Das Emirat Zabarima (Eigenbezeichnung: asalin Zabramawa) war ein kurzlebiges, islamisch geprägtes Staatswesen, das etwa vom Ende der 1860er an bis zum Jahr 1897 in den Nordterritorien des heutigen Ghana und im Süden vom heutigen Burkina Faso existiert hat. Berühmt-berüchtigt wurde der Zabarima-Staat insbesondere durch Führungspersönlichkeiten wie Gazari oder Babatu, die in der europäischen Geschichtsschreibung zumeist als Sklaven-Freibeuter beschrieben und als solche mit Samori Touré auf eine Stufe gehoben werden.

Ethnische Diversität im Zabarima-Staat Der Zabarima-Staat war vom ethnischen Standpunkt aus gesehen ein sehr heterogenes Gebilde, in dem die staatsgründenden Jerma eigentlich nur eine kleine Minderheit waren. Es waren hauptsächlich Haussa, Fulbe, Yoruba, Mossi und Angehörige der Völker des Gurunsi-Landes, welche sich den Jerma seit ihren frühen Feldzügen angeschlossen hatten. Trotz ihrer kleinen Zahl waren die Jerma jedoch in der Lage gewesen, sich die Dienste ihrer andersstämmigen Gefolgsleute zu sichern in Verbindung mit einer, über einen ziemlich langen Zeitraum andauernden Loyalität. Vor allem letzteres war die Basis, auf der sich die Machtstellung der Jerma aufbaute.

Heutige Nachfahren der Zabarima-Gründer leben, von einer in Ghana sesshaften Gruppe einmal abgesehen, überwiegend in dünn besiedelten Regionen zwischen Niamey und Dosso (heutige Republik Niger) sowie in der Region Sokoto (heutiges Nigeria). Das gegenwärtige Oberhaupt der Jerma in Ghana trägt allerdings auch heute noch den Titel Sarkin Zabramawa und ist ein Verwandter aus der patrilinearen Blutslinie des Babatu.

Geschichte des Zabarima-Staates Herkunft der Staatsgründer Die Staatsgründer des Zabarima-Staates waren muslimische Jermaalternative Bezeichnungen und Schreibvarianten: Zarma, Dyerma, Dyabarma, Zabarima, Zamberba, Djemabe oder in ähnlichen Schreibweisen; die Haussa-Bezeichnung ist Zabarma, d. h. Angehörige jener Songhai-Gruppe, welche den ihnen eigenen Dialekt des Jerma sprechen. Teile von ihnen hatten sich nach dem Songhai-Feldzug von 1516 vor allem in den neu eroberten Gegenden der Königreiche Kebbi und Dendi angesiedelt.

Nach der Zerschlagung des Songhai-Reiches (1591) kam es in diesen Regionen erneut zu einer größeren Einwanderungswelle von Jerma, als eine große Zahl an Flüchtlingen ostwärts zu ihren Verwandten zog. Obwohl die Jerma seit dieser Zeit beständig islamischen Einflüssen unterlegen haben, konnten sie jedoch über Jahrhunderte hinweg einer weitgehenden Islamisierung widerstehen. So wundert es nicht, dass das Jerma-Land auch eines der vorrangigen Ziele im großen Dschihad des Usman dan Fodio (1790–1809) war und schließlich von den Fulani-Dschihadisten erobert wurde. Mit der Gründung des Kalifats von Sokoto im Jahre 1809 wurde das Jerma-Land unter der Bezeichnung Emirat Kebbi Westprovinz des neuen Sokoto-Reiches. Ungefähr um 1860, möglicherweise schon eher, kam es jedoch vorrangig in den Gegenden um Kebbi zum Aufstand gegen die Besatzungsmacht. Mit Hilfe ihrer Nachbarn gelang es dabei den Rebellen, die hauptsächlich Jerma waren, die politische Macht wiederzuerlangen und die Fulanis weitgehend aus dem Land zu vertreiben. Ausgelöst durch diesen Aufstand und der ohnehin vorhandenen, allgemeinen Sehnsucht nach einer gerechteren Gesellschaftsordnung wandten sich große Teile der Bevölkerung des Jerma-Landes in diesen Jahren dem Islam zu, der sich zunehmend als Hauptreligion in diesen Gegenden etablierte.

