Als Selbstpublikation (auch: Eigenpublikation, Selbstveröffentlichung) bezeichnet man sowohl die Art der Veröffentlichung eines Werkes (im Sinne von: etwas selbst publizieren) als auch ein veröffentlichtes Werk selbst, dessen Vervielfältigung und Verbreitung insbesondere finanziell allein durch den Urheber (im Sinne des Urheberrechts) selbst getragen bzw. im Selbstverlag erstellt und geleistet wird. So kann ein Autor für eine Selbstpublikation diverse Dienstleister nutzen, die gegen Honorar eine derartige Publikation nach Abschluss eines Werkvertrags in Form eines E-Books oder als gedrucktes Buch erstellen und dem Autor zugleich die Möglichkeit geben, sie in eigenem Namen anzubieten, d. h. „ohne traditionelle Verlage" zu vermarkten“. (Im Gegensatz dazu steht die Publikation bzw. Veröffentlichung eines Werks durch einen Verlag nach Abschluss eines Verlagsvertrags, z. B. nach Maßgabe eines Normvertrags. →Siehe dazu auch den Abschnitt: Abgrenzungen im Artikel Selbstverlag)

Neben Werken in Buchform können auch Werke auf Datenträgern u. a. für Musikstücke, Filme und Videoclips als Selbstveröffentlichung verbreitet werden. (→Siehe dazu den Abschnitt: Dienstleistungsunternehmen für Selbstpublikationen)

Allgemeines Kalkulation Ein Autor, der sich selbst publiziert, versucht, in Personalunion, wie ein Verleger (s)ein Buchprojekt auf den Weg zu bringen. Er muss deshalb Kalkulationen anstellen, ob die Einnahmen aus dem Absatz des Buches und gegebenenfalls honorierten Lesungen die entstehenden Kosten übersteigen. Dies wiederum ist ins Verhältnis zur Zahlungsbereitschaft einer potenziellen Leser- bzw. Käuferschaft eines selbst publizierten Buches zu setzen.5 Schritte zum Selbstverlag. Hamburger Akademie für Fernstudien (HAF); mit den Überschriften: 1. Verlagstaufe, 2. Anmeldung, 3. Buchgestaltung und Geschäftsausstattung, 4. Kalkulation, 5. Werbung und Vertrieb sowie Erfolgreiche Selbstverleger – gibt es die?, online abrufbar unter buch-schreiben.de Ausgenommen von einer solchen Kalkulation sind u. a. die Autobiografen, die lediglich für den Privatgebrauch ihre Lebensgeschichten in Buchform bringen wollen.

Musste man bis Anfang 2000 noch mit den Kosten einer z. B. im Offsetdruck hergestellten Auflage von mindestens 500–1000 Exemplaren kalkulieren, so ist dieser Kostenfaktor dank der Möglichkeiten des Digitaldrucks im Print-on-Demand-Verfahren (PoD) erheblich gesunken. Insbesondere Self-Publishing-Plattformen bieten z. T. sogar an, kostenfrei Veröffentlichungen von Printausgaben und E-Books zu erstellen – was den Autoren dann allerdings auch einen höheren Arbeitsaufwand (u. a. für die Druckvorlagen) und mehr als grundlegende Kenntnisse am Computer abverlangt. (→ siehe dazu im Artikel auch: Zur Erstellung von Selbstpublikationen)

Der Digitaldruck ist mit den Jahren so professionalisiert, dass er mit Schnelldruck-Technik den etablierten Verlagen an Liefergeschwindigkeit nur wenig nachsteht. Deshalb – und aus Kostengründen – lassen viele arrivierte Verlage ihre Backlist über PoD laufen.

Marketing und Vertrieb Der Absatz von Selbstpublikation hängt wie bei den wirtschaftlich geführten Verlagen nicht zuletzt von den Marketing-Möglichkeiten des Autors und seiner Vernetzung mit potentiellen Käufern oder/und Buchhandlungen ab. In einem Artikel des Tagesspiegels über einen Doktoranden als Nutzer einer Self-Publishing-Plattform heißt es z. B. dazu, dass seine Dissertation zwar über die von ihr inklusiv vergebene ISBN im Buchhandel gefunden werden kann, er „aber nun selbst aktiv werden und sein Buch bewerben“ muss. Denn egal, ob für die Erstellung der Selbstpublikationen Druckereien, Selbstkostenverlage oder Self-Publishing-Plattformen beauftragt wurden, sind für diese die angefragten Dienstleistungen bereits mit Vertragsschluss gewinnbringend vorfinanziert. So erläutert die Hamburger Akademie für Fernstudien (HAF), dass nicht zuletzt die so genannten „Druckkostenzuschussverlage“ „nicht in dem Maß wie der klassische Verlag darauf angewiesen (sind), Geld mit dem Verkauf von Büchern zu verdienen. Schließlich haben sie bereits eine mitunter stattliche Summe Geld vom Autor kassiert.“Verlag sucht Autor. Hamburger Akademie für Fernstudien (HAF); mit den Überschriften: Zuschuss-Verlage: die Umkehr des Verlagsprinzips und Abzocke? Oder ein Herz für unbekannte Autoren?

