ab 1855. Auf einem Lageplan von 1860 ist der Tiefwasserbereich vor der Sandy Bay als Ankerplatz ausgewiesen. Größere Schiffe mussten vor der Küste ankern und konnten ursprünglich nicht oder nur mit hohem Risiko in die Bucht einfahren, weshalb sie mit Barken bedient wurden.
Im 19. Jahrhundert wurde in Durban die Natal Railway gebaut, die erste Eisenbahnstrecke auf dem Gebiet des heutigen Südafrikas. Sie diente als Verbindung zwischen der städtischen Ansiedlung und dem Hafen. Die Strecke vom Market Square bis zur Landzunge The Point im Hafenareal wurde am 26. Juni 1860 eröffnet und durch die Natal Railway Company betrieben. Die Areale Point und Bluff waren die Basis für die ersten Funktionsbereiche des Hafens.
1860 wanderten über den Hafen die ersten indischen Plantagenarbeiter aus Madras ein, die auf den Zuckerrohr-Pflanzungen in der Umgebung von Durban eingesetzt wurden. Deren Ankunft bildete den Beginn der indischstämmigen Bevölkerungsgruppe im heutigen Südafrika.South African History Online: The first Indian people, 197 men, 89 women and 54 children, arrive in Natal. auf www.sahistory.org.za (englisch).
Der erste Leuchtturm an der Küste Natals war der Leuchtturm im Hafen von Durban, der am 22. November 1867 mit einer feierlichen Zeremonie in Anwesenheit des Gouverneurs John Scott in Betrieb ging. Der aus dem schottischen Oban stammende Peter Paterson war der Architekt des Leuchtturms. ehemals auf www.sanho.co.za (englisch).Lighthouse, Bluff – Cooper Lighthouse. auf www.artefacts.co.za (englisch).
Die zunehmende Verlandung in der Bucht durch die Schwebfracht der Zuflüsse konnte ab dem letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts mittels verbesserter Baggertechnik verhindert und teilweise rückgängig gemacht werden.
Seit dem 1. Juli 1896 leitete die Stadt Durban das kanalisierte Abwasseraufkommen über einen Vorfluter auf der Landzunge The Point in den Hauptkanal der Schiffseinfahrt des Hafens. Dafür kamen immer nur die ersten Stunden der Ebbezeiten in Frage, damit die Abwassereinleitungen von der Küstenlinie weggespült werden konnten. Die dafür notwendigen Anlagen befanden sich in unmittelbarer Nähe zum alten Hafengebiet.Tony Bailey: ehemals auf www.ewisa.co.za (englisch).
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Eisenbahnstrecke von Durban ins Landesinnere und entlang der Küste gebaut. Der Bahnbau begann 1876 in Durban und erreichte 1880 Pietermaritzburg, 1886 Ladysmith und 1891 Charlestown an der Grenze der Natal-Kolonie zur Transvaal-Republik. Am 2. Januar 1896 konnte der durchgehende Betrieb bis Johannesburg eröffnet werden. Die Strecken entlang der Küste nördlich von Durban hatte vor allem die Aufgabe, Güter für die Zuckerrohrplantagen und deren nachgelagerte Verarbeitungsbetriebe zu transportieren.Transnet Freight Rail: Railway Country. 150 Years of Rail in South Africa. auf www.transnetfreightrail-tfr.net (englisch). Aus dem Landesinnern wurden Wolle, Häute und Kolonialwaren nach Durban befördert, später auch Kohle für die Versorgung der Schiffe auf der Durchfahrt. Die Eisenbahnverbindung in die Region des wirtschaftlich starken Transvaal hat wesentlich zur frühen und anhaltenden Entwicklung des Hafens beigetragen.Bruno Martin: (englisch). Sie garantierte für den Hafen Durban, im Gegensatz zum Hafen im damaligen Lourenço Marques, heute Maputo, eine politisch stabile Existenzgrundlage, da sie seit der Unionsgründung im Jahre 1910 nicht über ausländisches Territorium führt.
20. Jahrhundert Das Parlament von Natal beschloss 1903 den Ausbau von Hafenanlagen in einem bisher dafür nicht genutzten Abschnitt der Bucht. Der Küstenbereich zwischen Albert Park und der Mündung des Umbilo River wurde für den Bau einer Kaimauer vorgesehen. Bereiche in diesem flachen Sumpfgelände, die Congella Flats, wurden entwässert und aufgefüllt. Dadurch entstand der Congella-Kai (Congella Wharf), der später nach John G. Maydon, einem hohen britischen Kolonialbeamten, in Maydon Wharf umbenanntP.C.B.: The Story of Port Natal. In: The Natal and Zululand Annual. 25. Dezember 1926. ehemals online auf www.fad.co.za (englisch) und 1925 mit einem Getreideheber ausgestattet wurde. Die Kohleverladeanlagen im Bereich Bluff wurden in den 1920er Jahren vergrößert und 1940 nochmals ausgebaut.Bill Guest: Commercial Coal-mining in Natal: A Centennial Appraisal. In: Natalia – Journal of the Natal Society, Pietermaritzburg, Vol. 18 (1988), S. 41–48, PDF-Dokument S. 5. online auf www.natalia.org.za (englisch)
Zur Verbesserung der Stabilität des Leuchtturmes wurde das stählerne Bauwerk 1932 mit Beton ummantelt. Es stand bis 1941 auf der Anhöhe am Ende der Bluff-Halbinsel, war aber seit 1940 nicht mehr in Betrieb.Lighthouse Explorer: Durban Bluff Light. auf www.lighthousedigest.com (englisch).
