mini|Meistens waren die Prinzenhöfe die Verwaltungsgebäude der Admiralitäten. Dort tagten die Räte und waren die Dienstwohnungen höherer Beamter. Hier der Prinsenhof in Rotterdam

Im Gegensatz zu anderen frühneuzeitlichen Staaten Europas bildeten sich in der Republik der Vereinigten Niederlande fünf eigenständige Admiralitäten heraus. Ursprünglich als Provisorium gedacht, bestanden sie bis zum Ende der Republik 1795. Obwohl sie den Generalstaaten direkt unterstellt waren, hatten sie starke Bindungen an die Provinz in der sie sich befanden. Diese fünf Admiralitäten hatten für die so genannte staatische Flotte, je nach Interesse der Provinz und deren finanziellen Möglichkeiten, eine unterschiedliche Bedeutung. Neben dem Bau und Unterhalt der Schiffe, waren sie auch für die Bezahlung der Besatzungen und des Offizierskorps verantwortlich. Die Admirale waren ebenfalls an die einzelnen Admiralitäten gebunden. Der finanzielle Bedarf der Admiralitäten wurde regulär durch regelmäßige Einkünfte aus Steuern und Abgaben und bei größerem Bedarf durch die Generalstaaten mit besonderen Anleihen gedeckt.

Vorläufer Die Admiralitäten folgten der Tradition der Admiralität von Flandern. Erst bei Bedarf wurde im Mittelalter eine Flotte zusammengeführt und unter dem Befehl eines Admirals gestellt. Die erste Erwähnung eines Admirals in den Niederlanden geschah 1356. Über mehrere Entwicklungsstufen wurde 1485 Filips van Kleef der erste Admiral aller Niederlande. Da sich dieser Adelige 1488 gegen den römisch-deutschen König Maximilian I. stellte, gründete dieser die Institution Admiralität in der so genannten Ordonanntie op de Admiraliteit. Dieses Jahr gilt noch heute als Geburtsjahr der niederländischen Marine. In dieser Ordonnanz sind auch die Aufgaben und Kompetenzen des Admirals festgelegt. Neben der Aufsicht der Kriegsführung zur See, hatte er auch die Rechtssprache in Seesachen und das Prisenrecht unter seiner Verantwortung. Der Sitz der Admiralität wurde auf Veere festgelegt und 1540 auch der Kriegshafen von Sluis dorthin verlegt. Mit dem Tod 1558 von Maximilian von Burgund endete die zentrale maritime Organisation, die Admiralität wurde nach Gent verlegt und die Schiffe verkauft.

Entstehung Wilhelm von Oranien wurde 1559 Statthalter von Holland und Zeeland. Zu diesem Zeitpunkt war die Funktion des Admirals der Niederlande (Admiraal-Generaal) an diesen Posten gebunden. Damit war er auch während des Aufstandes gegen den Kaiser Admiral der Niederlande. Allerdings gehorchten die Wassergeusen nicht seinen Befehlen und verfolgten mit den von ihm selbst ausgestellten Kaperbriefen eigene Ziele. Deshalb organisierten die aufständischen und unbesetzten Seeprovinzen eine eigene Flotte. Nach der Eroberung von Den Briel an der Maas durch die Wassergeszen wurden weitere Städte erobert oder traten zu den Aufständischen über. 1573 ernannte Wilhelm von Oranien einen Admiral für Zeeland sowie einen Admiral und einen Vizeadmiral von Holland. Außerdem bestellte er Admiralitätsräte in den Städten Vlissingen, Rotterdam und Enkhuizen. 1576 entstanden die Admiralitäten Maas, Zeeland und Holland. Zu dieser Zeit waren aber Amsterdam und Haarlem noch spanisch und teilten so die Provinz Holland in zwei Hälften. Die holländische Admiralität nahm ihren Sitz deshalb zunächst in Hoorn.Horst Lademacher: Geschichte der Niederlande. Politik – Verfassung – Wirtschaft. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1983, ISBN 3-534-07082-8, S. 99. Zudem war auch Zeeland von Holland abgeschnitten. In dieser Phase hatte der Admiraal-Generaal, Wilhelm von Oranien, durch die Zersplitterung der Gebiete wenig Einfluss, so dass Bestrebungen zur Zentralisation erfolglos blieben. Dadurch konnten die Provinzstände ihren Einfluss ausbauen. Mit dem Übergang von Amsterdam auf die Seite der Aufständischen, wurde Hoorn als Sitz der Admiralität Noord-Holland durch Amsterdam verdrängt. Deshalb wurde dort eine neue Admiralitäten für Westfriesland und Noorderquartier gegründet. 1596 wurde als letztes und fünftes die Admiralität Friesland aufgebaut.

