mini|Georg Seeßlen während seines Vortrags beim „Kölner Kongress 2017“ Georg Seeßlen (* 1948 in München) ist ein deutscher Autor, Feuilletonist, Cineast sowie Film- und Kulturkritiker.
Leben Seeßlen studierte Malerei bei Karl Fred Dahmen,Michael Rutschky: Gegen Ende. Tagebuchaufzeichnungen 1996–2009. Berlin 2019, S. 73. Kunstgeschichte und Semiologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.
Er war Dozent an verschiedenen Hochschulen im In- und Ausland. Er arbeitet als freier AutorEkkehard Knörer: Lexikon der Kritiker: Georg Seeßlen bei www.jump-cut.de, 14. September 2001. zu gesellschaftlichen, kulturellen und Film-Themen, für u. a. epd Film, Frankfurter Rundschau, Der Freitag, Jungle World, konkret, Der Tagesspiegel, taz, Die Zeit und Das Science Fiction Jahr und veröffentlichte zahlreiche Bücher dazu. Für den Hörfunk schreibt Seeßlen regelmäßig Features, die sich mit aktuellen Tendenzen des Kinos und der populären Kultur auseinandersetzen, zumeist in Zusammenarbeit mit Markus Metz, mit dem er mehr als ein Dutzend Bücher herausbrachte.Jörg Auberg: Rohstoff Dummheit. Über das intellektuelle Autorenduo Markus Metz und Georg Seeßlen, satt.org, 5. Januar 2013.
Seeßlen wurde auf der Frühjahrs-Mitgliederversammlung der Akademie der Künste Berlin am 25. Mai 2013 als neues Mitglied in die Sektion Film- und Medienkunst gewählt.Akademie der Künste Berlin – AdK-Blog vom 27. Juni 2013, abgerufen am 17. Juli 2013. Er ist Mitgründer des PEN Berlin.
Georg Seeßlen lebt in Kaufbeuren und in Ligurien.Michael Rutschky: Gegen Ende. Tagebuchaufzeichnungen 1996–2009. Berlin 2019, S. 73.
Themen und Positionen
Seeßlen beschäftigt sich in seinen Filmkritiken und Büchern kritisch mit aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen. In neueren Veröffentlichungen wie Orgasmus und Alltag setzt sich Seeßlen mit dem Fernsehen und mit aktuellen politischen Ereignissen auseinander. Seeßlen sieht Unterhaltung politisch. So hätten etwa die Telenovelas in Lateinamerika schon vor Jahrzehnten die Ausbeutung der Frauen in der familiären Schattenwirtschaft begleitet, in Deutschland sei es nicht anders: „Der Fernsehnachmittag gehört den Verlierer-Frauen des Neoliberalismus“.Georg Seeßlen: Globale Trostmaschine. Die Telenovela: Ein brandneues, uraltes Format erobert den deutschen Bildschirm. Im Ersten startet „Sturm der Liebe“. In: Der Tagesspiegel. 25. September 2005. In einem Interview vertrat Seeßlen 2016 die Hoffnung, Flüchtlinge könnten Europa vor seiner „weiteren Verrohung und Verblödung“ retten.Benjamin Moldenhauer: Diskurs über die AfD, Spiegel Online, 17. März 2016. In einem Essay vertrat er im Februar 2017 die These, „die letzte verbliebene Waffe der Linken und Liberalen“ sei die Sprache, die Rechtspopulisten wie Donald Trump „vergiften“.Donald Trump: Sprachattacke der Rechtspopulisten - Trompeten des Trumpismus – SPIEGEL ONLINE. Website spiegel online. Abgerufen am 11. Februar 2017.
