mini|hochkant=1.3|Teffhirse-Ernte in Nord-Äthiopien. Die Bewohner dieser trockenen Region sind traditionelle Agropastoralisten, d. h. sie leben von Viehhaltung und Feldbau und verlegen regelmäßig ihren Wohnsitz, wenn die landwirtschaftlichen Flächen keinen Ertrag mehr abwerfen. mini|hochkant=1.3|Geschichtlicher Wandel der Anteile verschiedener Subsistenzweisen an der Weltwirtschaft.

Als traditionelle Wirtschaftsform (konkret Landwirtschaftsform) werden verschiedene überlieferte, tradierte wirtschaftliche Strategien zur Sicherstellung des Lebensunterhalts ihrer Betreiber bezeichnet.Anja von Hahn: Traditionelles Wissen indigener und lokaler Gemeinschaften zwischen geistigen Eigentumsrechten und der public domain. Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht, Springer, Heidelberg u. a. 2004, ISBN 3-540-22319-3, S. 5–18.Rudolf Lütgens, Erich Otremba, Edwin Fels: Erde und Weltwirtschaft, ein Handbuch der allgemeinen Wirtschaftsgeographie: Die geographischen Grundlagen und Probleme des Wirtschaftslebens. Band 1 Franckh, Stuttgart 1950. S. 196–208. Übliche Bezeichnungen sind auch traditionelle Bewirtschaftungsform, -Wirtschaftsweise, -Subsistenzstrategie oder traditionelles landwirtschaftliches Betriebssystem.Margarete Payer, Alois Payer (Hrsg.): Entwicklungsländerstudien. Teil I: Grundgegebenheiten. Kapitel 6: Landwirtschaftliche Betriebssysteme. HBI Stuttgart, 1998–1999, Fassung vom 7. Februar 2001 (Lehrveranstaltung Einführung in Entwicklungsländerstudien; online auf payer.de). Die genannten Bezeichnungen werden in den Fächern Geographie, Ethnologie, Kulturökologie, sowie in der ArchäologieEric Biermann: Alt- und Mittelneolithikum in Mitteleuropa. Untersuchungen zur Verbreitung verschiedener Artefakt- und Materialgruppen und zu Hinweisen auf regionale Tradierungen. Köln 2001–2003, S. 137 ff ( auf rheinland-archäologie.de). verwendet.

Die jeweilige Bewirtschaftungsform ist gekennzeichnet durch Arbeit in direkter Auseinandersetzung der Menschen mit ihrer natürlichen Umwelt (wovon leben sie?), verbunden mit einer typischen Produktion von Gütern (was stellen sie her?) unter Einbeziehung der sozialen Bedingungen (wer macht was?) und einer energieeffizienten und nachhaltigen Anpassung an die natürliche Umwelt (wie wird die Versorgung sichergestellt?).Dieter Gawora: Forschungsgruppe traditionelle Völker und Gemeinschaften. Website der Universität Kassel, FB05 Gesellschaftswissenschaften. Abgerufen am 15. Juni 2013Anja von Hahn: Traditionelles Wissen indigener und lokaler Gemeinschaften zwischen geistigen Eigentumsrechten und der public domain. Springer, Heidelberg u. a. 2004, ISBN 3-540-22319-3, S. 47–56.

Traditionelles Wirtschaften ist das Gegenstück zur Erwerbswirtschaft und vorwiegend auf die Selbstversorgung von lokalen Gemeinschaften und indigenen Gruppen ausgerichtet.Anja von Hahn: Traditionelles Wissen indigener und lokaler Gemeinschaften zwischen geistigen Eigentumsrechten und der public domain. Springer, Heidelberg u. a. 2004, ISBN 3-540-22319-3, 20–33. Es ernährte im Jahre 2013 etwa 2,7 bis 3 Milliarden Menschen auf der Erde, über 40 Prozent der Weltbevölkerung.Berechnungsergebnis

Die Bezeichnungen Subsistenzstrategie, -typ oder -form (oft auch ohne das Adjektiv traditionell) werden in der Ethnologie häufig gleichbedeutend verwendet, obwohl damit streng genommen nur der Teilaspekt des reinen Unterhalts benannt wird.Walter Hirschberg (Hrsg.): Wörterbuch der Völkerkunde. Neuausgabe, 2. Auflage. Reimer, Berlin 2005, ISBN 3-496-02650-2, S. 360–361.

Bisweilen werden auch traditionelle Handwerker oder Kaufleute hinzugerechnet,Walter Hirschberg (Hrsg.): Wörterbuch der Völkerkunde. Neuausgabe, 2. Auflage. Reimer, Berlin 2005, ISBN 3-496-02650-2, S. 285. die hier jedoch unberücksichtigt bleiben.