Am 31. Juli 1953 nahm der neuen Leuchtturm an anderer Stelle auf der Bluff-Halbinsel den Betrieb auf. Dieses Bauwerk ist als Cooper Lighthouse bekannt geworden und erhielt den Namen nach Harry Claude Cooper, Südafrikas erstem Leuchtturmingenieur. Der Standort wurde in der Nähe des Stadtteils Brighton Beach gewählt.SA-Venues: Cooper Lighthouse (Brighton Beach). auf www.sa-venues.com (englisch).
1957 griff die Stadtverwaltung von Durban die Probleme der unzureichenden Abwasserentsorgung an The Point wieder auf, die seit 1938 diskutiert worden war. Sie begann mit der Errichtung weiterer Vorfluter (Central Works Outfall) an der Nordspitze der Bluff-Halbinsel. Dafür wurde zwischen The Point und der Bluff-Halbinsel unter dem Meeresboden ein 350 Meter langer Versorgungstunnel gebaut. Er verfügte über einen Querschnitt von 3,6 Meter. In diesem wurden zwei große Abwasserleitungen, eine Hauptwasserleitung und mehrere Elektro- und Telekommunikationskabel verlegt. Die gewählte Tiefe des Versorgungstunnels erwies sich später als hinderlich für den Ausbau der Hafeneinfahrt.J. A. Hindmarch, A. L. Griffiths, A. K. Officer & G. Wittneben: Durban Harbour tunnel—first use of a slurry tunnel boring machine in South Africa. In: Journal of the Southern African Institute of Mining and Metallurgy, Vol. 108 (2008), Januar, S. 1–8. online auf www.saimm.co.za (englisch).Durban Harbour Tunnel a worthy winner. In: Civil Engineering. Vol. 15 (2007), Nr. 11, S. 2–7 auf www.saice.org.za (englisch).
mini|Semicontainerschiff Sea Power im Hafen Durban am Pier 1 im Jahr 2009. Die Gebäude des ehemaligen Navy-Stützpunktes auf Salisbury Island dienten seit 1961 dem hier errichteten University College for Indians. Zu Beginn der 1970er Jahre zog die Hochschule in den Stadtteil Westville und nannte sich ab 1971 University of Durban-Westville. Seit 2004 ist sie Teil der Universität von KwaZulu-Natal.SAIRR: A Survey of Race Relations 1962. Johannesburg 1963, S. 199–200.
Mitte der 1960er Jahre lag der Verladeschwerpunkt für Stückgut noch auf der Landzunge The Point. Etwa zehn Jahre später begann er sich auf die gegenüber liegende Seite der Bucht an den Maydon-Kai (Maydon Wharf, Anlegeplatz 8) zu verlagern. In diesem Zusammenhang wurden dort moderne Krananlagen errichtet.
In den 1970er Jahren erfolgten Erweiterungen der Eisenbahnanlagen an der Südseite der Bucht. Das ermöglichte den weiteren Hafenausbau. Nun entstanden auf Sandbänken und in den damals vorhandenen Mangrovensümpfen im Umfeld der früheren Salisbury-Insel sowie dem benachbarten Fynnland-Areal neue Funktionsbereiche, der Pier No. 1 und der Pier No. 2. Im Bereich Pier No. 2 ging im Juli 1977 das Container-Terminal in Betrieb.
21. Jahrhundert Mit der Zunahme des Frachtverkehrs und des Tiefgangs anlegender Frachtschiffe wurde eine Vertiefung der Hafeneinfahrt und einiger Bereiche in der Bucht notwendig. Der Ende der 1950er Jahre unter dem Einfahrtskanal erstellte Versorgungstunnel stand diesem Vorhaben im Wege. Auf der Ozeanseite musste die Wassertiefe auf 18 Meter und in der Bucht von 13 auf 16 Meter ausgebaut werden. Dies machte unter der Bezeichnung Durban Harbour Tunnel Project den Neubau eines tiefer liegenden Tunnels notwendig, der 2007 abgeschlossen werden konnte.Brindaveni Naidoo: Durban harbour services tunnel replacement nears completion. Meldung vom 22. Juni 2007 auf www.engineeringnews.co.za. (englisch).
Im Juli 2010 endeten die als Durban Harbour Entrance Widening Project, abgekürzt DHEW, geführten mehrjährigen Ausbauarbeiten im Hafenareal. Sie dienten der Sicherung von Anlagen und einer größeren Verkehrsaufnahmefähigkeit.Allan Jackson: Durban Harbour. Durban Harbour Widening Project (DHEW). auf www.fad.co.za (englisch).Anonymus: Durban Harbour Entrance Widening. In: Civil Engineering, 2010, Dezember, S. 60–63, online auf www.idc-online.com (englisch, PDF).
Nach Angaben der Hafenverwaltung aus dem Jahre 2013 kann der Hafen mit Schiffen von 350 Meter Länge, 51 Meter Breite und 14,5 Meter Tiefgang befahren werden. Die Anlegeplätze lassen aber nur einen maximalen Tiefgang von 12,5 Metern zu.