Müttergesundheit (in Österreich auch Muttergesundheit) bezeichnet die Gesundheit von Frauen bezüglich Schwangerschaft, Entbindung und Wochenbett. Angebote zur Förderung der Müttergesundheit umfassen die Sexualerziehung, Familienplanung, Kinderwunsch-Beratung, Schwangerschaftsvorsorge und nachgeburtliche Mütterberatung. Ebenso bilden gesetzliche Vorschriften zum Mutterschutz eine grundlegende Basis der Müttergesundheit. In den armen Ländern des Südens sind Schulbildung und Gesundheitsversorgung von ausschlaggebender Bedeutung für die Müttergesundheit und tragen wesentlich dazu bei, die Müttersterblichkeit zu senken. Aber auch in den entwickelten Ländern weisen bildungsmäßig und sozial benachteiligte Mütter und ihre Kinder eine schlechtere Gesundheit auf.thieme: Hebammenarbeit: Mütter mit geringer Bildung haben häufiger ungesunde Kinder
Eine schlechte Müttergesundheit hat schwerwiegende Auswirkungen auf Gesundheit und Entwicklung des Kindes. Armut, Unterernährung, körperliche und seelische Krankheiten beeinträchtigen die geistige (kognitive), körperliche (motorische), geistige und seelische (verhaltensmässige) Entwicklung während der gesamten Kindheit. Wenn die Gesundheit der Mutter während der Schwangerschaft stark beeinträchtigt ist, wird das Kind wahrscheinlich Gesundheits- und Entwicklungsprobleme bekommen, es droht ihm im schlimmsten Fall der Säuglingstod. Die physiologische Umgebung, welche die Mutter für den Embryo und Foetus bietet, ist kritisch für sein Wohlergehen noch lange nach der Geburt.
Die Angebote des Gesundheitswesens bestehen aus Screening und anderen Interventionen bei Frauen im gebärfähigen Alter und haben zum Ziel, die Risiken einer Schwangerschaft zu reduzieren. Komplikationen einer Schwangerschaft sollen verhindert oder möglichst frühzeitig entdeckt werden. Professionelle Geburtshelferinnen (Hebammen) können bei Komplikationen einer Geburt eingreifen. Nach der Entbindung hilft die Mütterberatung bei der Erholung von der Geburt, der Säuglingspflege und -ernährung (Stillberatung) und berät in Fragen der Familienplanung. Die Mütterpflege begleitet und unterstützt die Mutter im Wochenbett, bei der Säuglingspflege, bei der Betreuung des Haushalts und gegebenenfalls der älteren Kinder.
Faktoren, welche die Gesundheit von Mutter und Kind beeinträchtigen Armut und fehlender Zugang zu medizinischen Leistungen Das Risiko, während der Schwangerschaft oder der Geburt zu sterben ist in Sub-Sahara Afrika 175 mal größer als in den entwickelten Ländern, das Risiko für Schwangerschaftskrankheiten und negative Konsequenzen nach der Geburt ist noch größer. Armut, Müttergesundheit und die Chancen für das Kind hängen eng untereinander zusammen. Todesfälle in der ersten Lebenswoche in Entwicklungsländern machen 98 % der weltweiten Todesfälle dieses Alters aus. Im Jahr 2010 starben weltweit 287'000 Frauen während der Schwangerschaft oder der Geburt.WHO, UNICEF: Accountability for maternal, newborn and child survival: The 2013 Update. ISBN 978-92-806-4690-0 PDF Armut ist nachteilig für die Gesundheit von Mutter und Kind.
Eine in Kenia durchgeführte Studie zeigte, dass zu den verbreiteten Problemen der Gesundheit von Müttern in armen Gebieten Blutungen, Anämie, Bluthochdruck, Malaria, Plazenta Retention, vorzeitige Wehen, verlängerte / komplizierte Geburt und Präeklampsie gehören. Die Nähe zu Einrichtungen und die Verfügbarkeit von Transportmöglichkeiten können einen wesentlichen Einfluss darauf haben, ob eine vorgeburtliche Betreuung in Anspruch genommen wird. In Mali fand eine Untersuchung über Müttergesundheitsdienste, dass Frauen, welche in ländlichen Gebieten weit entfernt von Gesundheitseinrichtungen lebten, seltener eine professionelle Betreuung während Schwangerschaft und Geburt erhielten als diejenigen in städtischen Gebieten. Ein Mangel an Transportmöglichkeiten wirkte sich noch stärker aus als der Wohnort allein. Ähnliche Ergebnisse zeigte eine Untersuchung im ländlichen Äthiopien.
