Der Bahnhof Bobingen ist der Bahnhof der schwäbischen Stadt Bobingen. Der Trennungsbahnhof liegt an der Bahnstrecke Augsburg–Buchloe und ist Ausgangspunkt der Bahnstrecke Bobingen–Kaufering. Er befindet sich im Gebiet des Augsburger Verkehrsverbundes (AVV).

Der Bahnhof Bobingen wurde 1847 durch die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen als Durchgangsbahnhof an der Ludwig-Süd-Nord-Bahn in Betrieb genommen. Mit der Eröffnung der Strecke nach Kaufering wurde er 1877 zum Trennungsbahnhof. In den 1990er Jahren wurde ein Teil der Gleisanlagen zurückgebaut, der Bahnhof wird allerdings bis heute im Güterverkehr bedient.

Lage Der Bahnhof befindet sich östlich der Bobinger Stadtmitte. Das Empfangsgebäude steht nordwestlich der Gleise an der Hermann-Hesse-Straße und hat die Adresse Bahnhofsplatz 2. Westlich des Bahnhofs befindet sich ein Wohngebiet, östlich ein Gewerbegebiet. Im Bahnhofsbereich sind drei Straßenunterführungen vorhanden. Am Südende der Bahnsteige unterquert die Staatsstraße 2380 die Gleise und verbindet als Bahnhofstraße den Bahnhof mit der etwa 600 Meter entfernten Stadtmitte. Am südlichen Bahnhofskopf an der Streckenverzweigung nach Buchloe und Kaufering werden die Gleise durch die Tutzinger Straße, am nördlichen Bahnhofskopf durch die Hans-Sachs-Straße unterquert.

Der Bahnhof Bobingen liegt an Streckenkilometer 12,010 der zweigleisigen, nicht elektrifizierten Hauptbahn von Augsburg über Bobingen und Schwabmünchen nach Buchloe (VzG 5304). In Bobingen beginnt bei Kilometer 0,0 die eingleisige Nebenbahn über Lagerlechfeld nach Kaufering, die auch als Lechfeldbahn bezeichnet wird.

Geschichte Am 25. August 1843 erließ die bayerische Regierung das Gesetz zum Bau der Ludwigs-Süd-Nord-Bahn, die von Hof über Bamberg, Nürnberg, Nördlingen, Augsburg und Kaufbeuren nach Lindau im Bodensee führen sollte. Am 1. September 1847 eröffneten die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen den eingleisigen Streckenabschnitt von Augsburg über Bobingen und Buchloe nach Kaufbeuren. Im kleinen Ort Bobingen entstand ein Durchgangsbahnhof mit zwei Bahnsteiggleisen und weiteren Ladegleisen. Der Bahnhof erhielt ein zweigeschossiges Empfangsgebäude in Sichtziegelbauweise und einen Güterschuppen südlich des Empfangsgebäudes. Bis zum 1. März 1854 war die Gesamtstrecke der Ludwig-Süd-Nord-Bahn von Hof nach Lindau fertiggestellt, wodurch der Zugverkehr am Bahnhof Bobingen zunahm.

Mit dem Bau eines Truppenübungsplatzes bei Lagerlechfeld 1866 wurde ein Eisenbahnanschluss zum Transport von Material und Truppen benötigt. 1874 begannen die Bauarbeiten für eine Bahnstrecke durch das Lechfeld von Bobingen über Lagerlechfeld zum Bahnhof Kaufering an der Bahnstrecke München–Buchloe. Am 15. Mai 1877 nahmen die Bayerischen Staatsbahnen die Strecke in Betrieb, wodurch der Bahnhof Bobingen zum Trennungsbahnhof wurde. Für den zusätzlichen Verkehr und das gestiegene Fahrgastaufkommen wurde der Bahnhof bis 1880 erweitert. Das Empfangsgebäude wurde im Norden durch einen eingeschossigen Anbau mit Warteräumen und einer offenen Wartehalle ergänzt. Östlich der bisherigen Gleisanlagen entstanden ein dritter Bahnsteig, weitere Abstellgleise und eine Drehscheibe. Nach der Erweiterung waren im Bahnhof 18 Weichen vorhanden. Für die Wechselwärter, die für die Bedienung der Weichen verantwortlich waren, wurde an der nördlichen und südlichen Bahnhofsausfahrt jeweils ein Wechselwärterhaus errichtet.