Allgemeine Merkmale mini|Nassreis-Anbau (hier auf Java) ist familiär organisiert, dient der Selbstversorgung und hat eine sehr alte Tradition. Er wird jedoch höchst intensiv betrieben und liegt in sehr dicht besiedelten Gebieten. Es ist daher strittig, ob er zu den traditionellen Wirtschaftsformen gerechnet werden sollte.

Traditionelle Wirtschaftsformen weisen aufgrund der geographischen und klimatischen Unterschiede auf der Welt eine große Vielfalt auf. Dennoch lassen sich eine Reihe gemeinsamer Merkmale feststellen: Ursprüngliche Kreislaufwirtschaften mit ausgeglichenem Energieeinsatz und Energieertrag (siehe auch: Energiefluss)Christian Lauk: Sozial-Ökologische Charakteristika von Agrarsystemen. Ein globaler Überblick und Vergleich. In: Social Ecology Working Paper 78. Institute of Social Ecology, Wien 2005. . S. 24. Schwerpunkt ist die Deckung des Eigenbedarfes ohne Überschüsse (Subsistenzwirtschaft), die ebenfalls ein wesentliches Kriterium für die Einstufung einer lokalen Gemeinschaft ist wirtschaftliches Handeln ist weitgehend ein Aspekt verwandtschaftlichen Verhaltens und steht damit im krassen Gegensatz zum Gewinnstreben in kapitalistischen Marktwirtschaften;Marshall Sahlins, zitiert bei Rhoda H. Halperin: Cultural Economies Past and Present. University of Texas Press, Austin 1994, S. 259 (englisch). dennoch ist eine zunehmend marktorientierte Produktion durch die globalen Einflüsse zu beobachten Die Bewahrung der Balance zwischen Mensch und Natur spielt eine existentielle Rolle. Mythologie und ethnische Religionen spielen – sofern noch vorhanden – in diesem Zusammenhang die Rolle moralischer Instanzen.Klaus E. Müller: Schamanismus. Heiler, Geister, Rituale. 4. Auflage, C. H. Beck, München 2010 (Originalausgabe 1997), ISBN 978-3-406-41872-3. S. 11–14, 16–17, 111, 114. langsame, nachhaltige und kontinuierliche Anpassung der Landnutzung an die jeweiligen Standortbedingungen seit Jahrhunderten Einsatz eines erprobten und gewachsenen traditionellen Wissens zusätzliche Nutzung wilder Pflanzen- und Tierarten für die Ernährung, als Medizin, als Rohstoff oder zur Weiterzüchtung domestizierter Arten große Anzahl nebeneinander eingesetzter, seit Generationen kultivierter und verbesserter traditioneller Pflanzensorten bzw. Nutztier-Rassen unter der Voraussetzung geringer Bevölkerungsdichten (deutlich unter 100 E/km²) erhalten oder vergrößern die extensiven Formen traditionellen Wirtschaftens die biologische Vielfalt (Biodiversität)Erle C. Ellis, Navin Ramankutty: Putting People in the Map. Anthropogenic Biomes of the World. In: Front Ecological Environment. Band 6, Nr. 8, Ecological Society of America, Washington 2008, S. 439–447. (englisch; doi:10.1890/070062; PDF-Datei; 4 MB; 17 Seiten auf ecotope.org).Reinhard Piechocki: Landschaft – Heimat – Wildnis. München 2010, ISBN 978-3-406-54152-0, S. ??.

Gleichwertige Wirtschaftsformen mini|Die erheblichen Leistungen traditioneller Subsistenzwirtschaften finden keinen Eingang in die globalen Wirtschaftsstatistiken, so dass ein verfälschtes Bild entsteht

In der modernen wissenschaftlichen Betrachtung wird jedwede wirtschaftliche Strategie prinzipiell als gleichwertig betrachtet. Dennoch stößt man immer wieder auf Texte, in denen die Wirtschaftsformen in der Abfolge vom Jagen und Sammeln bis hin zur industriellen Produktion als Beleg für eine angebliche soziokulturelle Evolution vom „rückständigen“ zum „fortschrittlichen“ Wirtschaften angesehen werden. Dem widerspricht jedoch u. a. die Tatsache, dass es zahlreiche Beispiele für Völker gibt, die im Laufe ihrer Geschichte von einer als „höher entwickelt“ betrachteten Subsistenzweise zu einer „niedrigeren“ zurückgekehrt sind.Eric Biermann: Alt- und Mittelneolithikum in Mitteleuropa. Untersuchungen zur Verbreitung verschiedener Artefakt- und Materialgruppen und zu Hinweisen auf regionale Tradierungen. Köln 2001–2003, S. 138 – Fußnote ( auf rheinland-archäologie.de).

Gleichfalls wird traditionelle Subsistenzproduktion durch die Ideologie der kapitalistischen Weltwirtschaft seit den 1950er und 60er Jahren mit Armut gleichgesetzt, da kein geldlicher Überschuss erwirtschaftet wird. Während sich in der Wissenschaft mehr und mehr die Erkenntnis durchsetzt, dass eine weitgehend autarke Selbstversorgung und Direktvermarktung von Lebensmitteln und Gebrauchsgütern erstrebenswerter ist als Arbeitslosigkeit und Abhängigkeit von staatlicher Unterstützung, wird dies von Wirtschaft, Politik und Entwicklungshilfe zumeist weiterhin ignoriert. Nur was über die nationalen und internationalen Märkte in Währungen gehandelt wird, und nur was auf technische Rationalisierung, hohe Stückzahlen, sowie auf Profite ausgerichtet ist, gilt als Wirtschaft. Insofern werden die Ergebnisse der zum Teil erheblichen Subsistenzproduktion der Entwicklungsländer nicht in die üblichen Vergleichsmaßstäbe wie Bruttoinlandsprodukt oder Pro-Kopf-Einkommen eingepreist und führen somit zu einem verzerrten Bild, wie arm oder wie reich ein Land sei, wie entwickelt oder unterentwickelt.Veronika Bennholdt-Thomsen: Subsistenzwirtschaft, Globalwirtschaft, Regionalwirtschaft. In: Maren A. Jochimsen, Ulrike Knobloch (Hrsg.): Lebensweltökonomie in Zeiten wirtschaftlicher Globalisierung. Kleine, Bielefeld 2006, S. 65–88.

Klassifikation der traditionellen Wirtschaftsformen Die Erscheinungsformen der Agrar- und Bodennutzungssysteme sind außerordentlich vielfältig, da es schwierig ist, eine allen Ansprüchen genügende Sortierung zu erstellen. So wurden Klassifizierungsmodelle nach verschiedenen Ordnungsprinzipien entwickelt, die unterschiedlichen Fragestellungen Rechnung tragen.

Die hier dargestellte Einteilung der traditionellen Subsistenzstrategien ist in Begrifflichkeit und Sortierung ein Kompromiss aus den folgenden Quellen: Wörterbuch der Völkerkunde,Walter Hirschberg (Hrsg.): Wörterbuch der Völkerkunde. Neuausgabe, 2. Auflage. Reimer, Berlin 2005, ISBN 3-496-02650-2: entsprechende Stichworte. Einführung in die Wirtschaftsanthropologie,Johannes Moser: Einführung in die Wirtschaftsanthropologie. Institut für Volkskunde/Europäische Ethnologie, Universität München 2008, Folien 39–57. Einführung in Entwicklungsländerstudien: Landwirtschaftliche Betriebssysteme, Die Ökozonen der Erde,Jürgen Schultz: Die Ökozonen der Erde. Ulmer, Stuttgart 2008, S. 122–123. Dtv-Atlas EthnologieDieter Haller: Dtv-Atlas Ethnologie. 2., vollständig durchgesehene und korrigierte Auflage. dtv, München 2010, ISBN 978-3-423-03259-9, S. 165–169. und Wörterbuch der Ethnologie.Bernhard Streck (Hrsg.): Wörterbuch der Ethnologie. Hammer, Wuppertal 2000: entsprechende Stichworte. Aus der Literatur lässt sich leider keine exakt einheitliche Klassifikation ableiten. Die Unterschiede werden in den jeweiligen Hauptartikeln erläutert, so dass hier aus Gründen der besseren Verständlichkeit weitgehend darauf verzichtet wird.

Überdies ist zu beachten, dass es sich bei allen benannten Formen um Idealtypen handelt, die in der Realität häufig fließend ineinander übergehen oder unterschiedlich miteinander kombiniert werden (Beispiele: „Ackerwirtschaft mit eingeschränkter Transhumanz“, „Agrosilvopastorale Betriebssysteme“, „Tierhaltung in Dauerkultur- und Bewässerungssystemen“ u. a.). Der Mensch nutzt immer alle ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten im Rahmen seiner kulturell geprägten Wertvorstellungen.

Da die vorherrschenden Techniken der Nahrungsmittelproduktion sowohl die Wirtschaft als auch die Sozialstrukturen beeinflussen, werden im Folgenden auch einige typische Kulturmerkmale genannt.

Extraktive Wirtschaftsformen (Wildbeuter und Feldbeuter)