Allgemein gehört zu einer angemessenen Schwangerenvorsorge medizinische Betreuung, aber auch Bildung, Soziale Dienste und die Sicherstellung einer ausreichenden Ernährung während der Schwangerschaft. Auch in entwickelten Ländern sind Frauen, welche in armen Gebieten leben, eher übergewichtig, haben häufiger ungesunde Verhaltensweisen wie Rauchen und Drogenkonsum, nehmen seltener Schwangerschaftsvorsorge in Anspruch, oder haben einen schlechteren Zugang dazu. Sie weisen ein deutlich höheres Risiko für negative Folgen für Mutter und Kind auf. Es gibt verschiedene Gründe, warum Frauen keine Schwangerschaftsvorsorge in Anspruch nehmen. In einer amerikanischen Studie hatten 71 % von Frauen mit geringem Einkommen Schwierigkeiten, Zugang zu Leistungen der Schwangerschaftsvorsorge zu erhalten. In den USA haben Einwanderer- und spanischstämmige Frauen ein höheres Risiko als weiße oder schwarze Frauen, wenig oder keine Betreuung zu erhalten. Das Ausbildungsniveau ist ebenso ein Indikator. Amerikanische Adoleszenten erhalten am seltensten Vorsorgeleistungen während einer Schwangerschaft. In mehreren Studien nannten Frauen und Adoleszente mangelnde Geldmittel und fehlende Transportmöglichkeiten als die häufigsten Barrieren, um Vorsorgeleistungen beziehen zu können. Die Qualität von Vorsorgeleistungen hängt stark mit dem Einkommen zusammen.
HIV/AIDS Mütterliche HIV-Raten variieren weltweit zwischen 1 % und 40 %. Die afrikanischen und asiatischen Länder haben die höchsten Raten. HIV kann während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder beim Stillen auf das Kind übertragen werden, am häufigsten geschieht die Übertragung schon während der Schwangerschaft. Eine infizierte Mutter überträgt das Virus mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 25 % auf das Kind, falls sie keine genügende antiretrovirale Behandlung erhält. Wenn sie aber während der Schwangerschaft behandelt wird, besteht eine 98-prozentige Chance, dass das Kind nicht infiziert wird.
Nach Mitteilungen von UNICEF stieg in den letzten zehn Jahren die Zahl der an HIV/Aids verstorbenen Kinder stark an,UNICEF. (2013). The state of the world's children 2013. Geneva, SWIT: UNICEF. cited in Santrock, John W. (14th ed.). Life-Span Development. McGraw Hill, 2013. speziell in Ländern, wo die Armut hoch und der Bildungsgrad tief ist.K. Toure & others. (2012, in press). Positioning women's and children's health in African union policy-making: A policy analysis. Global Health. cited in Santrock, John W. (14th ed.). Life-Span Development. McGraw Hill, 2013. Obwohl verschiedene präventive Maßnahmen möglich wären, sind die hohen Kosten und die fehlende Infrastruktur zwei zentrale Probleme, mit welchen die internationalen Organisationen zu kämpfen haben, wenn sie die Mutter-Kind-Übertragung von HIV in den Entwicklungsländern bekämpfen wollen. Eine Schwangerschaft unter HIV-Infektion ist in Entwicklungsländern zudem ein noch größeres Risiko für die Mutter, z. B. an Tuberkulose oder Malaria zu erkranken.
Übergewicht Das Körpergewicht sollte während der Schwangerschaft um etwa 10 bis 15 kg zunehmen.Simmons, D. Diabetes and obesity in pregnancy. Best Practice and Research, Clinical Obstetrics and Gynecology, 25, 2011, 25-36, cited in Santrock, John W. (14th ed.). Life-Span Development. McGraw Hill, 2013. Mütterliche Adipositas kann zu erhöhtem Blutdruck, Diabetes, Atemwegskomplikationen und Infektionen führen und den Verlauf der Schwangerschaft ungünstig beeinflussen.P. M. Nodine, & Hastings-Tolsma, M. (2012). Maternal obesity: Improving pregnancy outcomes. MCN American Journal of Maternal Child Nursing, 37, 110-115, cited in Santrock, John W. (14th ed.). Life-Span Development. McGraw Hill, 2013. Starkes Übergewicht ist ein bedeutender Risikofaktor für Schwangerschaftsdiabetes. Dieser wiederum führt zur Geburt sehr schwerer Säuglinge, zu Übergewicht beim Kind und später zu Diabetes Typ II.
