Sagard ist eine Gemeinde im Landkreis Vorpommern-Rügen auf der Insel Rügen in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Sie ist Sitz des am 1. Januar 2005 neu gebildeten Amtes Nord-Rügen, dem weitere sieben Gemeinden angehören. Sagard bildet für seine Umgebung ein Grundzentrum. - zentralörtliche Gliederung mit Ober-, Mittel- und Grundzentren, abgerufen am 12. Juli 2015
Lage Sagard liegt rund 16 Kilometer nordöstlich von Bergen auf Rügen und sieben Kilometer westlich von Sassnitz auf der Halbinsel Jasmund. Die Gemeinde grenzt an den Nationalpark Jasmund. Im Südwesten liegt der Große Jasmunder Bodden.
Umgeben wird Sagard von den Nachbargemeinden Lohme im Norden, Sassnitz im Osten und Südosten, Lietzow im Süden sowie Glowe im Nordwesten.
Gemeindegliederung Zur Gemeinde Sagard gehören folgende Ortsteile:
Geschichte Sagard mini|Gutshaus Neddesitz, Teil der Hotelanlage „Jasmar Resort Rügen“ Sagard wurde erstmals im Jahr 1250 als Zagard erwähnt. Der Name Sagard stammt aus dem Slawischen und bedeutet Einfriedung oder Burgort. Dies deutet auf den ehemals hier befindlichen aber eingeebneten slawischen Burgwall aus dem 12. Jahrhundert hin.
Seit dem Jahr 1750 gab es Anfänge eines Kur- und Badebetriebes. Im Jahr 1795 eröffnete der Pastor Heinrich Christoph von Willich mit seinem Bruder, dem Landarzt Moritz von Willich, eine Brunnen-, Bade- und Vergnügungsanstalt. Der Badebetrieb erfolgte bis etwa 1830. Heute erinnert die Historische Parkanlage Brunnenaue an den damaligen idyllischen Kurpark mit seinen Promenaden, Brunnen- und Badehäusern.
Der Ort war bis 1326 Teil des Fürstentums Rügen und danach des Herzogtums Pommern. Mit dem Westfälischen Frieden von 1648 wurde Rügen und somit auch das Gebiet von Sagard ein Teil von Schwedisch-Pommern. Im Jahr 1815 kam Sagard als Teil von Neuvorpommern zur preußischen Provinz Pommern.
Seit 1818 gehörte Sagard zum Kreis bzw. Landkreis Rügen. Nur in den Jahren von 1952 bis 1955 war es dem Kreis Bergen zugehörig. Die Gemeinde gehörte danach bis 1990 zum Kreis Rügen im Bezirk Rostock und wurde im selben Jahr Teil des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Der seit 1990 wieder so bezeichnete Landkreis Rügen ging 2011 im Landkreis Vorpommern-Rügen auf.
1967 wurde eine neue Schule in Betrieb genommen, deren Projektant der Architekt Joachim Horbasch vom VEB Hochbauprojektierung Rostock war. Sie erhielt an den Ostfassaden zwei Wandbilder von Matthias Wegehaupt und Oskar ManigkRuth Pape et al.: Bildende Kunst + Architektur. Baukatalog Teil 4, Potsdam, Magdeburg, Schwerin, Rostock, Neubrandenburg. Deutsche Bauakademie, Berlin, 1972, Rostock, S. 131.
Am 25. Juni 1975 stürzte unweit des Ortes eine MiG-21M gegen 17.28 Uhr nach Orientierungsverlust des Piloten ab. Der Pilot, Oberleutnant Konrad Ritter, konnte sich noch herauskatapultieren, verstarb jedoch.home.snafu.de
Seit 1991 wurde der historische Ortskern im Rahmen der Städtebauförderung saniert; das Ortsbild hat sich dadurch verbessert und eine kleine Marina entstand.
Ortsteile mini|Kreidebruch bei Quoltitz Neddesitz: Der Ortsname kommt aus dem slawischen Nedasici und bedeutet Leute des Nedas. In Neddesitz befindet sich seit den 1990er Jahren die Jasmar-Therme sowie eine große Ferien- und Hotelanlage des Jasmar Resort Rügen. Ein in Quoltitz nahe Neddesitz gelegener Kreidebruch wurde vom 19. Jahrhundert bis 1954 betrieben.
Neuhof mit Martinshafen: Zu DDR-Zeiten wurde vom VEB Kleiderwerk Wernigerode in Martinshafen das Kinder-Ferienlager „Wilder Schwan“ betrieben und unterhalten.
Pluckow gehörte im 16. Jahrhundert zur Herrschaft Spyker. Das Gutshaus Pluckow ist in den 1960er Jahren verfallen. Am 12. Mai 1932 wurde bei Drainagearbeiten am ehemaligen Gut Pluckow etwa 45 Meter westlich des Gutes und 25 Meter nördlich der Straße ein bronzezeitlicher Depotfund festgestellt. Der geborgene Fund wog 7,5 Kilogramm und wurde nach Stettin ins Provinzial-Museum verbracht.
Vorwerk: Das Gut zählte 1783 rund 60 Einwohner. Es wurde gemeinsam mit dem Gut Lubitz und mit Anteilen in Kapelle und Sagard bewirtschaftet. Das sanierte Gutshaus stammt wahrscheinlich von um 1900 und dient seit 2007 als Ferienwohnhaus.
Bevölkerung Die Einwohnerzahl von Sagard ist zwischen 1990 und 2010 um ein Drittel zurückgegangen. Seitdem stagniert sie.
Jahr Einwohner 1990 3751 1995 3563 2000 3156 2005 2827 2010 2552 2015 2511 Jahr Einwohner 2020 2398 2021 2411 2022 2401 2023 2404 2024 2410
Stand: 31. Dezember des jeweiligen JahresStatistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern: Statistischer Bericht. Bevölkerungsstand. Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Politik mini|Rathaus Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Sagard besteht aus 12 Mitgliedern. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 56,2 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Bürger für Sagard (BfS) 61,6 % 8 54,4 % 7 CDU 19,3 % 2 15,2 % 2 AfD 7,5 % 1 12,6 % 2 Einzelbewerber Steffen Kubat 8,4 % 1 7,7 % 1 Einzelbewerber Sven Jantzen – – 3,4 % – Einzelbewerber Jörg Herrmann – – 2,9 % – Einzelbewerber Marcel Dorn – – 1,8 % – Bürger für konservative Werte (BkW) – – 1,3 % – DKP – – 0,7 % – Einzelbewerber René Kotzan 3,2 % – – – Insgesamt 100 % 12 100 % 12
Bürgermeister seit 2014: Sandro Wenzel (Bürger für Sagard)
Wenzel wurde bei der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 ohne Gegenkandidat mit 77,0 % der gültigen Stimmen wiedergewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 Am 9. Juni 2024 wurde er mit 73,1 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 Seine Amtsdauer beträgt fünf Jahre.Kommunalverfassung für das Land Mecklenburg-Vorpommern § 37 (3)
Wappen Das Wappen wurde Ende 1988/Anfang 1989 von der Gemeindevertretung angenommen und unter der Nr. 11 der Wappenrolle von Mecklenburg-Vorpommern registriert. Es wurde von der Sagarderin Aenne Sahr gestaltet.
Blasonierung: „In Blau über einer erniedrigten goldenen Spitze, darin drei (1:2) blaue Bügelkronen, zwischen zwei seitlich leicht gebogenen goldenen Ähren ein silberner Brunnentempel.“
Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Kirche St. Michael in Sagard Backsteinkirche St. Michael aus dem 13. Jahrhundert Dobberworth, bronzezeitliches Hügelgrab Brunnenaue, ehemaliges Kurgebiet mit eisenhaltigen Quellen Aufgelassene Kreidebrüche bei Quoltitz Kleiner Königsstuhl Martinshafen am Großen Jasmunder Bodden
Kultur Bekannt sind das jährliche Herbstfest im September sowie der Musiksommer Sagard/Sassnitz, der schwerpunktmäßig in der Kirche St. Michael und in der Scheune Wiesenstraße stattfindet. Der Schwerpunkt liegt auf der Klassik unter Ausnutzung der historischen Barockorgel, aber die Spannweite reicht bis zu Rockkonzerten. So war zum Beispiel die Rockgruppe Karussell bereits mehrfach zu Gast in der Sagarder Kirche.
Verkehr Die B 96 führt an der Ortschaft vorbei. Hier zweigt die Landstraße L 30 nach Altenkirchen auf der Halbinsel Wittow ab.
Die Gemeinde verfügt über einen Haltepunkt an der Bahnstrecke Stralsund–Sassnitz, von dem Züge der RE-Linie 9 stündlich nach Sassnitz sowie in der Gegenrichtung nach Lietzow, Stralsund und weiter im Zweistundentakt bis Rostock fahren.
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Gemeinde Hans Friedrich von Platen (1668–1743), preußischer General der Kavallerie Heinrich Christoph von Willich (1759–1827), Pfarrer in Sagard, Gründer und Kurdirektor der Brunnenaue Ehrenfried von Willich (1777–1807), Feldprediger Karl Meyer (1862–1938), Politiker (SPD), 1919 bis 1924 Mitglied der Bürgerschaft in Lübeck, in Promoisel geboren August Jasmund (1859–1911), Architekt und Baubeamter
Mit Sagard verbundene Persönlichkeiten Philipp Georg von Willich (1720–1787), Pfarrer in Sagard Christian Erdmann Kindten (1752–1803), Erbauer der Orgel in der St.-Michael-Kirche
Weblinks
Website der Gemeinde Sagard
Einzelnachweise
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