Global Witness („Weltweite Zeugenschaft“) ist eine internationale Nichtregierungsorganisation. Sie wurde 1993 gegründet und bemüht sich, die Verbindung zwischen der Rohstoff-Ausbeutung, Konflikten, Armut, Korruption und Missachtung von Menschenrechten aufzubrechen. Sie hat Büros in London (Sitz) und Washington, D.C. und bezeichnet sich als politisch unabhängig.
Profil Das Ziel ist nach eigenen Angaben, die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen und die internationalen Handelssysteme aufzudecken und Kampagnen zu veranstalten, um Straflosigkeit, Ressourcen-Konflikte, Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzung zu beenden.Global-Witness-Website, Die Organisation untersucht, wie mit Diamanten und anderen Rohstoffen Kriege und Korruption finanziert werden. Sie führt Untersuchungen durch zur Beteiligung von Personen und Unternehmen an illegaler und nicht nachhaltiger Waldnutzung und an der Korruption in der Öl-, Gas- und Bergbauindustrie.
Die Organisation kombiniert investigative Recherche, Veröffentlichung von Berichten und Lobbyarbeit. Die Berichte werden an Regierungen, zwischenstaatliche Organisationen und Medien verteilt. Damit sollen die Weltpolitik und die Einstellung zu Rohstoffgewinnung und -handel beeinflusst werden; man will aufzeigen, wie Korruption die wirtschaftliche Entwicklung beeinflusst und die Menschenrechte gefährdet.
Kampagnen Die Organisation hat über Diamanten, Öl, Holz, Kakao, Gas, Gold und andere Rohstoffe gearbeitet. Sie hat Untersuchungen und Fallstudien in Kambodscha, Angola, Liberia, der Demokratischen Republik Kongo, Äquatorialguinea, Kasachstan, Burma, Indonesien, Simbabwe, Turkmenistan und der Elfenbeinküste unternommen. Sie hat internationale Initiativen wie die Extractive Industries Transparency Initiative (EITI) mitbegründet , den Kimberley-Prozess und die Publish What You Pay Coalitionhttp://www.publishwhatyoupay.org/about.
Die erste Kampagne richtete sich gegen den Handel mit illegalem Holz zwischen Kambodscha und Thailand, der die Guerillakämpfe der Roten Khmer finanziert hatte.Global-Witness-Website:
Die Organisation argumentiert, dass mit Rohstoffen Armeen und Milizen finanziert wurden und werden, die morden und vergewaltigen und die Menschenrechte der Bevölkerung verletzen. Sie sagt, dass „Rohstoffe genutzt werden können, um zu verhandeln und den Frieden zu erhalten“ und „der Schlüssel zur Beendigung der Armut in Afrika sein könnten“.
Kambodscha Die erste Kampagne der Organisation fand in Kambodscha in den 1990er Jahren statt, wo die Roten Khmer sich durch illegalen Holzschmuggel über die Grenze nach Thailand finanzierten. Die Kampagne führte zum Schließen der Grenze. Der englische Observer führte das Schließen der Grenze auf die "detaillierte und genaue Berichterstattung" von Global Witness zurück.Observer Newspaper, Going Underground, von John Sweeney, 26. März 2000
Nachdem ein Bericht die Verwicklung von Verwandten des Ministerpräsidenten Hun Sen und anderer hochrangiger Regierungsvertreter aufgedeckt hatte, wurde der Bruder des Premierministers Hun Neng, der auch Provinzgouverneur war, in einer kambodschanischen Zeitung zitiert mit den Worten, wenn jemand von Global Witness nach Kambodscha zurückkehrte, "schlüge er sie, bis ihre Köpfe zerbrochen seien".Reporters Without Borders, The dangers for journalists who expose environmental issues, September 2009, S. 2: Im Jahr 2009 veröffentlichte Global Witness "Country for Sale"Global-Witness-Website, Country for Sale, 5. Februar 2009: , einen Bericht über Korruption bei der Vergabe von Kambodschas Rohstofflizenzen. Im Jahr 2010 wurde der Bericht "Shifting Sand" veröffentlicht, der Baggerarbeiten für den Export von Sand nach Singapur beleuchtete. Der Bericht behauptete, dass der Handel "von zwei prominenten kambodschanischen Senatoren mit engen Verbindungen zu Ministerpräsident Hun Sen monopolisiert wurde".Global-Witness-Website, Shifting Sand, how Singapore's demand for Cambodian sand threatens ecosystems and undermines good governance, Mai 2010:
Blutdiamanten Im Jahr 1998 veröffentlichte Global Witness den Bericht "A Rough Trade – The Role of Companies and Governments in the Angolan Conflict"Global-Witness-Datei, A Rough Trade. The Role of Companies and Governments in the Angolan Conflict: http://www.globalwitness.org/sites/default/files/pdfs/A_Rough_Trade.pdf , der die Rolle des internationalen Diamantenhandels bei der Finanzierung des angolanischen Bürgerkriegs beschrieb.
