mini|Karte der Flensburger Förde mit dem Verlauf des Gendarmstiens (rote Linie), den dänische Grenzgendarmen von 1920 bis 1958 für ihre Patrouillengänge zur Grenzüberwachung nutzten. mini|Die Flensburger Förde um 1910 (mit deutschen Ortsnamen auch für das heute dänische Nordufer) mini|Historische Karte von 1650
Die Flensburger Förde (; niederdeutsch: Flensburger För) ist eine Förde im Bereich der westlichen Ostsee auf der Ostseite der Kimbrischen Halbinsel. Durch die Flensburger Förde verläuft die deutsch-dänische Grenze. An ihrem Ende liegt die Fördestadt Flensburg. Das Westende der Förde nahe der Krusau-Mündung markiert zugleich den westlichsten Punkt der Ostsee.
Geografie Die Flensburger Förde ist 40 bis 50 Kilometer lang (je nach Abgrenzung zur Kieler Bucht) und hat von allen Förden der Kimbrischen Halbinsel die größte Wasserfläche. Sie bildet damit als langgezogener Seitenarm der Ostsee deren westlichsten Punkt. Die westlichste Spitze der Förde bildet der Flensburger Hafen.
Gliederung Die markante Halbinsel Holnis gliedert die Flensburger Förde in die Innenförde (südwestlich) und die Außenförde (östlich). Nebenbuchten der Förde sind die Geltinger Bucht, das Nybøl Nor und die Sønderborg Bugt mit dem Vemmingbund und dem Hørup Hav. Das Hørup Hav (deutsch Höruper Haff) trennt die Halbinsel Kegnæs (deutsch Kekenis) vom übrigen Als.
Im Osten geht die Förde bei der Untiefe Bredgrund (deutsch Breitgrund) in die Kieler Bucht über, in die an dieser Stelle von Norden der Kleine Belt einmündet. Bei Gammel Pøl geht die Förde in den Kleinen Belt über.
Südliches Ufer Typischerweise wird das Südufer der Außenförde durch unterschiedliche Formen der Ausgleichsküste geprägt.H. Liedtke, J. Marcinek: Physische Geographie Deutschlands. Gotha 2001. Steile Abschnitte mit Grundmoränenkliffs wechseln mit meist schmalen Sandstrandbereichen ab, an denen zahlreiche Badestrände bestehen. Langballigau ist der einzige Fischereihafen. Ein Wahrzeichen ist die kleine Kirche von Neukirchen, die wie ihr gegenüber liegendes Pendant zu Kegnæs (dt.: Kekenis) von Herzog Johann dem Jüngeren errichtet wurde. Markant ist auch die auf einer Anhöhe gelegene Kirche von Broager. Weiter östlich liegt die Geltinger Bucht mit einem ehemaligen Fährhafen, der heute als Marina genutzt wird. Das landschaftlich eindrucksvolle Naturschutzgebiet Geltinger Birk markiert das östliche Ende der Förde.
Nördliches Ufer Das nördliche Ufer der Förde und die beiden Ochseninseln (dän.: Okseøer) gehören zu Dänemark. Der schmale Sund bei Egernsund (dt.: Ekensund) verbindet die Förde mit ihrer nördlichsten Bucht, dem Nybøl Nor (dt.: Nübeler Noor). Hier befinden sich noch einige bedeutende Ziegeleien sowie der Ort Gråsten (dt.: Gravenstein). Zwischen dem Noor und der Außenförde liegt die Halbinsel Broager Land mit der Gemeinde Broager (dt.: Broacker). Östlich davon befinden sich die Düppeler Höhen. Die Stadt Sønderborg (dt.: Sonderburg) ist nach Flensburg größter Ort an der Förde. Hier trennt der Als Sund (dt.: Alsen Sund) die Halbinsel Sundeved von der Insel Als (dt.: Alsen). Entlang des nördlichen Fördeufers führt der rund 74 km lange Wanderweg Gendarmstien (dt. Gendarmenpfad) entlang, der früher von dänischen Grenzgendarmen zur Grenzüberwachung genutzt wurde.
Hauptorte Am innersten Ende der Förde liegt Flensburg als größte Siedlung an der nach der Stadt benannten Förde. Am östlichen Ufer der Innenförde befindet sich das Seebad Glücksburg mit seinem berühmten Wasserschloss. Das dänische Sønderborg (dt.: Sonderburg) liegt im Nordosten.
Geomorphologie Entstehung Bei der Förde handelt es sich um die Ausschürfung einer Gletscherzunge innerhalb des Inlandeises, die zuletzt während der Weichsel-Kaltzeit überprägt wurde. An den Rändern dieser glazialen Tieflandsform befinden sich entsprechende Grund- und Endmoränenablagerungen. Die Entwässerung der Förde während der Vereisung erfolgte unter anderem durch ein Gletschertor im Bereich des Krusau-Tunneltals.K. Gripp: Erdgeschichte von Schleswig-Holstein. Neumünster 1964, .
