Die Rostbauchamazilie (Amazilis amazilia, Syn.: Amazilia amazilia), manchmal auch Lessonamazilie genannt, ist eine Vogelart aus der Familie der Kolibris (Trochilidae). Die Art hat ein großes Verbreitungsgebiet, das die südamerikanischen Länder Peru und Ecuador umfasst. Der Bestand wird von der IUCN als „nicht gefährdet“ (least concern) eingeschätzt.
Merkmale Die Rostbauchamazilie erreicht eine Körperlänge von etwa 9 bis 10 cm, wovon der rote Schnabel mit schwarzer Spitze ca. 18 bis 21 mm ausmacht. Der Kopf und der Rücken glänzen metallisch grün, wobei die Oberflügeldecken etwas matter und dunkler sind. Die Schwungfedern sind braun mit leichtem Kupferstich. Der Bürzel und die Oberschwanzdecken sind rostrot. Die Kehle glitzert bläulich grün. Die Brust, der Bauch und die Unterschwanzdecken sind rostrot, wobei die Unterschwanzdecken weiß gesäumt sind.Thomas Scott Schulenberg u. a., S. 250.
Verbreitung und Lebensraum Rostbauchamazilien bewegen sich vorwiegend in Wüstengestrüpp, in Buschland, in Laubwäldern und in den Gärten der Tiefebenen.Robert Sterling Ridgely u. a. (2001a), S. 356. Meist sind sie nur in Höhen unter 1000 Metern, regional aber auch bis zu 2400 Meter zu finden. Wenngleich sie trockene Gebiete zu bevorzugen scheinen, kommen sie gelegentlich auch in feuchteren Gebieten vor.
Verhalten Die Rostbauchamazilie ernährt sich vom Nektar der Gattungen Erythrina, Psittacanthus und anderer Blütenkronen mittlerer Größe. Sie fängt auch kleine Insekten und Spinnen. Das Männchen verhält sich territorial. Es wurden Nahrungskonkurrenten mit anderen Kolibriarten wie dem Baerkolibri (Leucippus baeri) und der Kurzschwanzelfe (Myrmia micrura) sowie mit dem Zuckervogel (Coereba flaveola) beobachtet.
Fortpflanzung Die Rostbauchamazilie brütet ganzjährig. Nester der Unterart A. a. alticola wurden im November bis März beobachtet. Sie sind becherförmig, 3 cm hoch und aus Pflanzenwolle, braunen Fasern und weißen Haarkelchen gebaut – manchmal außen mit Flechten verziert – und mit Spinnweben befestigt. Als Nistplätze werden die Enden überhängender und flacher Äste oder auch horizontaler Äste etwa 1–5 m über dem Boden gewählt. In Ecuador wurden Nester in Zypressen- und Korallenbaumgesträuch gefunden. Das Gelege besteht aus zwei weißen Eiern, die Brutzeit beträgt 16–18 Tage. Es brütet allein das Weibchen. Die Küken sind schwärzlich mit gelbbraunem Flaum und wiegen zwei Tage nach dem Schlüpfen 0,5 g. Mit 17–25 Tagen werden sie flügge.
Lautäußerungen Der Ruf klingt wie eine Serie von keuchendem Geschnatter und Trällern. Das Geschnatter von A. a. amazilia klingt wie ein abnehmendes seet seeuuu. Der Ruf von A. a. leucophoea klingt ähnlich, doch sind die seet see sew su so-Rufe etwas ausgedehnter. Der Ruf von A. a. dumerilii hört sich wie ein kurzes jert mit Geratter oder gelegentlich wie ein liebliches tsip an.
