miniatur|Gertrude Belle Elion, 1983 Gertrude Belle Elion (* 23. Januar 1918 in New York City; † 21. Februar 1999 in Chapel Hill, North Carolina) war eine US-amerikanische Biochemikerin, Pharmakologin und Nobelpreisträgerin. Sie entdeckte wichtige Prinzipien der Arzneimitteltherapie.Gisela Baumgar: Elion, Gertrude Belle. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 343.

Leben und Wirken Gertrude Elion wurde als Tochter des Zahnarztes Robert Elion und seiner Frau Bertha, geb. Cohen, geboren. Ihre jüdischen Eltern emigrierten im Kindesalter aus Polen bzw. Litauen. Als sie fünfzehn Jahre alt war, 1933, starb ihr Großvater an Krebs, woraufhin sie beschloss, Chemie zu studieren, um an einer Heilung für Krebs zu forschen.Jewish Women’s Archive: Bertha and Gertrude Elion Sie schloss ihr Bachelor-Studium am Hunter College 1937 (als einzige Frau an der New Yorker Universität bis 1939) ab und nahm 1939, nachdem es ihr nicht gelungen war, eine Anstellung als Chemikerin zu finden, ein Master-Studium an der New York University auf, das sie 1941 erfolgreich abschloss. Anschließend arbeitete sie als unbezahlte Laborassistentin, Oberschullehrerin für Chemie und Physik und nach Kriegseintritt der USA als analytische Chemikerin in der Lebensmittelindustrie.

1944 erhielt sie ein Angebot, als Laborassistentin beim Biochemiker George H. Hitchings bei dem britischen Arzneimittelunternehmen Burroughs-Wellcome & Company (heute GlaxoSmithKline) zu arbeiten. Hier entwickelte sie 1948 gemeinsam mit Hitchings den Wirkstoff Diaminopurin – ein Zytostatikum, der Durchbruch ihrer wissenschaftlichen Arbeit. Sie arbeitete, forschte und entwickelte in diesem Institut, bis sie 1983 in den Ruhestand ging. Sie war zwar anfangs als Doktorandin am Brooklyn Polytechnic Institute (heute Polytechnic University of New York) eingeschrieben, schloss jedoch das Promotionsstudium nicht ab, da ihr die Forschung bei Burroughs-Wellcome wichtiger war. Sie erhielt 1989 die Ehrendoktorwürde der Polytechnic University of New York und 1998 die der Harvard University. Gertrud Elion leitete ab 1966 die Abteilung für experimentelle Therapie der Wellcome-Laboratorien.

1983 bis 1984 war sie Präsidentin der American Association for Cancer Research. Sie war Mitglied der National Academy of Sciences, der American Academy of Arts and Sciences sowie auswärtiges Mitglied der Royal Society. Sie war auch weiterhin als Beraterin für GlaxoSmithKline erfolgreich tätig. Auch nach ihrer Pensionierung setzte sie die Forschungsarbeit zur Bekämpfung der AIDS-Erkrankung fort.

Sie entwickelte zusammen mit George H. Hitchings eine Vielzahl neuer pharmakologischer Wirkstoffe: Diaminopurin (1948), ein Zytostatikum Tioguanin (1950), ein Zytostatikum Pyrimethamin (1950), ein Diaminopyrimidin zur Behandlung der Malaria Mercaptopurin (1951), ein Zytostatikum zur Behandlung der Leukämie Trimethoprim (1956), ein Diaminopyrimidin zur Behandlung von bakteriellen Infektionen Azathioprin (1957), das erste Immunsuppressivum für Organ-Transplantationen Allopurinol (1963) zur Behandlung der Gicht Aciclovir (1977) zur Behandlung von Herpes simplex, mit Howard Schaeffer Zidovudin (1985) zur Behandlung von AIDS (Weiterentwicklung)

Zusammen mit George H. Hitchings und James W. Black erhielt sie 1988 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für ihre Entdeckungen zu wichtigen biochemischen Prinzipien der Arzneimitteltherapie. 1991 wurde sie in die National Inventors Hall of Fame aufgenommen.

Am 21. Februar 1999 verstarb sie bei einem Spaziergang in einem Park von Chapel Hill, North Carolina.

Ehrungen Für ihr Lebenswerk wurde Gertrude Belle Elion 1997 der Lemelson-MIT-Preis verliehen.

Die Landeshauptstadt Hannover beschloss 2019, eine Straße im neuen Wohngebiet Kronsrode im Stadtbezirk Kirchrode-Bemerode-Wülferode nach ihr zu benennen.Straßenbenennung im Stadtteil Bemerode, Verwaltungsdrucksache der Landeshauptstadt Hannover

Literatur Birgitt Sickenberger: Die wahre Belohnung ist die Heilung von Patienten. In: Charlotte Kerner (Hrsg.): Madame Curie und ihre Schwestern – Frauen, die den Nobelpreis bekamen. Beltz Verlag, Weinheim und Basel 1997, ISBN 3-407-80845-3. Barry Marshall und Lorna Hendry: How to win a nobel prize: A time-travelling adventure for budding young scientists. Oneworld Publications, London 2019, ISBN 978-1-78607-524-6.

Weblinks

biografien-news: Gertrude Belle Elion: Die Entwicklerin pharmakologischer Klassiker

Einzelnachweise

Kategorie:Nobelpreisträger für Physiologie oder Medizin Kategorie:Chemiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Biochemiker Kategorie:Pharmakologe Kategorie:Auswärtiges Mitglied der Royal Society Kategorie:Mitglied der National Inventors Hall of Fame Kategorie:Mitglied der National Academy of Sciences Kategorie:Mitglied der American Academy of Arts and Sciences Kategorie:Ehrendoktor der Harvard University Kategorie:Träger der National Medal of Science Kategorie:Person (New York) Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1918 Kategorie:Gestorben 1999 Kategorie:Frau