mini|hochkant=2|Zustand der Ruine 2022 mini|hochkant=2|Die Ruinenreste auf dem Petersberg wurden bei Ausgrabungsarbeiten 1877 entdeckt und erst 1947 komplett freigelegt. (Foto von 2008)
Auf dem Gipfel des zwischen Bechtolsheim und Gau-Odernheim liegenden Petersbergs in Rheinhessen befindet sich die Ruine der St.-Peter-Kirche. Vorhanden sind die Überreste der Umfassungsmauer einer dreischiffigen Basilika aus dem 10. Jahrhundert, die dem Patronat des Apostels Petrus anvertraut war, sowie Reste der Krypta aus dem 12. Jahrhundert.Basilika auf dem Petersberg auf regionalgeschichte.net.
Geschichte Bau Um das Jahr 1000 entstand eine romanische, dreischiffige Basilika mit Querhaus und drei Apsiden, die mittlere davon nach Wormser Art ummantelt. Das mittlere Kirchenschiff maß 5,7 Meter (m) in der Breite, die beiden Seitenschiffe lediglich 4 m. Unterhalb des Chores war eine Krypta angelegt. Die Gesamtlänge des Gotteshauses betrug 26 m, die Breite 15 m. Auf dem Dach befand sich ein kleiner Dachreiter mit zwei Glocken.
Ludwig III. von Arnstein erwarb 1146 die Kirche und Ländereien in der Gemarkung Gommersheim bei Odernheim (Anmerkung: gemeint ist Gau-Odernheim). Dort gründete er ein Prämonstratenserinnenkloster. 1184 erwarb Werner von Bolanden das Kloster Gommersheim.Reiseführer des Prämonstratenser-ordens zu den heutigen und ehemaligen Klöstern im deutschen Sprachgebiet: Gommersheim in Gau-Odernheim Die Kirche auf dem Petersberg, die mittlerweile durch Bechtolsheim annektiert worden war, wurde zurückgeholt.
1289 wurden die bisher auf dem Petersberg durchgeführten Jahrmärkte zu Peter und Paul (29. Juni) und Peter in Ketten (1. August), auf Erlass von Rudolf von Habsburg in die Stadt Odernheim verlegt. Trotz des Bedeutungsverlustes wurden weiterhin Stiftungen zugunsten der Peterskirche getätigt. Ein vom Kloster ernannter Propst verwaltete die Kirche und ihre nicht unerheblichen Besitztümer. Der Überlieferung zufolge soll die Anlage mit doppeltem Graben und Wall befestigt gewesen sein.Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Band 20.1, S. 262.
1566 wurde infolge von Plünderungen im Zuge der Reformation die Propstei Petersberg aufgelöst und an die Stadt Odernheim verkauft. Diese verpflichtete sich zur Unterhaltung der Kirche und überführte die Glocken in die Stadt. Obwohl 1594 und 1614 der Turm repariert wurde, wurden bereits 1582 Steine zum Bau des Obertors in Odernheim verwendet. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Kirche zerstört und nachfolgend als Steinbruch für die umliegenden Dörfer genutzt. Ein Plan zum Wiederaufbau von 1754 wurde nicht umgesetzt.Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Band 20.1, S. 262.
1772 wurde über der Apsis der Krypta ein steinernes Kreuz durch Odernheimer und Bechtolsheimer Bürger errichtet. Dies erfolgte aufgrund eines Gelübdes, da 1763 eine Viehseuche die Region heimsuchte, aber nach einer Bittprozession Odernheim und Bechtolsheim verschonte. Dieses Flurkreuz wurde zwar während der französischen Besetzung nach 1792 zerstört. Der Sockelstein mit Volute ist noch erhalten.
Bis 1832 fanden in der Bittwoche regelmäßig Predigten und Bittprozessionen für die Katholiken aus Bechtolsheim und Odernheim statt. Im Ersten Weltkrieg befand sich in der Ruine eine Fliegerbeobachtungsstelle aus Holz.
Ausgrabungen 1877 begleitete der katholische Pfarrer Heinrich Gredy aus Odernheim den Mainzer Prälaten Friedrich Schneider bei einer ersten Ausgrabung auf dem Petersberg.Heinrich Gredy, Geschichte von Gau-Odernheim, Band I Dabei wurden die Fundamente aufgedeckt und neben einer kursorischen Feststellung des Grundrissplans der Kirche wurden damals auch keramische Bodenfliesen von der gotischen Bauausstattung der Kirche geborgen. Von diesen ornamentalen Schmuckfußböden haben sich einige Originalfliesen erhalten. Wenige Jahre später kam es 1882 am Osthang und 1940 am nordöstlichen Teil zu einem Erdrutsch.
1947 erfolgte eine erneute intensive Ausgrabung durch Friedrich Behn und Archäologiestudenten der Universität Mainz, welche zahlreiche Hinweise auf Alter und Abmessungen der Kirche lieferte, darunter die Grundmauern der im 12. Jahrhundert eingebauten Krypta mit Quadersockeln der ehemaligen Wandgliederung.Dehio 1972, S. 257. Nach Ende der gut dokumentierten Ausgrabungen verblieben die kunstvoll bearbeiteten, teils mit sogenannten romanischen Halbsäulen-Basen versehenen Steine vor Ort. In den 1950er Jahren – inzwischen wurde der Petersberg von Amerikanern und der Bundeswehr als Übungsareal genutzt und Fälle von Vandalismus nahmen zu – machte sich der damalige Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Dolgesheim mit seinen Konfirmanden auf, die Steine sicherzustellen. Diese wurden in der dortigen Kirche und auf dem sie umgebenden Friedhof platziert, die Übergabe an die Landesdenkmalpflege erfolgte erst im Frühjahr 2014.Nadine Herd: Dolgesheimer geben „Schatz“ zurück - Fundstücke stammen vom Petersberg / Für Archäologen wichtige Zeugen der Baukunst des Mittelalters. In: Allgemeine Zeitung. 22. April 2014.
Sage Einer Sage zufolge wurde die Kirche von einer von insgesamt drei Schwestern erbaut. Jede der drei erbte so viel Vermögen, dass zum Aufteilen der Münzen das Scheffelmaß angewandt wurde. Alle drei beschlossen, von ihrem Erbe einen Teil für einen Kirchenbau zur Verfügung zu stellen und die Bauwerke auf Anhöhen zu errichten, so dass von jedem Gebäude zu den beiden anderen gesehen werden kann. Eine der drei Schwestern war blind und so beschlossen die beiden anderen, sie zu übervorteilen, indem sie das Hohlmaß immer umdrehten, wenn die blinde Schwester ihren Anteil bekam. Als diese später herausbekam, dass sie übervorteilt worden war, verfluchte sie ihre beiden Schwestern, deren Kirchen sich auf dem PetersbergChristoph Einsfeld, Adam Reck, Heinrich Mildenberger: Die Geschichte von Gau-Odernheim. Band 2: Bilderband und Ergänzungen über die letzten 100 Jahre. Krach, Mainz 1957. und dem Nazarienberg bei MommenheimDie Sage von den drei SchwesternWerner Lang: Mommenheim – Die drei Schwestern. In: Heimatbuch Landkreis Mainz. Druck Wilhelm Traumüller, Oppenheim am Rhein 1967, S. 159. (die 1194 erwähnt wurdeDehio Rheinland-Pfalz. 1972, S. 580.) befanden, dass diese nicht für die Ewigkeit stehen bleiben sollten, beide sind während des Dreißigjährigen Krieges zerstört. Die von der blinden Schwester erbaute kleinere BergkircheDie evangelische Bergkirche in Udenheim in Udenheim gibt es hingegen noch heute.
Siehe auch Liste der Kulturdenkmäler in Gau-Odernheim St. Peter (Petersberg) in Osthessen St. Peter und Paul (Petersberg) in Oberbayern
Literatur Friedrich Behn: Ausgrabungen auf dem Petersberg. In: Jahrubch Bistum Mainz, 3, 1948, S. 334–336. Mainzer Zeitschrift, 41/43, 1948, S. 52–59 (Sonderdruck) mit 15 Abbildungen Die Geschichte von Gau-Odernheim. Hrsg. von der Gemeinde Gau-Odernheim. 5 Bände. Krach, Mainz 1954ff. Band 1. H. Gredy: Geschichte der ehemaligen freien Reichsstadt „Odernheim“. Mit einer Ansicht von Odernheim nach Merian u .d. alten städt. Siegeln. Aus mehreren 100 bisher unbekannten Urkunden u. Schriftstücken u. einigen bekannten zusammengestellt. Krach, Mainz 1954. Band 2. Christoph Einsfeld, Adam Reck, Heinrich Mildenberger: Die Geschichte von Gau-Odernheim. Bilderbd. und Ergänzungen über die letzten 100 Jahre. Krach, Mainz 1957. Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler – Kreis Alzey-Worms. Hrsg. Generaldirektion Kulturelles Erbe des Landes Rheinland-Pfalz, Stand: 15. Januar 2009, S. 23. Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Band 20.1: Kreis Alzey-Worms. Verbandsgemeinde Alzey-Land. Herausgegeben im Auftrag des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz Direktion Landesdenkmalpflege. Bearbeitet von Michael Huyer und Dieter Krienke. Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2013, ISBN 978-3-88462-327-5, S. 262. Vortrag: Mons Beati Petri – Petersberg. IG Petersberg, Heimatverein Bechtolsheim: »Eine Basilika mit Hallenkrypta vom Prozessionstyp auf dem Petersberg: Altes neu wertgeschätzt, aus Archäologie und Denkmalpflege zwischen Gau-Odernheim und Bechtolsheim.«
Einzelnachweise
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