Unterarten mini|Verbreitungsgebiet der Rostbauchamazilie Bisher sind sechs Unterarten bekannt:IOC World Bird List Hummingbirds Amazilia amazilia alticola , 1860John Gould, S. 309. kommt im Süden Ecuadors vor. Sie ähnelt A. a. leucophoea, ist aber deutlich größer. Dazu weisen Wangen und Nackenseiten weniger goldengrüne Färbungen auf. Die Unterseite ist deutlich weißer gefärbt.André-Alexander Weller, S. 96. Amazilia amazilia azuay & , 2010Niels Kaare Krabbe u. a., S. 3. ist im Südwesten Ecuadors verbreitet. Sie ähnelt A. a. alticola, unterscheidet sich aber durch die deutlich weißere Unterseite mit nur wenig Rostbraun.Robert Sterling Ridgely u. a. (2001b), S. 263. Amazilia amazilia dumerilii (, 1832)René Primevère Lesson (1832), S. 172 (Tafel 36). kommt im Westen Ecuadors sowie im Nordwesten Perus vor. Sie unterscheidet sich von der Nominatform durch einen weißen Fleck im unteren Halsbereich und Bauch. Der Schwanz ist überwiegend grün. Amazilia amazilia leucophoea , 1854Heinrich Gottlieb Ludwig Reichenbach, S. 24. ist im Nordwesten Perus verbreitet. Sie ähnelt A. a. dumerilii, von der sie sich durch den rötlichbraunen Schwanz unterscheidet. Amazilia amazilia amazilia ( & , 1827)René Primevère Lesson u. a. (1827), S. 683 (Tafel 3). – die Nominatformkommt im Westen Perus vor. Amazilia amazilia caeruleigularis Melbourne Armstrong Carriker, Jr., S. 6. findet man im Südwesten Perus. Im Gegensatz zur Nominatform ist die gesamte Kehle glitzernd blau.
Laut André-Alexander Weller vom Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig könnte A. a. alticola aufgrund von Unterschieden in ihrem natürlichen Lebensraum und ihrer Vokalisierung eine eigene Art sein.André-Alexander Weller Das South American Check-list Committee zweifelt den Artstatus 2021 weiterhin an und fordert mehr Forschungsarbeiten zu diesem komplexen Thema.Proposal (#138) to South American Check-list Committee (englisch).
Etymologie und Forschungsgeschichte René Primevère Lesson und Prosper Garnot beschrieben die Rostbauchamazilie unter dem Namen Orthorhynchus Amazilia. Das Typusexemplar stammte aus Callao. Erst später wurde sie der Gattung Amazilia zugeschlagen. Oft findet man in der Literatur Lesson als einzigen Autoren. Da die Lieferung 4 der Tafeln vor der Erstbeschreibung durch Lesson im Jahre 1828 erschienen ist, gelten aber beide als Erstautoren.John Todd Zimmer u. a., S. 188. Hier wird eine Ausführliche Begründung zum Corakolibri gegeben. Der Fall der Rostbauchamazilie ist analog zu behandeln. Zimmers Analyse folgen auch Das Wort Amazilia stammt aus einem Roman von Jean-François Marmontel, der in Les Incas, ou La destruction de l'empire du Pérou von einer Inkaheldin namens Amazili berichtet. Das Wort alticola ist ein Wortgebilde aus den lateinischen Wörtern altus für „hoch“ und -cola, colere für „Bewohner, bewohnen“.James A. Jobling S. 43 Das Wort azuay steht für die ecuadorianische Provinz Azuay.Niels Kaare Krabbe u. a., S. 6. Mit dumerilii ehrte Lesson André Marie Constant Duméril für seine zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten, die mit seinem Namen verbunden sind.René Primevère Lesson (1832), S. 173. Das Wort leucophoea leitet sich vom griechischen Wort für „weiß schimmernd“ ab.James A. Jobling S. 224. Ein weiteres lateinisches Wortgebilde ist caeruleigularis, welches aus caeruleus für „dunkelblau“ und -gularis, gula von „-kehlig, Kehle“ zusammensetzt.James A. Jobling S. 82.
Literatur
Weblinks
Factsheet auf BirdLife International
Einzelnachweise
Kategorie:Kolibris