Auf Grund der allgemeinen Verwüstung infolge der kriegerischen Ereignisse und daraus resultierende Ausfälle in lebenswichtigen Bereichen wirtschaftlicher Produktion konzentrierten sich jedoch zahlreiche Jerma zunehmend auf den Handel außerhalb ihrer Landesgrenzen.

Dagomba-Kolonie In dieser Zeit tauchten Gruppen von Jerma-Kriegern u. a. auch in den Königreichen Dagomba und Kotokoli auf, wo man zunächst als Pferde-Händler in Erscheinung trat. Der Umstand, dass sich speziell die Dagomba-Häuptlinge mit der Bezahlung ihrer Einkäufe Zeit ließen, veranlasste die hiesigen Jerma, sich im Dagomba-Land auf längere Sicht bis zur Bezahlung ihrer Pferde niederzulassen. In dieser Zeit tauchten auch die MallamsMallam (andere Varianten: Mu'allim, Mulla(h) etc.) ist der Titel eines Absolventen einer Islam-Schule (Koranschule, islamische Universität) und kennzeichnet als solchen einen Gelehrten in der islamischen Welt. Mallams waren in der Vergangenheit hochgeachtete Persönlichkeiten innerhalb der muslimischen Bevölkerung einer Region und nicht selten Ratgeber islamischer Herrscher, ohne dass sie ein weltliches Amt bekleideten. AlfaAlfaqui, kurz Alfa, ist eine altislamische Bezeichnung für Prediger und ein bedeutender Titel in der islamischen Welt. Hanno und Alfa Gazari in Dagomba auf, nachdem sie sich zunächst in der Gonja-Metropole Salaga religiösen Studien gewidmet hatten. Kurze Zeit später wählten die Dagomba-Jerma Hanno zu ihrem Anführer und etwas später galt Hanno allgemein als Führer aller Jerma, welche außerhalb des Mutterlandes lebten.

Dagomba war zu jener Zeit gegenüber dem Königreich Ashanti tributpflichtig. Dieser Tribut wurde zumeist in Form von Sklaven entrichtet. Hinzu kam, dass zu jener Zeit Dagomba in den Wirren eines Bürgerkriegs zu versinken drohte, welcher zwischen Yakuba, dem regierenden Ya NaYa Na ist der Titel des Königs von Dagomba. Zu der damaligen Zeit regierte Yakuba als Ya Na von Dagomba (reg. 1849–1864)., und seinen Söhnen ausgetragen wurde. Im Zuge dessen wurden vor allem seitens des Ya Na „Stafexpeditionen“ gegen Nachbarvölker organisiert unter dem Vorwurf, dass diese die Gegenseite unterstützt hätten. Zudem war der Druck aus Asante auf den Dagombakönig hinsichtlich der Einhaltung der Tributzahlungen groß genug, dass diese „Strafexpeditionen“ vorrangig zum Einfangen von Sklaven unternommen wurden. Auch die Dagomba-Jerma beteiligten sich als Söldner an diesen Expeditionen. Es waren vornehmlich die Feldzüge von Adama, des damaligen Na KaragaHäuptling von Karaga, heutiger Karaga District mit gleichnamiger Hauptstadt Karaga bei ; Der Häuptling von Karaga ist traditionell der Nachfolger auf dem Thron des Königs von Dagomba., und von Abudullai, des damaligen Na KumbunguHäuptling von Kumbungu. Gemeint ist Kumbungu bei im heutigen Tolon/Kumbungu District. im Gurunsi-LandGemeint ist das Land westlich des Roten Volta und nördlich der Mamprussi bis hin zur heutigen Westgrenze Ghanas. Die Sprachregelung zur Bezeichnung der dortigen Bevölkerung war in der Vergangenheit jedoch nicht einheitlich., die mit Jerma-Unterstützung stattfanden.

Trotz ihrer zahlenmäßig geringen Stärke waren die Zabarima-Söldner hoch geschätzte Alliierte im Dagomba-Heer, da sie relativ gut bewaffnete und erfahrene Reiter waren, die mit einem hohen Grad an innerer Geschlossenheit und Mobilität zu kämpfen verstanden. Dennoch blieb es innerhalb der Dagomba-Streitkräfte nur bei einer Gastrolle, die lediglich auf nicht beglichene Schulden verschiedener Dagomba-Häuptlinge basierte. Zudem machten sich die Jerma in Dagomba zunehmend unbeliebt durch ihr engagiertes Eingreifen in Dagomba-interne Angelegenheiten. Hinzu kamen Besitzstreitigkeiten, die zwischen Alfa Hanno und dem Ya Na entstanden waren. Wie sehr das Verhältnis zwischen Dagomba und Jerma belastet war, zeigt sich z. B. daran, dass Isaka (s. u.) forderte, dass vor dem Beginn der nächsten Expedition Alfa Gazari als Verantwortlicher für die uban dawaki, die Kavallerie des Dagomba-Heeres, eingesetzt werden solle, was jedoch bei den Dagombas auf allgemeine Ablehnung stieß. Einige Zeit später kam es zur endgültigen Abkehr der Zabarima, als der Ya Na Truppen zu den Zabarima aussandte, um zunächst seinen eigenen Besitzforderungen Nachdruck zu verleihen. Später, zum Zeitpunkt des Amtsantritts von Alfa Gazari als Nachfolger Hannos, war Andani, der Häuptling von Savelugu, seitens des Ya Na Abudallai beauftragt worden, ins Gurunsi-Land einzufallen und die Zabarimas „zurückzuholen“. Damit wurde ein heiliger Eid verletzt, denn die Oberhäupter von Dagomba und Zabarima hatten einst auf den Koran geschworen, dass man niemals die Hand gegeneinander erheben werde. Dies war ein klarer Vertrauensbruch und gleichzeitig der Auslöser, der das Ende in den bereits seit langem belasteten Beziehungen der Jerma-Dagomba-Allianz endgültig besiegelte.

Konstituierung Daneben waren bei den Dagomba-Jerma ohnehin Ambitionen erwachsen, die sehr viel weitreichenderer Natur waren als nur die eines Gastvolkes. Dies zeigt sich z. B. in ihren Verhandlungen mit Sisala-Häuptlingen unter der Führung des Kuoro (Häuptlings) von DolbizanDolbizan im Norden Ghanas bei ., dem Führer oder Sprecher einer kleineren Konföderation mehrerer Sisala-Zentren.

Das sog. „Gurunsi“-Land war ein Territorium, in dem Gesellschaften existierten, welche man heute den sog. „staatenlosen Gesellschaften“ der westafrikanischen Savanne zuordnet.Staatenlose Gesellschaften sind dadurch gekennzeichnet, dass zumindest zahlenmäßig größere Gruppen dieser Siedlungsgebiete es versucht haben, so lang wie möglich den Zwang zur Mitversorgung herrschender Klassen zu vermeiden, indem man sich drohender staatlicher Autorität dadurch entzog, dass man, zumindest in Westafrika in weitgehend menschenleeren Gebiete der Savanne ausgewichen war und später auch in den Regenwald. Viele dieser größeren Bevölkerungsgruppen entwickelten daher nie eine größere staatliche Organisation und verteidigten auch eifersüchtig ihre Freiheit als Siedler, so lange, wie es ihnen möglich war. Interne Angelegenheiten und Streitfälle wurden bei ihnen zumeist auf traditionelle Art und Weise unter Androhung von Vergeltung geregelt. Die Zabarima kamen hier in ein relativ dicht bevölkertes, von ethnisch unterschiedlichen Gruppen bewohntes Gebiet, das zudem von mächtigen Zentralstaaten umgeben war. Dies waren Dagomba im Osten, Gonja und Mamprussi im Südosten, Asante im Süden, Gyaman mit Bono-Mansu im Südwesten, Walembele (Wala) im Westen und das Mossi-Imperium im Norden. Die meisten der Südstaaten waren zu jener Zeit Vasallenstaaten Asantes. Hinzu kam, dass diese Gegenden auch stark unter kriegerischen Einfällen von außerhalb zu leiden hatten, wie zum Beispiel etwa kurz zuvor durch einen Feldzug, der im Rahmen des Dschihad von Mamadu Karantao stattgefunden hatte und der die Ursache einer gewissen Entvölkerung des östlichen Gurunsi-Landes gewesen war.

Feldzüge und Eroberungen Feldzug nach Wala und ins Dagarti-Land