Das Kapuzinerkloster Laufenburg ist ein abgegangenes Kloster des Kapuzinerordens in der Stadt Laufenburg im Kanton Aargau in der Schweiz. Die Grundsteinlegung erfolgte 1654. Das Kloster wurde 1810 aufgehoben. Der mehrfach umgebaute und teilabgerissene Klosterkomplex wurde bis zum Neubau im Jahr 1982 als Bezirksspital genutzt. Auf dem ehemaligen Areal steht heute das Altenzentrum Klostermatte.

Geschichte Gründung Die flächendeckende Einrichtung von Kapuzinerklöstern in Vorderösterreich war ein Akt der Gegenreformation, der bereits nach dem Regierungsantritt Leopolds V. begann. Der Französische Krieg von 1633 bis 1648 und die darauf folgende französische Besatzung der Waldstädte bis zum 18. Oktober 1650 sorgte für eine Unterbrechung des Programmes, das unter Leopolds Sohn Ferdinand Karl wieder aufgenommen wurde. Unter der Maxime „Glaube und Treue“ sollte der weitgehend von protestantischen Gebieten umgebene habsburgische Korridor konfessionell gefestigt werden. 1633 waren die Besatzungen der Waldstädte in grossen Teilen zu den Schweden übergelaufen.Mathaeus Merian: Theatrum europaeum, Band 3. Frankfurt am Main 1670, S. 97ff.

Bereits 1619 brachte der Grosse Rat der Stadt Laufenburg beim Kleinen Rat den Wunsch nach Errichtung eines Kapuzinerklosters vor. Am 8. März 1627 wurde eine Baukommission bestellt, der die Stadtpfarrer Fridolin Ranck und Jakob Zoller angehörten. Die kriegerischen Ereignisse nach der Übergabe der Stadt an die Schweden 1633 und die schwedisch-französische Besatzungszeit von 1638 bis zum Oktober 1650 verzögerten das Vorhaben.

Bau Unter der Aufsicht des Basler Fürstbischofs Johann Franz von Schönau übernahm die Schweizer Kapuzinerprovinz die Planung, Errichtung und Besetzung der drei Klostergründungen in Rheinfelden, Laufenburg und Waldshut. In Säckingen waren bereits die Franziskanerinnen vertreten. Ein frommer Wetteifer der Städte Laufenburg und Waldshut um die Schnelle der Errichtung ist eine Fama. Priorität hatte aus organisatorischen Gründen das Kloster Rheinfelden, das deshalb bereits 1657 fertiggestellt wurde. Ein bis etwa 1664 geführter handschriftlicher Kodex aus der Fürstenbergischen Hofbibliothek Donaueschingen, der Codex Donaueschingen 879 dokumentiert das Schweizerisch-Österreichische Gemeinschaftsprojekt.

Das Werk wird dem aus Pfullendorf stammenden Ordensbaumeister Probus Heine zugeschrieben.Mitteilungen des Historischen Vereins des Kantons Schwyz, Band 70. Einsiedler Anzeiger, 1978, S. 47. Dieser war als Baumeister des Ordens auch für die Errichtung des Laufenburger Klosterkomplexes verantwortlich, wie auch der von ihm unterschriebene Riss im Stadtarchiv Laufenburg belegt. Die Maurerarbeiten führte der örtliche Meister Johann Bentz aus. Den Boden stiftete der Stadtrat Thomas Stocker. Für den Klosterneubau in Laufenburg wurden 4206 Gulden veranschlagt, die durch weitere Stiftungen zusammenkamen.

Nach der Ankunft der ersten Kapuziner wurde im November 1650 (Zeitpunkt bei Romuald entnommen) ein Steinkreuz auf dem vorgesehenen Baugelände errichtet.Romualdus Stockacensis: Monasterium Laufenburgense. In: Historia provinciae anterioris Austriae fratrum minorum capucinorum. Andreas Stadler, Kempten 1747, S. 122. Nach den Akten des Stadtarchives wurden die Kapuziner dagegen erst 1651 empfangen.Stadtarchiv Laufenburg: Nrn. 68 und 69, lt. Fussnote 8 bei Beda Mayer Der Baubeginn verzögerte sich, da der Klosterbau im Schussfeld der Festungsbatterien mit der Militärverwaltung in Innsbruck abgestimmt werden musste.

Am 12. Juli 1654 erfolgte die Grundsteinlegung durch den Stadtpfarrer Franz Schaidt. Die Weihe der Konventskirche nahm gemäss Romuald von Stockach am 4. April 1660 der Titularbischof Thomas Heinrich von Chrysopolis vor, Suffragan des Fürstbistums Basel. Das Presbyterium wurde unter das Patronat des hl. Fridolin und die Laienkirche unter das Patronat der hl. Johannes’ des Täufers gestellt.Romualdus Stockacensis: Monasterium Laufenburgense. In: Historia provinciae anterioris Austriae fratrum minorum capucinorum. Andreas Stadler, Kempten 1747, S. 125.

