Der Aga Khan Case oder Khoja Case war ein großer Prozess am Bombay High Court im kolonialen Indien unter britischer Herrschaft, der gegen Hasan Ali Shah (Aga Khan I.) geführt wurde und von dem britischen Richter Joseph ArnouldArnould, Joseph im Dictionary of National Biographysiehe auch Joseph Arnould: The Judgement in the Khoja Case (1866) gehört wurde. Das Urteil wurde am 12. November 1866 gefällt. Dabei wurde der Aga Khan in seinen Rechten und Titeln bestätigt.

mini|Bombay High Court, Vorderseite Der Fall kam auf, als sich eine Gruppe von als Chodschas (Khojas) bekannten Nizariten indischer Herkunft weigerte, Abgaben an den Aga Khan, einen persischen Adligen und erblichen geistigen Führer der Ismailiten, zu zahlen. Die sowohl hinduistischen als auch muslimischen Gepflogenheiten folgenden Khojas identifizierten sich vor der Gerichtsentscheidung im Jahr 1866 (bei der der Richter sie zu dem Aga Khan verpflichteten Konvertiten zum Ismaili-Islam erklärte) nicht mit einer einzelnen Religion.

Vom Bombay High Court wurden die Chodschas zu Schiiten erklärt, mit dem Aga Khan als höchste Autorität, was die Gemeinschaft in schiitische und sunnitische Konfessionen spaltete.

Die Religionswissenschaftlerin Teena Purohit zeigt in ihrer Analyse der GinansZu den Ginans vgl. ismaili.net – der religiösen Texte der Chodschas, welche die Grundlage der Entscheidung des Richters bildeten – auf, dass die religiösen Praktiken, die sie beschreiben, keine Ableitungen eines sind, sondern Manifestationen eines einheimischen.Teena Purohit (nach Buchhandelslink mit Vorschau: „… that the religious practices they describe are not derivations of a Middle Eastern Islam but manifestations of a local vernacular one.“)

In den folgenden Jahrzehnten nach dem Urteil traten innerhalb der schiitischen Gruppe der Chodschas in Südasien und Ostafrika weitere Spaltungen auf, worin es um deren Identität als Zwölfer-Schiiten (oder Ithna Ashariya) bzw. dem Aga Khan folgenden 'Siebener-Schiiten' (Imamiten) ging. Solche meist um Erbschafts- und Vermögensfragen geführten Auseinandersetzungen hatten ihren Höhepunkt in dem Urteil vom Jahr 1909, als in Folge des Haji Bibi CaseDer verwitweten Tochter von Jungi Shah, eines Onkels von Sultan Mohamed Shah (Aga Khan III.), gegen Aga Khan III. (diesmal mit dem Richter Justice Russell); vgl. ismaili.net: Haji Bibi Case of 1908 & ismaili.net: Haji Bibi Case Part 1 & Daftary S. 229 f., 234 & Russell, Sir Justice. "Bombay High Court:Haji Bibi vs H.H. Sir Sultan Mahomed Shah 1 September 1908". High Court of Bombay (indiankanoon.org) die Khojas zu ‚schiitisch-imamitischen Ismailiten’ erklärt wurden.bzw. ‚Nizari Ismailis’ / ‚Imami Shia’ (Soumen Mukherjee); ismaili.net: Haji Bibi Case of 1908

Literatur Teena Purohit: The Aga Khan Case: Religion and identity in colonial India. 2012 (Online-Auszug; Buchhandelslink; Review) Farhad Daftary: Kurze Geschichte der Ismailiten. 2003 (Aga Khan III.) Die Memoiren des Aga Khan. Desch (1954) (ismaili.net: Onlinefassung des Originals)

Weblinks

The Aga Khan Case

Einzelnachweise und Fußnoten

Aga Khan Case Kategorie:Britische Kolonialgeschichte Kategorie:Schiiten in Indien Kategorie:Geschichte des Islam in Indien Kategorie:Sunniten Kategorie:Qasim-Schahi-Ismailiten Kategorie:Gerichtsentscheidung (19. Jahrhundert)