mini|Johann Nepomuk Hunczovsky, Gemälde von Heinrich Friedrich Füger, 1792, Wienmuseum Johann Nepomuk Hunczovsky (* 15. Mai 1752 in Czech bei Proßnitz, Mähren; † 4. April 1798 in Wien) war ein österreichischer Chirurg und Hochschullehrer.

Leben Johann Hunczovsky erhielt seine erste Ausbildung in der Barbierstube seines Vaters in Olmütz und ging 1771 nach Wien, um Chirurgie zu studieren. Auf Empfehlung von Giovanni Alessandro Brambilla bei der Fürstin Tarocca, von der er wie von der Gräfin Burghausen unterstützt wurde, setzte er seine chirurgischen Studien bei Moscati in Mailand fort. Anschließend kehrte er zwei Jahre später, nach dem Tod seiner Gönnerin Tarocca, nach Wien zurück, wo er Assistent am spanischen Hospital bei Steidele und anschließend bei Brambilla war. Er unternahm 1777 mit einem durch Brambilla erwirkten Stipendium von Kaiser Joseph II. erneut eine Studienreise, die ihn diesmal für zwei Jahre nach Paris (wo er die Charité kennenlernte und sich vor allem Antoine Louis und Sabatier anschloss) und ein Jahr nach London führte, wo er unter anderem die Chirurgen Pott, Edward Alanson und John Hunter besuchte und die großen Matrosenhospitäler in Portsmouth und Plymouth besichtigte. 1780 nach Frankreich zurückgekehrt, bereiste er dort die Hospitäler verschiedener Seehäfen und kehrte Ende des Jahres über Turin und Mailand nach Wien zurück. Im selben Jahr hatte er als Erster eine Exartikulation im Fußgelenk ausgeführt. Im Jahr 1781 erhielt er eine Professur bei Brambilla an der neu errichteten medizinisch-chirurgischen Schule im Militärhospital zu Gumpendorf, wo er Anatomie. Physiologie, Innere Medizin und Chirurgie lehrte. Drei Jahre später übernahm er zusätzlich eine Professur für Operationslehre, Geburtshilfe und „medizinische Polizei“ an der von Brambilla geleiteten medicinisch-chirurgischen Josephsakademie in Wien, wo er nach der Natur angefertigte Wachsmodelle anatomischer und pathologischer Präparate seltener chirurgischer Krankheiten angefertigt hatte. Der Kaiser hatte bei der Einweihung der Akademie allen Professoren der Chirurgie, die noch keinen Doktorgrad hatten (so Brambilla, Hunczovsky und dessen Kollegen Joseph Jacob Plenk), den chirurgischen Doktorgrad verliehen. Hunczovsky beschrieb 1789 als Erster eine angeborene Halsfistel, die er durch Injektion von Weingeist bzw. Spaltung des Fistelganges erfolgreich behandelte.Georg Fischer: Chirurgie vor 100 Jahren. Historische Studie. 1876, S. 224 und 578–579. 1791 unternahm er im Gefolge Kaisers Leopold II. eine Reise durch Italien und wurde nach der Rückkehr zum kaiserlich-königlichen Leibchirurgen ernannt.

Um 1795 gehörte Hunczovsky zu den Lehrern von Beethovens Bonner Freund Lorenz von Breuning (1776–1798), der 1794 bis 1797 in Wien Medizin studierte. Wie Breuning in mehreren Briefen schreibt, verbrachte er die Abende – gemeinsam mit Beethoven – oft bei Hunczovsky. Für Breunings Bruder Stephan von Breuning war Hunczovsky „der liebenswürdigste Mann den ich in Wien kennen lernte“.Klaus Martin Kopitz, Rainer Cadenbach (Hrsg.) u. a.: Beethoven aus der Sicht seiner Zeitgenossen in Tagebüchern, Briefen, Gedichten und Erinnerungen. Band 1: Adamberger – Kuffner. Hrsg. von der Beethoven-Forschungsstelle an der Universität der Künste Berlin. Henle, München 2009, ISBN 978-3-87328-120-2, S. 117–118.

Am 15. Februar 1796Michael Lorenz, Das Forschungsprojekt "W. A. Mozart und sein Wiener Umfeld": Mozartforschung in Wien am Beginn des 21. Jahrhunderts, Wien 2013. kaufte Hunczovsky von Peter von Genzinger ein Haus in der Alservorstadt, am Alsergrund Nr. 90, das am 20. April 1799Lorenz, 2013. von Caroline Pichlers Mutter Caroline von Greiner erworben wurde. Pichler schreibt über ihn:

Laut Wurzbach starb er unerwartet im Alter von 47 Jahren an den mit Entzündung und Vereiterung der Lymphdrüsen am Arm und in der Achselhöhle verbundenen Folgen einer Fingerverletzung, die er sich bei der Operation einer Mastdarmfistel zugezogen hatte. Der Tod trat nach einer Zustandsbesserung, währenddessen der mit befreundete Dichter Aloys Blumauer starb, nach einem starken Fieber ein. Die Todesursache laut Totenbeschauprotokoll des Magistrats war eine „Lungen- und Leberentzündung“.Lorenz, 2013. Sein Nachfolger als Professor der Chirurgie und Direktor an der Josephsakademie wurde A. Beinl.

Schriften (Auswahl) Medicinisch-Chirurgische Beobachtungen auf seinen Reisen durch England und Frankreich, besonders ueber die Spitäler. Rudolph Gräffer, Wien 1783. Anweisung zu chirurgischen Operationen. Für seine Vorlesungen bestimmt. Rudolph Gräffer, Wien 1785 (Digitalisat). Ueber die neuere Geschichte der Chirurgie in den k. k. Staaten. Eine Rede, gehalten am 8ten November 1787. Rudolph Gräffer, Wien 1787 (Digitalisat). Briefe aus London. In: Baldinger’s med. Journal. Band 15, 1787. mit Adam Schmidt: Bibliothek der neuesten medicinisch-chirurgischen Literatur für die k. k. Feldchirurgen. 3 Bände. Wien 1789–1792. als Übersetzer: Bernhard Genga: Erläuterung der chirurgischen Lehrsätze des Hippokrates. Aus dem Italienischen übersetzt. Rudolph Gräffer, Wien 1777. als Übersetzer: R. Hamilton: Über die Pflichten der Regimentschirurgen. Aus dem Englischen übersetzt. Joseph Stahel, Wien 1790.

Literatur Georg Fischer: Chirurgie vor 100 Jahren. Historische Studie. [Gewidmet der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie]. Verlag von F. C. W. Vogel, Leipzig 1876, S. 113, 119, 215–217, 223–224, 226, 578–579 und öfter.

Johann Adam Schmidt, Rede zum Andenken des k. k. Rathes und Professors Dr. J. N. Hunczovsky. Gehalten im Hörsale der k. k. medic. chirurg. Josephs-Akademie, als sie in voller Versammlung sein Todtengedächtniß feyerte, Wien: Rötzel 1798 (Digitalisat).

Einzelnachweise

Kategorie:Person um Ludwig van Beethoven Kategorie:Chirurg Kategorie:Mediziner (18. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Josephinum Wien) Kategorie:Person (Habsburgermonarchie vor 1804) Kategorie:Geboren 1752 Kategorie:Gestorben 1798 Kategorie:Mann