Rezeption Jan Distelmeyer besprach 2004 Seeßlens Scorsese-Biographie:
Auszeichnung Die Jury des Bert-Donnepp-Preises erkannte Seeßlen den Medienpublizistik-Preis für das Jahr 2017 zu. Sie würdigte sein langjähriges medienpublizistisches Werk. Er sei ein sehr genauer Beobachter und gewinne Fernseh-Comedyformaten oder dem Eurovision Song Contest Einsichten ab, „die für den Leser gesellschaftspolitisch erhellend sein können“.Bert-Donnepp-Preis an epd Film-Autor Georg Seeßlen In: epd-film.de, 22. Januar 2018, abgerufen am 26. Januar 2018.
Im Mai 2024 wurde ihm der Lessing-Preis für Kritik von der Lessing-Akademie, der Braunschweigischen Stiftung und der Stadt Wolfenbüttel verliehen.Georg Seeßlen erhält den Lessing-Preis für Kritik 2024, suhrkamp.de, abgerufen am 30. Mai 2025.
Schriften (Auswahl)
Der Asphalt-Dschungel. Eine Einführung in die Mythologie, Geschichte und Theorie des amerikanischen Gangster-Films. München 1977. mit Fernand Jung und Claudius Weil: Der Horror-Film. 2 Bände. München 1977. mit Christoph Fritze und Claudius Weil: Der Abenteurer. Geschichte und Mythologie des Abenteuer-Films. Reinbek 1983. Der pornographische Film, Frankfurt am Main und Berlin 1990, ISBN 3-550-06438-1. Faust. Materialien zu einem Film von Peter Gorski. Gustaf Gründgens Meisterwerk. Duisburg 1992, ISBN 3-88932-050-3. L’homme fatale. Die Verführung der Melancholie: Der Schauspieler Adolf Wohlbrück und seine Filme. In: Christian Cargnelli, Michael Omasta (Hrsg.): Aufbruch ins Ungewisse. Österreichische Filmschaffende in der Emigration vor 1945. Band 1. Wespennest, Wien 1993, ISBN 3-85458-503-9, S. 29–38. Western. Geschichte und Mythologie des Westernfilms. Marburg 1995. Clint Eastwood trifft Federico Fellini. Essays zum Kino. Berlin 1996, ISBN 3-929470-05-5. Natural born Nazis. Berlin 1996. Erotik. Marburg 1996. mit Lars-Olav Beier (Hrsg.): Alfred Hitchcock. film 7, Berlin 1999, ISBN 3-929470-76-4. Copland: Geschichte und Mythologie des Polizeifilms. Marburg 1999. mit Fernand Jung: Stanley Kubrick und seine Filme. 3., verbesserte und ergänzte Auflage. Schüren, Marburg 2008, ISBN 978-3-89472-312-5. mit Peter Körte (Hrsg.): Joel & Ethan Coen. film: 2, Berlin 2000, ISBN 3-929470-98-5. Orgasmus und Alltag. Kreuz- und Querzüge durch den medialen Mainstream. KVV Konkret, Hamburg 2000, ISBN 978-3-930786-30-5. Ein unschuldiger Blick auf die Welt? Steven Spielberg und seine Filme. Marburg 2001, ISBN 3-89472-335-1. David Lynch und seine Filme. Marburg 2002 (6., erweiterte und überarbeitete Auflage, Arte-Edition, Marburg 2007, ISBN 978-3-89472-437-5) mit Fernand Jung: Science Fiction. Marburg 2002. Die Matrix entschlüsselt, Berlin 2003, ISBN 3-86505-151-0. Martin Scorsese, film: 6, Berlin 2003, ISBN 3-929470-72-1. Drew Barrymore, Stars! 4, Berlin 2003, ISBN 3-929470-34-9. mit Peter Körte und Robert Fischer: Quentin Tarantino. film: 1, 4. erweiterte und komplett neu bearbeitete Auflage, Berlin 2004, ISBN 3-929470-88-8. mit Fernand Jung: Horror. Geschichte und Mythologie des Horrorfilms. Grundlagen des populären Films, Marburg 2006, ISBN 3-89472-430-7. Quentin Tarantino gegen die Nazis. Alles über Inglourious Basterds. 2. korrigierte und erweiterte Auflage, Bertz + Fischer, Berlin 2010, ISBN 978-3-86505-702-0. mit Markus Metz: Blödmaschinen. Die Fabrikation der Stupidität. edition suhrkamp 2609. Berlin 2011, ISBN 978-3-518-12609-7. Filmwissen: Abenteuer. Grundlagen des populären Films. Schüren, Marburg 2011, ISBN 978-3-89472-704-8. (Erweiterte Neuauflage der Ausgabe von 1996) mit Markus Metz: Bürger erhebt Euch! Laika, Hamburg 2012, ISBN 978-3-942281-11-9. mit Markus Metz: Wir Untote Über Posthumane, Zombies, Botox-Monster und andere Über- und Unterlebensformen in Life Science & Pulp Fiction. Matthes & Seitz Berlin, Berlin 2012, ISBN 978-3-88221-563-2. Spuren der Liebe in den Filmen von Michael Haneke. In: Michael Haneke: Liebe. Das Buch. Hanser Berlin / München 2012, ISBN 978-3-446-24027-8, S. 173–206.