Unterernährung
Die Ernährung des Embryos und Fötus beruht auf der mütterlichen Eiweiß-, Vitamin-, Mineral- und Gesamtkalorienaufnahme. Kinder unterernährter Mütter entwickeln sich weniger und sind infolge dieser Wachstumsretardierung kleiner, leichter und schwächer bei der Geburt und weisen eher Missbildungen auf. Insbesondere die Gehirnentwicklung kann beeinträchtigt sein. Zusätzlich kann der mütterliche Stress den Fötus direkt und indirekt beeinflussen. Physiologische Veränderungen unter Stress wirken sich auf den sich entwickelnden Fötus aus.
Depression
Mutterschaft und elterliche Pflichten können stark belastend sein, insbesondere wenn materiellen Voraussetzungen und die sozialen Bedingungen ungünstig sind. Psychische Krankheiten von Müttern können wiederum eine erhebliche Belastung für die Kinder darstellen. In den USA zeigt die Statistik Depression bei 10 % aller Mütter; bei wirtschaftlich benachteiligten Müttern ist der Anteil noch höher.
Drogen, Tabak und Alkohol Neugeborene, deren Mütter während der Schwangerschaft Heroin konsumieren, zeigen bei der Geburt oft Entzugserscheinungen und haben später eher Aufmerksamkeitsstörungen und andere Gesundheitsprobleme. Die Verwendung von Stimulanzien wie Methamphetamin und Kokain während der Schwangerschaft ist mit einer Reihe von Problemen für das Kind verbunden, wie niedriges Geburtsgewicht, kleiner Kopfumfang, motorische und kognitive Entwicklungsverzögerungen sowie Verhaltensprobleme in der Kindheit.T. M. Field (2007) The amazing infant. Malden, MA. Blackwell. cited in Santrock, John W. (14th ed.). Life-Span Development. McGraw Hill, 2013.K. D. Mayer, & Zang. (2009). Short- and long-term effects of cocaine abuse during pregnancy on heart development. Therapeutic Advances in Cardiovascular Disease, 3, 7-16. cited in Santrock, John W. (14th ed.). Life-Span Development. McGraw Hill, 2013.G. A. Richardson, L. Goldschmidt, S. Leech, & Williford, J. (2011). Prenatal cocaine exposure: Effects on mother- and teacher-rated behavior problems and growth in school-aged children. Neurotoxicology and Teratology, 33, 69-77. cited in Santrock, John W. (14th ed.). Life-Span Development. McGraw Hill, 2013.B. J. Piper, & others. (2011). Abnormalities in parentally rated executive function in metamphetamine/polysubstance exposed children. Pharmacology, Biochemistry, and Behavior, 98, 432-439. cited in Santrock, John W. (14th ed.). Life-Span Development. McGraw Hill, 2013.
Die amerikanische Akademie für Kinder- und Jugendpsychiatrie hat festgestellt, dass 6-Jährige, deren Mütter während der Schwangerschaft geraucht haben, auf einem Intelligenztest weniger gut abschneiden, als Kinder, deren Mütter nicht rauchten. Rauchen während der Schwangerschaft kann eine Vielzahl von nachteiligen Wirkungen auf die Gesundheit und Entwicklung des Kindes haben. Häufige Folgen des Rauchens während der Schwangerschaft sind Frühgeburten, niedriges Geburtsgewicht, foetale und neonatale Todesfälle, Erkrankungen der Atemwege und plötzlicher Kindstod, sowie ein erhöhtes Risiko für kognitive Störungen, Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und andere Verhaltensstörungen. Eine Meta-Analyse im International Journal of Cancer zeigt für Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft geraucht hatten, eine 22%ige Risikoerhöhung für Non-Hodgkin-Lymphom.
Obwohl für maßvollen Alkoholkonsum (ein bis zwei Gläser an einzelnen Tage pro Woche) während der Schwangerschaft keine schädlichen Auswirkungen nachgewiesen werden konnten, wird generell vom Konsum von Alkohol während der Schwangerschaft abgeraten. Übermäßiger Alkoholkonsum während der Schwangerschaft kann zum foetalen Alkoholsyndrom führen, mit körperlichen und kognitiven Auffälligkeiten beim Kind, wie Missbildungen von Gliedmaßen, Gesicht und Herz, Lernproblemen, unterdurchschnittlicher Intelligenz bis zur geistigen Behinderung.
Zahngesundheit