miniatur|Hölzerne Bahnsteigüberdachung von 1902 1902 wurde die bereits beim Bau für ein zweites Gleis vorbereitete Ludwigs-Süd-Nord-Bahn zwischen Augsburg und Buchloe zweigleisig ausgebaut. Dabei gestalteten die Bayerischen Staatseisenbahnen die Gleisanlagen des Bobinger Bahnhofs erneut um. Die bisherigen Schüttbahnsteige ersetzte sie durch befestigte Bahnsteige, die mit hölzernen Bahnsteigdächern ausgestattet waren. Die höhengleichen Übergänge wurden durch eine Bahnsteigunterführung zwischen Haus- und Mittelbahnsteig ersetzt. Der Bahnhof erhielt zwei neue mechanische Stellwerke in Weichentürmen und ein Befehlsstellwerk, für das ein Teil der offenen Wartehalle zugemauert wurde. Im Ersten Weltkrieg wurde 1915 im Süden des Bahnhofs ein Gleisanschluss zur Kunstseiden- und Pulverfabrik der Köln-Rottweil AG in Betrieb genommen, der heute das Trevira-Werk an den Bahnhof anbindet. Ende der 1930er Jahre modernisierte die Deutsche Reichsbahn das Empfangsgebäude und verputzte es. Für das Befehlsstellwerk entstand ein neuer Stellwerksvorbau auf der Gleisseite des Gebäudes.

1966 nahm die Deutsche Bundesbahn im Stellwerksvorbau des Empfangsgebäudes ein neues Spurplandrucktastenstellwerk in Betrieb, das die beiden mechanischen Stellwerke ersetzte. In den 1980er Jahren wurde die Bahnmeisterei Bobingen aufgelöst, in der zeitweise über 20 Eisenbahner beschäftigt waren. Sie war zuletzt für den Streckenabschnitt von Augsburg Morellstraße bis Westerringen und auf der Nebenbahn bis Klosterlechfeld zuständig. In den 1970er und 1980er Jahren ging der örtliche Güterverkehr immer weiter zurück und wurde in den 1990er Jahren eingestellt. In der Folgezeit wurde ein Teil der Gütergleise abgebaut und der Güterschuppen abgebrochen. Die Integration in den Augsburger Verkehrsverbund 1985 und in den Allgäu-Schwaben-Takt 1993 führte zu einem Aufschwung des Personenverkehrs und stetigen Anstieg der Fahrgastzahlen.

Am 8. Oktober 2024 wurde eine Stolperschwelle von Gunter Demnig am Bahnsteigzugang installiert, um den Opfern des Nationalsozialismus zu gedenken, die bei der Deutschen Reichsbahn in Bobingen Zwangsarbeit verrichten mussten.Stolperstein am Bobinger Bahnhof enthüllt dunkles Kapitel. In: Schwabmünchner Allgemeine, veröffentlicht am 10. Oktober 2024, abgerufen am 9. Februar 2025.

Aufbau Empfangsgebäude miniatur|Empfangsgebäude von der Gleisseite Das 1847 errichtete Empfangsgebäude ist ein zweigeschossiger Ziegelbau mit Satteldach, der auf der Gleis- und Straßenseite jeweils eine Widerkehr aufweist. Zwischen Erdgeschoss und erstem Stock ist das anfangs in Sichtziegelbauweise ausgeführte Gebäude mit einem Gesimsband verziert. Die Fenster sind als Segmentbogenkonstruktionen ausgeführt und waren ursprünglich mit Klappfensterläden versehen. Die vier Giebel sind farblich abgegrenzt und haben jeweils ein Rundfenster. Bei der Eröffnung waren im Erdgeschoss drei Diensträume, ein Vorraum mit Fahrkartenschalter und ein Warteraum untergebracht. Im ersten Stock befanden sich Wohnräume für die Bahnbediensteten. Die Zugänge zur Straße und zum Bahnsteig lagen jeweils in der Widerkehr. 1877 wurde im Norden ein eingeschossiger Anbau an das Gebäude angeschlossen, der eine fast doppelt so große Grundfläche wie das Ursprungsgebäude aufweist. Er bestand aus einer zur Gleisseite offenen Wartehalle mit traufständigem Satteldach und einem anschließenden gemauerten Gebäude mit giebelständigem Satteldach, in dem die Bahnhofstoiletten untergebracht wurden. Zwischen der Wartehalle und dem bisherigen Gebäude war unter dem Satteldach ein gemauerter Bau vorhanden, in den der Warteraum und die Gepäckabfertigung aus dem Hauptgebäude verlegt wurden. 1902 wurde dieser gemauerte Bereich vergrößert, um das Befehlsstellwerk darin unterzubringen. Ende der 1930er Jahre verputzte die Deutsche Reichsbahn den Sichtziegelbau. Für das Befehlsstellwerk entstand an der Nordostecke des zweigeschossigen Gebäudes ein neuer gemauerter Vorbau mit Wellblechdach, in dem heute das Drucktastenstellwerk untergebracht ist. Der Bahnhof übernahm zunächst zum 28. Mai 1995 den personenbedienten Fahrkartenverkauf für den Bahnhof Inningen. Der Warteraum und die Bahnhofstoiletten sind bis heute (2021) geöffnet, der Fahrkartenschalter ist geschlossen.

Bahnsteige und Gleisanlagen miniatur|Ehemaliger Wellblechlokschuppen Bei der Eröffnung war am Bahnhof Bobingen neben dem durchgehenden Hauptgleis ein Ausweichgleis vorhanden. Der Bahnhof verfügte über einen Haus- und einen Zwischenbahnsteig, die als Schüttbahnsteige ausgeführt waren. Südlich des Empfangsgebäudes befanden sich weitere Ladegleise und eine Laderampe. Beim Ausbau zum Trennungsbahnhof errichteten die Bayerischen Staatsbahnen östlich der bisherigen Bahnsteige ab 1877 einen weiteren Zwischenbahnsteig, mehrere bahnsteiglose Abstell- und Gütergleise sowie eine Drehscheibe im nördlichen Bahnhofsbereich. Beim zweigleisigen Ausbau 1902 wurde die Bahnsteiganlage umgestaltet. Anstelle der Schüttbahnsteige entstand ein neuer befestigter Haus- und Mittelbahnsteig sowie ein zusätzlicher Zwischenbahnsteig. Zwischen Haus- und Mittelbahnsteig wurde unter den durchgehenden Hauptgleisen eine neue Bahnsteigunterführung errichtet und die beiden Bahnsteige erhielten eine hölzerne Überdachung. Der Zwischenbahnsteig war weiterhin nur über einen höhengleichen Übergang vom Mittelbahnsteig zu erreichen und blieb ohne Überdachung. Außerdem wurden weitere Abstellgleise in Betrieb genommen. 1975 waren östlich der vier Bahnsteiggleise vier bahnsteiglose Abstell- und Gütergleise vorhanden, von denen eines ein Stumpfgleis war. Ein weiteres Stumpfgleis stelle den Anschluss zur BayWa her. Am Güterschuppen befanden sich drei Ladegleise, von denen ein Stumpfgleis und der Gleisanschluss zu den Farbwerken Hoechst abzweigten. Am nördlichen Ende der Ladegleise diente ein kleiner Lokschuppen aus Wellblech, der bis heute erhalten ist, zur Unterstellung der bahnhofseigenen Kleinlokomotive.

miniatur|Bahnsteige miniatur|Ladestraße Ab den 1990er Jahren wurde ein Teil der Gütergleise demontiert. Von den Abstellgleisen im Osten sind noch zwei vorhanden, von denen eines inzwischen stillgelegt ist. Im Südwesten des Bahnhofs sind noch zwei der drei Ladegleise und zwei Stumpfgleise in Betrieb. Die nördliche Verbindungsweiche zum Hauptgleis 1 wurde allerdings stillgelegt, sodass die Ladegleise nur noch aus Richtung Süden erreichbar sind. Obwohl der örtliche Güterverkehr eingestellt wurde, kann die Ladestraße bis heute benutzt werden. Planmäßig dienen die Ladegleise nur noch der Anbindung zum Gleisanschluss von Trevira, ehemals Farbwerke Hoechst. Die Bahnsteige sind seit 1902 weitgehend unverändert geblieben und bis heute mit den hölzernen Bahnsteigdächern ausgestattet. Sie sind nicht barrierefrei erreichbar. Inzwischen sind der Mittelbahnsteig und der weiterhin höhengleich angebundene Zwischenbahnsteig mit Blindenleitstreifen ausgestattet.

Bereits seit längerer Zeit ist ein barrierefreier Ausbau der Bahnsteige geplant, um die Zugänglichkeit zu verbessern. Unter anderem aufgrund von Schwierigkeiten bei der Bereitstellung von Fördergeldern verzögerte sich die Umsetzung jedoch mehrfach. Im Jahr 2024 teilte die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) mit, dass auf der Bahnstrecke Augsburg–Buchloe ab 2029 neue Schienenfahrzeuge eingesetzt werden sollen. Demnach müsse der barrierefreie Ausbau der Bahnsteige spätestens bis dahin abgeschlossen sein. Nach Angaben der BEG wurde das Vorhaben deshalb in ein Regel-Ausbauprogramm aufgenommen und die DB InfraGO ist mit der Durchführung des Projekts betraut.Verschwunden und doch schön. In: Augsburger Allgemeine, erschienen am 4. Februar 2025, Seite 35.

Gleis Nutzbare LängeDB Station&Service: auf deutschebahn.com, vom 1. März 2018, abgerufen am 12. April 2018. Bahnsteighöhe Nutzung 1 175 m 18 cm Züge in Richtung Buchloe 2 288 m 38 cm Züge in Richtung Augsburg, Landsberg (Lech) und Buchloe (RE79) 3 288 m 38 cm Züge der Lechfeldbahn nach Augsburg und Landsberg (Lech) 4 144 m 20 cm Regionalbahnen Bobingen–Augsburg

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