Lars von Trier goes Porno: (nicht nur) über NYMPHOMANIAC, Bertz + Fischer, Berlin 2014, ISBN 978-3-86505-726-6. mit Markus Metz: Geld frisst Kunst – Kunst frisst Geld. Ein Pamphlet suhrkamp, Berlin 2014, ISBN 978-3-518-12675-2. Digitales Dating. Liebe und Sex in Zeiten des Internets, Bertz + Fischer, Berlin 2015, ISBN 978-3-86505-732-7. mit Markus Metz: Hass und Hoffnung. Deutschland, Europa und die Flüchtlinge. Bertz + Fischer, Berlin 2016, ISBN 978-3-86505-737-2. (PDF), (PDF)spiegel.de vom 17. März 2016: Interview Trump! POPulismus als Politik, Bertz + Fischer, Berlin 2017, ISBN 978-3-86505-745-7.Dominik Irtenkauf: Donald Trump: Populismus als Politik, Interview mit Georg Seeßlen, Telepolis, 20. Januar 2017. mit Markus Metz: Freiheit und Kontrolle. Die Geschichte des nicht zu Ende befreiten Sklaven. suhrkamp, Berlin 2017, ISBN 978-3-518-12730-8. Is This the End? Pop zwischen Befreiung und Unterdrückung, Edition Tiamat, Berlin 2018, ISBN 978-3-89320-228-7.Uli Krug: Das ist das Ende! Georg Seeßlen hat recht. Er urteilt sogar noch milde über den zeitgenössischen Pop, Jungle World, 29. März 2018. mit Markus Metz: Der Rechtsruck. Skizzen zu einer Theorie des politischen Kulturwandels. Bertz + Fischer, Berlin 2018, ISBN 978-3-86505-747-1. mit Markus Metz: Kapitalistischer (Sur)realismus. Neoliberalismus als Ästhetik. Bertz + Fischer, Berlin 2018, ISBN 978-3-86505-735-8. mit Markus Metz: Freiheitstraum und Kontrollmaschine. bahoe books, Wien 2018, ISBN 978-3-903022-93-5. Coronakontrolle – Nach der Krise, vor der Katastrophe, bahoe books, Wien 2020, ISBN 978-3-903290-37-2. «Die sind alle hinter mir her» – Warum das Kino die Verschwörung so liebt, ZEIT Geschichte 3/2020, Vorsicht, Verschwörung!, S. 116–119, Hamburg 2020, Zeitverlag Gerd Bucerius. Die zweite Welle: Corona & Kultur: Eine Ästhetik der Krise – Eine Krise der Ästhetik, bahoe books, Wien 2021, ISBN 978-3-903290-53-2. mit Markus Metz: Beute & Gespenst. Lebenswelten im Neoliberalismus. Bertz & Fischer, Berlin 2021, ISBN 978-3-86505-760-0. mit Markus Metz: Wir Kleinbürger 4.0. Die neue Koalition und ihre Gesellschaft. Edition Tiamat, Berlin 2021, ISBN 978-3-89320-282-9. mit Markus Metz: Apokalypse & Karneval. Neoliberalismus: Next Level. Bertz & Fischer, Berlin 2022, ISBN 978-3-86505-769-3. Lucky Luke. Fast alles über den (nicht gar so) einsamen Cowboy und seinen Wilden Westen, Bertz & Fischer, Berlin 2023, ISBN 978-3-86505-774-7. Das Geld – Wie es in Leib, Seele und Gemeinschaft überspringt, bahoe books, Wien 