Charakteristik Typisch für die Geomorphologie der Flensburger Förde ist eine niedrige bis mittelhohe Moränen-Kliffküste, die örtlich durch sandige Abschnitte der Ausgleichsküste unterbrochen ist. An den Kliffs kommt es natürlicherseits immer wieder zu Hangrutschungserscheinungen, die z. T. durch menschliche Aktivitäten verstärkt werden. Bei einer Bestandsaufnahme 2015 konnten auf deutscher und auf dänischer Seite insgesamt rund 300 Stellen mit aktiven Rutschungen entlang der Küste registriert werden. Hauptgründe für die Rutschungen sind Unterspülungen sowie die Situation des geologischen Untergrunds, wodurch unter der Moräne zum Teil Tone vorkommen.Christian Stolz: Gravitative Massenbewegungen an der Flensburger Förde: Eine Bestandsaufnahme zu Ausmaß und Gefahrenpotenzial. In: Natur- und Landeskunde. Band 123, Nr. 1-3, 2016, S. 38–49.
Bezeichnung als „Fjord“ Die Förde wird im Tourismusjargon seit jüngerer Zeit auch als „Fjord“ bezeichnet. Dies ist im wissenschaftlichen Sprachgebrauch falsch, denn ein Fjord ist ein Trogtal im Hochgebirge.Flensburg: Geomorphologe: Fjord statt Förde ist Täuschung der Touristen. In: Flensburger Tageblatt. 8. Januar 2015. Aufgrund der niedrigen Seitenflanken kann die Förde auch nicht als fjordähnlich bezeichnet werden.H. Liedtke: Die nordischen Vereisungen in Mitteleuropa. (= Forschungen zur Deutschen Landeskunde. 204). 1981, ISBN 3-88143-020-2.K.-D. Schmidtke: Die Entstehung Schleswig-Holsteins. Neumünster 1992, ISBN 3-529-05316-3.
Im Dänischen ist Flensborg Fjord die korrekte Bezeichnung. Das dänische Wort fjord kann gleichermaßen einen Fjord wie eine Förde bezeichnen.
Schifffahrt Geschichte mini|hochkant=0.7|Gedenktafel am Gebäude Schiffbrückstraße 8 an Friedrich Mommse Bruhn, Gründer der Flensburger Förde Dampfschifffahrt mini|Salon- und Fördedampfer Alexandra von 1908
Als Gründer der Flensburger Fördeschifffahrt gilt der Kaffeehändler Friedrich Mommse Bruhn (1832–1909), der mit dem Dampfschiff Seemöwe 1866 den ersten Fördedampfer in Dienst stellte. Dieser, nach Vorbild der Hamburger Alsterdampfer gebaut und gut siebzehn Meter lang, war eigens in Hamburg gebaut worden. Die eigentliche Eröffnungsfahrt fand am 1. Mai 1866 statt.Gert Uwe Detlefsen: Flensburger Fördeschiffe. Köhlers Verlagsgesellschaft, Herford 1977, ISBN 3-7822-0135-3, S. 39. Es entstand ein lukrativer Linienverkehr der Dampfer-Compagnie, der von Flensburg über Kollund, Ekensund und Gravenstein am Nordufer bis nach Glücksburg-Sandwig am Südufer führte. Damals markierte die Förde noch keine Staatsgrenze, sondern beide Ufer gehörten seit 1867 zu Preußen. Mit weiteren Schiffen, wie zwei Jahre später der Seeadler und die Heinrich-Adolph, sowie neuen Anlegestellen in Randershof, Rinkenis-Sandacker und Brunsnis bauten Flensburger und Sonderburger See- und Kaufleute unter Bruhns Führung die Fördeflotte zu einer der stattlichsten Küstenflotten Deutschlands aus.
Im März 1873 wurde die Flensburg-Ekensunder Dampfschiffsgesellschaft gegründet und zwei Monate später mit der Skjold auf der Linie Apenrade-Sonderburg-Flensburg die konkurrierende Sonderburger Dampfschifffahrts-Actien-Gesellschaft. Die beiden Gesellschaften fusionierten 1897 zur Vereinigten Flensburg-Ekensunder und Sonderburger Dampfschiffs-Gesellschaft (kurz „Vereinigte“). Zu ihrem Höhepunkt 1910 besaß die Reederei 25 Schiffe, die insgesamt bei bis zu 50 Abfahrten täglich über eine Million Fahrgäste und 1,2 Mio. Stückgut beförderten. 1913 waren es sogar 29 Schiffe, darunter die Feodora von 1898, die Alexandra von 1908 und die Albatros von 1912.
