Manfred Köhnlechner (* 1. Dezember 1925 in Krefeld; † 10. April 2002 in Grünwald bei München) war ein deutscher Verlagsmanager und Heilpraktiker. In den Medien setzte er sich dafür ein, die Alternativmedizin in Deutschland populär zu machen.
Leben Manfred Köhnlechner wurde als Sohn des Bankbeamten Anton Köhnlechner und dessen Frau Margarete (Grete), geb. Kinzig, in Krefeld geboren.Wer ist wer? Das deutsche Who's Who, Band 23 (1984), S. 676. Er besuchte die Volksschule in Pirmasens und seit Ostern 1936 das dortige Humanistische Gymnasium. Aufgrund seiner Einberufung zur Wehrmacht erhielt Köhnlechner 1943 den Reifevermerk. Bis zum Sommer 1945 diente Köhnlechner als Flugzeugführer bei der Luftwaffe (zuletzt im Dienstrang eines Oberfähnrichs).Lebenslauf in Dissertation.
Seit 1946 studierte Köhnlechner Rechtswissenschaft an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg; im Herbst 1949 legte er das erste juristische Staatsexamen ab. Im Februar 1950 trat er als Referendar in den juristischen Vorbereitungsdienst ein und studierte anschließend noch zwei Semester an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Dort wurde er im Dezember 1952 an der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät bei Rudolf Bruns mit einer Arbeit zum Insolvenzrecht promoviert (Zweitgutachter war Josef Esser)Die Abgrenzung der einzelnen Vollstreckungsarten der Zivilprozeßordnung untereinander. 1952 (Dissertation, Universität Mainz, 9. Januar 1953)..
Von 1952 bis 1954 arbeitete Köhnlechner als Syndikus des Deutschen Apothekerverbandes, danach kurzzeitig für die Bundesfinanzverwaltung. Nach der Zulassung als Rechtsanwalt im Jahr 1955 wurde er Syndikus des Bertelsmann-Konzerns in Gütersloh und war von 1957 bis 1970 dessen Generalbevollmächtigter und somit auch einer der bestbezahlten Manager in Deutschland. In dieser Position organisierte er die gesamte Bertelsmann-Gruppe nach den vorteilhaftesten Steuergesichtspunkten um und war an der Einigung über die Beteiligung Bertelsmanns am Verlag Gruner und Jahr beteiligt.
Nach einem Reitunfall im Jahr 1970 wurde er durch einen Heilpraktiker erfolgreich behandelt. Daraufhin begann er selbst, sich für alternative Heilmethoden zu interessieren. Er kündigte seinen Vertrag bei Bertelsmann, der noch bis 1985 lief, und verkaufte seine Anteile an dem Verlag für eine Millionensumme.
Nach seinem Ausstieg bei Bertelsmann startete Köhnlechner eine neue Karriere als Heilpraktiker. Er legte 1972 die Prüfung ab und eröffnete eine Naturheilpraxis im Grünwalder Promi-Viertel Geiselgasteig. Zunächst spezialisierte er sich auf Akupunktur, in Deutschland damals noch weitgehend unbekannt. Dies änderte sich mit Köhnlechners Auftritt in einer Fernsehshow bei Dietmar Schönherr im Jahr 1974, in der er live Trude Herr einer Akupunkturbehandlung unterzog. Das war der Beginn seiner Popularität. 1974 kannten ihn 40 Prozent der befragten Bundesbürger, 1981 waren es 98 Prozent. Köhnlechner behandelte auch Prominente und gründete 1974 das Manfred-Köhnlechner-Institut für Erfahrungsmedizin. Seine Praxis leitete er seitdem nur noch als Manager, die Behandlungen wurden von anderen Heilpraktikern ausgeführt. 1985 gründete er die Manfred-Köhnlechner-Stiftung zur Förderung biologisch-naturheilkundlicher Verfahren.
Köhnlechner schrieb insgesamt etwa 30 Bücher. In mehreren Büchern widmete er sich dem Thema Krebs und dessen Vermeidung, vor allem durch die Ernährung. Er verstand es, die Medien für die Propagierung seiner Theorien zu nutzen, nicht zuletzt die Bild-Zeitung. Unter anderem setzte er sich für die Neuraltherapie und die Ozontherapie ein und pries den therapeutischen Nutzen von Aderlässen, Taigawurzeln, Knoblauch, Essig und Schlangengift. Mediziner griffen Köhnlechner häufig heftig an und bezeichneten ihn als Scharlatan, der mit unsinnigen Methoden und falschen Versprechungen viel Geld gemacht habe. Aber auch in Heilpraktiker-Kreisen war er umstritten; er forderte öffentlich, die Naturmedizin gehöre in die Hände von akademisch ausgebildeten Ärzten.
1989 erhielt er den skandinavischen Preis für Naturmedizin; in Deutschland wurde er vom Verband Deutscher Heilpraktiker mit der Hahnemann-Medaille ausgezeichnet.
Mit 75 Jahren schwamm Köhnlechner angeblich noch täglich 1000 Meter. 1952 schloss er eine Ehe mit Marianne Lindner, die 1980 geschieden wurde. 1992 schloss er seine dritte Ehe mit einer 33 Jahre jüngeren Frau.
Manfred Köhnlechner starb an den Folgen eines Krebsleidens. Seine Grabstelle befindet sich auf dem Waldfriedhof Grünwald.
Köhnlechner-Diät Die nach Köhnlechner benannte Diät wurde zunächst von Maria Lange-Ernst veröffentlicht. Es handelt sich um eine Mischung aus der Trennkost nach Howard Hay und einer Low-Carb-Diät wie die Atkins-Diät. Außerdem wird behauptet, dass der Mensch kein „Pflanzenfresser“ sei und Rohkost schlecht vertrage, vor allem Obst. Dafür wird das Trinken von Essigwasser empfohlen, das angeblich die Verbrennung von Körperfett ankurbelt (Fatburner). Wissenschaftlich nachweisbar ist dieser Effekt nicht.