2024, ISBN 978-3-903478-13-8. Chatbots, KI-Bildgeneratoren und Co. Wie Künstliche Intelligenz Alltag, Kultur und Gesellschaft verändert, Bertz & Fischer, Berlin 2024, ISBN 978-3-86505-777-8. Trump & Co. Der un/aufhaltsame Weg des Westens in die Anti-Demokratie, Bertz & Fischer, Berlin 2025, ISBN 978-3-86505-779-2. mit Markus Metz: Blödmaschinen II. Die Fabrikation der politischen Paranoia. Suhrkamp, Berlin 2025, ISBN 978-3-518-12846-6. Elon Musk: Der dunkle Visionär. Geld, Frauen, Pop und Tech-Faschismus, Bertz & Fischer, Berlin 2025, ISBN 978-3-86505-781-5.
Radio Adolf Wohlbrück – der melancholische Verführer, DLF-Kalenderblatt vom 9. August 2017 zum 50. Todestag des Schauspielers „Wilde Erdbeeren“ von Ingmar Bergman, DLF-Kalenderblatt vom 26. Dezember 2017 zum 60. Jahrestag der Uraufführung Der französische Filmkritiker André Bazin, DLF-Kalenderblatt vom 18. April 2018 zum 100. Geburtstag des Filmtheoretikers Der italienische Filmregisseur Federico Fellini, DLF-Kalenderblatt vom 20. Januar 2020 zum 100. Geburtstag Vor 20 Jahren: Letzte Folge der ZDF-Hitparade. Popmusik als Ware, DLF-Kalenderblatt vom 16. Dezember 2020 Meister der heimeligen Atmosphäre, DLF-Kalenderblatt vom 27. April 2021 zum 100. Geburtstag des Showmasters und Schauspielers Hans-Joachim Kulenkampff Hugo Strasser brachte Nachkriegsdeutschland den Swing, DLF-Kalenderblatt vom 7. April 2022 zum 100. Geburtstag des Klarinettisten
(mit Markus Metz) Die digitale Zukunft des Kinos: Mythos, Magie und Bildermüll. Erstsendung am 19. März 2006 auf Deutschlandradio Kultur Pixel-Monsters elektronische Küsse – Die schöne neue Welt des digitalen Kinos, Radio-Feature, WDR 2006 Das Kino, die Katastrophe und das komplexe System, RBB kulturradio, Perspektiven vom 15. Februar 2007 Columbus, San Salvador, Indianer, Bayern 2, Das Kalenderblatt vom 11. Oktober 2007 Schöner Klang, schrecklicher Lärm. Auf der Suche nach einer akustischen Ästhetik in einer lauten Zeit. Radio-Feature über Sounddesign, Deutschlandfunk 2008 The Dick Files. Ein Science-Fiction-Autor fühlt sich beobachtet, Radio-Feature über den Autor Philip K. Dick, Deutschlandradio Kultur 2008 „Ritzeratze! Voller Tücke, in die Brücke eine Lücke“ – Die Lange Nacht der Lausbubengeschichten, Zeitreisen, Deutschlandradio Kultur 2008 Ein Jahrhundert Kino-Leidenschaft – Die Geschichte des ältesten Lichtspieltheaters der Welt, Zeitreisen, Deutschlandradio Kultur 2008 Mockumenta 3. Der Fake-Event des Jahres 2009, Radio-Feature, Deutschlandradio Kultur 2009