Zu Standard-Marketingwerkzeugen für Selbstpublikationen sind Soziale Netzwerke, Webseiten und Blogs der Autoren geworden,Wie vermarkten Sie Ihr Buch? Self Publishing in Deutschland: Wie Self Publisher sich selbst sehen, selfpublisherbibel.de, 28. Juni 2013; abgerufen am 31. Januar 2014. auf denen der mögliche Leserkreis angesprochen werden soll. Sofern ein Buch auch im Sortimentsbuchhandel lieferbar sein soll, kann es gegen Gebühr – bei den Self-Publishing-Plattformen meist inklusive – mit einer ISBN ausgestattet und (mit Ausnahme z. B. von über CreateSpace.com erstellten Titeln) im „Verzeichnis Lieferbarer Bücher“ (VLB) eingetragen werden. Ohne ISBN und Eintragung im VLB werden als Selbstpublikation in der Regel interne Hochschulveröffentlichungen oder rein private Bücher für einen festen Abnehmerkreis produziert.

Autoren von Selbstpublikation nutzen für deren Vertrieb den Direktverkauf, z. B. im Anschluss von Veranstaltungen mit ihnen wie Lesungen oder im Rahmen einer eigenen Homepage. Das gilt auch für über Self-Publishing-Plattformen hergestellte Buchexemplare, für die in der Regel ein „Autorenrabatt“ eingeräumt wird. Zudem versuchen auch einige Autoren, den Buchhändlern in ihrem näheren Umkreis Exemplare ihres Werkes zum Kommissionsverkauf anzubieten.

Selbstpublikationen, ob in Form von Offsetdruck- oder Print-on-Demand-Verfahren hergestellter Printausgaben, werden selten von Ladengeschäften des Sortimentsbuchhandels aus eigenem Antrieb geordert,Was bringt Ihnen Book-on-Demand? Hamburger Akademie für Fernstudien (HAF): „Book-on-Demand-Unternehmen bieten Ihnen als Autor und Selbstverleger Vorteile, aber auch Nachteile gegenüber anderen Verlagsmodellen.“ online abrufbar unter buch-schreiben.de sie können aber dort, sofern mit einer ISBN ausgestattet, wie auch über die „Online-Shops“ der Buchhändler bzw. über Internetbuchhandlungen bestellt werden. E-Book-Ausgaben werden per se ausschließlich von diesen „Online-Shops“ oder von auf E-Books oder/und auf die Geräte dafür spezialisierten Internethändlern heruntergeladen. Der Vertrieb über „Online-Shops“ vermag auch ohne die Vertreter eines Verlages relevante Zielgruppen zu erreichen. In der ersten Augustwoche 2012 waren erstmals rund ein Drittel der Bücher auf der 25 Titel umfassenden E-Book-Bestseller-Liste der New York Times als Selbstpublikation erschienen.Four self-published authors on New York Times ebook bestseller list. In: Guardian, 2. August 2012 Die neuen Herstellungsverfahren und „Online-Shops“ bieten somit – bei entsprechend günstiger Preisgestaltung seitens der in Anspruch genommenen Dienstleister – den hinzugewonnenen Vorteil eines mittelbaren Vertriebs. Dieser Vorteil wird jedoch wegen der gerade auch dadurch bedingten immensen Steigerungsraten auf diesem Weg vorgestellter Neuveröffentlichungen für die überwiegende Mehrheit der Selbstpublikationen nahezu wieder aufgehoben.

Einige belegte Begriffsverwendungen Da die Begriffe „Selbstpublikation“, „Eigenpublikation“ und „Selbstveröffentlichung“ bislang in keinem Lexikon oder Wörterbuch nachzuschlagen sind, werden nachfolgend einige Beispiele aufgelistet, in denen die Begriffe im Sinne der einleitenden Definition gebraucht wurden.