Dieses Provisorium wurde 1597 in der Instruktion für die Admiralitäten beschrieben und sollte auch nur ein Jahr lang gelten. Es blieb, ungeachtet vieler Bemühungen zur Zentralisation, bis zum Aufhebungsbeschluss des Comitées tot de Zaken der Marine vom 27. Februar 1795 bestehen. Damit hatte die Provinz Holland drei Admiralitäten und Zeeland und Friesland jeweils eine. Die Admiralität Amsterdam zeigte sich im Laufe der nächsten Entwicklungen als die bedeutendste und konkurrierte mit Rotterdam um die Stellung des Admiralsschiffes. Die Rotterdamer Admiralität sah sich als älteste der Institutionen und stellte deshalb stets das Admiralsschiff. Amsterdam gab nach einem Verteilungsschlüssel die Hälfte der Gelder der holländischen Admiralitäten und Holland wiederum die Hälfte aller maritimen Rüstungen der Niederlande. Dieser Schlüssel funktionierte noch im 17. Jahrhundert scheiterte aber im ganzen 18. Jahrhundert. Zeeland dagegen fühlte sich durch die drei holländischen Admiralitäten übervorteilt und verlangte mehr Einfluss. Zumahl viele bedeutende Admirale aus Zeeland gekommen waren.

Struktur und Verwaltung Das Wissen über die Admiralitäten und die Flotte wird intensiv wissenschaftlich erforscht. Gerade das Verhältnis zwischen zentraler Staatlichkeit und provinzialen und regionalen Interessen wird untersucht. Neben der Universität Leiden, die einen eigenen Lehrstuhl zur maritimen Geschichte unterhält, etwas weniger die Universität Groningen, ist auch die Universität Gent in diesem Bereich aktiv. Das Besondere hierbei ist der Fokus auf die Admiralität Zeeland. Während das Archiv der Admiralität Friesland 1771 komplett verbrannte, ist das der Admiralität Zeeland am vollständigsten erhalten geblieben. Deshalb sind die Forschungen zu dieser Institution am intensivsten. Archivalische Bestände der anderen Admiralitäten sind im Nationaal Archief und den Stadtarchiven vorhanden. Im Nationaal Archief, ehemals Rijksarchief, hatte ein Brand 1844 eine unbekannte Menge Materialien des Admiraliteitsarchiefs vernichtet. Deshalb wird die zweite Auflage des sechsbändigen Werkes des Reichsarchivars J.C. de Jonge über „Geschiedenis van het nederlandsche Zeewezen“ (erschienen 1858 bis 1862) in der Wissenschaft immer noch rezipiert, da man vermutet, dass dort nicht mehr erhaltene Akten verwendet wurden.

Die Führung jeder der Admiralitäten lag in der Hand von Räten. Diese wurden auf Vorschlag der Provinzverwaltung durch die Generalstaaten für drei Jahre ernannt. Meist entstammen sie aus den Regentenfamilien und waren oft Alt-Bürgermeister. Die Anzahl der Räte variiert in den einzelnen Admiralitäten, aber die Hälfte entstammt der eigenen Provinz und der Rest aus den anderen Provinzen. Diese Räte trafen sich zu Beratungen mindestens einmal die Woche, meist aber häufiger und in dringenden Fällen auch sonntags und an Feiertagen. Nominel führte der Admiraal-Generaal die Versammlung, war aber nie anwesend und wurde durch den Luitnant-Admiraal vertreten. Selten waren auch alle Räte anwesend, meist nur die aus der jeweiligen Provinz als so genannte sitzende Räte. Die auswärtigen Räte hatten zwar gleichwertiges Stimmrecht, waren aber wegen der Entfernung selten anwesend. Als Sitzungsort diente stets der in den Städten vorhandene Prinzenhof, die ehemaligen Residenzen des Statthalters der Niederlande.

mini|Der Statthalter Wilhelm V. als Admiraal-Generaal führt den Vorsitz der Versammlung der Räte der Admiralität Amsterdam, Graphik von Reinier Vinkeles 1768