17. Jahrhundert 1664 richteten die Städte Rheinfelden, Laufenburg und Waldshut ein gemeinsames Gesuch an Erzherzog Sigismund Franz zur Anbindung ihrer Kapuzinerklöster an eine eigene Vorderösterreichische Ordensprovinz, da man nicht von den «jeweils abhold gewesten Schweizern» getröstet und geistlich versehen werden wollte.Vergl. Ernst Adolf Birkenmayer: Das frühere Kapuzinerkloster. Freiburger Diöcesan-Archiv, Bd. 21. Herder’sche Verlagsbuchhandlung, Freiburg 1890, S. 217 1668 spalteten sich die 27 vorderösterreichischen KlösterVgl. Vigilius Greiderer: Conventus Waldishutanus in: Chronica ref. provinciae S. Leopoldi Tyrolensis ex opere Germania Franciscana. 1788, typis Joannis Thomae nobilis de Trattnern, 1781, Wien, S. 241. am 16. April auf dem Provinzialkapitel der Schweizer Kapuzinerprovinz in Wil ab und gründeten die Vorderösterreichische Kapuzinerprovinz.

Aufgaben und Tätigkeiten des Klosters mini|Johann Murbach: Kapuziner bei der Abnahme der Beichte, Gouache 1767 Die Kapuzinerpriester halfen zeitweilig innerhalb des Dekanats Laufenburg aus. Ab 1670 kam nach der Abschaffung des Pfarrzwanges die Abnahme der Beichte hinzu. In der Folge berichteten die vorderösterreichischen Kapuzinerklöster über jährlich bis zu 800'000 abgenommene Beichten.Vgl. Peter Blickle: Das Alte Europa: vom Hochmittelalter bis zur Moderne. C. H. Beck, München, 2008, S. 116 Das Laufenburger Kapuzinerkloster stellte den Beichtvater für das Damenstift Säckingen. Die seelsorgerische Betreuung der Kranken und Sterbenden war nach dem Usus der Zeit fast ausschliesslich den Kapuzinern anvertraut. Kapuziner nahmen sich in Gefängnissen Inhaftierter und Verurteilter an und begleiteten die zum Tode Verurteilten auf ihrem letzten Gang.Benda Mayer: Helvetia Franciscana, Band 12, Heft 6, 1977, S. 149.Heinrich von Kleist verarbeitete diese Aufgabe in der 20. Anekdote (vom Kapuziner) im 53. Abendblatt, vom 30. November 1810.

Ein weiterer Schwerpunkt lag in der Mission, die sich bis tief in die reformierten Kantone der Eidgenossenschaft erstreckte. Dies führte zu wiederholten Verhandlungen mit der eidgenössischen Tagsatzung.Johann Müller: Der Aargau: Seine politische, Rechts-, Kultur- und Sitten-Geschichte. Band 2. F. Schulthess, Rupperswyl 1871, S. 210. Zwischen 1658 und 1670 wurden jährlich im Schnitt 20 Zwinglianer zum katholischen Glauben zurückgeführt.Beda Mayer: Kapuzinerkloster Laufenburg AG, in: Helvetia Franciscana, Band 12, Heft 8, S. 249. Wiederholt versetzte man in der Eidgenossenschaft auffällig gewordene Laufenburger Kapuziner in entferntere vorderösterreichische Kapuzinerklöster. Der Kapuzinerorden erwarb sich grosse Verdienste bei der Versorgung der Pestkranken in den Epidemien des 16. und frühen 17. Jahrhunderts. Krankenseelsorge und Krankenpflege gingen ineinander über. 1690 grassierte eine tödliche Epidemie auch im Fricktal. Bei der seelsorgerischen Betreuung und Pflege der Erkrankten verstarben die PP. Renatus von Laufenburg und Johannes von Konstanz.

Entwicklung der Klostergemeinschaft Nach der Architectura Capucinorum bot das Kloster Platz für 26 Brüder. Es zeigte sich jedoch bald, dass die Klosterbauten zu eng angelegt waren. Die reelle Belegung dürfte bis in die 1780er Jahre zwanzig Konventsmitglieder einschliesslich der Laienbrüder nicht überschritten haben. Nach dem Verbot der Aufnahme von Novizen 1781 war eine Erweiterung des Konvents nur noch durch Übertritte möglich. Theoretisch erlosch das Verbot der Novizenaufnahme unter der Helvetischen Republik. In dieser Zeit steckten auch die angestammten Klöster der Schweizerischen Kapuzinerprovinz in wirtschaftlichen und personellen Nöten und waren nicht in der Lage, den übernommenen Klöstern in Rheinfelden und Laufenburg auszuhelfen.