Kohlenhydrate werden bei dieser Diät nur morgens zum Frühstück in Form von trockenem Brot oder trockenen Brötchen aufgenommen. Ansonsten dürfen nur mageres Fleisch, Weißwurst, Fisch, Tatar, Innereien und magere Milchprodukte verzehrt werden sowie gedünstetes Gemüse und Salat. Als Obst erlaubt sind Grapefruits, Stachelbeeren und Honigmelonen. Die Kalorien werden nicht gezählt. Ernährungswissenschaftler lehnen diese Diät mehrheitlich als völlig ungeeignet zum Abnehmen ab.
Patientenkreis Zu seinem Patientenkreis gehörten Prominente wie unter anderem Senta Berger, Willy Millowitsch, Joachim Fuchsberger, Gerd Bucerius und die Bayern-Fußballspieler Franz Beckenbauer und Franz Roth.https://www.abendblatt.de/vermischtes/article106800239/Koehnlechner-Herztod-mit-76.htmlhttps://www.spiegel.de/politik/gestorben-manfred-koehnlechner-a-67036507-0002-0001-0000-000025925185Daniel Oliver Bachmann: Der Wegbereiter – Wie Manfred Köhnlechner die Medizin revolutionierte und sie heute davon profitieren, Edition Salz & Pfeffer, Stuttgart 2008, ISBN 3-8370-5713-5, Kapitel: Die Vision von einer besseren Medizin, S. 19 Während der Profifußballkarriere Beckenbauers verhalf Köhnlechner ihm bis in die 1970er durch regelmäßige Spritzen-/Einlaufbehandlungen auch zur vermehrten Blutkörperchen (Blutdoping) – das Blutdoping wurde erst 1988 verboten.https://www.doping-archiv.de/allgemein/deutschland-doping-geschichten/doping-1970er-jahre-brd/doping-im-fussball-1970er-und-1980er-jahre/https://www.11freunde.de/welt-des-fussballs/im-einsatz-auf-dem-fu%C3%9Fballplatz-a-74ad427e-0004-0001-0000-000000421045https://www.spiegel.de/kultur/stich-in-den-punkt-der-goettlichen-gleichmut-a-faa2e774-0002-0001-0000-000041331159https://www.dshs-koeln.de/institut-fuer-biochemie/doping-substanzen/formen-des-dopings/verbotene-methoden/manipulation-von-blut-und-blutbestandteilen/
Bibliographie (Auswahl) Die Abgrenzung der einzelnen Vollstreckungsarten der Zivilprozeßordnung untereinander. (Mainz, Univ., Diss., 1953). Vermeidbare Operationen. Die verschenkte Chance. Droemer Knaur, München 1975, ISBN 3-426-04580-X. als Herausgeber: Handbuch der Naturheilkunde. 2 Bde., Kindler, München 1975, ISBN 3-463-00640-5. Man stirbt nicht im August. Gesicherte Gesundheit. Droemer-Knaur, München/Zürich 1976, ISBN 3-426-04585-0. Gesundheit, eine Utopie? Der Weg zum mündigen Patienten. Droemer-Knaur, München/Zürich 1977, ISBN 3-426-04594-X. Gesund mit Köhnlechner. Erprobte Ratschläge. Heyne, München 1978, ISBN 3-453-41300-8. Erfolgsmethoden gegen die Krankheiten unserer Zeit. Habel, Darmstadt 1981, ISBN 3-87179-120-2. Die sieben Säulen der Gesundheit. Krankheit ist kein Schicksal. Droemer-Knaur, München/Zürich 1982, ISBN 3-426-26052-2. Alkohol - Droge Nr. 1. Die alarmierenden Zahlen der Zentralen Suchtstelle Hamm. Herbig, München/Wien 1982, ISBN 3-7766-1216-9. Medizin ohne Maß. Plädoyer für gewaltlose Therapie. Droemer Knaur, München 1983, ISBN 3-426-26084-0. Gesund leben macht Spaß. 1000 Tips für Gesundheit und Lebensfreunde. Ullstein, Frankfurt am Main/Berlin 1986, ISBN 3-548-34351-1. Biologische Medizin heute. Herbig, München/Berlin 1988, ISBN 3-7766-1493-5. Mutter ist der beste Arzt. Bewährte Hausmittel. Herbig, München 1990, ISBN 3-7766-1625-3. Die Natur hilft. Gesund durchs ganze Jahr. Herbig, München 1993, ISBN 3-7766-1721-7. mit Peter Schleicher: Krebs ist kein Schicksal. Früherkennung und Möglichkeiten der Behandlung. Ludwig, München 1997, ISBN 3-7787-3534-9. mit Peter Schleicher: Hilfe bei Krebs. Vorsorge, Behandlungsmöglichkeiten, natürliche Abwehrmittel. List, München 1998, ISBN 3-612-20613-3. Lebenskraft durch Knoblauch-Therapie. das Geheimnis des lila Knoblauchs. Heyne, München 1998, ISBN 3-453-13263-7. Die Heilkräfte des Weins. Eine wohlschmeckende Medizin mit großer Wirkung bei zahlreichen Krankheiten. Heyne, München 1999, ISBN 3-453-14468-6.
Weblinks
Nachruf in der Spiegel-Jahreschronik 2002 ManfredKöhnlechnerStiftung
Literatur Jürgen Helfricht: Manfred Köhnlechner: vom Manager zum Heiler. In: Der Naturarzt. Jahrgang 138, November 2020, S. 40–42.
Einzelnachweise
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