Sierra Leone mini|Diamantenwäscher in Sierra Leone Die Organisation hat sich auch in Sierra Leone engagiert. Im Rahmen ihrer Kampagne gegen Blutdiamanten, half Global Witness bei der Gründung des Kimberley Process Certification Scheme (KPCS). Das internationale staatliche Zertifizierungssystem, das eingerichtet wurde, um den Handel mit Diamanten zu beenden, aus dem sich Kriege und Bürgerkriege finanzierten, stellt sicher, dass nur noch Rohdiamanten gehandelt werden dürfen, denen die Regierung ihres Herkunftslandes Konfliktfreiheit bescheinigt hat.Global-Witness-Website: Wie viele andere afrikanische Länder südlich der Sahara, ist Sierra Leone ein Land mit Bodenschätzen, sozialer Ungleichheit, großer Armut und vielen Konflikten.K. Omeje (Hg.). Extractive Economies and Conflicts in the Global South Multi Regional Perspectives on Rentier Politics. Hampshire/Burlington: Ashgate Publishing Limited, 2008.
Unter der Rebellenbewegung Charles Taylors, die die Diamanten-Industrie beherrschte, wurden Diamanten mit der Revolutionary United Front (RUF) gegen Waffen gehandelt.Global-Witness-Website, History of the Conflict: http://www.globalwitness.org/campaigns/conflict/post-conflict/liberia/liberia-sierra-leone-and-charles-taylor Allein diese Rebellengruppe erbrachte in der Spitze 125 Millionen US-Dollar. Im Jahr 1998 hat Global Witness festgestellt, dass Diamanten diese Konflikte fördern. Durch eine UN-Untersuchung im Jahr 2000 wurde belegt, dass die Edelsteine aus dem östlichen Sierra Leone über Liberia in den internationalen Markt geschmuggelt wurden. Im März 2001 wurden dann von der UNO gegen liberianische Diamanten Sanktionen verhängt.
Am 19. Juli 2000 hat der World Diamond Congress in Antwerpen eine Resolution angenommen, die Fähigkeit der Diamantenindustrie zu verstärken, den Verkauf von Blutdiamanten zu blockieren.https://diamondfacts.org/CNN.com, Diamond industry approves ban on war-related gems, 19. Juli 2000: http://edition.cnn.com/2000/WORLD/africa/07/19/blood.diamonds.02/index.html?iref=allsearch Unter dem wachsenden internationalen Druck durch Global Witness und andere NGOs wurden über drei Jahre Tagungen mit Diamanten-produzierenden Ländern veranstaltet, die im Januar 2003 die Schaffung eines internationalen Zertifizierungssystems für Ex- und Import von Diamanten, bekannt als KCPS, beschlossen. Es verpflichtete die Gesetzgebung aller Länder, nur den Versand von Diamanten mit offiziell versiegelten Verpackungen zu erlauben, denen ein KP-Zertifikat ihre Konfliktfreiheit garantiert. Jeder, der mit Konfliktdiamanten handelt, wird angezeigt und angeklagt.CNN.com, Diamond industry approves ban on war-related gems, 19. Juli 2000: http://edition.cnn.com/2000/WORLD/africa/07/19/blood.diamonds.02/index.html?iref=allsearch
Der Kimberley-Prozess (KP) begrenzte den Handel mit Blutdiamanten in Sierra Leone in kurzer Zeit; er half dabei, das Leben der Menschen wieder friedlich, sicher und stabil zu machen. Er kanalisierte größere Mengen an Diamanten in den internationalen Markt, steigerte die Staatseinnahmen und unterstützte die Entwicklung. Im Jahr 2006 wurden schätzungsweise Diamanten im Wert von 125 Mio. US-$ aus Sierra Leone legal exportiert, im Vergleich zu fast nichts in den 1990er Jahren.