Mit dem Luitnant-Admiraal von Holland und Westfriesland als Vorsitzenden jeder der Admiralitäten gab es noch ein gemeinsames Bindeglied. Die Provinz Zeeland ließ ihren Posten des Luitnant-Admiraals nach 1627 erstmal unbesetzt. Allerdings reformierte man 1653 und 1665 das System und die Anzahl der Admirale stieg sprunghaft an. Erst erhielt jede holländische Admiralität einen Vizeadmiral und einen Schoutbynacht. Die Anzahl der Luitnant-Admiraale blieb erstmal bestehen. 1664 besetzte Zeeland unerwartet seinen Posten des Luitnant-Admiraals von Zeeland. Die Provinz Holland wollte seine Flotte definitiv nicht unter dem Oberbefehl eines Zeeländers segeln lassen und erhoben deshalb alle ihre Vizeadmirale zu Luitnant-Admiraale ihrer Admiralitäten. Ebenso erhoben sie die Schout by nachts zu Vizeadmiralen und die Schout by nachts wurden neu besetzt. Diesem Beispiel folgte die Admiralität Friesland im April 1665 und stellte jeweils einen Luitnant-Admiraal, einen Vizeadmiral und Schout by nacht an. Damit hatte jede Admiralität auf jeden der drei Ränge der Flaggoffiziere einen Admiral und die Provinz Holland noch zusätzlich den Luitnant-Admiral von Holland und Westfriesland als Oberbefehlshaber der Flotte. Theoretisch blieb diese Struktur bis zum Ende der Republik bestehen. Aber in der Zeit des 18. Jahrhunderts wurden diese Posten nicht mehr ausgefüllt, da einfach zu wenige Schiffe in Dienst standen. So konnte es passieren, dass in einer Gehaltsrolle eingetragene Admirale nie ein Schiff betreten haben. Dem Schoutbynacht der Admiralität Friesland Douwe Fije van Roorda ist dies passiert. Kurzzeitig wurde Michiel de Ruyter ab 1673 bis zu seinem Tod zum Luitnant-Admiraal-Generaal ernannt, eingeschoben zwischen dem Luitnant-Admiraal und dem Generaladmiral, dem Prinzen Willem von Oranien. Cornelis Tromp erhielt diesen Titel anschließend bis zu seinem eigenen Tod und wurde danach nie wieder verwendet.

Neben diesen Führungspositionen hatten der Advocaat-fiscaal, der Sekretär und der Ontvanger-Generaal großen Einfluss. Diese Funktionen wurde an Mitglieder des Patriziats der Stadt vergeben und dies auf Lebenszeit. Dadurch konnten sie umfangreiche Erfahrungen erwerben und großen Einfluss auf die Räte ausüben. Als Rechtsanwalt hatte der Advocaat-fiscaal alle juristischen Belange und Aufgaben der Admiralität zu betreuen. Als einziger der Funktionäre konnte er sich Rat nennen und wurde auch als Minister angesprochen. Er hatte einen Sitz in der Versammlung und nahm an allen Besprechungen teil. Seine weiteren Aufgaben waren die Beaufsichtigung der Beamten bei der Ausübung der Handelsrechte, er sorgte für die Rechtssprüche (Meuterei, Seewurf, Prisengericht etc.) und entwarf die Instruktionen für die Flottenbefehlshaber.

Der Sekretär wurde ebenfalls als Minister angesprochen und hatte den ganzen Schriftverkehr durchzuführen. Dazu zählt nicht nur der Briefwechsel, sondern auch die Mitschrift (notulen) der Versammlungen und deren Kopierung. Ebenso führte er das Archiv. Dieser Posten war besonders einflussreich und finanziell attraktiv. Vater und Sohn de Wildt waren von 1640 bis 1704 Sekretäre der Admiralität Amsterdam und hatten so Kontakt sowohl mit Johan de Witt, wie auch mit Willem III., König von England und Statthalter der Niederlande. Sie hatten wichtige Entwicklungen innerhalb der Flotte angestoßen.

Jede Admiralität war verpflichtet jährlich gegenüber der Generaliteits Rekenkamer (einer Art Finanzkontrollbehörde der Staten Generaal) über die Ein- und Ausgaben der Admiralität Rechenschaft abzulegen. Die oberste Verantwortung über die Finanzen hatte der Ontvanger Generaal. Diese Kontrolle und das ganze finanzielle Gebaren der Admiralität musste auf den Pfennig klappen und wurde scharf kontrolliert.

Unterhalb dieser Administration hatten Beamte und Angestellte in drei Bereichen ihre Aufgaben zu erfüllen. Jede Admiralität hatte bestimmte Rechte auf Einkünfte, als reguläre und regelmäßige Einnahmen, auf See und an Land erhalten. Das waren Zölle, Abgaben und Gebühren verschiedener Art. Die einzelnen Stationen und deren Beamte kontrollierte der Commies-Generaal, während der Convooimeester die Administration mit Geldmittel versorgte. Überall auf dem Gebiet der ehemaligen Republik sind Zollzeichen in den Fluren mit den Wappen der jeweiligen Admiralität gefunden worden.