Der March 821 war ein britischer Formel-1-Rennwagen, der in der Saison 1982 von RAM Racing in der Formel-1-Weltmeisterschaft eingesetzt wurde. Ungeachtet seiner Modellbezeichnung hatte das Auto keine Beziehung zu dem traditionsreichen Rennwagenhersteller March Engineering. Der Wagen fuhr keine Weltmeisterschaftspunkte ein. Von ihm entstanden fünf Exemplare.

Hintergrund Der March 821 wurde im Auftrag von RAM Racing konstruiert.David Hodges: A–Z of Grand Prix Cars 1906–2001, 2001 (Crowood Press), ISBN 1-86126-339-2, S. 147.

RAM Racing war ein britischer Rennstall, der sich seit 1975 in verschiedenen Motorsportklassen engagierte. In der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre lag der Schwerpunkt des Teams auf der Aurora-AFX-Formel-1-Serie, einer rein britischen Meisterschaft, die in Anlehnung an das Formel-1-Reglement ausgetragen wurde. RAM gewann in der Saison 1980 den Meistertitel dieser Serie. In der Formel-1-Weltmeisterschaft trat RAM dagegen zunächst nur vereinzelt an. 1976, 1977 und 1980 setzte es zu ausgewählten Großen Preisen als reines Kundenteam gekaufte oder angemietete Rennwagen fremder Hersteller wie Brabham, March und Williams ein. Nachdem RAM mit dem Rennfahrer Emilio de Villota 1980 die Aurora-Serie gewonnen hatte, stieg das Team in der Saison 1981 in die Formel-1-Weltmeisterschaft auf. Anders als in der Aurora-Serie mussten die Teams hier eigene Rennwagen konstruieren. Da RAM nicht über entsprechende Ressourcen verfügte, verband sich das Team mit dem britischen Rennwagenkonstrukteur Robin Herd, der 1969 einer der Gründer von March Engineering gewesen war und noch immer zu den Inhabern des etablierten Rennwagenherstellers zählte. Herd und RAM gründeten im Herbst 1980 das Unternehmen March Grand Prix, das rechtlich und organisatorisch selbständig war und mit March Engineering nichts zu tun hatte.David Hodges: Rennwagen von A–Z nach 1945, Motorbuch Verlag Stuttgart 1993, ISBN 3-613-01477-7, S. 165. Ein Technologie-Transfer mit March Engineering, wo noch immer Formel-2-Wagen hergestellt wurden, fand nicht statt. Herd konstruierte für die Saison 1981 das Einsatzauto, das aus Gründen der Öffentlichkeitswirksamkeit die Modellbezeichnung March 811 erhielt. Das Auto erwies sich als nicht konkurrenzfähig; RAM-Chef John Macdonald bezeichnete es öffentlich als „a pile of shit“.Mike Lawrence: March, The Rise and Fall of a Motor Racing Legend. MRP, Orpington 2001, ISBN 1-899870-54-7, S. 139. Mit Ablauf der Saison 1981 zog sich Robin Herd zurück. RAM übernahm die Einrichtung und das Material von March Grand Prix und führte den Rennbetrieb in der Saison 1982 unter eigener Aufsicht weiter. Ungeachtet der Trennung von Herd trat der Rennstall auch 1982 unter dem Namen March an. Diese Bezeichnung übernahm auch der March 821, das Einsatzauto für 1982. Gleichwohl wird der 821 nicht als Mitglied der traditionsreichen March-Familie angesehen.David Hodges: A–Z of Grand Prix Cars 1906–2001, 2001 (Crowood Press), ISBN 1-86126-339-2, S. 196.

Vermittelt durch den ehemaligen Rennfahrer Guy Edwards, verfügte RAM mit Rothmans zu Saisonbeginn über einen Sponsor, der „richtig viel Geld“ in das Team investierte.Mike Lawrence: March, The Rise and Fall of a Motor Racing Legend. MRP, Orpington 2001, ISBN 1-899870-54-7, S. 142.Pierre Ménard: La Grande Encyclopédie de la Formule 1, 2. Auflage, St. Sulpice, 2000, ISBN 2-940125-45-7, S. 387. Allerdings verließ Rothmans das Team bereits im Sommer 1982 wieder, nachdem sich wider Erwarten keine Leistungssteigerung eingestellt hatten.David Hodges: A–Z of Grand Prix Cars 1906–2001, 2001 (Crowood Press), ISBN 1-86126-339-2, S. 142.

Konstruktion und technische Entwicklung mini|Fahrzeugnase im Stil des Williams FW07: March 821 mini|March 821 Verantwortlicher Konstrukteur des March 821 war Adrian Reynard. Reynard war mit seinen Unternehmen Sabre Automotive und Reynard Motorsport seit 1973 im Rennwagenbau tätig. 1981 war er, zunächst als technischer Berater, zu RAM Racing gekommen, um Robin Herd zu unterstützen. Mit Herds Weggang Ende 1981 nahm Reynard dessen Stelle als technischer Leiter ein.Mike Lawrence: March, The Rise and Fall of a Motor Racing Legend. MRP, Orpington 2001, ISBN 1-899870-54-7, S. 140. Der 821 war das erste Formel-1-Auto, das Reynard konstruierte.

Der March 821 war eine Weiterentwicklung des letztjährigen 811. Beobachter meinten, der 821 sei „das Auto, das der 811 bereits im Frühjahr 1981 hätte sein müssen“.David Hodges: Rennwagen von A–Z nach 1945, Motorbuch Verlag Stuttgart 1993, ISBN 3-613-01477-7, S: 166. Konzeptionell folgte der 821 nach wie vor den Linien des Williams FW07, der 1979 und 1980 sehr erfolgreich gewesen war. Der 821 war leichter als sein Vorgänger. Sein Gewicht lag mit 585 kg im Bereich des zulässigen Mindestgewichts, unterbot dies aber – anders als viele Fahrzeuge der Konkurrenzteams – nicht, sodass RAM im Laufe der Saison nicht mit zweckorientiert verteiltem Ballast die Balance des Wagens beeinflussen konnte.Mike Lawrence: March, The Rise and Fall of a Motor Racing Legend. MRP, Orpington 2001, ISBN 1-899870-54-7, S. 141.

Bezüglich des Antriebs hielt RAM entgegen dem hin zu Turbomotoren verlaufenden allgemeinen Trend weiter an Saugmotoren fest. RAM verwendete beim 821 wie schon beim Vorgängermodell einen 3,0 Liter großen Achtzylindermotor vom Typ Cosworth DFV. Damit geriet das Team leistungsmäßig zunehmend ins Hintertreffen: Während die DFV-Motoren, je nach Tuner, zwischen 490 und 530 PS leisteten, erreichten die Turbomotoren im Laufe der Saison 1982 bereits 560 PS (Hart) bzw. 600 PS (Ferrari, Renault).Adriano Cimarosti: Das Jahrhundert des Rennsports, 1. Auflage Stuttgart 1997, ISBN 3-613-01848-9, S. 320.

Adrian Reynard versuchte im Frühjahr 1982 mit Blick auf die Sponsorgelder von Rothmans, ein systematisches Entwicklungsprogramm aufzulegen, das unter anderem Windkanaltests beinhalten sollte. Das Programm musste allerdings aufgegeben werden, nachdem Rothmans bereits im Juni 1982 die Unterstützung des Teams wieder beendete. Als Begründung hierfür werden unterschiedliche Ansätze verfolgt: Teamchef John Macdonald war rückblickend der Ansicht, dass die Rothmans-Manager zu schnell gute Ergebnisse sehen wollten: „Sie gaben uns Geld und erwarteten, dass wir danach innerhalb weniger Wochen an der Spitze des Feldes fahren würden - 'money pays it'“. Der RAM-Pilot Jochen Mass dagegen sah den Fehler an anderer Stelle: Macdonald und „seine Jungs haben das Geld von Rothmans genommen und damit nur ihre Schulden aus den Vorjahren beglichen“.Ferdi Krähling, Gregor Messer: Sieg oder Selters. Die deutschen Fahrer in der Formel 1. Delius Klasing, Bielefeld, 2013, ISBN 978-3-7688-3686-9, S. 59. Der Rückzug von Rothmans führte dazu, dass ab dem Frühsommer 1982 die Entwicklung des Autos „praktisch zum Erliegen kam“.

Ein weiteres Problem war die Versorgung mit Reifen. RAM begann die Saison mit Reifen von Pirelli, die dem Team kostenlos zur Verfügung gestellt wurden. Nachdem private Tests im Frühjahr 1982 ergeben hatten, dass der 821 mit Reifen von Avon besser lief, stellte RAM vor dem Großen Preis von Monaco auf kostenpflichtige Avon-Reifen um. Beobachter werten dies als Panikentscheidung Macdonalds, der hoffte, seinen ungeduldigen Sponsoren bessere Leistungen bieten zu können. Wenige Tage nach Abschluss der Vereinbarung erklärte Avon, dass sich das britische Unternehmen kurzfristig aus der Formel 1 zurückziehen werde. Macdonald kaufte daraufhin den gesamten Restbestand an Avon-Reifen auf, die das Team bis in den Herbst 1982 hinein verwendete. Die Reifen erwiesen sich als nicht konkurrenzfähig: Sie waren auf dem Entwicklungsstand von Januar 1982, während Pirelli im Laufe des Jahres kontinuierlich weiterentwickelte und die Leistungsfähigkeit der eigenen Reifen verbesserte. Für das letzte Rennen des Jahres kehrte RAM schließlich zu Pirelli zurück.

Produktionsumfang Im Laufe des Jahres entstanden fünf Exemplare des March 821. Die Nummerierung der einzelnen Chassis setzte das System fort, das RAM im Jahr zuvor mit dem in sechs Exemplaren hergestellten 811 begonnen hatte. Das erste Chassis des 821 war danach der RM07.

Die einzelnen Chassis Die Chassis RM08, RM09, RM10 und RM11 verblieben ausnahmslos im RAM-Werksteam. Das Chassis RM07 hingegen wurde im Frühjahr 1982 an den spanischen Piloten Emilio de Villota ausgeliehen, der es für seinen privaten, LBT Team March genannten Rennstall bei fünf Weltmeisterschaftsläufen meldete. Nachdem de Villota sein Formel-1-Projekt aufgegeben hatte, übernahm RAM den RM07 für einen seiner Stammfahrer.

Einsatz der Chassis in der Formel-1-Weltmeisterschaft 1982 Grand Prix 821 RM07 821 RM08 821 RM09 821 RM10 821 RM11 Raul Boesel Jochen Mass Jochen Mass Raul Boesel Jochen Mass Raul Boesel Emilio de Villota Jochen Mass Raul Boesel Emilio de Villota Jochen Mass Raul Boesel Emilio de Villota Jochen Mass Raul Boesel Emilio de Villota Jochen Mass Raul Boesel Raul BoeselBeim ersten Start zum Großen Preis von Kanada fuhr Boesel das Chassis RM09. Nachdem RM09 bei einer Startkollision beschädigt worden war, absolvierte Boesel den Neustart mit dem neuen Chassis RM10. Emilio de Villota Raul Boesel Jochen Mass Raul Boesel Jochen Mass Raul Boesel Jochen MassBoesel setzte den MR10 im Training zum Großen Preis von Frankreich 1982 ein. Nachdem Boesel die Qualifikation verpasst hatte, übernahm der qualifizierte Mass das Chassis RM10 für das Rennen. Jochen Mass Raul Boesel Jochen Mass Rupert KeeganMass nutzte das Chassis RM11 beim ersten Training zum Großen Preis von Deutschland 1982. Aufgrund einer Verletzung, die er sich beim vorherigen Rennen in Frankreich zugezogen hatte, trat er nach dem ersten Training zurück. Keegan übernahm das Auto für den Rest des Rennwochenendes. Raul Boesel Rupert Keegan Raul Boesel Rupert Keegan Raul Boesel Rupert Keegan Rupert Keegan Raul Boesel

Renneinsätze Der March 821 wurde 1982 von John Macdonalds Werksteam sowie von dem Kundenteam LBT Team March eingesetzt. Keiner der Fahrer erreichte mit dem Auto einen Weltmeisterschaftspunkt.

Formel 1

March Grand Prix Team mini|Fuhr seine letzten Formel-1-Rennen im 821: Jochen Mass RAM ging 1982 als Rothmans March Grand Prix Team an den Start. Anfänglich waren Jochen Mass und Raul Boesel als Stammfahrer vorgesehen. Adrian Reynard hielt die Entscheidung rückwirkend für einen Fehler: Mass sei zu alt gewesen, um noch risikoreich zu fahren, während dem brasilianischen Debütanten Boesel die Erfahrung gefehlt habe.