Für Selbstpublikation

Amtsdruckschriften Peter Exner stellt unter LEO-BW für Amtsdruckschriften im Abschnitt Quellenkritik und Auswertungsmöglichkeiten fest: „Gleichwohl kommt amtlichen Druckschriften wie den Staatsanzeigern oder den Gesetz- und Verordnungsblättern als offiziellen amtlichen Druckschriften auf oberster staatlicher Ebene ein wesentlicher Sekundärwert zu. Sie tragen als Selbstpublikation von Herrschaftseinrichtungen wesentlich zum Verständnis der übrigen Überlieferung staatlicher wie nichtstaatlicher Provenienz bei.“Peter Exner: Amtsdruckschriften, siehe Abschnitt Quellenkritik und Auswertungsmöglichkeiten in LEO-BW, zitiert aus: Peter Exner, Amtsdruckschriften, in: Südwestdeutsche Archivalienkunde, Stand: 28. Juni 2017, online unter leo-bw.de

BVerfG Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) setzt voraus: „Zu den konstituierenden Merkmalen des Urheberrechts als Eigentum im Sinne der Verfassung gehört die grundsätzliche Zuordnung des vermögenswerten Ergebnisses der schöpferischen Leistung an den Urheber im Wege privatrechtlicher Normierung und seine Freiheit, in eigener Verantwortung darüber verfügen zu können.“BVerfG, NJW 1971, S. 2163 – Kirchen- und Schulgebrauch Und Wolfgang Lent von der Ludwig-Maximilians-Universität München führt dazu in seinem Studienbuch Urheberrecht für Buchwissenschaftler aus: „Geschützt werden also vor allem zwei Aspekte des Geistigen Eigentums: Zum einen ist das Verfügungsrecht des Urhebers geschützt, das etwa einem Autor die Selbstpublikation seines Romans oder die Einräumung von Nutzungsrechten an seinem Roman an Verlage erlaubt. Zum anderen ist das mit dem Verfügungsrecht verbundene Vergütungsrecht des Urhebers geschützt, das es einem Autor erlaubt, für seine Rechteeinräumung an den Verlag ein Autorenhonorar zu verlangen.“Wolfgang Lent: Urheberrecht für Buchwissenschaftler, S. 16; PDF-Datei S. 41 von 217 Seiten, in der Reihe Open Publishing LMU, online unter epub.ub.uni-muenchen.de

Allgemeine Richtlinien über die Ablieferung von Dissertationen Die Technische Informationsbibliothek (TIB) verlangt in ihren allgemeinen Richtlinien über die Ablieferung von Dissertationen (lt. Senatsbeschluss vom 12.2.1980, ergänzt auf den Senatssitzungen vom 21.12.1983, 19.12.1984, 8.2.1995, 9.7.1997, 27.10.1999, 19.04.2000, 13.07.2011, 18.11.2015, 31.01.2018) unterstreicht u. a. laut Punkt 1.2, dass „die zuständige Fakultät (..) die Veröffentlichung einer Dissertation auch als (..) Selbstpublikation oder Publikation in einem Eigenverlag“ gestatten kann. Der Begriff „Selbstpublikation“ wird hier auch noch unter Punkt 2.1.1 und 2.4 genutzt.Allgemeine Richtlinien über die Ablieferung von Dissertationen an die Technische Informationsbibliothek (TIB) , abrufbare PDF auf der Website der Technischen Informationsbibliothek (TIB), siehe S. 1 von 2 Seiten, online unter tib.eu

Monopolkommission Die Monopolkommission verwendete am 29. Mai 2018 den Begriff wie folgt: „Bei der Veröffentlichung ihrer Werke im Eigenverlag können Autoren sog. Self-Publishing-Plattformen nutzen, die mit unterschiedlichen Serviceleistungen die Selbstpublikation unterstützen und einige Funktionen der klassischen Verlage übernehmen, wie beispielsweise das Lektorat. Eine wichtige Plattform ist kindle direct publishing von Amazon, über die Autoren ihre Werke sowohl als gedrucktes als auch als digitales Buch verbreiten können. Daneben existiert eine Reihe von Konkurrenzangeboten für E-Books wie etwa tolino media. Autoren von E-Books können sog. Distributoren zwischenschalten, die das E-Book an die unterschiedlichen E-Book-Plattformen verteilen und die Honorarabrechnung übernehmen. Der Vertrieb gedruckter Bücher, die im Eigenverlag publiziert wurden, läuft oftmals über sog. Print-on-Demand-Anbieter, die das Exemplar erst drucken, sobald es im Handel bestellt wurde.“2.2.1 Der Autor: Kreativer Schöpfer und Ausgangspunkt des Buchmarktes In: Die Buchpreisbindung in einem sich ändernden Marktumfeld, Erläuterung vom am 29. Mai 2018, PDF-Datei, S. 17 von 97, online unter monopolkommission.de

Studie im Auftrag des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz