mini|hochkant|Gregor von Bochmann, um 1890 Gregor von Bochmann (* Eintrag im Taufregister der Gemeinde Karusen (estnisch: Karuse kogudus) auf dem Gut Nehhat (estn. Nehatu) in Estland; † 12. Februar 1930 in Hösel bei Düsseldorf) war ein deutsch-baltischer Maler und Zeichner, der an der Düsseldorfer Kunstakademie studierte und danach in Düsseldorf sesshaft wurde.

Durch seine regelmäßigen Ausstellungsbeteiligungen und seine teilweise spektakulären Frühwerke war Bochmann zu Lebzeiten stets populär. Nach seinem Tod wurden 1930 und 1951 im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen zwar Gedächtnisausstellungen für ihn ausgerichtet (1951 mit 70 Werken), danach jedoch wurde es – abgesehen von der ungebrochenen Präsenz seiner Bilder im internationalen Kunsthandel – etwas stiller um ihn. Seit dem Anfang dieses Jahrhunderts gab es allerdings Ausstellungen in Düsseldorf und Estland, und ein Buch erschien 2007 über das Leben und Werk des Malers.

Leben mini|Flottmachen eines Fischerbootes in Holland, 1888, Öl, Privatbesitz mini|Vor der Schmiede, Öl, Stiftung Sammlung Volmer, Wuppertal mini|In Erwartung, 1905, Öl mini|Estnische Bauern mit Pferdegespann, Aquarell mini|Ein Regentag, Aquarell, Museum für ausländische Kunst (Riga), Lettland mini|Kühe am Wasser in Estland, 1877, Bleistiftzeichnung mini|Pferdeschlitten, kolorierte Tuschzeichnung Gregor von Bochmann verbrachte seine Kindheit auf dem Lande in Estland, das damals von Russland verwaltet wurde. Mit seinem Vater, einem wegen seiner Verdienste im Krimkrieg geadelten Forstrevidenten der staatlichen Domänen im Gouvernement Estland, reiste er häufig über Land und schulte dabei früh seine Beobachtungsgabe. Von 1862 bis 1868 besuchte er das Gouvernements-Gymnasium in Reval (heute Tallinn), wo sein Zeichenlehrer Theodor Albert Sprengel, der selbst in Dresden und Düsseldorf studiert hatte, sein außergewöhnliches künstlerisches Talent erkannte. Er verschaffte ihm 1868 ein Stipendium der Revaler Schiller-Stiftung zum Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie, die durch die Düsseldorfer Malerschule bekannt geworden war.

Nach schnellem Durchgang durch die Zeichen- und die Antikenklasse der Akademie besuchte er 1869 ein halbes Jahr die Landschaftsklasse Oswald Achenbachs,Rudolf Theilmann: Die Schülerlisten der Landschafterklassen von Schirmer bis Dücker. In: Wend von Kalnein: Die Düsseldorfer Malerschule. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1979, ISBN 3-8053-0409-9, S. 146 bis dieser die Akademie verließ. Bereits 1871 gründete Bochmann ein eigenes Atelier in Düsseldorf und unternahm in der Folgezeit wiederholt Studienreisen nach Holland, Belgien und Estland, die ihm die Motive zu seinen Gemälden lieferten. Am 22. August 1877 heiratete er in Düsseldorf Emilie (Milla) Poensgen (* 1856), Tochter von Julius Poensgen (1814–1880) aus der bekannten Industriellenfamilie Poensgen. Ein Sohn ist der Bildhauer Gregor von Bochmann der Jüngere.

Früh beteiligte er sich an wichtigen Kunstausstellungen (Düsseldorf, München, Wien, Dresden, Berlin, Weltausstellung 1878 in Paris) und erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Neben etlichen Ausstellungsmedaillen und der Berufung in die Akademie der Künste in Berlin im Jahre 1893 wurde ihm 1895 der Titel Kgl. Preuß. Professor verliehen. Am 13. Juli 1899 wurde er in den preußischen Adelsstand aufgenommen, indem Kaiser Wilhelm II. Bochmanns russischen Adelstitel bestätigte.A. Freiherr von Houwald: Brandenburg-Preußische Standeserhebungen und Gnadenakte für die Zeit 1873-1918. Görlitz 1939, S. 110.

Durch die Gründung der Freien Vereinigung Düsseldorfer Künstler zählt Bochmann zu den frühesten Secessionisten. Bochmann war Vorstandsmitglied im Deutschen Künstlerbund.kuenstlerbund.de:

Werke Zu den Hauptwerken Bochmanns, der auch ein hervorragender Zeichner und Aquarellist war, gehören: „Estnischer Marktplatz“ (um 1870, Kunstmuseum Düsseldorf), „Die Schnitter“ (nach 1870, Nationalgalerie Berlin), „Sonntag bei der Kirche in Estland“ (1874), „Holländische Schleuse“ (1875), „Kartoffelernte in Estland“ (1876), „Werft in Südholland“ (1878, Nationalgalerie in Berlin), „Alt-Scheveninger Strandleben“ (1879), „Fischmarkt in Reval“ (1886, Kunstmuseum Düsseldorf), „Holländischer Strand“ (1888), „Rast am Kruge“ (Motiv aus Estland, 1893, Gemäldegalerie Dresden), „Holländisches Strandbild“ (1894, Neue Pinakothek in München), „An verlassener Heerstraße“ (1904), „Die Schiffe kommen“ (1907), „Muschelfischer“ (1918).

Literatur T. Abel: Bochmann, Gregor von. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker. Band 12, Saur, München/Leipzig 1996, S. 32 f.

Julia Hümme: Gregor von Bochmann (1850–1930). Leben und Werk eines deutsch-baltischen Malers in Düsseldorf (Dissertation). Verlag Ludwig, Kiel, 2007, ISBN 978-3-937719-31-3. Julia Hümme: Gregor von Bochmann (1850–1930). Der Maler als Zeichner. In: Roland Kanz, Christiane Pickartz (Hrsg.): Die Düsseldorfer Malerschule. Gründerzeit und beginnende Moderne. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2016, ISBN 978-3-7319-0364-2, S. 174–187. Silke Köhn: Gregor von Bochmann 1850–1930. In: Sammler Journal, April 2009, S. 72–79. Der Maler Gregor von Bochmann. Katalog zur Ausstellung Galerie an der Börse, Düsseldorf vom 3. bis 17. August 2002, ISBN 3-9806030-1-6. Hans Paffrath (Hrsg.): Lexikon der Düsseldorfer Malerschule 1819–1918. Band 1: Abbema–Gurlitt. Herausgegeben vom Kunstmuseum Düsseldorf im Ehrenhof und von der Galerie Paffrath. Bruckmann, München 1997, ISBN 3-7654-3009-9. Bochmann, Alexander Heinrich Gregor. In: Wilhelm Neumann: Lexikon Baltischer Künstler. Verlag von Jonck & Poliewsky, Riga 1908, S. 16 f. The Road to Reval – 19th century Estonian art from private collections. Ausstellungskatalog. Mikkel-Museum, Tallinn, 13. Februar – 21. März 2010, St. Lucas Gallery, ISBN 978-9949-21-017-6.

Weblinks

Homepage über den Maler Gregor von Bochmann mit einem (noch unvollständigen) Werkverzeichnis

Einzelnachweise

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