Nach der Grenzziehung 1920, bei der Flensburg sein Hinterland verlor und der Passzwang eingeführt wurde, sowie der Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre kam die Fördeschifffahrt fast zum Erliegen und 1935 das Ende der Vereinigten. Ein Generationswechsel hin zu Motorschiffen wie der Forelle (1934) und der Libelle (1934) führte 1935 zur Gründung der Förde Reederei. Es entstanden neue Anlegestellen in Solitüde, an der Holnisspitze und in Langballigau und in Flensburg 1937 eine neue Fördebrücke, ein zweckmäßiger Ziegelsteinflachbau, der bis zur Neugestaltung der Schiffbrücke im Jahr 1997 hielt.
Im und nach dem Zweiten Weltkrieg hielten Viehtransporte die Personenschifffahrt aufrecht. Nach Aufhebung der Sperrzone für deutsche Schiffe am dänischen Nordufer begann ab 1953 (zunächst zwischen Kollund und Flensburg) die Ära der grenzüberschreitenden Butterfahrten, belebt durch die Konkurrenz der 1957 neugegründeten Reedereien Hansa-Linie und Flensburger Personen-Schifffahrt GmbH. Für die boomende Fördeschifffahrt wurden neue Schiffe gebaut, wie die Glücksburg (1959), Mürwik (1960), Holnis (1961), Meierwik (1963), Jürgensby (1966) und die Langballigau (1966), die bis nach Ærøskøbing fuhren. Mitte der 1960er Jahre wurden über zweieinhalb Millionen Fahrgäste gezählt.
Mit der Außerdienststellung der Alexandra 1975 endete die große Ära der Fördedampfer. Die Flensburger Fördeschiffe wurden in den 1980er und 1990er Jahren nach und nach verkauft.
Gegenwart Die Förde gilt heute als bedeutendes Segelrevier. Segler aus vielen Ländern besuchen sie jedes Jahr. Die Flensburg-Fjord-Regatta und die Rum-Regatta werden hier alljährlich ausgetragen. Die Meeresbucht ist auch für kommerziell betriebene Lastschiffe schiffbar; Schiffe aus der Flensburger Werft benutzen sie als Verbindung in die offene Ostsee. Ebenso ist die Flensburger Förde als traditioneller Marinestandort in Mürwik für die militärische Seefahrt bedeutend. Zudem verkehren auch nach Ende der Butterfahrten vor allem im Sommerhalbjahr noch Ausflugsschiffe auf unterschiedlichen Routen, unter anderem von Flensburg nach Glücksburg und nach Dänemark rund um die Ochseninseln.
Regattasport Der Flensburger Segel-Club (FSC) veranstaltet seit 1948 jährlich die Wettfahrt Blaues Band der Flensburger Förde für die schnellste einheimische Einrumpf-Yacht nach gesegelter ZeitFSC-Regatten: Wanderpreise Flensburger Fördewoche, abgerufen am 16. Februar 2020. und seit 1968 die Wettfahrt Blau-Gelbes Band der Flensburger Förde für die schnellste auswärtige Einrumpf-Yacht nach gesegelter Zeit. Seit 1973 wird vom FSC jährlich die Flensburger Fördewoche (im Herbst) mit diversen Regatten als Jahresabschluss der norddeutschen und skandinavischen Regattascene veranstaltet.
Die Flensburg-Fjord-Regatta und die Rum-Regatta werden jedes Jahr am Himmelfahrtswochenende veranstaltet. Als Pendant zur Rum-Regatta begründete der Unternehmer Oliver Berking von der Flensburger Robbe & Berking Yachtwerft 1994 die Flensburger Klassiker-Regatta, die auf der Förde seit 2006 alle vier Jahre im Juni mit der Classic Week eine Fortsetzung findet. Die Ostsee-Regatta zwischen Flensburg, Sønderborg, Kappeln, Eckernförde und Kiel findet in der Woche vor der Kieler Woche statt und wird organisiert vom Freundeskreis Klassische Yachten.
Leuchttürme In und an der Förde stehen heutzutage mehrere bekannte Leuchttürme. Ein erster Leuchtturm wurde 1845 bei Kegnæs errichtet, der 1896 durch einen größeren ersetzt wurde. Außerdem lag das Feuerschiff Kalk Grund von 1876 bis 1910 vor der Geltinger Bucht, eine südliche Bucht am Anfang der Flensburger Förde. Ersetzt wurde diese wiederum durch die Flensburg (bis 1924 Kalkgrund II), die von 1910 bis 1963 den Dienst übernahm.