Trotz seiner Erfolge gab Global Witness neun Jahre später, am 5. Dezember 2011, bekannt, dass sie den Kimberley-Prozess verlassen hatte, weil die Regierungen kein weiteres Interesse an der Reform zeigten.Global-Witness-Website, Global Witness leaves Kimberley Process, calls for diamond trade to be held accountable, 5. Dezember 2011:
Öl- und Gasförderung, Bergbau Die Organisation setzt sich für mehr Transparenz im Öl-, Gas- und Bergbausektor ein. Sie ist eines der Gründungsmitglieder der Vereinigung Publish What You Pay (PWYP), die sich für "die obligatorische Offenlegung von Unternehmenszahlungen und Regierungseinnahmen aus dem Öl-, Gas- und Bergbausektor"The Guardian, Letters. Banks, tax havens and corruption, 9. Februar 2010: https://www.theguardian.com/world/2010/feb/09/bae-systems-corruption-tax-havens einsetzt. Über 300 Organisationen weltweit sind Mitglied der PWYP. Andere PWYP-Gründer sind CAFOD, Oxfam, Save the Children UK, Transparency International UK und George Soros, Vorsitzender des Open Society Institute.
Die Organisation unterstützte auch die Gründung der Extractive Industries Transparency Initiative, die von dem damaligen britischen Premierminister Tony Blair auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Johannesburg im September 2002 angekündigt und offiziell von der Weltbank im Dezember 2003 in Évian-les-Bains gegründet wurde.
Republik Kongo Die Organisation ist zu einer Reihe von Fragen in der Republik Kongo aktiv. Sie hat immer wieder aufgezeigt, wie mit dem Ölreichtum des Landes umgegangen wird, wie die kongolesische Regierung immer wieder künftige Öleinnahmen gegen schnelles Bargeld verpfändet, obwohl sie immer wieder versprochen hat, diese Praxis einzustellen. 2007 zeigte Global Witness, wie der Präsidentensohn Denis Christel Sassou Nguesso staatliche Öleinnahmen zum Einkauf persönlicher Luxusartikel verwendete. Global Witness zeigte in ihrem Report "Undue Diligence: How banks do business with corrupt regimes"Global-Witness-Datei, Undue Diligence. How banks do business with corrupt regimes, März 2009: http://www.globalwitness.org/sites/default/files/pdfs/undue_diligence_lowres_0.pdf die Geldflüsse hinter der Korruption auf und beleuchtete, wie Lücken im globalen Finanzsystem es den Banken ermöglichen, Geschäfte mit korrupten Politikern zu machen.Global-Witness-Website, Republic of Congo: http://www.globalwitness.org/campaigns/corruption/oil-gas-and-mining/republic-of-congo
Wälder Die Organisation hat viel über Wälder gearbeitet. Sie erstellte Berichte darüber, wie Holz dazu beiträgt, den Bürgerkrieg in Liberia zu finanzieren und betrachtete den Holzschmuggel aus Burma nach China.Global-Witness-Datei, Timber, Taylor, Soldier, Spy: How Liberia’s uncontrolled resource exploitation, Charles Taylor’s manipulation and the re-recruitment of ex-combatants are threatening regional peace, Juni 2005: http://www.globalwitness.org/sites/default/files/import/TimberTaylorSoldierSpy.pdf (PDF) Vor kurzem verklagte Global Witness in Frankreich die dänische Firma DLH (Dalhoff Larsen & Horneman), ein Unternehmen, dem sie vorwirft, Holz von liberianischen Unternehmen während des Bürgerkrieges zwischen 2001 und 2003 gekauft zu haben und damit das Regime von Charles Taylor unterstützt zu haben.Global-Witness-Datei, Bankrolling Brutality: Why European timber company DLH should be held to account for profiting from Liberian conflict timber, 2010: http://www.globalwitness.org/sites/default/files/library/bankrolling_brutality_low.pdf
Die Organisation beschreibt Wälder als die "letzte Bastion gegen den Klimawandel". Die Entwaldung verursacht etwa ein Siebtel der weltweiten Kohlendioxid-Emissionen, ähnlich viel wie der gesamte weltweite Verkehr.Global-Witness-Website: