mini|hochkant|Äußerer Klosterhof der Abtei und Türme der Basilika Seckau mini|hochkant|Türme der Basilika bei Nacht mini|Basilika Mariä Himmelfahrt – Innenansicht nach der Renovierung 2017.

Die Basilika Seckau (Basilika Mariä Himmelfahrt) ist die Abteikirche der Benediktinerabtei Seckau und Pfarrkirche der Marktgemeinde Seckau im Dekanat Knittelfeld in der Steiermark. Sie war von der Gründung der Salzburger Suffragandiözese Seckau im Jahr 1218 bis zur Verlegung des Bischofssitzes nach Graz 1782 die Kathedralkirche der Steiermark. 1930 wurde ihr nach der Basilika von Mariazell (1907), der Herz-Jesu-Basilika in Hall in Tirol (1914) und der Basilika Maria Rotunda (Dominikanerkirche) in Wien (1927) als vierter Kirche in Österreich und als zweiter Kirche in der Steiermark der Titel einer päpstlichen Basilika minor verliehen.

Der Grundriss der romanischen, aus Seckauer Sandstein erbauten Kirche zeigt einen langgestreckten, dreischiffigen Innenraum mit drei Apsiden im Osten. Eine romanische Kreuzigungsgruppe aus Holz schwebt in einer aus Eichenbalken mit Eisenketten kombinierten Aufhängung über dem Hochaltar. Das im linken, vorderen Seitenschiff befindliche Habsburger-Mausoleum zählt zu den frühbarocken Hauptwerken des Grazer Hofes. Die Gnadenkapelle birgt das Seckauer Gnadenbild, das älteste Gnadenbild Österreichs, das aus der Zeit um 1200 stammt: nach der Legende habe der Gründer des Stiftes Seckau Adalram von Waldeck dieses Relief aus jadeartigem Stein in einem Baum gefunden und an dieser Stelle die Kirche erbaut. Vermutlich ist das Alabasterrelief in einer venezianischen Werkstatt nach dem byzantinischen Vorbild der Nikopoia geschaffen worden. Eine zeitgenössische Ergänzung ist die Engelkapelle, in der Herbert Boeckl 1952–1960 in seiner Seckauer Apokalypse Themen aus der Offenbarung des Johannes in Freskotechnik darstellt.

Geschichte mini|links|Frühbarocke Gedenktafel zur Einweihung der Basilika (16. September 1164) in der Vorhalle (mit der irrigen Namensangabe Hermann statt Hartmann von Brixen) mini|Grundriss der Basilika 19. Jahrhundert, verändert durch Umbauten 1891–1893 mini|Innenraum der Basilika nach der Renovierung 2017: Blick zum Altarraum: Habsburger Mausoleum, Mönchschor und Hochaltar mit romanischer Kreuzigungsgruppe

Der erste Propst der Abtei, Wernher von Galler, begann 1143 unter dem Einfluss von Erzbischof Konrad I. von Salzburg mit der Errichtung einer dreischiffigen Basilika, die 1164 fertiggestellt wurde. Am 16. September 1164 weihte Bischof Hartmann von Brixen die romanische Kirche. Auf Veranlassung von Papst Honorius III. und Erzbischof Eberhard II. von Salzburg wurde 1218 die Salzburger Suffragandiözese Seckau eingerichtet. Die Stiftskirche wurde nun auch Kathedralkirche (bis heute wird sie deshalb als Dom im Gebirge bezeichnet). Mit der Aufhebung des ursprünglichen Chorherrenstiftes Seckau durch Kaiser Joseph II. wurde der Sitz der Diözese nach Graz verlegt, die Kirche verlor ihren Status als Kathedrale. 1930 wurde die Kirche zur päpstlichen Basilika minor erhoben.

Der heutige Sakralbau besteht aus unterschiedlichen Bauabschnitten. Der ursprüngliche Südturm, im 12. Jahrhundert errichtet, war um einiges älter als der Nordturm aus dem Jahr 1333. Die Vorhalle der Basilika stammt aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Im 14. und 15. Jahrhundert wurden die Seitenschiffe eingewölbt. Die Einwölbung des Mittelschiffes mit einem Sternrippengewölbe erfolgte um 1480/1500.Woisetschläger/Krenn: Dehio Steiermark (ohne Graz). S. 511.

Zwischen 1671 und 1677 kam es zur teilweisen, barocken Umgestaltung der romanischen Basilika. Sie wurde von Baumeister Peter Franz Carlone geleitet. Die weitreichenden Pläne einer völligen Umgestaltung des Kircheninneren wurden nie ausgeführt. Die Basilika erhielt eine barocke Turmfassade. Der Hochaltar und einige Seitenaltäre entstanden in dieser Zeit. Im Jahr 1886 stürzte der barockisierte Nordturm ein. Im selben Jahr wurde der Südturm abgetragen, bevor von 1891 bis 1893 beide Türme und die Westfassade wieder errichtet wurden. Zur selben Zeit wurde die Basilika nach den Plänen des Benediktiner-Paters Pirmin Camani und unter der Leitung des Wiener Dombaumeisters Freiherr Friedrich von Schmidt durch einen Anbau verlängert.

Zwischen 1884 und 1900 erfolgte eine Restaurierung bzw. Regotisierung der Innenausstattung sowie die Entfernung der barocken Westempore und der barocken Altäre. Wie der romanische Kern sind auch die neuromanischen Umbauten des 19. Jahrhunderts aus Seckauer Sandstein gefertigt oder mit Sandstein verkleidet wie die Turmfassade. Die Basilika besaß ursprünglich kein Querschiff und ähnelte in ihrer Form der Stiftskirche Sankt Peter in Salzburg. Den östlichen Abschluss bildeten drei Apsiden, die bei dem Umbau 1891/93 weiter nach hinten verschoben wurden. Ein großer Altar- und Chorbereich entstand. Durch die Umbauten wurde ein großzügiger Mönchsbereich geschaffen. Die Basilika wird als Pfarr- und als Mönchskirche genutzt.Woisetschläger/Krenn: Dehio Steiermark (ohne Graz). S. 512.

1964 gestaltete der Architekt Clemens Holzmeister den Altarraum neu.Woisetschläger/Krenn: Dehio Steiermark (ohne Graz). S. 511f. Zunächst wurde der wuchtige Ziboriumsaltar entfernt und gegen einen Altartisch aus schwarz-grünem Serpentinstein aus Sondrio ausgetauscht. Den Ziboriumsaltar überführte man nach Wien in die neuromanische Kaiserjubiläumskirche. Weiters wurde u. a. eines der ursprünglich drei romanischen Fenster im Presbyterium geöffnet, ein Abtsthron in der Apside errichtet, zwei Ambonen aus Serpentin für den Gradus geschaffen, die Kreuzigungsgruppe über den Tischaltar angebracht und eine „herbe“ handgeschmiedete Kommunionbank aus Eisen angeschafft.

2017 wurde im Hinblick auf das Diözesanjubiläum die letzte umfassende Innenrenovierung im Gesamtvolumen von 2,3 Millionen Euro abgeschlossen. Besonderes Augenmerk galt der Sicherung und Reinigung des romanischen Baustils, der Technik, den neuen Kirchenbänken sowie der Neuverlegung des Kirchenbodens. Am 1. Adventsonntag 2017 eröffnete Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl das 800-Jahr-Jubiläum der Diözese Graz-Seckau mit der Segnung der Basilika.

Baubeschreibung Außenbau mini|Neuromanische Türme der Basilika Die dreischiffige Basilika besitzt eine neuromanische Doppelturmfassade.

Am 26. Mai 1886 stürzte der romanische, barock umgebaute Nordturm ein. Der barocke Südturm wurde vom 17. November bis Ende März 1887 wegen Baufälligkeit abgetragen. Zwischen 1891 und 1893 wurden zwei neoromanische Türme mit Zeltdächern unter Wiederverwendung des Materials der abgebrochenen Türme errichtet (Höhe: 47,50 m). Den Türmen wurde wieder die päpstliche Tiara und die Kaiserkrone aufgesetzt. Die Kronen mit den Namenszügen ‚Jesus‘ und ‚Maria‘ sowie die Turmknöpfe stammen von den barocken Türmen und wurden von dem Augsburger Matthias Schandernell angefertigtBenno Roth: Benediktiner-Abtei Seckau. Schnell & Steiner, München/Zürich 1965, S. 11. (lt. einer Rechnung des Dompropstes Maximilian von Gleispach vom 24. September 1671). Zwischen den beiden Türmen wurde die großteils original erhaltene, gotische Vorhalle saniert. Bruder Bernward Schmid schuf 1986 die beeindruckende Kirchentür aus getriebenem Metall, die in die Kirchenvorhalle führt und deren Flügel Themen aus dem Neuen und dem Alten Testament zeigen. Ein Rundbogenfenster belichtet die kleine Vorhalle auf halber Höhe mit einem Rundbogenfries und darüberliegendem Zackenband. Das innenliegende, ursprüngliche Kirchenportal hat ein Tympanonrelief mit der Darstellung der Gottesmutter Maria mit Kind (um 1260). Es wurde 1964 an diese Stelle versetzt. An dem erneuerten Türblatt wurden die ursprünglichen, romanischen Beschläge wiederverwendet.

Westfassade und Türme wurden 1671 bis 1677 durch Peter Franz Carlone barock umgestaltet und von 1891 bis 1893 in neuromanischer Form neu errichtet. Eine Außenrenovierung der beiden Türme fand im Sommer 2019 statt.

Innenraum links|mini|Romanisches Portal zum Hauptraum der Basilika mit Tympanonrelief Gottesmutter Maria mit Kind

Die ursprünglichen, romanischen Holzdecken der Schiffe wurden bei dem Brand 1259 zerstört. Das heutige Gewölbe der Seitenschiffe stammt aus dem 14. und 15. Jahrhundert, jenes des Hauptschiffes aus der Zeit zwischen 1480 und 1500. Im Jahr 1892 wurden im Osten der Kirche zwei zusätzliche Joche mit neoromanischer Holzkassettendecke angebaut.

Vorhalle mini|Romanischer Löwe in der Vorhalle 319x319px|mini|links|Hauptschiff der Basilika nach der Renovierung 2017, Blick von der Orgel

Die Vorhalle ist ein annähernd quadratischer Raum aus dem 13. Jahrhundert mit einem Kreuzgewölbe. Links und rechts des Hauptportales der Kirche stehen zwei romanische Löwen aus Kalkstein. Von 1893 bis 1964 standen sie auf Sockeln vor der Freitreppe. Um sie vor der Witterung zu schützen, wurden sie 1964, anlässlich des 800-jährigen Weihejubiläums der Kirche, in die Vorhalle versetzt.Benno Roth: Seckau. Der Dom im Gebirge. S. 83.

Hauptraum Das Hauptschiff wird durch eine Reihe von Säulen und Pfeilern im Sächsischen Stützenwechsel (1-2-1) mit Rundbögen von den Seitenschiffen getrennt. Es wechseln sich Säulen, Achteckpfeiler, Rechteckpfeiler und Halbrundpfeiler ab. Ein Pfeiler ist mit Reliefs versehen. Ein weiteres Merkmal sind die unterschiedlichen Kapitelle. Die ehemals mit flachen Holzdecken ausgestatteten Schiffe erhielten gemauerte Gewölbe, die Seitenschiffe im 14. Jahrhundert Kreuzrippengewölbe, das Mittelschiff in der Spätgotik (15. Jh.) ein Netzrippengewölbe, auf Konsolen ruhend. Dieses zählt zu den schönsten der Steiermark. Einige Schlusssteine tragen Wappen.

Ausstattung Romanische Kreuzigungsgruppe mini|Romanische Kreuzigungsgruppe im 1964 von Clemens Holzmeister neu gestalteten Hochaltarbereich der Basilika

Die romanische Kreuzigungsgruppe in Seckau gehört zu den wenigen Lettner-Gruppen, die in Österreich erhalten sind. Die drei Figuren stellen den gekreuzigten Christus als zentrale Figur und Maria und Johannes als seitliche Assistenzfiguren dar. Ursprünglich befanden sich die Figuren auf dem steinernen Lettner, der in Seckau annähernd in der Mitte der Kirche aufgestellt war. Die heutige Zusammenstellung entstand um 1200. Die drei Figuren stammen aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Nach 1200 wurde das Seckauer Kreuz geschaffen und ersetzte aus unbekannten Gründen das erste Kruzifix.Benno Roth: Seckau. Der Dom im Gebirge S. 129ff. Davor war das Gaaler Kruzifix, das heute im Tiroler Landesmuseum in Innsbruck aufbewahrt wird, die zentrale Figur. Die neue Figur ist ein Dreinageltypus. Christus wird nur mehr von drei Nägeln am Kreuz gehalten, der Eindruck von Leid und Vergänglichkeit wird durch die ausdrucksstarke S-Form des Körpers betont. Das Gesicht in seiner edlen, frei von Schmerz erscheinenden Ausführung und das Fehlen von Wundmalen betonen die Hoffnung auf Auferstehung.

Habsburger Mausoleum 313x313px|mini|links|Zugang zum Habsburger Mausoleum mit im Boden liegendem Zugang zur Gruft mini|Habsburger Mausoleum, Kenotaph mini|Liegefiguren Erzherzog Karls II. und seiner Gattin Erzherzogin Maria Anna von Bayern auf Kenotaph mini|hochkant|links|Habsburger Mausoleum, Blick zum Altar mini|Putten auf Kenotaph halten das Wappen von Karl II., Front (Blick vom Eingang) mini|Putten auf Kenotaph halten das Wappen der Wittelsbach, Rückseite

Das Mausoleum, ein Raum in der Basilika, ist der Erinnerung an Erzherzog Karl II. von Innerösterreich (1540–1590) gewidmet. Seine sterblichen Überreste befinden sich nicht im aufgestellten Kenotaph, sondern in der darunter liegenden Gruft, nebst acht weiteren Mitgliedern der Familie Habsburg.

Das Mausoleum gilt als ein frühbarockes Hauptwerk des Grazer Hofes. Es zählt neben dem Mausoleum Ehrenhausen sowie dem Mausoleum für Kaiser Ferdinand II. in Graz zu den drei großen aus dem Zeitalter der Gegenreformation stammenden Mausoleen in der Steiermark.Horst Schweigert: Das Mausoleum Kaiser Ferdinand II. abgerufen am 11. Jänner 2015.