18. Jahrhundert 1750 wurde der Altar der neuerrichteten Fideliskapelle geweiht. 1772 liess Kaiserin Maria Theresia mit dem Hoferlass vom 20. März nur noch geborene Österreicher in Leitungsämtern des Ordens zu. 1781 vollzog der letzte Definitor der Vorderösterreichischen Kapuzinerprovinz, R. P. Reinhard von Waldshut die von Wien am 24. März angeordnete Abtrennung der fürstenbergischen Kapuzinerklöster. 1788 wurde am 1. Februar das Almosensammeln, der Amulett- und Kräuterbüschelverkauf untersagt. Die Patres wurden durch den Religionsfonds unterstützt.

Im Österreichischen Erbfolgekrieg und in den Revolutionskriegen wurden die Brüder vertrieben und das Kloster diente den durchziehenden Truppen als Kaserne. Beim Rückzug der Franzosen unter General Tarreaux am 19. Oktober 1796 wurden die im Kloster einquartierten Franzosen von österreichischen Verbänden unter General Wolf heftig angegriffen. Nach der Zurückschlagung der Angreifer kam es zu Plünderungen des Klosters.Beda Mayer: Kapuzinerkloster Laufenburg AG, in: Helvetia Franciscana, Band 12, Heft 8, S. 251.

19. Jahrhundert Säkularisation und Aufhebung mini|Kapuzinergrab an der Südmauer der Klostermatte Laufenburg. Den langen Prozess der Säkularisation des Klosters leitete am 8. Juni 1781 ein Hofedikt in Wien ein, demzufolge keine Novizen aufgenommen werden durften. Das vorgezogene Ende folgte auf den Frieden von Lunéville am 9. Februar 1801. Durch die Bestrebungen des ehemaligen Waldshuter Physikus Sebastian Fahrländer wurde Laufenburg mit dem Fricktal am 13. August 1802 durch Frankreich der Helvetischen Republik zugeschlagen und gelangte in der Folge am 19. Februar 1803 an den neu geformten Kanton Aargau. Die Wiener Regierung ihrerseits rief im November 1803 alle Kapuziner aus den abgetrennten Gebieten in das Reichsgebiet zurück.

Der letzte Guardian des Laufenburger Kapuzinerklosters Laufenburg scheiterte mit seinen Bemühungen, das Kloster noch der Schweizer Kapuzinerprovinz anzuschliessen, obschon der Grosse Rat des Kantons Aargau den Erhalt am 18. Mai 1804 beschlossen hatte. Der Guardian ging in das Kapuzinerkloster Waldshut, wo er 1809 verstarb. Am 22. August 1805 wurde das Kloster aufgehoben und der Stadtgemeinde Laufenburg übereignet. Die beiden verbliebenen, aus Laufenburg stammenden Patres Gerhard Zepf und Quarinus Sulzer wurden durch den Kanton Aargau mit 500 Franken im Jahr weiter alimentiert. Der aus Säckingen stammende frühere Provinzial P. Azarias zog in das Kapuzinerkloster Waldshut.Taschenbuch Historische Gesellschaft des Kantons Aargau, Aarau, 1908, S. 200. Die Kapuzinergruft unter der Fideliskapelle wurde ebenfalls aufgehoben. Die sterblichen Überreste der dort bestatteten 33 Kapuziner bettete man in ein Gemeinschaftsgrab an der Südmauer des Klosterareals um. Das 2010 für ein Ausstellungsprojekt entnommene gusseiserne Kreuz der Grabanlage wurde im Juni 2014 erneut aufgestellt.Marc Fischer: Grab erinnert an die Kapuziner – und soll nicht vergessen werden, Aargauer Zeitung vom 6. Juni 2014

Spätere Nutzung Nach der Aufhebung von 1805 übernahm die Stadtgemeinde Laufenburg zunächst den Gebäudekomplex, um ihn 1812 an die Brüder Brentano zu veräussern. Nach vorübergehender privater Nutzung und einem Intermezzo als Knabeninternat «Internationales Institut» von 1879 bis 1883, wurde der Klosterkomplex nach einem Umbau und Abriss der Laienkirche 1905 als Bezirksspital eingerichtet. Mit dem Neubau des Bezirksspitals riss man den ehemaligen Klosterkomplex 1985 auch noch mit Billigung der kantonalen Denkmalpflege ab. Auf dem Gewann Klostermatte an der Spitalstrasse 8 steht heute das Altenzentrum Klostermatte. An das frühere Kapuzinerkloster erinnert nur noch die Ortsbezeichnung und das lange Zeit zugewachsene Kapuzinergrab an der Südmauer.Vgl. Dominik Senn: Das zum Spital umfunktionierte Kapuzinerkloster Laufenburg wird niedergerissen, ein Stück Klosterkultur im Aargau verschwindet. In: Aargauer Tagblatt, 20. August 1985, S. 3.

Die Klosterbibliothek mini|links|Johann Nikolaus Weislinger: Antireformatorische Illustration aus Friss Vogel oder stirb, 1726