miniatur|Wappenschild der Walburga von Manderscheid in der Kirche St. Maria ad Ortum, um 1505/08 (Abzeichnung von 1645)|200px Walburga Gräfin von Manderscheid, Herrin zu Schleiden (* 1468; † zwischen 30. Oktober 1530 und 31. Dezember 1535 vermutlich in ’s-Hertogenbosch) war eine deutsche Adelige.
Leben Walburga von Manderscheid, Herrin zu Schleiden, war die Tochter von Graf Kuno (Konrad) I. von Manderscheid (um 1444–1489), Herr zu Schleiden, Neuenstein und Kasselburg, und (⚭ 1459) Gräfin Walpurga von Horn (um 1443–1476), Herrin von Altena. Ihr Vater Kuno I. von Manderscheid heiratete 1476 in zweiter Ehe Mechthild von Virneburg († nach 1506), Herrin von Kronenburg und Neuerburg. 150px|miniatur|Wappen Manderscheid-Blankenheim 150px|miniatur|Wappen Schleiden (ursprüngliche, einfache Form) → Zu weiteren Vorfahren siehe den Artikel zu ihrem Sohn Hermann von Neuenahr der Ältere (1492–1530).
Gräfin Walburga von Manderscheid galt als reiche Erbin. Sie heiratete 1484 Graf Wilhelm I. von Neuenahr (* um 1447; † 12. Mai 1497), der im Erzstift Köln mit Bedburg, Garsdorf, Hof Morken, Rösberg und dem Erbhofmeisteramt des Kurfürstentums belehnt war. Wilhelm I. von Neuenahr war der Sohn von Graf Gumprecht II. von Neuenahr (um 1400–1484), Erbvogt zu Köln, Herr zu Alpen, und (⚭ 1425) Margareta Gräfin von Limburg (1406–um 1459), Herrin zu Bedburg und Hackenbroich. Erzherzog Maximilian I. von Österreich und sein Sohn Herzog Philipp von Brabant verschrieben den Eheleuten 1200 Gulden aus dem Zöllen auf der Maas, mit denen der Drost von Valkenburg aan de Geul, Edmund von Palant († 1534),Edmund (Emont) von Palant, herzoglicher Rat von Wilhelm von Jülich-Berg (1455–1511) und seit 1474 Amtmann von Nideggen und Zülpich, handelte als Vormund (Momber) des Johann von Palant (* vor 1481; † um 1514/15); vgl. Gisela Meyer: Die Familie von Palant im Mittelalter. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2004, S. 349–355 und 368–403, bes. S. 352f und 364. in ihrem Auftrag sonst insgesamt Kuno I. von Manderscheid belehnte.Regest einer Urkunde vom 12. April 1484; Fürstliches Archiv Burgsteinfurt (Inventar des Moerser Archivs von 1600); Günter Aders (Bearb.): Urkunden und Akten der Neuenahrer Herrschaften und Besitzungen Alpen, Bedburg, Hackenbroich, Helpenstein, Linnep, Wevelinghoven und Wülfrath sowie der Erbvogtei Köln. (Inventare nichtstaatlicher Archive 21). Landschaftsverband Rheinland, Köln 1977, S. 215, Nr. 756; vgl. Gemeentearchief Roermond Regesten, Nr. 1342 (; 1,56 MB).
Das Hofgut der Familie in Köln, der „Neuenahrer Hof“, stand an der Ecke Langgasse (heute: Neven-DuMont-Straße)/Schwalbengasse. Es wurde in den 1640er Jahren niedergelegt, der Treppenturm ist in der Kirche St. Maria in der Kupfergasse erhalten.
1490 verpfändeten Wilhelm I. von Neuenahr und seine Frau Walburgis mit Genehmigung des Kurkölner Lehnsherrn Erzbischof Hermann IV. von Hessen († 1508) den Hof Morken im Amt Kaster an den Jülicher Erbkämmerer und Amtmann von Nörvenich Johann van dem Bongart (* um 1446; † 1520) und seine Frau Elisabeth von Argenteau († nach 1520).Vgl. Urkunden vom 30. September 1490 und 27. Januar 1502; Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen Münster (Grafschaft Tecklenburg - Rheinische Urkunden, Nr. 83 und 90). Dem Augustinerkloster in Bedburg stifteten sie 1494 zusammen ein Ackerstück an der Kölner Straße in Bedburg, dessen Erlös dem Klostergottesdienst zugutekommen sollte.Urkunde vom 16. Januar 1494; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Bedburg/Erft, Urkunden Nr. 42).
Walburga von Manderscheid-Schleiden wurde 1496 nach Brüssel zitiert, um die Maaszölle als Lehen zu empfangen.Regest vom 18. April 1496; Günter Aders (Bearb.): Urkunden und Akten der Neuenahrer Herrschaften und Besitzungen Alpen, Bedburg, Hackenbroich, Helpenstein, Linnep, Wevelinghoven und Wülfrath sowie der Erbvogtei Köln. (Inventare nichtstaatlicher Archive 21). Landschaftsverband Rheinland, Köln 1977, Nr. 828, S. 230 („die Gräfin von Mörs“ ist ein Anachronismus der Archivregistratur). Entweder in diesem Jahr oder 1500 wurde sie anstelle von Kuno II. von Manderscheid († 1501), der das Lehen auftrug, von Erzherzog Philipp von Österreich mit dem gesamten Zoll auf der unteren Maas – dem sogenannten Schleidener Zoll – belehnt.Regesten zweier Urkunden vom 2. September 1500; Fürstliches Archiv Burgsteinfurt (Inventar des Moerser Archivs von 1600); G. Aders (Bearb.): Urkunden und Akten der Neuenahrer Herrschaften und Besitzungen Alpen, Bedburg, Hackenbroich, Helpenstein, Linnep, Wevelinghoven und Wülfrath sowie der Erbvogtei Köln. (Inventare nichtstaatlicher Archive 21). Landschaftsverband Rheinland, Köln 1977, Nr. 834 und 835; vgl. Gemeentearchief Roermond Regesten, Nr. 1557 und 1558.
Nach dem Tod von Wilhelm I. von Neuenahr 1497 wurden Goedart Dutsche (Goedert Duytzsche, Deutz, Dütsch) von AußemIn Oberaußem befand sich der adelige Sitz Deutzer (Deutscher) Hof, ein Lehen des Abts von Kornelimünster. (Aushem, Onssem) genannt van der Kulen (Kuylen, Kaulen),Hof zur Kaulen bei Neurath im Amt Liedberg; vgl. Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Kurköln Lehen, Specialia, 115). Das Geschlecht von der Kuhlen führte wie die Grafen von Neuenahr (von Are) einen rechtssehenden Adler im Wappen.Vgl. Johann Schultze: Die Walpoden von der Neuerburg und Herren von Reichenstein. In: Annalen des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung 38 (1908), S. 104–197, bes. S. 167f (Digitalisat bei OpenLibrary). Lehnsträger von Bucke bei Kaster,Vgl. Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Kurköln Lehen, Specialia, 28 Bucke zwischen Kaster und der Kuylen). Paul von der Kuylen (Pauwel van der Kuilen) war 1540 und 1559/60 Keller zu Kaster; vgl. Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Jülich, Lehen, Spezialia Nr. 116 Urk. 6). und Conrad Roß von Laach († 1508),Vgl. Ernst von Oidtman: Haus Laach im Kreise Bergheim und seine Besitzer. In: Mitteilungen der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde 1 (1913–1917), S. 228–234. Jülicher Landrentmeister und Rentmeister des Amtes Kaster, als Vormünder für ihre Kinder bestellt.Vgl. Urkunde vom 17. Juni 1505; Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen Münster (Grafschaft Tecklenburg - Rheinische Urkunden, Nr. 91); Günter Aders (Bearb.): Urkunden und Akten der Neuenahrer Herrschaften und Besitzungen Alpen, Bedburg, Hackenbroich, Helpenstein, Linnep, Wevelinghoven und Wülfrath sowie der Erbvogtei Köln. (Inventare nichtstaatlicher Archive 21). Landschaftsverband Rheinland, Köln 1977, Nr. 140, S. 49. Die Grafen Jakob II. von Horn († 1500)Vgl. Gemeentearchief Roermond Regesten, Nr. 1560; verschiedentlich auch † 1502 angesetzt. und Wilhelm III. von Wied und Moers († 1526) kamen 1498 überein, dass Schloss, Stadt und Herrlichkeit Weert, die Wilhelm I. sequestriert (verwaltet) hatte, von Jakobs Nichte Walburga von Manderscheid regiert werden sollten.Urkunde vom 13. Oktober 1498; Herzog von Croÿ'sches Archiv Dülmen (M III-1); Regesten Gemeentearchief Roermond, Nr. 1534. Die hornsche Herrschaft Weert war 1486 von Jakob II. von Horn an Vincenz von Moers bzw. Wilhelm von Manderscheid verpfändet worden.Regest einer Urkunde vom 11. November 1486; Fürstliches Archiv Burgsteinfurt (Inventar des Moerser Archivs von 1600); G. Aders (Bearb.): Urkunden und Akten der Neuenahrer Herrschaften und Besitzungen Alpen, Bedburg, Hackenbroich, Helpenstein, Linnep, Wevelinghoven und Wülfrath sowie der Erbvogtei Köln. (Inventare nichtstaatlicher Archive 21). Landschaftsverband Rheinland, Köln 1977, Nr. 775; vgl. Gemeentearchief Roermond Regesten, Nr. 1387. Mit Wilhelm von Manderscheid ist vermutlich Wilhelm I. von Neuenahr als Gatte der Walburga von Manderscheid gemeint.
Walburga von Manderscheid-Schleiden schloss 1499 für ihre Kinder einen Erbteilungs- und Schiedsvertrag über die von ihr geerbten großväterlichen und elterlichen Güter ab. Für 4000 Gulden verpfändete sie eine Jahresrente von 200 Gulden aus ihrem Anteil an den Zöllen auf der Maas.Regest einer Urkunde vom 24. Juli 1499; Fürstliches Archiv Burgsteinfurt (Inventar des Moerser Archivs von 1600); G. Aders (Bearb.): Urkunden und Akten der Neuenahrer Herrschaften und Besitzungen Alpen, Bedburg, Hackenbroich, Helpenstein, Linnep, Wevelinghoven und Wülfrath sowie der Erbvogtei Köln. (Inventare nichtstaatlicher Archive 21). Landschaftsverband Rheinland, Köln 1977, Nr. 833; vgl. Gemeentearchief Roermond Regesten, Nr. 1542. Ihrem Sohn Hermann von Neuenahr verschaffte sie 1500 ein Kanonikat an der Kathedrale St. Lambert in Lüttich, wo Walburgas Onkel Johann IX. von Hoorn († 1506) seit 1482 als Bischof von Lüttich residierte.
1502 löste Walburga von Manderscheid für 2000 Goldgulden den Hof Morken aus, den sie zusammen mit ihrem verstorbenen Mann verpfändet hatte. Im selben Jahr heiratete sie Frederik van Egmond. 1505 einigten sich Walburga und ihr Mann Frederik mit den Vormündern ihrer Söhne aus erster Ehe über die Ansprüche auf ihr Wittum, Silber und die Renten. Für ihren Sohn Hermann bezeugten 1505 Graf Philipp II. von Virneburg und Neuenahr, Herr zu Saffenberg († 1517/25), Graf Wilhelm III. von Wied und Moers, Herr zu Ysenburg und Runkel, Graf Wilhelm I. von Sayn-Wittgenstein, Herr zu Homburg (1480–1570), und Heinrich II. von Reichenstein, Herr zu Kerpen und Reckheim († 1506) ihre adelige Abstammung als Mutter des künftigen Kölner Stiftsherrn.Urkunde vom 18. April 1505; Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 210 Domstift, U 1/1934). Hermann von Neuenahr war bereits 1495 als Dreijähriger für das Kanonikat präsentiert worden. 1509 vergab Walburga Rechte aus dem Maaszoll zwischen Maastricht und Venlo an Michiel Hendricksz. Haenegreeff († 1524) von Eindhoven anlässlich seiner Hochzeit mit ihrer Nichte Johanna van Hoorn († 1558).Kopie einer Urkunde von 1509 (1620); Regionaal Historisch Centrum Eindhoven (Heerlijkheid Cranendonck, Leenhof 15023 - 2766); vgl. Urkunde vom 25. Februar 1521; Algemeen Rijksarchief Brüssel (Leenhof van Brabant 351).
1516 war Walburga in Kleve Taufpatin von Herzog Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg (1516–1592).Vgl. Theodor Ilgen (Hrsg.): Die Duisburger Chronik des Johann Wassenberch von 1474–1517. In: Die Chroniken der westfälischen und niederrheinischen Städte, Bd. III. (Die Chroniken der deutschen Städte 24). S. Hirzel, Leipzig 1895, S. 177–252, bes. S. 250. 1519 siegelte sie die Wittumsverschreibung ihres Sohnes Wilhelm II. von Neuenahr für seine Braut Anna von Wied mit.Urkunde vom 3. Januar 1519; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Kurköln, Urkunden Nr. 3983).
Nach Frederiks van Egmond Tod lebte Walburga im Huis van Ysselstein in der Orthenstraat (Nr. 36) gegenüber dem Sint Geertruiklooster in ’s-Hertogenbosch.Vgl. Alexander Frederik Oscar van Sasse van Ysselt: De voorname huizen en gebouwen van 's-Hertogenbosch … Aantekeningen uit de Bossche schepen-protocollen, Bd. I. 's-Hertogenbosch 1911, S. 120–135, bes. S. 127 (Digitalisat im Internet Archive). Frederik van Egmond vermachte Walburga den Nießbrauch der Herrschaft Cranendonck.Vgl. Urkunde vom 25. Februar 1521; Algemeen Rijksarchief Brüssel (Leenhof van Brabant 351). Michiel Hendricksz. Haenegreeff vertrat Walburga von Manderscheid 1521 vor dem brabantischen Lehenshof in Brüssel. 1527 gestattete ihr Kaiser Karl V., ihre Erblehen in ihrem Testament frei zu vererben.Vgl. G. Aders (Bearb.): Urkunden und Akten der Neuenahrer Herrschaften und Besitzungen Alpen, Bedburg, Hackenbroich, Helpenstein, Linnep, Wevelinghoven und Wülfrath sowie der Erbvogtei Köln. (Inventare nichtstaatlicher Archive 21). Landschaftsverband Rheinland, Köln 1977, S. 249, Nr. 917. 1530 übertrug sie den Nießbrauch an Haus IJsselstein ihrem Stiefsohn Floris van Egmond (1469–1539).1542 kam das Haus an Lubbert Godertsz. Torck († 1546/48), den Herrn von Sinderen und Hemert, Sohn der Margriet van Egmond; es wurde später Huis van Hemert genannt. Als ihr Bevollmächtigter trat dabei Junker Daniel Godschalksz. van Gerwen († 1559) auf, der zweite Ehemann ihrer Nichte Johanna van Horne und Drost von Cranendonck.